08.07.2010

Der schlimmste Irrglaube

Es gab und gibt in unserer Stadt immer wieder Leute, die behaupten, jeder könne nach seiner Facon selig werden. Das ist natürlich Quatsch. Wie soll ein Gemeinwesen sinnvoll funktionieren, wenn jeder an etwas anderes glaubt?

Der Spruch mit dem Facon, der auf den Alten Fritz zurückgeht, ist nichts weiter als eine frühe Reklame für das (Bundes)Land Preußen, vergleichbar mit der heutigen Werbung für Baden/Württemberg: „Wir können alles außer Hochdeutsch“. Niemand kommt auf die Idee, daß die Schwaben wirklich alles können.

(„Immer Coca Cola“ nimmt auch keiner wörtlich und McDonald „liebt“ schließlich auch niemand - oder?)

„ … wenn nur die Leute, …, ehrliche Leute sind, auch wenn es Türken und Heiden sind …“,

lautet ein weniger bekannt gewordene Satz des Alten, den ich aber für wichtiger halte. Daß viele aus handfesten materiellen Gründen nach Berlin kommen und nicht wegen dem schönen Wetter, ist eine unausgesprochene Wahrheit.

Aber sag mir, warum müssen ausgerechnet die größten Spießer der Republik einen ganzen (Ex) In-Bezirk besetzen? Wissen sie denn nicht, daß Ihresgleichen in Steglitz und Zehlendorf wohnen?

Mich stört nicht, daß die Leute Geld haben (wenn es denn ehrlich verdient ist). Was mich nervt, ist ihre falsche Selbstwahrnehmung, oder, wie es der Alten Fritz formuliert hat, daß es keine "ehrlichen Leute" sind.

Einen Irrglauben zu bekämpfen, davon rät der Weise vom Berg ab. Eine falsche Selbstwahrnehmung ist aber der schlimmste Irrglaube.

Text TaxiBerlin

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