16.08.2010

ÜBER DAS MÄHEN EINER WIESE

Meine Füße nach dem Mähen (m)einer Wiese

Vor einigen Jahren habe ich in Bulgarien eine Wiese geerbt, die ich gerne verkaufen würde aber nicht kann, da ich, wie in diesem Land oft der Fall, nicht der alleinige Eigentümer bin. Alle Jahre wieder muss die Wiese gemäht werden. Und so begab ich mich auch dieses Mal auf die Suche nach einem Meister, wie jeder gewöhnliche Arbeiter in der Landessprache genannt wird, der mir die Wiese mäht.

Der durchschnittliche Monatsverdienst liegt in Bulgarien offiziell bei gut zweihundert Euro (inoffiziell knapp dreihundert), die Arbeitslosenquote offiziell bei zehn (inoffiziell bei zwanzig) Prozent. Für die Wiese, deren Wert übrigens derzeit bei zweihundert Euro liegt, und das bei vier Eigentümern!, braucht man genau zwei Tage, und so biete ich fünfzig Euro fürs Mähen. Glaubst du, ich finde jemanden?! Der eine ist gerade am Meer, der andere hat es mal wieder im Kreuz und der nächste arbeitet gar nicht mehr, da er noch bei Mutti wohnt.

Endlich, nach einer Woche Suche, ich wollte schon fast aufgeben, der erste Lichtblick. Jemand will sich mit mir treffen. In der Kneipe. Ich kenne ihn nicht, aber ich werde ihn einladen. Er hat von meinem Problem gehört und wüsste auch schon eine Lösung: Wir sollten Freunde werden. Er hat Bilder von seiner Familie dabei. Die Kinder sind süß. Der Bruder ist im Ausland.

Er hat ihn auch schon mal besucht. Das war ihm alles zu viel. Die sind doch alle verrückt da, im Ausland. Vor allem die eigenen Landsleute, zu Einheimischen hatte er sowieso keinen Kontakt. Die denken immer nur ans arbeiten, und er nur an Party. Dabei reißt er die Arme hoch und schnippst mit den Fingern.

Ja, das kenne ich, stimme ich ihm zu. Aber was ist jetzt mit meiner Wiese, versuche ich das Thema zu wechseln. Er könnte es machen, er würde mir den Gefallen tun. Schließlich seien wir doch jetzt Freunde. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Meine Freunde suche ich mir normalerweise selbst aus. Und wenn ich ihn bezahle, wieso tut er mir dann einen Gefallen?

Ich bin ratlos, bezahle die Rechnung und verspreche mich bei ihm zu melden. Beim nach Hause gehen überlege ich, ob ich den Job vielleicht doch besser selber erledige.

Das war letzte Woche. Heute müssen sich meine Füße (Foto oben) erholen, denn am Wochenende habe ich, wie alle Jahre zuvor, die Wiese selbst gemäht.

Foto&Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen