02.03.2011

DIENST NACH VORSCHRIFT

Dreckskaffkneipenidylle

Mein Taxilehrer war ein weiser Mann, der uns seinerzeit noch völlig zu Recht vor den Schultheiß-Proll-Kneipen, wie er sie nannte, gewarnt hat. Da sollte man zuallererst reingehen und nachschauen, ob der Fahrgast überhaupt noch transportfähig ist. Die Fahrt ging zwar meist nur zur Eckkneipe gegenüber, dafür gab es aber ein fettes Trinkgeld. Vorausgesetzt, wie gesagt, der Fahrgast war transportfähig.

Spätestens seit Hartz-Vier spielen die Schultheiß-Proll-Kneipen, die nunmehr Hart-Vier-Kneipen heißen, keine Rolle mehr. Die Lücke haben mehr oder weniger die Zugezogen gefüllt. Die Betonung liegt mehr auf weniger, vor allem was das Trinkgeld angeht. Manch einer wünscht sich bereits die Zeit zurück, wo ganz Berlin noch ein riesengroßer Zoo war, wo uns die Schwaben aus Bayern nur besucht haben, um auch mal die Sau rauslassen zu dürfen, aber spätestens nach einer Woche in ihre Dreckskäffer zurückgekehrt waren.

Die Schlimmsten sind aber zweifellos die, die von noch weiter südlich kommen. Spätestens wenn du vier von diesen brüllenden Affen in deiner Taxe hattest, weißt du, vom wem ich rede. Erschwerend hinzu kommt, daß du von Anfang weißt, daß es Null Trinkgeld geben wird, weil das in diesen Südländern angeblich nicht üblich ist. Warum soll der Berliner Taxifahrer dann aber noch einen guten Service bieten? Das ergibt doch keinen Sinn! Dienst nach Vorschrift ist unter diesen Umständen das Maximum, was man erwarten kann.

Foto&Text TaxiBerlin

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