03.11.2012

"NIMM HIN DEN SCHMUTZ!"



"Nimm hin den Schmutz!", sagte er zu mir, als er die Fahrt mit einem Zehn-Euro-Schein bezahlte. Ich musste laut loslachen, aber das Lachen blieb mir im Halse stecken. Natürlich hatte er Recht, denn es gilt auch: "Wessen Schmutz ich nehm, dessen Lied ich sing!"
Umso mehr bin ich überrascht, wenn sogar Freunde oder auch nur Kollegen den Wert ihres eigenen Schaffens in Schmutz oder eben Besucherzahlen-Schmutz messen. Was soll das? Und wen wollen sie damit beeindrucken? Als erstes offensichtlich sich selbst. (Ganz nach dem Motto: "Mein Gott bin ich wichtig!")
Ich bin aber nicht nur unbeeindruckt, nein, ich befürchte das Schlimmste! Ich frage mich: Sind sie bereits verloren, oder besteht noch Hoffnung? Kunst sind keine Drecks-Klicks von virtuellen Freunden und auch kein Schmutz, mit dem man eben mal bezahlt oder sich den Hintern abwischt. Kunst ist etwas, was Schmutz-unabhängig ist und bleibt. Davon war bereits Herny Miller überzeugt:
Es gibt in Europa Zeugnisse sehr hochstehender Kunst aus fünfundzwanzigtausend Jahren, und in Ägypten reicht sie sogar bis sechzigtausend Jahre zurück. Geld hat nichts mit der Schöpfung dieser Schätze zu tun. Geld wird auch nichts mit der Kunst der Zukunft zu tun haben. (aus "Der klimatisierte Alptraum", 1945, von Herny Miller, Rowohlt Taschenbuch, Seite 44)

Foto&Text TaxiBerlin

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