08.07.2013

DIE WELT VON HEUTE


trifft auf Sprüche von gestern

Das Wochenende war, so die übereinstimmende Meinung Berliner Taxifahrer, "nicht die Welt". Trotzdem waren die Straßen voll, was zusätzlich nervt. Was war geschehen? Offiziell ging die Modemesse bis Sonntag. Aber wie das immer so ist mit dieses Business-Typen, die interessieren sich für unsere Stadt einen Dreck. Die wollen nur eins: ihre Scheiß Geschäfte machen und am Wochenende zurück bei Mutti und Vati oder bei ihrem Partner oder ihrer Partnerin sein. Dagegen wäre prinzipiell nichts einzuwenden, wenn der Berliner Taxifahrer nicht seit Jahren immer mehr von Business-Typen und Touristen abhängig wäre. Berliner Fahrgäste sind eine aussterbende Spezies. Mein Taxilehrer hat uns seinerzeit noch vor den Berliner-Eckkneipen gewarnt. Da sollte man zuallererst reingehen und sich seinen Fahrgast anschauen, ob der überhaupt noch transportfähig ist. Das Problem hat sich lange erledigt. Spätestens seit Hartz Vier rufen die nämlich gar nicht mehr an!

Ich komme eigentlich auch nur drauf, weil es neuerdings eine englische Version von "Stuttgart 634 km" gibt, und zwar "Back to Brooklyn". Aber jetzt mal im Ernst: Was haben uns die Neu-Berliner in den letzten zwanzig Jahren gebracht? Kennt jemand ein Buch eines zugezogenen Berliners, das Wert wäre gelesen zu werden? Liest jemand heutzutage ernsthaft noch Wladimir Kaminer? Daß seine Bücher weiterhin gekauft werden, bezweifle ich nicht! Die Frage ist nur: Von wem? Kennt jemand "Die Wahrheit über Berlin" von Peter Baharov? "Seine" Wahrheit über Berlin ist ein Witz! Baharov hätte lieber über seine Flucht aus Bulgarien schreiben sollen. Mit den aus dem westlichen Ausland zugezogenen Neu-Berlinern verhält es sich genauso. Mir ist kein einziges fremdsprachiges Buch über Berlin bekannt, das sich zu lesen lohnt. Wie denn auch?! Guck dir doch nur diese blutarmen Gestalten in Läden wie das St. Oberholz am Rosenthaler Platz an. Möchtest du etwas von denen lesen? Vielleicht noch was aus deren langweilen Leben? Also ich nicht!

Nun scheint es Hoffnung am Horizont zu geben. Ich habe es zugegebenermaßen aus dem Spiegel erfahren, der auch nicht mehr das ist, was er mal war. Ein gewisser Ulrich Gutmair hat ein Buch mit dem Titel "Die ersten Tage von Berlin" geschrieben, was nun im Tropen Verlag Stuttgart (kein Witz!) erschienen ist. Ich habe es ehrlich gesagt noch nicht gelesen, doch bei folgenden Worten von Gerd Harry Lybke bereits ein Déjà vu gehabt: "Geld spielte keine Rolle damals, für Geld bekam man nichts." Der ein oder andere wird jetzt sagen, ups, das kollidiert nun aber doch mit dem ersten Absatz. Weit gefehlt! Denn das, was es damals umsonst gab, gibt es sowieso nicht mehr, seit irgendwann immer mehr Leute mit ihrem Scheiß Geld in die Stadt kamen. Und davon wollen wir nun auch nur den Teil, der uns zusteht. Das ist nur Recht und für die sogar noch billig!

Foto&Text TaxiBerlin

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