05.01.2013

DIE SO GENANNTE SCHWABENDEBATTE ODER YEAH, MANN?


Pettenkofer Straße / früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Die so genannte Schwabendebatte ist in Wahrheit eine ganz normale Diskussion in der Nachbarschaft. Wenn Herr Thierse wirklich eine Schwabendbatte hätte vom Zaun brechen wollen, dann hätte er sich doch vorher informiert, wie Schrippen auf schwäbisch heißen, oder? Nämlich nicht Wecken, sondern Weckle! Erst die Medien haben aus einem kleinen Problem im Kietz "Antisemitismus in Deutschland" gemacht. Dabei geht es in Wirklichkeit nur um ein paar dumme Zugezogene, die sich nicht integrieren wollen - also eine kleine Minderheit. Mancherorts schafft es sowas in keine Zeitung sondern wird ganz anders geregelt. Aber ließ am Besten selbst:


Yeah, Mann?

Mit den Bungalows
ging es bergab.
Immer mehr kleine Kerle
mit brauner Hautfarbe
zogen ein.

Sie parkten auf dem vorderen Rasen
wo er bisher allein zu parken pflegte
und zwängten ihm den Wagen ein
mit ihren alten Autos, die wie
riesige zerknautschte Schlachtschiffe
aussahen.

Einer der kleinen braunen Kerle
hatte sein Auto auf Holzblöcken
alle vier Räder waren ab
der Scheinwerfer fehlte
und die Stoßstange schleifte
am Boden.
Der Kerl lehnte in Drillich-
hosen und Unterhemd
an seinem Kotflügel
und rauchte eine Zigarette.

Larry ging hinaus.
Er ging zu dem Kerl hin
der am Kotflügel
lehnte.

Der Kerl sagte kein Wort.
Er lehnte nur da
und rauchte seine Zigarette.

"Ich will hier rausfahren
und deine Karre ist im Weg!"
sagte Larry.

Der Typ exhalierte. "Yeah,
Mann?" Er lehnte stur
weiter an dem Kotflügel.

Larry ging zurück in seine
Wohnung.
Draußen lehnte der Kerl
in unverschämter Haltung.
Larry fing an zu trinken.
Scotch, mit Bier hinterher.

Larry trank und
sah durchs Fenster
zu dem Kerl hinaus
und der Kerl blieb einfach
wo er war.
Dreißig Minuten.
Eine Stunde.

Plötzlich schrie Larry
"GOTTVERDAMMTE SCHEISSE!"
Er ging ins Schlafzimmer
holte sein großes Messer
rannte hinaus und
knallte die Tür
hinter sich zu.

Dann ging er langsam
zu dem Kerl hin und
blieb vor ihm stehen.
Larry hielt das Messer so
daß es kaum zu sehen war
und die Klinge unter seinem
Zeigefinger lag.
Dann drückte er dem Kerl
die Spitze ins Unterhemd
und sagte:
"Schaff dein Auto weg."

Und der Kerl sagte:
"Klar, Mann. Brauchst doch
bloß was zu sagen."

Der Kerl ging zu seiner
Bude und kam mit drei
kleinen braunen Kerlen
zurück und sie fingen an
die Räder wieder dran
zu machen.
Sie waren schnell.
Aber die Karre zu starten
war nicht so einfach.

Larry ging zurück in sein
Wohnzimmer und stellte sich
so ans Fenster, daß sie
ihn sehen konnten
während er trank und
sie beobachtete.

Larry ging raus
stieg in seinen Wagen
und fuhr gemächlich los
um sich ein paar
Sechserpackungen und ein
Brathähnchen zu besorgen.

Als er mit dem Zeug
zurückkam, stellte er
fest, daß seine Haustür
nicht mehr abgeschlossen war.
Sie stand halb offen
und als er hineinkam
waren seine Wände
voll von hastig aufgesprühten
Krakeln und Parolen
in einer Sprache
die er nicht verstand.

Sein Radio war weg
einen Fernseher hatte er nicht
aber sein elektrischer Wecker
war weg
sämtliche Kissen waren
weg
die Bettlaken
die Schublade der Kommode
waren ausgekippt
die Matratze war
aufgeschlitzt
die Füllung heraus-
gerissen.

Alle Wasserhähne liefen.
Sie hatten auf dem
Küchenboden gepißt
Eier darauf zerknallt
seinen Mülleimer
ausgeschüttet.

Sämtliche Messer, Gabeln
und Löffel waren
weg
Salz und Pfeffer waren weg
Brot und Kaffee waren weg
der ganze Kühlschrank
war ausgeräumt.

Und im Badezimmer
war das Klopapier weg
der Spiegel entzwei
und der Wandschrank leer.
Rasierapparat
Rasiercreme
Zahnpasta
Leukoplast
Kopfwehtabletten:
alles
weg.

Und dann sah er
in die Kloschüssel
und darin schwamm
der frisch abgeschnittene
Schwanz einer Katze.
Es quoll immer noch
Blut heraus.

Larry zog die Spülung
aber es gab nur ein
trockenes Klicken
und als er den Deckel
abhob und hineinsah
fehlten im Wasserkasten
sämtliche Teile.

Er ging nach vorn
ins Wohnzimmer
setzte sich auf die Couch
deren Sitzkissen fehlten
griff in die braune
Papiertüte und nahm sich
eine Dose Bier heraus
riß sie auf und trank
einen kräftigen Schluck.

Und dann entschied er
daß es langsam Zeit wurde
weiter westwärts
zu ziehen.

Gedicht Charles Bukowski
Foto&Text TaxiBerlin

1 Kommentar:

  1. Anonym1/07/2013

    http://www.youtube.com/watch?v=56sGG2SRiro&feature=share

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