29.08.2010

GOTTESBRÜCKE BEI TSCHIREN





Sonntags soll man ja nicht arbeiten, schon gar nicht im Urlaub, aber einen Ausflug darf man machen. Der führte mich heute zu einem Naturschauspiel, von denen es jede Menge gibt in Bulgarien. Die eigentliche Überraschung war, selbst für mich als ausgewiesenen Bulgarienkenner, daß man gemeinhin so etwas wie die GOTTESBRÜCKE bei TSCHIREN ausschließlich in Südbulgarien vermuten würde.

Aber ich möchte als urbaner Mensch meine Leser weder mit der Natur und schon gar nicht mit meinen auswärtigen, also außerhalb der Berliner Landesgrenzen, Ortskenntnissen langweilen. Für mich war an dem heutigen Ausflug in die Natur sowieso der Mann mit der BILLA-Tüte das absolute Highlight. (Soviel "Neudeutsch" sei mir erlaubt!)

In einem Beitrag hatte ich ja schon über den Supermarkt aus Ösiland bei mir an der Ecke berichtet, der sich insbesondere mit den Auslandsbulgaren auf Besuch eine goldene Nase verdient. Der junge Mann mit der BILLA-Tüte passt aber nun gar nicht in dieses Raster, und so habe ich mich die ganze Zeit gefragt, was der Typ hier mit seiner Plastiktüte sucht.

Ich war so fixiert auf die Antwort auf diese Frage, daß ich den Mann regelrecht verfolgt habe. Klar, ich hätte ihn auch einfach fragen können. Aber das kann ja jeder. Na gut - fast jeder. Also eigentlich nur der, der über ausreichende Sprachkenntnisse verfügt. Aber meine Devise ist sowieso: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?!

Ich also die ganze Zeit hinter dem Typen her. Erst rauf, dann wieder runter. In die Höhle rein und gleich wieder raus. Über die provisorische Brücke geangelt, immer in der Gefahr, nicht etwa die Orientierung, die hatte ich sowieso nicht mehr, sondern auch noch den jungen Mann aus den Augen zu verlieren.

Drei Stunden war ich so hinter ihm, ohne, daß ich, was meine Frage anging, auch nur einen Schritt weiter gekommen wäre. Endlich, an der fünften Brücke, Höhle ... oder wie auch immer, ließ er sich plötzlich nieder. Ehe ich mich ihm nähern konnte, hatte er aus ein paar rasch zusammengesuchten Zweigen bereits ein Feuer gemacht.

Aus der Plastiktüte holte er ein paar Würstchen und zwei Bier, von denen er mir eines anbot. Er hatte den weiten Weg von BILLA in die Natur nicht gemacht, um jetzt alleine am Feuer zu sitzen. Ich konnte natürlich nicht ablehnen, das wäre unhöflich gewesen. Zumal ich selbst schon den ganzen Tag auf der Suche nach etwas Gegrilltem war.

Früher war das kein Problem, da gab es an jeder Ecke "Grill & Bier" (Скара & Бира). Aber heute sind die alle, warum auch immer, regelrecht ausgestorben. Und die wenigen, die es noch gibt, sind oft ganz schlecht. Das kann ich von dem Inhalt der Plastiktüte des jungen Mannes ganz und gar nicht behaupten ...

Lange Rede, kurzer Sinn: Das mag ich an den Bulgaren. Ihre praktische Veranlagung, gepaart mit einer gehörigen Portion Gastfreundschaft.

Foto&Text TaxiBerlin

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