05.02.2013

MEIN NACHBAR DER KÜNSTLER


Theater im Kiez / früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Mein Nachbar der Künstler, der sich sonst immer nur zum Kaffee bei mir einlädt, hat mich heute bei meinem Gang zum Supermarkt abgepasst. Das wäre jetzt noch nichts besonderes, wenn ich es nicht vorher gewusst hätte. Ich war mir sicher, daß er mir in irgendeiner Form auflauern würde, um mich persönlich zu einem Stück heute Abend im Theater im Kiez einzuladen, in dem er selbst irgendeine Rolle spielt.

Welche Rolle genau, habe ich schon wieder vergessen, weil mich das Stück einfach Null interessiert. Trotzdem freue ich mich, daß mein Nachbar der Künstler mal wieder etwas eigenes Geld verdient. Im Gegensatz zu mir, kann er von seiner Kunst schon seit Jahren kaum noch leben, was ich aber nicht weiter schlimm finde.

Schlimm, und auch nur für ihn, finde ich, daß er zu der Kategorie zweidimensionaler Menschen gehört, die Taxifahrer prinzipiell für blöd halten. Ob das auf mich zutrifft, kann ich als Betroffener nicht wirklich beurteilen. Ich halte mich deswegen an den Weisen vom Berge, der sagt: "Bekämpfe keinen Irrglauben."

Und deswegen habe ich meinem Nachbarn dem Künstler auch nicht die Wahrheit gesagt, warum ich heute Abend nicht zu seinem Stück ins Theater im Kiez kommen werde. Zum Glück wusste ich, daß das Stück auf englisch ist, so daß ich einfach meine angeblich mangelnden Englischkenntnisse vorschieben konnte.

Das passte ganz phantastisch in das zweidimensionale Weltbild meines Nachbarn des Künstlers, daß alle Taxifahrer ein bisschen minderbemittelt sind, und so konnten wir beide zufrieden sein. Unser beider Tag war gerettet. Für die Vorstellung heute Abend wünsche ich meinem Nachbarn dem Künstler trotzdem ALLES GUTE!

Foto&Text TaxiBerlin

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