03.03.2011

STIEG MIR NEULICH EINER EIN


Stieg mir neulich einer ein, der wollte sich mal so richtig auskotzen, wie er es nannte. Immer raus damit, das befreit ungemein, riet ich ihm. Hilfestellung beim Erbrechen war bei mir ja noch Teil der Ausbildung, was zugegeben schon lange her ist. Keine Ahnung, ob die jungen Hüpfer von heute das noch lernen.

Zur BERLINALE war es wohl so, daß so gut wie jeder Taxi gefahren ist. Am Potsdamer Platz stand ein Kollege vor mir, der eine viertel Stunde brauchte, um irgendwie die Straße in sein Navi einzugeben. Manch einer wäre da schon am Ziel gewesen. Vom rumgeschleiche einiger Kollegen beim Fahren ganz zu schweigen.

Apropo: Der Patient bei mir an Bord wollte sich also mal so richtig auskotzen. Ich unterstütze ihn mit allen Kräften, redete ihm gut zu, machte ihm Mut, einfach mal alles rauszulassen, was ihn so bedrückt. Immer nur schlucken, das verträgt doch kein Mensch. Er hüstelte etwas, versuchte zu würgen, verschluckte sich dabei, musste erneut würgen, fing an zu husten ... und, was soll ich euch sagen, vorne raus kam gar nichts, nur hinten raus kam lediglich ein kleiner stinkender Furz. Genau genommen war es kein Furz sondern nur ein Fürzchen.

Mein Patient tat mir leid. Da war er als Tiger gestartet, um als Bettvorleger zu landen. Und dabei musste er noch weiter leben. Mit diesen ganzen Schlamassel in sich drin. Selbst den Finger in den Hals stecken half bei ihm nicht. Vielleicht war das aber auch besser so. So eine Art Eigenschutz. Wer will schon den ganzen Dreck nochmal wiedersehen, den er lange, viel zu lange, in sich reingestopft hat. Aber was konnte ich noch für ihn tun?

Ich dachte, es beste wäre, den weiblichen Part zu übernehmen, und machte ihm weiter Mut: Das wird schon wieder. Setz dich nicht unnötig unter Druck. Die Uhr habe ich ja auch noch nicht eingeschaltet. Brauchst also auch nix zu bezahlen. Der erste Versuch ist immer umsonst. Mache Dir keine Gedanken. Beim nächsten Mal klappt es bestimmt. Musst halt einfach noch ein bisschen üben.

Das hatte ihn wohl überzeugt. Oder war es nur der Umstand, daß das Taxameter noch auf Null stand, daß er bald darauf aufstand und sich trollte ...

PS: Trinkgeld gab es auch mal wieder keins!

Text TaxiBerlin

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