19.08.2010

AUSPUFF & AUSPUSSY


War gerade mit einem hiesigen Kollegen in der Werkstatt. Eigentlich sollte es eine ganz normale Taxifahrt von A nach B werden. Plötzlich ist ihm der Auspuff von seiner Karre abhanden gekommen. Er wollte schon einen Kollegen rufen, damit ich weiter komme.

Ich lehnte dankend ab. Ich habe es nicht eilig. Außerdem ist so ein Besuch in einer bulgarischen Werkstatt immer sehr aufschlussreich. Trotz Mittagszeit war das Teil gut besucht. Sämtliche Karren, die auf dem Hof standen, hätte der TÜV bei uns schon vor Jahren aus dem Verkehr gezogen.

Die Taxe des bulgarischen Kollegen übrigens auch, aber das nur nebenbei. Die beiden hinteren Töpfe müssten erneuert werden. Da das Modell alt ist, gibt es keine Gebrauchtteile. Dafür würden sie es aber sofort machen. Kostenpunkt: sechzig Euro.

Der Taxifahrer verdreht leicht die Augen. Ich finde den Preis OK. Immerhin kriegt er Neuteile. Allerdings, und das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht, keine Originalteile. Um den Kollegen die Entscheidung zu erleichtern, lade ich ihn in eine naheliegende Kantine zum Essen ein.

Auf dem Weg dahin klagt er mir sein Leid. Sechzig Euro! Die Karre sei gerade einmal Hundert wert. Eine Woche müsse er nun für diesen Quatsch arbeiten. Was wohl seine Frau dazu sagt. Wahrscheinlich müssten sie den Urlaub am Meer dieses Jahr ausfallen lassen.

Als wir die Kantine erreichen, hat sich der bulgarische Kollege schon wieder etwas beruhigt. Früher, also vor der Demokratisierung, wie die Wende in Bulgarien heißt, sei auch er gerne hierher zum Essen gekommen. Nun wolle aber auch er mal was anderes essen als immer nur Bulgarisch. Von seinen Kindern ganz zu schweigen, die wollen immer nur Pizza und Pommes.

Wir nehmen jeder eine Suppe, Salat und einen Hauptgang. Natürlich auch Brot. Es ist Selbstbedienung. Das Essen ist fertig, aber trotzdem warm. Wir sind zur richtigen Zeit gekommen. Das hatte ich bereits beim Eintreten bemerkt. Auf der Tafel war noch kein Gericht durchgestrichen, es gab noch das komplette Mittagsangebot. Kostenpunkt hier für zwei Personen: fünf Euro.

Nach einer knappen Stunde sind wir zurück in der Werkstatt. Sein Taxi ist bereits fertig. Über der Grube steht jetzt ein anderes Fahrzeug. Der Kollege stürzt sich sogleich unter seinen Wagen. Der Auspuff hängt zu tief. Das geht nicht. Er hat auch Kunden in Dörfern mit unbefestigten Straßen. Die reißen ihm diesen Auspuff gleich wieder ab.

So wäre das aber bei diesem Model. Was er wolle? Der neue Auspuff wäre schließlich mehr wert wie seine ganze Karre! Außerdem ist ein etwas tiefer hängender Auspuff sogar besser. Wofür genau, vermochte der Meister allerdings auch nicht zu sagen.

Der Kollege insistiert. Die Arbeiter müssen nachbessern. Zurück über die Grube. Kurz was abgeflext und gleich wieder neu angeschweißt. Dann noch etwas Farbe drauf und fertig ist der Lack. Der Kollege bleibt kritisch, aber was bleibt ihm weiter übrig. Er hat schon genug Zeit verloren, und nun wird er auch noch die Kohle für die ganze Woche los.

Ob man bei uns auch so arbeitet, fragt er mich bei unserer Weiterfahrt. Schwer zu sagen. Alleine so ein Sofortservice ist schwer zu finden und kostet vielleicht alleine schon sechzig Euro?! Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht genau.

Eins weiß ich aber mit Sicherheit: Die Mehrzahl von AUSPUFF heißt bei uns nicht AUSPUSSY!

Text TaxiBerlin

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