10.10.2010

HEUTE IM BORDELL


Mein Fahrgast war richtig sauer, um nicht zu sagen: Außer sich! Da mache er doch wie jeden Sonntag seine Bordelltour, aber so etwas wie heute sei ihm noch nie passiert. Zugegeben, er sei ein kleiner Spanner, weil er nicht bei jedem Besuch im Bordell gleich mit 'ner Frau auf's Zimmer geht. Es sei für ihn viel aufgeilender, zu sehen, was sich da alles für Weibsvolk für Geld anbietet, als selber ins Schwitzen zu kommen. Außerdem sei es ja auch eine Frage des Geldes, über das er leider oft nicht in gewünschtem Umfange verfüge.

Wie dem auch sei. Heute hat er Geld, sonst würde er nicht mit dem Taxi fahren, ist ja schließlich fast noch Monatsanfang. Und ausgerechnet heute müssen die Weiber im Bordell den Spieß einfach mal umdrehen und ihn verarschen. Und das ging folgendermaßen: Er klingelte am großen Klingelknopf, die Puffmutter öffnet ihm und führt ihn in irgendein Zimmer - soweit alles wie immer. Gegenüber seinem Zimmer war aber ein Zimmer, wo sie offensichtlich mächtig im Gange waren. Mein Fahrgast nahm nach eigenen Angaben laute federquietschende Geräusche begleitet von unregelmäßigem leisen Stöhnen wahr.

Weiter ging es dann aber wie immer: das Vorstellen der gesprächsbereiten Damen. Irgendwie konnte er sich nur nicht so recht auf die Frauen konzentrieren, die sich mit Knicks und Handschlag unter Nennung ihres Namens bei ihm vorstellten. Er war einfach immer noch bei den Geräuschen aus dem Nebenzimmer. Zum Schluss kam wie immer die Puffmutter. Der sagte er, offensichtlich unter Schock, daß er gerne (Nicht: "Das Selbe!" - wie im Film), sondern: Die Selbe, wie der Kunde im Zimmer gegenüber hätte. Die Chefin wäre gar nicht verwundert gewesen, sondern hätte ihn nur gebeten, sich einen Moment zu gedulden.

Nach einer gefühlten halben Stunde kam die Puffmutter mit einem Mädel ins Zimmer, von der er hätte schwören können, daß sie eine von denen gewesen war, die sich so nett bei ihm vorgestellt hatten. Ihm war das jetzt egal. Er buchte die volle Stunde, der Monat ist ja noch jung, und sie Sache nahm ihren üblichen Lauf. Alles war wohl mehr oder weniger OK, obwohl ausgerechnet bei ihm weder irgendwelche Federn laut quietschten, noch daß er irgendein leises Stöhnen im Zimmer vernahm, was aber auch bei ihm gelegen haben könne, wie selbstkritisch einräumte.

Beim rausgehen, da wäre es aber wieder da gewesen, sowohl das Quietschen als auch das Stöhnen - allerdings wiederum nur aus dem Nebenzimmer. Wie er sich das erkläre? Die haben ihn zum Narren gehalten, da sei er sich sicher. Das wäre garantiert irgendeine von diesen CDs gewesen, die speziell für Singles gemacht sind, damit sie sich nicht so allein fühlen. Und ausgerechnet er, der gar kein Single ist, wäre nun darauf reingefallen. Das müsse ich mir mal vorstellen, was ich allerdings nicht tat, denn ich suchte bereits nach dem Fachbegriff für den Trick, womit man ihn offensichtlich verarscht hatte. Penisneid ist es jedenfalls nicht!

Wer als Erster weiß, wie der Trick heißt, womit mein Fahrgast hereingelegt wurde, gewinnt 'ne Kurzstrecke. (Auch wenn er Schwabe oder sonst irgendein Hintergrunzler ist - versprochen!)

Text TaxiBerlin

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