03.06.2010

Was von der Qualitätsoffensive bleibt

Gestern wurde es entschieden, von einem Gericht natürlich. Von wem sonst. Will ein Berliner Taxifahrer am Flughafen Tegel Fahrgäste aufnehmen, muss er nicht zwingend Kredit- oder EC-Karten akzeptieren. Das war allerdings wichtiger Bestandteil der Qualitätsoffensive, für die der Fahrgast ab ersten Januar mit fünfzig Cent für jede Fahrt ab Tegel zur Kasse gebeten wird.

Mir stellt sich die Frage, was denn nun überhaupt noch übrig bleibt von der Qualitätsoffensive?! Bargeldlose, sogenannte Couponfahrten? Nein! Englischkenntnisse? Nein! Ich meine, bei manch einem Kollegen wäre man schon froh, wenn er wenigstens Deutsch halbwegs beherrschen würde. Und jetzt auch noch das AUS für das Kartenlesegerät. Obwohl das eigentlich der Punkt ist, der auch von den meisten Fluggästen kritisiert wird. Und zwar, daß man nur in wenigen Berliner Taxen mit Karte bezahlen kann.

Geblieben von der sogenannten Qualitätsoffensive ist offensichtlich nur die bunte Flughafentruppe der EinEuroJobber mit den gelben Westen, deren Kompetenzen weder mir noch ihnen selbst wirklich klar sind. Angesichts dieser nicht gerade erfreulichen Bestandsaufnahme, frage ich mich, ob es sich bei der Flughafengebühr nicht um Wegelagerei handelt, die ich in dieser Form bisher nur vom Balkan kannte.

Dort bekamen viele Leute auch schicke Kostüme, und ihnen wurde gesagt, daß sie ab sofort Chef sind, in Regel von einem Parking oder manchmal auch nur von einem Pisshaus. Im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen, bekommen sie zwar nur ein Euro pro Tag, wenn überhaupt, dafür sind ihre Kompetenzen aber klar geregelt. Der potentielle Autodieb bekommt ein paar aufs Maul, und der Pisser, der nicht zahlen will, etwas auf die Eier. Außerdem sind die Kostüme auf dem Balkan viel schicker – sind eben richtige Kostüme und nicht nur solche blöden gelben Westen.

Von der Qualitätsoffensive am Flughafen Tegel bleibt, soweit ich das beurteilen kann, neben den EinEuroJobbern, nur die Gebühr, die der Bürger, Flug- oder Fahrgast zahlen muss. Diese bleibt auch weiterhin bestehen, darauf hat das Gericht gestern auch noch einmal ausdrücklich hingewiesen. Mir erschließt sich nicht: Warum? Wofür bezahlen, wenn die Leistung gar nicht erbracht wird.

Das immer wieder vorgebrachte Argument, daß ich mit meinem Taxi dort ja parken würde, ist doch vollkommen lächerlich. Ich will dort nämlich gar nicht parken. Ich will einfach nur meinen Job machen: Fahrgäste aufnehmen und damit den Flughafen letztendlich entlasten. Denn die wollen nämlich auch nicht zum Flughafen, sondern entweder nach Hause, ins Hotel oder einfach nur weiter – Hauptsache weg!

Wenn die Taxiverbände clever gewesen wären, sie hätten schon längst Land von der Stadt außerhalb des privaten Flughafengeländes beantragen können, um dort Taxen halten zu lassen. Zur Not hätte man Tegel einfach mal eine Woche blockieren können. Spätestens am zweiten Tag hätte irgendjemand bei den Taxiverbänden angerufen und auf Knien darum gebeten, daß Tegel zwecks Fahrgastaufnahme wieder angefahren wird. Die Mär von einem flughafeneigenen Shuttleservice als Taxiersatz hätte niemals funktioniert – schon gar nicht zu Taxipreisen!

Doch was nun tun mit dem ganzen Geld, was die Flughafengesellschaft, eingetrieben durch uns Taxifahrer, anhäuft? Ich habe da ein paar Ideen. Erst einmal sollte man Deutschkurse anbieten. Außerdem sollten Wissenslücken bezüglich Recht und Gesetz im Taxigewerbe geschlossen werden. Kurz und knapp ließe sich alles zusammenfassen mit: Bildet Lerngruppen!

Übrigens: Warum kauft die Flughafengesellschaft nicht selbst Kartenlesegeräte und leiht diese den Taxifahrern?

Text TaxiBerlin

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