06.08.2010

"Stieg mir neulich einer ein ...


So fangen meiner Erfahrung nach die meisten Taxiblogs an. "Gähn, Rülps, Kotz ...", hörte ich immer öfter mein Alter Ego, nicht verwechseln mit dem Metablogger, dazu sagen.

Was sollte ich tun, wenn mir mein zweites Ich, also jemand, der mir sehr nahe steht, solche Dinge regelmäßig ins Ohr flüstert. Ignorieren ging nicht. Aber deswegen gleich mein ganzes Leben, gut - ich will nicht übertreiben, meinen lieben Blog, komplett umstellen?

Ich habe es getan, habe mich mit Flaschensammeln versucht. Der Job ist OK, bietet 'ne Menge Freiheiten. Selbst die Verdienstmöglichkeiten sind nicht schlecht, wenn man weiß, wo wann was läuft.

Aber ist deswegen das Flaschensammeln gleich eine Arbeit wie jede Arbeit? Ich weiß es wirklich nicht, eine saubere Arbeit ist es jedenfalls nicht. Meine Theorie hat sich in der Praxis bestätigt: Das Dosenpfand wurde von Rot/Grün in weiser Voraussicht als flankierende Maßnahme zu Hartz Vier eingeführt.

Das Dosenpfand ist übrigens das einzige neben Hartz Vier, was von Rot/Grün bis heute übrig geblieben ist, nachdem feststeht, daß der Ausstieg aus der Atomenergie nicht stattfindet.

Es gibt etwas, was in den letzten Jahren zugenommen hat, ohne daß es dadurch besser geworden wäre. Der ein oder andere scheint es noch nicht bemerkt zu haben. Ich rede von den Bemitleidenswerten, die in jede Mülltonne gucken auf der Suche nach einer Flasche.

Wer das begriffen hat, kann beim Flaschensammeln nicht mehr von ehrlicher Arbeit reden. Diese Menschen sind auf der Suche nach Almosen, und jeder, der ihnen diese unberechtigterweise wegnimmt, ist ein Almosenräuber. Oder mit anderen Worten: Der greift auch in der Kirche in die Kollekteschale.

In unserer Gesellschaft ist es aus der Mode gekommen, Almosen zu geben. Das ist bedauerlich. Das Schlimme ist, daß dieses Verschwinden jeglichen Mitgefühls mit einem verstärkten Glauben in den Staat, der wird das Problem schon richten, einher geht. Eine Gemeinschaft ohne Gemeinschaftssinn kann aber auf Dauer nicht existieren!

Bekämpfe keine Irrglauben, rät der von mir oft zitierte Weise vom Berg. So bleibt mir nichts weiter übrig, als meinen Protest gegen den Status Quo dadurch auszudrücken, daß ich einfach keine Geschichten mehr schreibe, die mit "Stieg mir neulich einer ein ..." beginnen.

Derzeit lasse ich es mir gut gehen unter südlicher Sonne und bei fünfhundert Euro pro Kilometer. Denn der Weise vom Berg sagt auch: Vom Reichen sollst du es nehmen und dem Armen (Flaschensammler) geben. Das ist Arbeit, die das Attribut ehrlich verdient!

Text TaxiBerlin

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