18.08.2010

WIR SIND MEISTER


Bulgarien ist ein schönes Land. Jeder ist ein Meister. Die Toilettenfrau "meistert" das WC. Der Monteur "mummt" das Auto. Und die Verkäuferin verkauft "meistbietend".

(Früher, als es in Bulgarien noch richtige Meister gab, waren das die Bash-Meister. Heute, wo es keine richtigen Meister mehr gibt, sind alle Bash-Meister. Die Bedeutung des Wortes, welches türkischen Ursprung ist, hat sich somit komplett ins Gegenteil verkehrt.)

Wie es sich für "richtige" Meister gehört, sind sie natürlich niemals pünktlich. Das würde gegen alle Regeln des schlechten Geschmacks verstoßen. Der Kunde hat gefälligst zu warten. Das war schon immer so. Und es war ja schließlich nicht alles schlecht - früher!

Ein Meister geht nie zweimal zu einem Kunden, wenn der nicht ein Mindestmaß an Geduld und Ausdauer mitbringt. Sollte es dem Kunden beispielsweise einfallen, sich über das planmäßige zu spät Kommen des Meister, was keine böse Absicht ist, sondern womit der Meister einzig und alleine seine Wichtigkeit unterstreicht, zu beschweren, wird er den Meister kein zweites Mal zu Gesicht bekommen.

Für den Kunden ist auch noch wichtig, daß er folgendes begreift: Der Meister bietet keine Dienstleistung an, sondern er tut dem Kunden einen Gefallen! Und was machst du, wenn dir jemand einen Gefallen tut? Du lädst ihn ein - ist doch klar!

In Bulgarien gibt es allerdings die Besonderheit, daß du außerdem für den Gefallen noch bezahlen musst. Du bezahlst also immer zweimal, worüber sich aber noch nie jemand ernsthaft beklagt hat.

Wichtig ist einzig und allein der Zeitpunkt von Einladung und Bezahlung. Zahlst du zu früh, sitzt der Meister bereits vor der Arbeit mit deinem Geld in der Kneipe. Klüger ist es, wenn du ihn zuerst einlädst. So hast du ihn besser unter Kontrolle.

Falls mir irgendjemand nicht glauben sollte: Ich habe schon Kunden in der Kneipe neben dem Tisch, an dem der Meister saß, stehen sehen, die mit Tränen in den Augen auf diesen einredeten, er möge doch vorm Saufen bitte erst seine Arbeit zu Ende bringen.

Meistens war es dann schon zu spät. Der Meister hatte schon zuviel RAKIJA "gemeistert". Und wenn der Kunde Pech hatte, wurde er zu allem Überdruss wegen seiner Bettelei vom besoffenen Meister ausgelacht und vom Wirt rausgeschmissen.

Foto&Text TaxiBerlin

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