27.08.2011

WORTE ZUM SONNTAG - VON FAHRER RAINER


Knaackstraße / früher Prenzlauer Berg / jetzt Pankow

Daß wir Taxifahrer die preiswertesten Therapeuten bzw. Seelsorger sind, ist ein alter Hut. Genauso der Umstand, daß Taxen im Winter die teuersten Wärmestuben sind. Neu ist, daß wir auch die teuersten Kühlboxen im Sommer sein könnten; wenn, ja wenn nur jemand das Angebot angenommen hätte, letzte Nacht.

Ein alter Hut ist ebenfalls, daß man in unserem Land eine Sache nicht leugnen darf, will man nicht in ernsthafte Schwierigkeiten kommen. Neu ist allerdings, daß man ungestraft seine Familie und sogar sich selbst verleugnen kann. Früher waren die Leute in einem solchen Fall reif für die Couch oder gründeten zumindest eine Selbsthilfegruppe ("Die anonymen Leugner"). Später gingen sie dann ins Fernsehen ("Hilfe, ich bin ein Leugner").

"Aber hat Jesus nicht auch seine Mutter verleugnet?", hören ich die Ungläubigen von heute schon fragen. Und sie haben sogar Recht. Von Matthäus (12, 46-48) wissen wir, daß er dies wirklich getan hat:

Als er noch zu dem Volke redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden. Da sagte einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen, die wollen mit dir reden. Er antwortete aber dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter, und wer sind sind meine Brüder?

Nun, der Unterschied ist der: Jesus war der Sohn Gottes und hat als solcher eine ganze Religion gestiftet. Was ich damit sagen will: Jesus hatte keinen Blog im Internet mit Lesern, die sowieso alles fressen, was man ihnen vorsetzt. Aber vor allen Dingen hat Jesus, soweit die Überlieferung, eines nie getan: Sich selbst verleugnet ...
Foto TaxiBerlin
Worte FahrerRainer

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