07.05.2011

8. MAI MUTTERTAG

Irgendwo in Marzahn

Gestern war es nun endlich so weit. Der Gemeine Grabbler stieg mir (ausgerechnet mir!) am Ostbahnhof (wo sonst!) in die Taxe und wollte wohin? Natürlich nach Marzahn! (Wohin denn sonst?!) Anfangs nahm ich nur seine enorme Leibesfülle und die davon ausgehenden Ausdünstungen wahr. Das war schon schlimm genug. Wie sollte ich das nur bis Marzahn aushalten? (Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, daß seine geistigen Ausdünstungen noch schlimmer sein sollten.) Ein Blick in den Rückspiegel verriet mir, daß der „kleine“ Stinker auch noch ausgesprochen hässlich aussieht. Aber was sagt man/frau so schön, worüber frau/man nicht streiten soll?

Offensichtlich hatte es sich bis zu ihm herumgesprochen, daß die Berliner Taxen zwar die teuersten Wärmestuben, deren Fahrer aber die preiswertesten Therapeuten sind. Ich war gerade losgefahren, da begann er mir auch schon sein Leid zu klagen. Er bereue es nun ehrlich, daß er sich damals Null um die Beerdigung seiner Mutter gekümmert und sich damit sogar noch in aller Öffentlichkeit gebrüstet hätte. Er müsse damals einfach zu Internetgläubig gewesen sein. Auch hätte er wohl zu wenig seinem gesunden Menschenverstand vertraut, der aber zweifellos vorhanden wäre, wie er mehrfach beteuerte.

All dies (und noch vieles mehr!) täte ihm nun wirklich aufrichtig und unendlich leid. Deswegen habe er auch angefangen ein Buch zu schreiben (wenngleich eine Therapie viel sinnvoller aber eben teurer gewesen wäre). Mit dem Erlös aus seinem Buch wollte er gegenüber seiner Mutter aktive Wiedergutmachung leisten. Nur die Erlöse bleiben eben aus. Und das, obwohl sein Buch doch zu einhundert Prozent korrekt sei, und zwar politisch! (Oder ist das vielleicht der Grund?) Wie dem auch sei, im Moment wisse er einfach nicht mehr weiter. Was ich ihm rate könne, wollte er von mir wissen, und ob er nicht alles getan hätte?

Der Mensch

tut alles

was er kann

nur leider

kann er

nicht alles

was er tut

Schweißgebadet, aber immerhin mit dem schönen Zitat von Arnold Waldschmidt im Kopf, erwachte ich aus diesem Alptraum. Es hat mich einige Überwindung gekostet, diese „wahre“ Geschichte aufzuschreiben. Das kannst du mir glauben. Da mich mein Fahrgast erneut um Hilfe gebeten hat (Der ein oder andere erinnert sich, der Kollege hatte vor geraumer Zeit schon einmal Rat bei mir eingeholt. Den hat er zwar dann doch nicht befolgt, aber das ist Eine andere Geschichte.), möchte ich ihm nun via Internet etwas mit auf den Weg geben. Schick deiner Mutter doch Blumen ans Grab. Bei FLEUROP sparst du am Muttertag immerhin den Sonntagszuschlag. Aber wenn dir das immer noch zu teuer ist, dann leg Morgen wenigstens ‘ne Schweigeminute ein.

Foto&Text TaxiBerlin

1 Kommentar:

  1. "Da freut sich Mama - und mein Sparschwein" - und... DER BLUMENHäNDLER. Natürlich verdienen die beiden - Blumen und Geld.

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