12.10.2010

GESTERN IM KINO


Eigentlich wollte ich mir nur einen Film ansehen und nicht gleich das ganze Kino kaufen. Aber wo ich nun einmal da war. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es an mir lag, weil ich längere Zeit nicht im Kino war, oder ob es mehr der Tatsache geschuldet ist, daß sich das Kino im Prenzlauer Berg in der Nähe des Kollwitzplatzes befindet. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, daß das Kino dem Radiosender für Erwachsene gehört, obwohl mir gerade deren Zielgruppe insbesondere im Prenzlauer Berg alles andere als Erwachsen vorkommt.

Bei dem Film, wo ich vorher schon das Buch gelesen hatte, handelt es sich um einen Endzeitstreifen, der insgesamt gelungen ist und auch sehr gut in diese Gegend am Prenzlauer Berg passt. Aber was muss ich gerade lesen: Da haben die Schwaben in Stuttgart doch echt den alten Ossi-Spruch "Wir sind das Volk" geklaut. Die Rede ist von dem neuen Hauptbahnhof, auch als Stuttgart21 bekannt. Ich meine: Leute, es geht nur um einen Bahnhof! Fehlen nur noch die Schwarz/Roten Fahnen mit der Aufschrift: "Bahnhof oder Tot".

Dabei ist doch gerade der Schwabe dafür bekannt, daß er gerne baut, oder? Warum kann er denn sonst kein Hochdeutsch? Na, weil der ständig am Bauen ist - warum denn sonst! Und ausgerechnet dort, im Mutterland des "Häusle bauens", soll plötzlich ein Bahnhofsbau verhindert werden. Tut mir leid Kinder, ich versteh die Welt nicht mehr. Wenn wir uns hier in Berlin wegen jeder Baustelle so anstellen würden ... - Wir würden gar nicht mehr zum Arbeiten kommen!

Aber im Schwabenland wird auch nicht "gearbeitet", sondern "geschafft". Nicht verwechseln mit "anschaffen", wie mir das früher mal passiert ist. Anschaffen ist etwas ganz anderes! Doch zurück zum Film. Dort wird weder gebaut noch geschafft und auch nicht angeschafft, sondern nur nackt ums Überleben gekämpft. Die Szenerie ist ein einziges Grau in Grau und der absolute Höhepunkt ist eine Dose Coca Cola. Also irgendwie DDR ...

Aber eben nicht ganz, denn die gibt es ja im Film schon gar nicht mehr. Dafür aber jede Menge böser Menschen, die andere Menschen ausbeuten, oder besser: ausweiden. Also doch eher Kapitalismus? Dafür spräche auch das Happy End. Meiner Meinung nach die einzige Schwachstelle im Film, der ansonsten komplett sehenswert ist, aber bitte nur in dem Kino für Erwachsene in der Kulturbrauerei. Und dabei nicht vergessen, daß der Film eigentlich auch dort spielen könnte ... (Oder besser: Spielen sollte!)

PS: Für alle Liebhaber von Eindzeitschinken, und natürlich auch für alle Taxifahrer, ein absolutes Muss: THE ROAD.

Text TaxiBerlin

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