21.06.2011

GRATIS BESTATTUNGEN FÜR TAXIFAHRER oder MUSS ES WIRKLICH IMMER UMSONST SEIN?


Fast hatte ich schon vergessen, warum ich seit Monaten so schlecht drauf bin. Es liegt nicht am Sonntagmorgendlichen Flohmarktbesuch, wo mir Autochtone Hintergrunzler ständig die besten Schnäppchen direkt vor der Nase wegschnappen. Nein, die Sache ist Ernster und hat eine lange Vorgeschichte, von der ich meine werten Leser an dieser Stelle verschonen möchte. (Wirklich Interessierte finden sie im zweiten Teil dieses Beitrags!)

Ausgerechnet ein Zugezogener Grabbler aus dem Schwabenland hat DAS Schnäppchen ausfindig gemacht, welches, obwohl es für den Autochtonen Hintergrunzler aus Fragen der Ehre und Würde nicht in Frage kommt, für den Gemeinen Friedrichshainer so schwer zu finden ist. Und ich weiß wovon ich rede! Schließlich habe auch ich verschiedenste Hintergründe, die mich mit einigen vermeintlichen Schnäppchen in dieser Stadt und sogar im Ausland vertraut werden ließen. Die Rede ist, wer es noch nicht mitbekommen haben sollte, von der Kostenneutralen Bestattung.

Zuerst hatte ich meine Fühler in Richtung TIERTAXI ausgestreckt. Dann fand ich den BILLIGBESTATTER, den BESTATTUNGSDISCOUNT und zum Schluss habe ich sogar an SUIZID gedacht. Alles vergeblich ...

Sicherlich, ich war auf einem guten Weg. Genauer gesagt, ich war auf dem Goldrichtigen Weg. Aber trotzdem konnte ich DIE Kostenneutrale Bestattung einfach nicht ausfindig machen. Vorgestern, ich hatte bereits jegliche Hoffnung aufgegeben, war es dann doch noch soweit. Diese Werbung eines Bestattungshauses in Charlottenburg erregte meine Aufmerksamkeit. Ich glaubte mich am Ziel meiner Träume. Es gab sie also wirklich: DIE Bestattung für lau! Wenngleich nur für Taxifahrer, aber immerhin! Ich war außer mir vor Freude! Oder lag es am Kaffee?

Genau in dem Moment, in dem ich vor Aufregung förmlich zu platzen drohte, erwischte mich das wahre Leben wie eine kalte Dusche. Ich war, wie so oft zuvor auf dem Flohmarkt, mal wieder zu spät gekommen. Und wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Die Kostenneutralen Bestattungen waren nämlich aus. Zu viele Zugezogene Grabbler hatten, kaum waren sie hier, sämtliche Wartelisten, die der Berliner bisher nur von seinem geliebten Schrebergarten her kannte, für die BestattungsCard100 in Gold gesprengt. Geblieben ist nur der Gratis Kaffee für den Taxifahrer, der Zahlungswillige Zugezogene rankarrt, was nicht ganz einfach ist, oder um ehrlich zu sein: Ein Ding der Unmöglichkeit!

Well, oder wie der Engländer so schön sagt: Abwarten und Tee trinken! Man weiß vorher ja nie, wer wann und wo seine letzte Reise antritt. Ich fuhr also erstmal nach Hause und schrieb sogleich alles auf fürs Internet. Schließlich weiß ich nicht nur, was sich gehört, sondern auch, was ich meinen Lesern schuldig bin. Ich hatte mal wieder was fürs Leben gelernt: Bevor der Zugezogene die Preise hochtreibt, schnappt er dem Eingeborenen sämtliche Schnäppchen direkt vor der Nase weg.

Eine nahezu wahre Geschichte

Taxifahren ist mehr als die Beförderung von A nach B. Als Taxifahrer hat man auch eine soziale Verantwortung, und zwar nicht nur gegenüber seinen Fahrgästen, sondern insbesondere auch seinen Kollegen und sogar "Kollegen" gegenüber.

Letzten Sommer nahm ein "Kollege" Kontakt zu mir auf, weil ihn meine Texte angesprochen hatten. Er wandte sich auch mit der Bitte an mich, ihm beim Verfassen von Texten, die weniger Politisch Korrekt sein sollten, behilflich zu sein. Ich entsprach seiner Bitte, hatte allerdings wenig Hoffnung, dem "Kollegen" wirklich weiter helfen zu können.

Wenig Hoffnung deswegen, weil derselbe "Kollege" vorher der Welt via Netz wissen ließ, daß er "Eine Verwandte", wie er seine Mutter nannte, umsonst unter die Erde gebracht hat. Später sollte er noch stolz verkünden, daß er sich dabei auch um nichts gekümmert hätte. Vor allem beklagte er sich aber in einer Mischung aus Unwissenheit und Unverständnis über die Rechtslage in unserem Land und insbesondere darüber, daß ihm Vater Staat kein Geld ohne nachgewiesene Bedürftigkeit in den Rachen geworfen hat.

Das gesamte Gebaren des "Kollegen" erinnerte mich im ersten Moment an das eines Alten Klageweibes. Im Unterschied zu ihm ist die Klage über den Menschlichen Verlust beim Klageweib allerdings echt, selbst wenn es sich wirklich "nur" um einen Verwandten handelt. Sicherlich, auch ein Klageweib beklagt sich mitunter, wenn der Verblichene nichts oder nicht genug hinterlassen hat. Aber würde ein Klageweib deswegen gleich Ehr- und Würdelos werden? Nein, natürlich nicht! Das tun nur alte Waschweiber.

(Einwurf: Die Herkunft aus dem Schwäbischen mag manches erklären, aber eben nicht entschuldigen, und schon gar nicht in Berlin!)

Neulich warf ausgerechnet dieser "Kollege", der seine Mutter, die er immer noch "Eine Verwandte" nennt, wie beschrieben bestatten ließ, um deren Bestattung wie er stolz verkündete sich nicht nur nicht gekümmert hat, sondern, wie er weiterhin der Welt wissen ließ, bei der er auch keinen Cent dazugezahlt hat, mir vor, ich wäre billig, wobei der "Kollege" selbst nicht genau wusste, ob er nun mich oder meine Texte meinte, aber das nur nebenbei.

Mich überrascht das nicht. Die Welt ist voller Heuchler! Warum sollte die Heuchelei ausgerechnet vor dem Taxi halt machen?!

Die Wahrheit ist: Weder die Beförderung von A nach B noch die letzte Reise sind umsonst! Wenn du nicht bezahlst, müssen eben andere ran. Haut dir ein Fahrgast ab, wirst im dümmsten Fall du zur Kasse gebeten. Wenn dein Chef OK ist, bleibt der auf den Kosten der erschlichenen Dienstleistung sitzen. So war es und so ist es; und wer etwas anderes behauptet ist entweder ein Dummkopf oder ein Lügner.

Auch wenn der "Kollege" seine Mutter bereits für ihn selbst zumindest "kostenneutral" unter die Erde hat bringen lassen - Gestorben wird immer! Was bleibt, ist auch die eingangs erwähnte soziale Verantwortung für mich als Taxifahrer nicht nur gegenüber meinen Fahrgästen, sondern auch Kollegen und selbst "Kollegen" gegenüber.

Lange Rede kurzer Sinn: Es gibt keine Beerdigung für lau - Nirgendwo! Was es aber gibt, ist ein kostenloser Kaffee für Taxifahrer im Bestattungshaus Weise in der Windscheidstraße direkt am Taxistand Sophie Charlotte Platz in Charlottenburg.

PS: Dieser alte Berliner Taxisketch löste kürzlich bei einigen Kollegen Kopschütteln aus.
A: "Ich möchte zum Alex!"
B: "Und, was habe ich damit zu tun?"
Es wäre interessant die Reaktionen auf folgenden fiktiven Dialog zu erfahren!
A: "Stimmt es, daß deine Mutter gestorben ist?"
B: "Und wenn schon, was geht's mich an!"

Windscheidstraße / Charlottenburg
Fotos&Text TaxiBerlin

Kommentare:

  1. Anonym6/21/2011

    Nun ja..der gute Sash ist doch gar nicht sooo schlimm ;)

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  2. Mein Gott, geht's noch schlimmer?

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  3. Anonym6/22/2011

    Den würde ich nicht mal mit der Kneifzange anfassen, geschweige denn Taxi fahren!

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  4. Anonym6/24/2011

    Unwissenheit und Unverständnis? Wohl eher Arroganz und Dummheit!

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