31.08.2010

STALINS GRILL (СКАРА СТАЛИН)


Ich hatte bereits über die Bulgarische Misere in Sachen GRILL (СКАРА) berichtet. Vor zwanzig Jahren gab es sie hier nicht nur an jeder Ecke, sondern die gegrillte Würstchen (Кебабче) und Bouletten (Кюфте) aus Hackfleisch haben allesamt ausgezeichnet geschmeckt. In den Neunzigern ging es erst mit der Qualität des angebotenen Hackfleischs bergab - vermutlich wurde zuviel Rattenfleisch beigemischt - und seit der Jahrtausendwende sind nun auch die Grills in Bulgarien am aussterben.

Einer, den es bereits im Kommunismus gab, konnte sich, zumindest in Bulgarien, allerdings bis in die neue Zeit retten. Die Rede ist vom Genossen STALIN (СТАЛИН). Der ist nämlich gar nicht tot. Ganz im Gegenteil, der ist quicklebending und betreibt hier ganz in der Nähe vor den Toren des Klosters KLISURA einen GRILL (СКАРА). Und weil bei ihm übern Kopf nicht nur die Stromleitungen des einzigen Bulgarischen Atomkraftwerkes verlaufen, an denen er sich dumm und dämlich verdienen soll, sondern auch noch ein kleines Flüsschen vorbeiplätschert, konnte er mittels "Investionsprojekt" (oder wie das hier heißt) ausbauen und bietet nun eine besondere Spezialität an: Forellen.

Eigentlich wollte ich auch noch den Genossen Stalin selbst ablichten. Aber das ist natürlich nicht so einfach. Der Diktator macht sich, so wie man ihn von früher kennt, sehr rar. Außerdem muss er natürlich den Laden mittels Anweisungen und Dekreten am Laufen halten. Schließlich ist das Ganze ein Familienbetrieb. Manch ein Böswilliger sagt auch Gulag, aber soweit würde ich niemals gehen. Ich meine gut, beim Genossen Stalin wird immer irgendwas gebaut. Erst waren es die Becken für die Fische. Dann kamen die Becken für die Menschen - einmal Baden übrigens Zwei (2,-!) Euro - und nun baut er etwas, wo noch gar keiner weiß, was es überhaupt werden soll.

Aber das stört den Bulgaren, Pardon: Stalins Gäste, natürlich genauso wenig wie die dicken Stromleitungen über Stalins Grill. Die sind eben für alles offen und lassen sich auch gerne mal überraschen. Doch zurück zu den Forellen. Die waren wie immer erstklassig. Natürlich gibt es bei Stalin auch Würstchen und Bouletten aus Hackfleisch vom Grill, und die sind fast so gut wie früher. Ich meine die Zeiten, wo Großväterchen Stalin noch ein ganzes Weltreich regierte.

Das mit Bulgarien hat er übrigens saugut eingefädelt. Ein paar Jährchen bevor der Genosse Stalin von der Bühne namens Leben verschwand, hat er den Genossen Dimitroff, den Bulgarischen Oberkommunisten, der ihn einfach nur mal besuchen wollte, gleich ausstopfen lassen und so nach Bulgarien zurückgeschickt. Damit war später der Weg frei für den Genossen Stalin. Ursprünglich wollte er das ganze Land übernehmen. Da er aber gehört hatte, daß bereits die Türken sich an den Bulgarien die Zähne ausgebissen hatten und außerdem gerade auch mal wieder seine Georgischen Landsleute hinter ihm her waren, ist er erstmal als Mönch verkleidet im naheliegenden Kloster untergekrochen.

Natürlich versuchte er rasch auch dort das Kommando zu übernehmen. Es drohte ein kleiner Vaterländischer Krieg im Kloster. Zu seinem Glück hatte er aber vorher eine Bulgarin geehelicht und ist dadurch in Sachen Diktatur etwas gemäßigter geworden. Seither terrorisiert er nur noch Familienangehörige. Als dann die Wende kam, die in Bulgarien Demokratisierung heißt, sah er seine Chance als Selbständiger gekommen. Von einem alten Tschekisten bekam er den Tipp mit den Stromkabeln, und daß da bald was in Sachen Entschädigung zu machen wäre. So ist es dann auch gekommen. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Zum Schluss noch eine Kleinigkeit: Stalin bietet sogar Deutsches Bier an! Doch dazu mehr im nächsten Beitrag.

Fotos&Text TaxiBerlin

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