12.07.2013

EDWARD SNOWDEN? ZU ANSPRUCHSVOLL!


Rigaer- Ecke Samariterstraße / früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Daß ich mein Geld für ein Edward Snowden Shirt nicht einem anonymen Anbieter im Internet nachwerfen möchte, liegt nicht etwa daran, daß ich geizig oder gar ein Gemeiner Grabbler wäre (und schon gar kein Linker Linker), sondern einfach daran, daß ich es mit dem "Support your kiez" gelegentlich ganz genau nehme. Diesmal war ich nördlich der Frankfurter Alle unterwegs. Die beiden Mädels in dem Eckladen, der neben Shirts auch noch CDs & Vinyl verkauft, und den ich von meinen regelmäßigen Kiezspaziergängen kannte, kannten zwar ihrerseits Edward Snowden, aber soo aktuell wären sie nun auch wieder nicht mit ihren Shirts. Ihr Renner sind immer noch die von der Olsenbande. Dass sie überhaupt etwas mit dem Namen Edward Snowden anfangen konnten, war immerhin ein kleiner Fortschritt zu dem Laden "Mad in Berlin" in der Revaler, wo der Verkäufer Edward Snowden für eine neue Marke hielt, die er noch nicht kannte. Dieser kleine Fortschritt wurde aber gleich wieder zunichte gemacht durch die Bemerkung eines der Mädels, die in ihrem Gespräch über Banalitäten des Alltags nicht länger durch meine "dummen" Fragen gestört werden wollte, daß Edward Snowden als Shirt-Motiv für ihre Kundschaft zu anspruchsvoll ist, was durchaus stimmen mag und prinzipiell OK wäre. Problematisch wird es aber, wenn ich deswegen auch gleich mein Niveau dem meiner Kundschaft angleiche. Das ganze kann übrigens 1:1 auf die Leserschaft von Blogs und deren Autoren übertragen werden. Doch zurück zum Fall Snowden, der gerade dabei ist in Vergessenheit zu geraten, wobei es, wie wir feststellen mussten, auch Zeitgenossen gibt, die ihn gar nicht kennen, was das Vergessen wesentlich vereinfacht. Deswegen können wir uns auch gleich dem "zu anspruchsvoll" zuwenden, was ja nichts anderes heißt als den Fall nicht Ernst nehmen. Das könnte ich sogar nachvollziehen, wenn ich nicht gleichzeitig wüsste, daß die Amerikaner nicht nur die Möglichkeit sondern auch die Kapazitäten haben, die gesamten Informationen weltweit für die nächsten fünfzig Jahre zu speichern. Deswegen mein Vorschlag: Lasst uns in zehn bis zwanzig Jahren noch einmal darüber sprechen und sehen, was aus all unseren Informationen geworden ist. Bis dahin werde ich das Internet nur noch eingeschränkt nutzen und wirklich wichtige Gespräche unter vier Augen führen. Ich hoffe, das war jetzt nicht zu anspruchsvoll - ansonsten wäre es mir aber auch egal.

Foto&Text TaxiBerlin

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