17.04.2012

DARF ES AUCH ETWAS WENIGER SEIN?


"Das Leben des Brian" (Das Feilschen)

Als er endlich aus seiner Bude kam, hab ich gleichmal meine Kamera unterm Fahrersitz versteckt. Seine Begrüßung war unerwartet freundlich, so daß ich mir wegen seiner nassforschen Nachfrage nach dem Fahrpreis erstmal keine Gedanken machte. Das erste Gespräch mit seinem Handy war kurz und auf einer Sprache, die ich nicht verstand. Das zweite war lang und auf Mazedonisch. Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, wer das ärmere Schwein war - die weibliche Person am andere Ende der Leitung oder mein Fahrgast. Am Fahrziel angekommen kam das, was kommen musste - die unvermeidlichen Preisverhandlungen. Neunzehn Euro standen auf der Uhr. Er besaß die Frechheit, offensichtlich war auch er in diesem Punkt völlig schmerzfrei, zu fragen, ob zehn Euro OK für mich wären. Waren sie natürlich nicht, und auch keine fünfzehn - sein nächstes Angebot. Warum auch fünfzehn Euro nicht ausreichen würden, wagte er ernsthaft nachzufragen. Ich konterte mit der Gegenfrage, ob er verrückt wäre. Nun versuchte er mir den Schwarzen Peter zuzuschieben, weil man ja so mit einem Fahrgast nicht reden dürfe. Daß Fahrgäste normalerweise nicht solche schmierigen Verhandlungen führen, überstieg - das war zu erwarten - seinen Horizont.

Meine Überraschung bei der ganzen Geschichte hielt sich in Grenzen, bin ich doch solche Situationen vom Balkan gwöhnt. Ich kenne auch die Argumente des Balkaners: Bei euch läuft es doch auch nicht anders! Und selbst hier hat er Recht, denn seine Angebote waren mehr als fair, wenn man berücksichtigt, daß der hiesige Gemeine Grabbler und Linke Linke alles immer und überall umsonst haben will, was den Horizont des Mannes vom Balkan, der von sich aus bereit war mehr als die Hälfte zu zahlen, wiederum sehr weit erscheinen lässt ...

Foto&Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen