20.06.2012

DER LANGE ABSCHIED VON TXL



TaxiBerlin in den Taxi-News "RAL1015" Nr.5 vom Juni 2012

Unvollendet, wie vieles in Berlin, wird der Flughafen Tegel (TXL) bleiben, wenn er irgendwann einmal schließen sollte. Unvollendet deswegen, weil sowohl der geplante zweite Terminalring als auch ein U-Bahn Anschluss nie gebaut wurden. TXL wird bis zu seinem Ende nur mit Bus und PKW erreichbar bleiben. Der Flughafen Tegel ist aber nicht nur unvollendet, sondern auch, wie vieles in Berlin, herrlich provinziell. Fluggäste, die zu früh am Haupteingang eintreffen, stehen dort vor verschlossenen Türen und müssen auf den Hausmeister warten, der den Flughafen Punkt vier Uhr aufschließt. Am Haupteingang gibt es - eine weitere Provinzposse - keinen offiziellen Taxihalteplatz! Kennt jemand noch einen anderen Hauptstadtflughafen auf dieser Welt ohne einen eigenen Taxihalteplatz am Haupteingang? Abgeschraubt wurden die entsprechenden Schilder vor etwa zehn Jahren, als erstmalig Gebühren für das Bereithalten von Taxen am Flughafen Tegel eingeführt wurden. An der bis dahin am Haupteingang existierende Taxihaltestelle konnte man sich traditionell postieren, ohne den nunmehr kostenpflichtigen Taxiparkplatz benutzt zu haben. Dieses Schlupfloch sollte offensichtlich geschlossen werden. Gebührenfreiheit an einem Hauptstadtflughafen – was waren das für herrliche Zeiten! Längst wurde die Taxigebühr auch in Berlin als Lizenz zum Geld drucken erkannt. Aus den aktuell fünfzig Cent am Flughafen Tegel sollen ein Euro und fünfzig Cent am neuen Flughafen Berlin Brandenburg International (BER) werden – eine Erhöhung um zweihundert Prozent!

Ebenfalls provinziell, aber lange nicht so amüsant, ist das Gezerre um die Laderechte am neuen Flughafen BER, der sich offiziell außerhalb des Berliner Stadtgebiets befindet. Leidtragende sind die Berliner Taxifahrer, als hätten sie nicht schon genug unter ihren zahlreichen, so genannten Interessenvertretern, allen voran Innung und Berliner Taxiverband, zu leiden. Diese starteten vor einiger Zeit eine regelrechte Kampagne gegen die eigene Klientel, die bis zum heutigen Tage anhält. Beispielsweise in der Gestalt, dass sie als Argument gegen den zweiten, teureren Tarif des Landkreises im Berliner Taxameter den möglichen Missbrauch durch Berliner Taxifahrer anführen, was vor allem ihr eigenes Misstrauen ausdrückt. Vielleicht wollten die so genannten Interessenvertreter seinerzeit aber nur vom schlechten Verhandlungsergebnis für den alten Flughafen Schönefeld ablenken. Die damals erzielte 1:1 Regelung klingt gut, hatte aber in der Praxis zur Folge, dass Berliner Taxen oftmals dreimal so lange warten mussten wie Taxen aus dem Landkreis, was dazu führte, dass viele Berliner Taxiunternehmer ihren Betriebssitz dorthin verlagerten. Das Resultat war, dass der Landkreis mit einer deutlich angewachsenen Zahl neuer Konzessionen gestärkt in die Verhandlungen über die Laderechte in BER gehen konnte. Plötzlich soll nun wieder „first in – first out“ (auf Deutsch: „Wer zuerst kommt – mahlt zuerst!“) gelten, was zweifellos fairer ist, was es aber bereits vor Einführung der 1:1 Regelung in Schönefeld gab. Nur zu welchem Preis?! Bis zu vierhundert Taxen aus dem Landkreis dürfen dann auch in Berlin Fahrgäste aufnehmen. Zwar sollen auch sie über Ortskenntnisse für Berlin verfügen, aber wer will das kontrollieren?

Dass sich BER ein paar Meter außerhalb der Stadt befindet, ist kein Grund, einen anderen und sogar höheren als den Berliner Tarif anzuwenden. Denn nahezu alle Fahrten vom Flughafen aus werden ins Stadtgebiet von Berlin führen, und dann liegt der größte Teil der Fahrstrecke in Berlin. Es gab im Vorfeld einen einfachen Weg, das gesamte Problem aus der Welt zu schaffen. Das Territorium, auf dem sich der neue Flughafen befindet, hätte nur eingemeindet werden müssen. Genau das ist in Frankfurt am Main passiert. Den Stadtbezirk „Flughafen“, der vorher zu Mörfelden-Walldorf gehörte, gibt es erst seit 1979 - der Flughafen Frankfurt existiert aber schon viel länger.

Sowohl die neuerliche Verschiebung der Eröffnung des Flughafens, als auch die noch im April geplanten improvisierten Anbauten beweisen, dass das gesamte Projekt BER nicht ausgereift ist. Es gilt nun, insbesondere für unsere zahlreichen, so genannten Interessenvertretern, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Schließt euch zusammen und fangt an, die Interessen der Berliner Taxifahrer und die unserer Fahrgäste zu vertreten. Lasst uns zusammen den teureren Tarif ab BER und die Erhöhung der Flughafengebühr in BER um zweihundert Prozent verhindern. „Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche“: Die Eingemeindung des neuen Flughafens BER nach Berlin!
Foto&Text TaxiBerlin

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