29.09.2012

BERLIN - ALLES WAR MÖGLICH (FORTSETZUNG)


T-Shirt (Detail) / Einkaufshölle am Alex

Das T-Shirt ist nichts Besonderes. Wahrscheinlich "Made in Bangladesh". (Die armen Menschen!) Interessanter ist da schon der Spruch. ("Vertrau mir! Ich bin aus Berlin" - für alle nicht Anglophilen) Bestimmt in irgendeiner Berliner Kreativbutze ausgedacht. An sich nicht schlecht, nur eben zwanzig Jahre zu spät.

Foto&Text TaxiBerlin

28.09.2012

ANTI TAXI


Werbung eines Berliner Online Erotik Führers

Ich bin nur für ein paar Tage weg, und schon geht es drunter und drüber auf den Berliner Straßen. Ausgerechnet ein Berliner Online Erotik Führer macht bereits am Noch-Flughafen TXL mit einer Anti Taxi Aktion auf sich aufmerksam. Der Hintergrund soll der sein, daß Berliner Taxifahrer ihre notgeilen Kunden immer nur zu den Clubs fahren, wo ein Teil des Eintrittsgeldes als Provision für sie abfällt. Daß es davon nur eine Handvoll in der Stadt gibt, und daß der Kunde den selben Eintrittspreis bezahlt, auch wenn er per Pedes und nicht per Mercedes anreist, wird natürlich nicht erwähnt. Den Hinweis, daß der Online Erotik Führer nur deswegen existiert, weil die Clubs diesen Dienst bezahlen, sucht man natürlich vergebens auf dem Anti Taxi Flyer. Ist ja auch viel einfacher, sich auf Kosten anderer zu profilieren. Ich sage nur: Taxifahrer - wehrt euch! Sucht eure Informationen bei einem anderen Anbieter! Und fahrt natürlich auch weiterhin die Clubs an, die eine Provision zahlen!

Foto&Text TaxiBerlin

25.09.2012

GEHEIMNISSE DER WAFFELEISEN KÜCHE


Forelle im Waffeleisen

In Bulgarien gibt es bekanntlich nichts, was es nicht gibt. Eine absolute Innovation der bulgarischen Küche ist das Arbeiten mit dem Waffeleisen, welches hier Toaster genannt wird. Aber egal ob Toaster oder Waffeleisen, Fisch oder Fleisch - die auf diese Art zubereiten Speisen schmecken extrem lecker. Wer es nicht glaubt, sollte es einfach mal ausprobieren!

PS: Nicht verwechseln mit dem George Foreman Grill!

Foto&Text TaxiBerlin

18.09.2012

MIT PROBLEMEN BESCHÄFTIGE ICH MICH NICHT


ABSURD = UPSURT

Seit Jahren versuche ich die besten bulgarischen Rapper von UPSURT, was ABSURD absichtlich falsch geschrieben bedeutet und das Leben in Bulgarien mit einem Wort beschreibt, und die mit Statements wie "Mit Problemen beschäftige ich mich nicht!" das Lebensgefühl eines ganzen Landes wiedergeben, live zu sehen. Nächste Woche, und zwar genau nächsten Mittwoch den 26. September 2012, könnte dieser Traum im Tequila Club in Sofia endlich in Erfüllung gehen. Wer es irgendwie einrichten kann, dem empfehle ich, sich schon mal auf den Weg in die bulgarische Hauptstadt zu machen oder zumindest Karten zu reservieren. Ob das Konzert auch wirklich stattfindet, das weiß heute natürlich noch niemand. Sonst wäre es ja nicht Bulgarien! Ich bin auf jeden Fall schon ganz aufgeregt ...

Foto&Text TaxiBerlin

BERLIN - ALLES WAR MÖGLICH (FORTSETZUNG)


Hinterhof, Sofia, Bulgarien

Die Hinterhöfe in Ost-Berlin der "Alles ist möglich" Neunziger sahen allesamt so aus wie dieser hier heute in Sofia. Mit einem Unterschied: Da die Leute im Osten endlich LEBEN wollten ("Lebst du schon oder wohnst du noch?"), hatten sie gerade ihre schönen Altbauwohnungen mit neuer schwedischer Spanplatte vollgestellt. Mit ihren alten Massivholzmöbeln, die du heute für viel Geld auf dem Flohmarkt kaufen kannst (Stichwort: Retro), konntest du damals deine komplette Wohnung einrichten - vom Hinterhof und umsonst!

Foto&Text TaxiBerlin

16.09.2012

AUF DEM FRAUENBASAR


Gelbe Äpfel in rotem Auto, Sofia, Bulgarien

Auf dem FRAUENBASAR in Sofia, dem größten seiner Art, bekommt man fast alles. Zum Beispiel Äpfel (Foto oben), Birnen (ohne Foto) und neuerdings auch den "Eselgartenzwerg". Hinter dieser Innovation insbesondere für den Deutschen Schrebergarten steckt ein äußert kreativer aber auch erfolgreicher Bulgarischer Geschäftsmann und meine Wenigkeit. Geld habe ich zwar keins, aber immerhin war ich es, der den ersten Esel auf den Kom geführt hat. Diesen gab es heute erstmals in Gips gegossen im Vorverkauf auf dem Frauenbasar in Sofia. Wenn der weitere Vertrieb, der morgen offiziell Europaweit beginnt, auch nur annähernd so gut verläuft wie der heutige Vorverkauf, könnte sich das mit dem "kein Geld" (Scheiß auf's Stipendium - Du brauchst nur die richtige Geschäftsidee!) bald erledigt haben. Das aber nur nebenbei. Es ist also durchaus nicht übertrieben zu sagen, daß man auf dem Frauenbasar in Sofia nicht nur alles bekommt, sondern auch alles möglich ist. Nur eines kann man, zumindest so weit ich weiß, auf dem Frauenbasar nicht kaufen, und das sind Frauen.

BERLIN - ALLES WAR MÖGLICH


Mein neuestes T-Shirt (Detail)

Wenn der Begriff der "Goldenen Jahre" nicht bereits für das Berlin der Zwanziger des letzen Jahrhunderts verbraucht worden wäre, würden ihn viel mehr Leute für die Neunziger verwenden. Das ist zumindest meine These. Ich erwähne das nur, weil ich im Unterschied zu den Leuten, die heute behaupten, daß Berlin erst in den letzten Jahren "so schön" geworden wäre, seinerzeit "auch schon mal da gewesen" bin. Oder, um genau zu sein: Hier gelebt habe!

15.09.2012

VON ÄPFELN UND BIRNEN


Mein neues T-Shirt (Detail)

Im Urlaub schon an zu Hause denken - wer kennt das nicht?! Normalerweise ist das schlimm. Es kann aber auch anders sein. Bei mir kommt regelrecht Vorfreude auf, wenn ich an meine Rückkehr nach Berlin denke. Ich hatte bereits darüber geschrieben, daß es seit einiger Zeit in meiner Straße ein Café nur für "Kreative" gibt, in das man auch nur mit einem Apple reinkommt. Da ich keinen Apple habe, musste ich mich bisher darauf beschränken, mit meinen stinkenden Klamotten am Café vorbeizulaufen. Das könnte sich jetzt ändern. Ich habe zwar immer noch keinen Apple, dafür aber ein nagel-neues und top-kreatives T-Shirt!

12.09.2012

EIN LEBEN OHNE TAXIFAHREN IST MÖGLICH


TAKCI = TAXI

Viele hatten nicht daran geglaubt, daß ich es wirklich schaffen würde. Und auch ich hatte Phasen, in denen ich mir nicht vorstellen konnte, vom Taxifahren wegzukommen. Aber jetzt, nachdem ich mehr als vier Monate kein Lenkrad angefasst habe, kann ich es mit Gewissheit laut aussprechen: EIN LEBEN OHNE TAXIFAHREN IST MÖGLICH! Zugegeben, ich bin deswegen nicht automatisch von der Straße weggekommen. Ganz im Gegenteil! Einen Monat lang habe ich mich ganz bewusst zusammen mit meiner treuen Begleiterin Raina Velitschka auf dieselbe begeben. Aber das ist Teil der Therapie, die darin besteht, dahin zu gehen, wo es am meisten weh tut. Ich kann mir vorstellen, daß das einige jetzt nicht verstehen oder gar überfordert, und doch muss ich es euch sagen. Am Ende der Therapie gibt es nur noch Eins: HASS! HASS auf alles, was sich lärmend und stinkend auf wieviel Rädern auch immer fortbewegt. Da gibt es leider keine Ausnahme. Auch nicht für ein TAXI. Selbst wenn es sich als TAKCI tarnt.

Foto&Text TaxiBerlin

10.09.2012

TAXITAGEBUCH. 10.9.2012.


Detail Taxischild / Irgendwo am Schwarzes Meer

Na, das war ja mal wieder ein echt abgefahrenes, fluffiges Wochenende. Das Geld lag buchstäblich auf der Straße. Immer wieder hab ich gedacht: Wie geil is das denn??? Es ist selbstredend nicht immer so. Wie oft geschehen auch solche Dinge: Ich stehe zum Beispiel als erster an der Halte. Endlich vorgerückt bis zur Pole Position. Aus dem Strom der Passanten heraus materialisiert sich eine wichtige Person: der Fahrgast. Dazu müßt ihr wissen, daß das ein quasi magischer Moment ist. Auf einer Metaebene und schon von Weitem weiß Taxifahrer sofort, dieses Mensch will irgendwohin, aber nicht laufen und auch nicht mit den Öffentlichen fahren. Aber ach: Irren ist so menschlich. Der Fahrgast verwandelt sich jäh und enttäuschend in einen Auskunftsuchenden. Wo war noch mal der Fernsehturm? Der wirkliche, echte Fahrgast, welcher stets potentiell in der Menge lauert, steigt dann in die Taxe hinter mir. Da ich ja beschäftigt bin. Auf die Art verlaufen ganze Schichten. Mich und mein Transportmittel umgibt eine weithin strahlende, sichtbare Aura: Bitte nicht mit mir mitfahren! Aber nicht so dieses Wochenende. Ich war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Selbst in Gegenden, in denen eigentlich klar ist: Hier möcht ich nicht tot überm Zaun hängen. Also kenn ich mich hier auch überhaupt nicht aus. Und hier fährt doch sonst niemand mit dem Taxi. Denkste! Hab einen Haufen Leute kennengelernt und wieder vergessen. Jede Menge dussliges Zeug gequatscht und gehört und auch wieder vergessen. Ein paar Gesichter und Geschichten bleiben aber immer in den Windungen hängen. Schichtbeginn. Ablöse Yorck/Mehring. Da steht mein Taxi. Konzession 3352. Zuerst die Frage aller Fragen: Wohin? Die 3352 und ich, also wir beide, schlendern so ein bißchen durch die Gegend. Mal kieken was so los ist. Und landen schließlich am Anhalter Bahnhof. Taxihalte. Die Halte läuft, aber zäh wie Sirup. Die Sonne scheint. Ich rauch eine. Fachsimpel ein bißchen mit dem Kollegen hinter mir. Beobachte die Leute. Dann endlich (oder anfänglich) bin ich der Erste. Und da ist er auch wieder: Der magische Moment. Rechts aus dem Fenster in Richtung Bushaltestelle in der Schöneberger sinnierend, sehe ich eine alte Frau. Sehr schlecht zu Fuß. Aber fraglos unterwegs zu mir. Ich zeige mich entgegenkommend. Sie möchte, daß wir ihren Mann, welcher noch in der Bushaltestelle sitzt, auch noch mitnehmen. Er kann so schlecht laufen. Im Gegensatz zu seiner Frau erscheint mir der Bursche eigentlich noch recht rüstig. Hat er wieder sein Mädel losgeschickt? Er also vorne rein, sie hinten. Beim Anschnallen geholfen; denn das ist mir als Jungspund ja noch völlig unklar: Mit 83 klappt das adaptieren von Gurt und Gurtaufnahme nicht mehr so richtig. Fahrziel: Pannier, Ecke Manitius. Während wir so durch die Rudi-Dutschke, vormals Kochstraße, flanieren, keimt ein Gespräch. Er ist in Erzähllaune, sie sagt nichts. Dann Oranienstraße. Links die Bundesdruckerei. Da hat er mal gearbeitet. Ich: Watn, so richtich an der Gelddruckmaschine und so? Wir beide müssen grinsen. Nee, das nicht. Nur Patente und Urkunden und so`n Kram. Hier in Berlin sind eh nur die 5-Mark-Scheine gedruckt worden. Ach was? Das hat doch bisher auch noch keiner gewußt. Vorher – bis 1970 – war er Schriftsetzer bei der deutschen Lizenzausgabe des Telegraph. Verlagsgebäude war am Bismarckplatz im Grunewald. Dort hat er zum Beispiel Paul Löbe (google) und Willy Brandt getroffen. Aufm Flur. Die Zeitung wurde von Springer weggesaugt, weil der einfach viel mehr Zeitungsjungen gehabt hat. So war das nämlich. Damals. Und so ist das mit den alten Leuten. Da gibt’s irgendwie kaum noch ein Heute. Geschweige denn ein Morgen. Nur noch Erinnerungen. Bin echt gespannt, wann dieser Zeitpunkt für mich eintreffen wird. Vielleicht kann ich ja auch noch ein bißchen gegensteuern. Trotzdem noch da sein. Wer weiß das schon? Pannier. Ecke Manitius. Die beiden sind zu Hause. Ich helf ihm noch beim Aussteigen; so wackelig ist er dann doch. Er sagt, daß ich ein echt netter Taxifahrer bin. Und: Hat man nicht mehr so oft. Das macht mich etwas verlegen. Und erstaunt mich auch. Das ist doch mein Job!? Das Trinkgeld hat dann übrigens auch gestimmt. Bis denne.

Text KollegeSteffen
Foto TaxiBerlin