07.01.2013

SCHWABEN IN BERLIN UND WORAN DU SIE ERKENNST (FRAGEN)


Bahnhof Friedrichstraße / früher Mitte / jetzt "Neue Mitte"

Zugegeben, auch ich bin kein Ur-Berliner. Auch ich komme vom Dorf. "Und das ist auch gut so!" Wer etwas in der Stadt erreichen will, kommt immer vom Dorf. Aber ich kam noch wegen Berlin nach Berlin! Wer kann das heute noch von sich behaupten?
Die Stadt war damals Bunt. Das Lebensgefühl hieß: Alles ist möglich! Nur wegen seinem Haarschnitt von der Polizei angemacht zu werden (Foto): undenkbar!
Heute kommen viele wegen einem Job nach Berlin. "Von welchem Job sprichst du?", frage ich sie angesichts der Arbeitslosenquote in Berlin. Mit einigen komme ich ins Gespräch, nicht mit allen. Manche sind aus dem Schwabenland. Davon drei Beispiele:
Eine junge Frau bewohnt seit ein paar Jahren ihre Eigentumswohnung im Bötzowviertel, was zum Prenzlauer Berg gehört. Vor ihr haben "Alte Ossis" in ihrer Wohnung gewohnt, die aber die Miete für die Luxussanierte Altbauwohnung nicht mehr bezahlen konnten. Für die junge Frau kein Problem. So ist das Leben, oder eben der Markt, meint sie.
Ein ebenfalls junger Mann aus dem Bergmannkiez in Kreuzberg, der eigentlich als Staatsdiener gut verdient. Mangels sozialer Kontakte, aber auch aus alter Gewohnheit, sammelt er in seiner Freizeit leere Flaschen. Er kann einfach nichts "umkommen" sehen und findet das Dosenpfand toll. Daß es Flaschensammler gibt, die in Berlin davon leben, interessiert ihn nicht. Für ihn ist das Flaschensammeln ein Sport, wo "der frühe Vogel den Wurm fängt".
Ein zugezogener "Kollege" aus Stuttgart, er nennt sich "Sash" und zum Glück kenne ich ihn nur aus dem Internet, beklagt sich dort darüber, daß Vater Staat ihm nicht die Beisetzung seiner Mutter bezahlt, die er "eine Verwandte" nennt. Ich weiß nicht, inwieweit es erwähnenswert ist, daß der "Kollege" dem zuständigen Amt seine finanzielle Situation nicht offenbaren wollte. Spätestens seit diesem Artikel von Maria Weber in der Berliner Zeitung sollte dies auch irrelevant sein.
Ein Kommentator hat es gut formuliert: "Kritik an schwäbischen Kehrwochen und Kinderwagen in Berlin heißt nur Kritik an diesen bestimmten Dingen und nicht an Schaben grundsätzlich." 
Wir in Berlin würden nun gerne wissen: Interessiert den Schwaben generell nicht, wie er zu seiner Eigentumswohnung gekommen ist? Ist es dem Schwaben allgemein egal, ob es bedürftigere Flaschensammler gibt als ihn? Und, ist es normal, die eigene Mutter "eine Verwandte" zu nennen, und sie auf Kosten der Allgemeinheit beisetzen lassen zu wollen? Sind das nun schwäbische Primärtugenden oder einfach nur krasse Einzelfälle?

Foto&Text TaxiBerlin

Kommentare:

  1. Anonym1/07/2013

    Ich persönlich mag euch Berliner ja, auch als Schwabe. Aber das der gemeine Berliner mit der schwäbisches Kehrwoche nicht zurecht kommt, wundert mich sehr... in jeder WG (die Ihr Berliner ja erfunden habt) ist irgendwer einmal in der Woche mit Abwaschen dran...so quasi ne Kehrwoche in der Küche... das geht doch auch. Wir mögen es halt auch vor der Haustüre sauber...wo ist das Problem?

    Und wenn diese Einzelfälle, die aus jedem hessischen, brandenburgischen oder auch berliner Mund hätten kommen können so konkrekt als Meinungsmache gegen den Schwaben an sich genutzt werden wollen, dann ist das Meinungsmache, mehr nicht. Sobal ich das nächste Mal in Berlin in 'nem Taxi sitze, mach ich den Taxifahrer persönlich für den Problem-BER verantwortlich. Mir doch wurscht wenn der gar nicht aus Berlin ist...

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    1. Apropos Kehrwoche: Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn man auch in Berlin einmal im Monat seinen Sperrmüll auf die Straße stellen könnte.
      Fürs geplante "persönlich verantwortlich machen in Sachen BER" wünsche ich viel Erfolg. Ich bin mir sicher, dass jeder Berliner Taxifahrer, auch wenn er dich rein sprachlich nicht wirklich verstehen sollte, noch vor dir über die unendliche Flughafengeschichte, nach deinem Verständnis also über sich selbst, lachen wird.

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