18.11.2010

VERTEIDIGT DIE WEIHNACHTSMÄRKTE


Ganz aktuell sind nun auch die Berliner Weihnachtsmärkte, immerhin gibt es ihrer über fünfzig (50!), ins Fadenkreuz des internationalen Terrorismus geraten. Berlins Innensenator Körting fand ob dieser Bedrohung so klare Worte, die man bisher nicht mal dem Sarrazin zugetraut hatte:

Wenn wir in der Nachbarschaft irgendetwas wahrnehmen, dass da plötzlich drei etwas seltsam aussehende Menschen eingezogen sind, die sich nie blicken lassen oder ähnlich, und die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen, die wir nicht verstehen, dann sollte man glaube ich schon mal gucken, dass man die Behörden unterrichtet, was da los ist.

Ich finde das weder übertrieben noch hysterisch. Mein Problem ist nur, daß ich dann genaugenommen meinen halben Kiez einzeigen müsste. Deswegen finde ich die Tipps unseres Innenministers die Misere zwar nicht unbedingt praktikabler, aber in der Praxis zumindest leichter zu handhaben. Er rät dazu, einfach zu Hause zu bleiben, wo ich mitgehen kann; und weiter, sich nicht einschüchtern zu lassen und letztendlich alles so zu machen, wie man es sonst auch getan hat oder tuen würde; was in der Regel im Widerspruch zum ersten Ratschlag steht, aber das nur nebenbei.

Mein größtes Problem ist sowieso, gerade wo unsere Weihnachtsmärkte so bedroht sind vom fundamentalistischen Terror, daß ich ausgerechnet die in der Vergangenheit schon nicht besucht habe, und auch, übrigens unabhängig von der Empfehlung unseres Innenministers, in Zukunft nicht vorhatte aufzusuchen.

Meine persönliche Bedrohung dürfte somit gegen Null gehen. Mein Ansatzpunkt ist aber auch ein ganz anderer: Ehrlicherweise muss ich zugeben, daß auch ich, ähnlich wahrscheinlich den islamischen Fundamentalisten, unsere Weihnachtsmärkte als Hort des Bösen ansehe, gleich nach der Loveparade und der Biermeile. (Im Gegensatz zu Flohmärkten! Die würde ich ohne nachzudenken verteidigen!)

Selbst wenn ich wollte, ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, unsere Weihnachtsmärkte in irgendeiner Weise zu verteidigen. Das muss ich leider denjenigen überlassen, die dort hingehen. (Eine kleine Chance gibt es allerdings, daß ich es mir noch einmal überlege. Immerhin stiegen mir in den letzten Jahren wieder mehr Leute ins Taxi, insbesondere übrigens aus Skandinavien, die extra wegen der Weihnachtsmärkte angereist waren.)

Text TaxiBerlin

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