23.08.2010

DIE PREUSSEN DES BALKANS

Hier sitzen wir immer, mein Cousin und ich. Auf der Bank vor seinem Block. Wir sind beide keine Freunde von vielen Worten. Oft schweigen wir beide einfach nur vor uns hin. Gelegentlich studieren wir die Todesanzeigen (links), und manchmal sogar das Klingelbrett (rechts).

Mein Cousin wohnt in einem ordentlichen Block. Da hat er sozusagen Glück gehabt. Das ist nicht immer der Fall. Es hätte auch ganz anders kommen können. Man weiß vorher nie, wer da noch alles was kauft. Ich verrate nicht zuviel, aber bei manchem Block möchte man lieber nicht vor der Tür sitzen.

Nachdem wir lange genug geschwiegen haben, gehen wir rein zu meinem Cousin. Dort steht der Salat meist schon auf dem Tisch und mein Cousin muss nur noch den RAKIJA aus dem Kühlschrank holen. Später, zum Hauptgericht, gibt es dann auch noch Bier.

Alles hätte eigentlich meine von Berlin gewohnte Ordnung haben können, wenn mein Cousin nicht immer erst um halb zehn Feierabend machen würde und wir uns kaum vor 22Uhr auf der Bank vor seinem Block treffen. Salat und RAKIJA gibt es somit erst um 23Uhr, und Hauptgericht plus Bier erst nach Mitternacht.

Aber ich will mich nicht beklagen. Andere Länder, andere Sitten. Letztendlich hat ja doch alles eine Ordnung, eben nur um ein paar Stunden zeitversetzt, was auch der Hitze am Nachmittag und frühen Abend geschuldet ist, die kaum Appetit aufkommen lässt. Man nennt die Bulgaren schließlich nicht völlig grundlos DIE PREUSSEN DEN BALKANS.

Foto&Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen