05.05.2011

BERLINER LIEBESLYRIK


Man spricht das Deutsch, wie stets mir schien,

Am leichtesten doch in Berlin,

Richtig kann ich nicht sagen.

Was heißt es auch bald „mir“, bald „mich“,

Ei, das geniert ja fürchterlich,

Das heißt, die Leute plagen.

Berlinern ist, so arm, wie reich,

Akkusativ und Dativ gleich.

Anschaulich will ichs machen:

Ein Jüngling, ganz von Lieb‘ entbrannt,

faßt der Geliebten weiche Hand

und seufzet Liebesklagen.


Spricht sie nun: „Ja, ich liebe dich,

Liebst du auch mir oder liebst du mich?“

So wird er also sagen:

„Ich liebe dir, ich liebe dich,

Wie’s richtig ist, das (!) weeß ich nich

Und is mich ooch Pomade,

Wie wenn ich lieb, es heißen muß,

Zu suchen erst im Heinzius*,

Wär um die Liebe schade.

Ich lieb‘ nich uffn 3.Fall,

Ich lieb‘ nich uffn 4.Fall,

Ich lieb‘ uff alle Fälle!“


(* Heinzius: Verfasser einer damals berühmten Grammatik)


Worte: Adolf Glaßbrenner

Berlinerische Bearbeitung: Bernhard Rüthling

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