13.07.2011

SOHO HOUSE BERLIN oder SIEGER SCHREIBEN GESCHICHTE


Torstraße Ecke Prenzlauer Allee / Prenzlauer Berg / jetzt Pankow

Kollege Z, der derzeit in seiner Wahlheimat Lappland weilt, erzählte mir vor seiner Abreise folgende wahre Begebenheit. Eines Freitagnachmittags im Wonnemonat Mai stieg ihm eine Frau am Soho House ein, die auf den ersten Blick einen normalen Eindruck machte, was immer das heißen mag. Warum sollte Kollege Z auch davon ausgehen, daß sie bereits am Nachmittag einen über den Durst getrunken haben könnte?! Es dauerte nicht lange, da machte sich ein unangenehmer Geruch in seinem Taxi breit. Kollege Z wollte sich gerade über das Malheur aufregen, da war vernahm er ihre kleinlaute Stimme aus der zweiten Reihe: "Bitte schimpfen sie nicht mit mir, ich hab doch nur in meine zweitausend Euro teure Designerhandtasche gekotzt!"


Der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an den Knaack-Club in der Greifswalder Straße, der Anfang des Jahres schließen musste, weil es Ärger mit den zugezogenen Anwohnern eines neu errichteten Wohnhauses in der Umgebung gab. Der Kommentar einer meiner weiblichen(!) Fahrgäste dazu war: "Manche Menschen passen beim Handtaschenkauf mehr auf als beim Kauf einer Immobilie!" Damals hatte ich allerdings noch keine Vorstellung davon, was der Grund dafür sein könnte.


"Das Gebäude des ehemaligen Kaufhauses Jonaß (auch Kaufhaus Jonas geschrieben) in Berlin wurde als erstes Kreditkaufhaus eingeweiht. Nach der Enteignung durch die Nationalsozialisten diente es der Hitlerjugend (HJ) und später der Sozialistischen Partei Deutschlands (SED) als Zentrale. In dem denkmalgeschützen Haus befindet sich seit 2010 das Soho House Berlin, ein exklusives Club-Hotel. ... Entgegen einer ursprünglichen Ankündigung kann das Arbeitszimmer von Wilhelm Pieck nicht besichtigt werden, und auch die Räume für Konferenzen, Wellness, Speiseneinnahmen in den ersten drei Etagen sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Gedenktafeln wurden entfernt. Eine gläserne Stele vor dem Gebäude ist seit dem Jahr 2010 ebenfalls nicht mehr vorhanden. Diese war Teil eines Gesamtprojektes des Senats zur Sichtbarmachung Berliner Geschichtsorte. Sie enthielt Fotos und viersprachige Kurztexte zur Geschichte des früheren Kaufhauses Jonaß." (Quelle: Wikipedia)


Es ist nichts Neues, daß Geschichte von Siegern geschrieben wird. Prinzipiell ist vielleicht auch nichts dagegen einzuwenden. Aber müssen es wirklich Leute sein, die in zweitausend Euro Designerhandtaschen kotzen, bei deren Kauf sie besser aufpassen als beim Kauf einer Immobilie?
Fotos&Text TaxiBerlin

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