08.07.2013

IM TAXI MIT EDWARD SNOWDEN



Daß es bei mir am Wochenende nicht lief, das muss der Wahrheit wegen mal gesagt werden, lag auch an mir selbst. Ehrlich gesagt hatte ich gar keine Zeit zum Taxifahren. Erstmal musste ich mir ein T-Shirt mit der Aufschrift Team Edward machen lassen. Ein alter Geheimdienstrick! Fällt garantiert weniger auf als ein Schild mit Mr. Whistleblower. Wer schaut schon auf ein T-Shirt?! Edward hatte mir zwar geschrieben, wann er ankommt, aber nicht wo. Big Brother weiß eben auch nicht alles. Edward war sich sicher, daß es längst nur noch einen Flughafen in Berlin gibt, obwohl der ja gar nicht mehr zu Berlin gehören würde. Aber für solche Details interessieren die sich natürlich gar nicht. Erstmal alles speichern, beschäftigen können wir uns später damit, ist ja deren Devise. Daß ich Edward dann doch noch gefunden habe, war ein großes Glück und vor allem meiner erfahrenen Taxi-Spürnase und meinem ausgeprägten Bullshit-Detektor zu verdanken. Eddi wollte erstmal ein richtiges Bier. Diese amerikanische Bullenpisse, erklärte er mir, kann ja kein Mensch saufen. Außerdem dürfte man die dort nicht in der Öffentlichkeit trinken. Und selbst im Auto, sogar als Beifahrer, müsste man sie "covern". Das musst du dir mal vorstellen! Nur wegen diesem ständigen "covern" wäre er zum Geheimdienst gekommen. Da macht ihm jetzt keiner mehr was vor. Eine kleine Enttäuschung war es für ihn deswegen dann schon, daß er bei mir im Taxi sein Bier nicht verstecken muss, sondern es einfach so trinken kann. Nach dem Bier musste ich ihm dann erstmal Bericht erstatten über die Lage in Berlin und überhaupt. Beispielsweise darüber, daß es selbst in Berlin Leute gibt, die nicht verstehen, daß er seine Geschichte nicht verkauft hat. Geld ist nicht alles, meinte Edward darauf zu mir, um fortzufahren, daß es für ihn wichtiger sei, sich morgens noch im Spiegel angucken zu können. Und überhaupt, wozu hat man Freunde, schloss Edward seine kurzen Ausführungen. Recht hast du, Eddi!

Foto&Text TaxiBerlin

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