26.06.2010

Links oder Rechts

Alfredstraße / Lichtenberg

Schon als ich selbst noch Taxi fuhr, habe ich gerne über alles und jeden abgelästert. Nun, als Flaschensammler, kann ich dies noch viel ungenierter tun, insbesondere auch über ehemalige Kollegen. Sicherlich, es steht geschrieben: Lästere nicht, auf daß über dich nicht gelästert wird – oder so ähnlich. Aber es gilt auch: Rede nicht falsch Zeugnis wider deinen Nächsten – wogegen ich nicht verstoße. Und daß nicht etwa, weil die betreffenden Personen gar nicht meine Nächsten sind.

Oftmals kenne ich sie gar nicht, zumindest nicht persönlich. Viele kenne ich, soweit man das kennen nennen darf, nur virtuell – also ihren Blog, wo sie mir bei jeder Gelegenheit ihre Sicht der Dinge aufdrücken. Soweit ist das nicht weiter schlimm – schließlich tue ich in meinem Blog nichts anderes. Im Unterschied zu mir müssen aber manche immer und überall betonen, daß sie Links sind, wo doch allgemein bekannt ist, daß die Grenze nicht zwischen Links und Rechts sondern zwischen Oben und Unten verläuft.

Zugegeben, ich hatte schon ein paar Jahre mehr auf den Berliner Straßen zugebracht bevor ich ausstieg, und mehr als diese jungen zugezogenen Kollegen jetzt zusammen haben. „Links oder Rechts?“ fragte ich nur noch, wenn ich mir mit der Fahrstrecke nicht sicher war. Ansonsten halte ich es mit Albert Camus, der auf dieselbe Frage geantwortet hat, daß er weder Links noch Rechts ist, sondern da, wo das Recht ist.

Der Weise vom Berge rät: „Bekämpfe keinen Irrglauben“. Ich will niemanden von irgendetwas überzeugen. Es ist ein alter Hut, daß die Leute, die die Welt verbessern wollen, sich selbst nicht helfen können. Nie habe ich von den Weltverbessernden Kollegen ein Wort gehört über die Abzocke am Flughafen Tegel oder den Machenschaften unserer sogenannten Interessenvertreter.

Auch das ist symptomatisch. Gutmenschen kümmern sich immer und vorzugsweise um Probleme, die möglichst weit weg sind, manchmal auch nur am anderen Ende der Stadt. Warum? Ganz einfach: Weil sie dann die gute Tat delegieren können. Das unterscheidet den Gutmenschen vom Guten Menschen. Der Gute Mensch tut Gutes, der Gutmensch delegiert die Tat. Der Gutmensch ist leicht überführbar. Man erkennt ihn daran, daß er sich selbst und die Seinen vernachlässigt. Im Extremfall kann es dazu führen, daß er die Beisetzung eines Familienmitgliedes nicht in Eigenregie hinbekommt und dies lieber der Allgemeinheit überlässt.

In diesem Punkt ist er komischerweise ganz neoliberal. Gewinne werden privatisiert, Verluste allerdings verallgemeinert. Auch was seine Möglichkeiten und Rechte angeht, irgendwo irgendetwas abzugrabbeln, ist der Gutmensch bestens informiert. Schließlich ist das Geld nicht nur da, sondern steht ihm sogar zu. In diesen beiden Punkten muss ich ihm Recht geben. Die Frage bleibt allerdings, wie komme ich ran an die Kohle. Durch Bitten und Betteln?! Mache ich richtig Revolution oder nur ein bisschen?!

Gutmenschen sind immer hundertfünfzig Prozent PC & machen nur ein bisschen Revolution - aber ich komme ab vom Thema. Möglicherweise glaubt mir der ein oder andere nicht, daß es solche bemitleidenswerten Zeitgenossen gibt, oder er kann es sich einfach nicht vorstellen. Dem kann abgeholfen werden. Du findest die Typen am Ostbahnhof, oder irgendwo zwischen Bar25, Berghain, Matrix und dem Ostbahnhof.

Spätestens jetzt werden wahrscheinlich dem letzten Zweifler Zweifel kommen, ob er an meinen Aussagen zweifeln sollte. Wer nur den Ostbahnhof kennt, der muss zwangsläufig etwas beschränkt sein.

Mein Tipp an alle, die jetzt auch dem Regenwald mit ihrem Geschriebsel auf den Leib rücken wollen: PC-Bücher braucht keine Sau!

Foto & Text TaxiBerlin

Kommentare:

  1. OK, ich bin spät dran. Als Gutmensch hat man seine Spione nicht überall hin geschickt. Man möge mir das verzeihen ;)

    Ich möchte jetzt ungern mit Kanonen auf Spatzen zielen, wenn ich mich angesprochen fühle, aber spätestens bei der Beisetzungsgeschichte glaube ich doch erkannt zu haben, dass es eigentlich um mich geht.

    Insofern wäre ein Link doch nicht falsch gewesen, oder? Ich kann damit leben, dass Leute auf meine Seite kommen, die nicht meine Ansicht teilen.

    Aber gut, ich schreibe hier ja nicht nur zur persönlichen Belustigung, sondern durchaus mit Kritikansätzen.

    Dass ich gerne überall betone, dass ich links bin, hat seinen Grund. Ich möchte - eben genau im Wissen darüber, dass viele Leute meine Meinung nicht teilen - die Fronten gerne vorweg klären.
    Die Aussicht darauf, dass sich einige Leute deswegen gleich abwenden, erfreut mich trotz Schielens auf die Blogstatistik mehr als der Gedanke an Grundsatzdiskussionen, die eigentlich völlig off topic sind.

    Ob die Grenzen zwischen oben und unten verlaufen... wenn man diese Grenzen anerkennen will: OK! Meinetwegen! Meine Sympathie liegt aber tatsächlich eher beim fairen Chef, als beim nationalistischen Mitarbeiter. Insofern denke ich, ist das nichts, was man als "allgemein bekannt" voraussetzen kann, bzw. nichts, was nicht unumstritten ist.

    Im Übrigen verwende ich das Wort "links" durchaus der Einfachheit halber. Man kann sich darüber sicher das Maul zerreissen, aber in einzelnen Sätzen lässt sich meine Weltanschauung leider nicht erklären. Da ist es schlicht angenehm, dass es einen - wenn auch nicht vorurteilsfreien - Begriff gibt, der das vereinfacht.

    Die Kritik, Gutmenschen deligieren ihre guten Taten, kann ich sogar zum Teil bejahen, und ich stehe auch gerne öffentlich dazu, dass ich nicht alles zu verbessern in der Lage bin, was ich gerne verbessern wollte. Und ja: Da zählen auch bequemlichkeitsinduzierte Lapalien dazu, keine Frage! Ich bin auch nur ein Mensch, und den ein oder anderen Fehler muss ich mir schweren Herzens ankreiden lassen.
    Die damit einhergehenden Vorwürfe finde ich allerdings massiv überzogen.
    Zum einen würde ich gerne bestreiten, dass ein "Gutmensch" nicht auch ein "Guter Mensch" sein kann, und durchaus auch gutes tut. Die Fehleinschätzung diesbezüglich ist aber sicher damit erklärbar, dass man eben nur die Blogs und nicht die Leute kennt.

    Und über die sozialen, finanziellen und ethischen Umstände einer Beisetzung ohne nähere Kenntnis in zwei Sätzen zu urteilen, ist nicht gerade Zeichen eines guten Stils, sorry!
    Ich vermisse bei der Einschätzung übrigens die Hasstiraden gegen das "Arbeitsamt". Schließlich habe ich in die Kasse weit weniger eingezahlt, als ich letztlich herausbekommen habe.

    Ja, ich gebe zu, ich bin gekränkt, wenn man mir unterstellt, ich würde Geld der Gemeinschaft einfordern mit dem irrwitzigen Anspruch, es würde mir zustehen.
    Auf der anderen Seite: Wer mir Pflichten auferlegt, sollte auch meine Rechte anerkennen! Wenn das schon überzogenes Anspruchsdenken ist, dann soll es so sein.

    Wenn ich zu PC bin, dann würde ich es gerne ändern. Ich halte auch nichts davon. Ganz ehrlich. Hab ich im Übrigen auch mal so geschrieben. Aber wegen dieses Blogeintrags das ein oder andere "Fahrgast" durch "Neger", "Schwuler" oder "CDU-ler" zu ersetzen, kommt mir dann doch überzogen vor.

    Zu den letzten beiden Sätzen fällt es mir schwer, nicht ausfällig zu werden. Zum einen sollte es erlaubt sein, sich als Neuling erst einmal zurecht zu finden.
    Aber ja, da findet man mich! Und so beschränkt es sein mag, oft den Ostbahnhof anzufahren, wie beschränkt ist es denn bitte, einen Fahrer deswegen vorzuverurteilen?

    Und keine Sorge: MEIN Buch wird nicht völlig PC sein und ich belasse es in diesem Zusammenhang gerne bei einem Kommentar, der nur Strom frisst, also völlig unbedenklich ist!

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  2. Ich freue mich immer, wenn sich jemand von meinen Beiträgen angesprochen fühlt. Ich diesem Fall scheint das aber anders zu sein, denn ich höre eine persönliche Betroffenheit heraus. Eine persönliche Betroffenheit deswegen, weil sich derjenige eben nicht nur angesprochen sondern gemeint fühlt.

    Wie ich dem Kommentar entnehme, ist der Verfasser nicht nur ein Kollege sondern auch ein Autor, der gerade an einem Buch arbeitet. So erübrigt sich eigentlich die Feststellung, daß es bei literarischen Texten in der Regel nie um eine Eins zu Eins Wiedergabe der Realität handelt. Im Übrigen verweise ich auf den Untertitel meines Blogs: „Unwahre Geschichten aus dem wahren Leben eines Berliner Taxifahrers“.

    Da ich gerade im Urlaub bin, aber trotzdem zeitnah reagieren möchte, nun zu ausgewählten Punkten des Kommentars im Einzelnen: Rein stilistisch halte ich den Kommentar für eine Meisterleistung. Trotz persönlicher Betroffenheit gelingt es dem Autor, kein einziges Mal das Wort DU an mich, also an TaxiBerlin, dem Verfasser des Blogeintrages, gerichtet, zu benutzen.

    Was stilistisch eine Meisterleistung ist, muss nicht automatisch angemessen und gut sein. Ich bevorzuge in diesem Fall in meiner Antwort das persönliche DU, und richte mich damit an den Verfasser und Kollegen Sash.

    Du fühlst Dich unter anderem von dem Text angesprochen, oder besser betroffen, weil Du Dich, wie Du schreibst, selbst als Links bezeichnest, und damit "die Fronten gerne vorweg" geklärt haben möchtest. Aber was bitte sehr ist denn Deiner Meinung nach heutzutage Links? Ist Sympathie mit dem „fairen“ Chef neuerdings Links? Und wer gibt eigentlich vor, welche Diskussionen gerade „off topic“ sind? Sind es nicht genau die PC-Leute, von denen Du Dich, wie Du selbst schreibst, gerne distanzieren möchtest? „Wenn ich zu PC bin, dann würde ich es gerne ändern.“ Wer oder was hindert Dich daran? Bist es nicht in erster Linie Du selbst?

    Wie bereits erwähnt, sind meine Texte nie nur auf eine Person bezogen, sondern immer das Resultat einer Vielzahl von Eindrücken und Erfahrungen. Was die Geschichte mit der Beisetzung angeht, so erinnere ich mich dunkel, Sorry – aber es ist schon einige Monate her, daß Du einiges darüber geschrieben hattest. Dann solltest Du Dich allerdings nicht wundern, wenn andere dieses Thema aufgreifen. (Wieso erwartest Du Hasstiraden auf das Arbeitsamt in diesem Zusammenhang?)

    Einen Link setze ich nur, wenn es sich ausschließlich um eine Quelle handelt. Das ist aus genannten Gründen in den seltensten Fällen der Fall. Bei literarischen Texten gibt es meist verschiedene Quellen. Oft kommt es auch vor, das wirst Du aus eigener Erfahrung kennen, daß bestimmte Themen beispielsweise mit Fahrgästen kommentiert werden. (Vorausgesetzt, die Fahrt ist lang genug!)

    Solltest Du es wirklich ernst meinen damit, daß Dein Buch „nicht völlig PC“ sein wird, erlaube ich mir Dir ein Zitat eines meiner Lieblingsautoren Michel Houellebecq mit auf den Weg zu geben: „Seien Sie richtig gemein, dann sind Sie wahr …“ (Wie kommst Du eigentlich darauf, daß ein „Kommentar, der nur Strom frisst … völlig unbedenklich ist“?)

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  3. Gleich vorweg: Danke für die Antwort. Ehrlich!
    Das mit dem Du hab ich weniger weggelassen, um stilistisch irgendwelche Standards zu setzen, sondern um es zu vermeiden, persönlich angreifend zu werden und im Unklaren, ob in der Situation das Du ok ist. Aber gut, bleiben wir beim Du.

    Ich habe mich hier - das habe ich ja auch deutlich gemacht - tatsächlich gemeint gefühlt, und das eben wegen besagter Bestattungsgeschichte.
    Dass der Artikel im Ganzen keine Person direkt anspricht, habe ich ob dieses doch sehr markanten Details eher für ein Stilmittel gehalten.
    Gut, dann lag ich damit teilweise falsch. Was meiner Meinung nach aber kaum meine Ablehnung des Inhaltes wegen betrifft.

    Ich verstehe nach wie vor nicht, was so abwegig daran ist, sich vorneweg als links zu bezeichnen. Was das ist? Klar, das kann einiges sein. Aber ist doch gut zu wissen, dass sich jemand, der sich selbst "eher rechts" einordnet, gar nicht wundert, wenn er auf eine konträre Meinung trifft.
    Ich gebe off-topic-Themen nicht vor, aber natürlich bin ich bei diesem oder jenem Artikel in meinem Blog froh, wenn sich nicht zum x-ten Mal die Frage stellt, ob... mir fällt kein Beispiel ein.
    Und da das mein Blog ist, sehe ich auch keine Probleme darin, die Diskussionsrichtung auf allen Ebenen irgendwie beeinflussen. Wenn es dann trotzdem mal dazu kommt - hatte ich noch nie ein Problem damit. Ich denke also weder, dass ich da "zu PC" bin, oder das sonstwie eine problematische Geschichte ist.

    Dass du die Beerdigungsgeschichte aufgreifst, das ist natürlich ok. Ich habe öffentlich darüber geschrieben, und mir ist schon bewusst, dass ich damit auch Reaktionen provoziere. In dem Fall war mein größtes Problem damit, dass du auf der einen Seite relativ frei über irgendwelche kuriosen Gutmenschen-Taxifahrer fabulierst und zugleich recht eindeutig eine in diesem begrenzten Kreis sicher nicht gerade häufige und damit mir zuordnenbare Geschichte einbaust.
    Zumal ich es nach wie vor sehr unpassend finde, da einen Zusammenhang herzustellen zwischen einer grundsätzlichen politischen Orientierung und einem konkreten Fall von Ärger mit einem bestimmten Amt bei einem bestimmten Fall.
    In jenem Fall laufen ausserdem unser beider Kritiken in Richtung der Zuständigkeit, was also bedeutet, dass du mir da wohl nicht zustimmst. Das sei erlaubt, gibt aber schwer die Möglichkeit gibt, einen anonymen allgemeinen Gutmenschen anzugreifen, sondern mich.

    Deswegen auch die zynische Bitte um einen Link. Es war für mich aufgrund der einen Geschichte schwer zu erkennen, dass ich nicht ganz konkret jener "angegriffene" Fahrer zu sein.
    Da hat es mich eben gewundert, weswegen nicht noch viel mehr untragbare Meinungen rund um die Privatisierung von Gewinnen und Verallgemeinerung von Verlusten meinerseits angeführt werden.

    Und es lässt sich eben auch wesentlich besser diskutieren, streiten meinetwegen, wenn eben klar ist, wessen Meinung worüber es ist, über die man uneins ist.

    zuletzt: Was den Strom angeht. Ich dachte, die Anspielung auf den letzten Satz des Artikels wäre erkennbar gewesen.

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  4. Auch Dir Danke für die Antwort, wenngleich ich sagen muss, daß ich den Eindruck habe, wir drehen uns im Kreis. Doch eins nach dem anderen.

    Du hast, soweit ich mich erinnere und das überhaupt beurteilen kann, einen Taxiblog, wo Du Deine Erlebnisse und Erfahrungen als Berliner Taxifahrer in einer Art Tagebuch Eins zu Eins aufschreibst. Ich habe etwas anderes. Mein Blog nennt sich AUTOFIKTION und im Untertitel „Unwahre Geschichten aus dem wahren Leben eines Berliner Taxifahrers“, womit meiner Meinung nach alles gesagt ist. Weitergehende Interpretationen, auch was meine veröffentlichten Texte angeht, überlasse ich gerne und ausschließlich anderen.

    Unabhängig davon habe ich Dir, da Du Dich in einem meiner Texte persönlich gemeint fühltest, Auskunft gegeben, soweit dies in meiner Macht stand. Darüber hinaus habe ich Dir in meiner Antwort Fragen gestellt, die Du, wenn überhaupt, nur sehr unzureichend beantwortest hast. Als exemplarisches Beispiel sei folgende Frage genannt: „Aber was bitte sehr ist denn Deiner Meinung nach heutzutage Links?“

    Wenn Du mit irgendwelchen Leuten „die Fronten gerne vorweg klären“ möchtest, so ist das Deine Sache. Sie setzt allerdings voraus, daß Du sowohl die „Fronten“, als auch „Links“ und „Rechts“ ausreichend definieren kannst. Da die mir bekannten Definitionsansätze allesamt von gestern, wenn nicht gar von vorgestern, sind, halte ich es diesbezüglich mit dem Weisen vom Berge: „Bekämpfe keinen Irrglauben!“ Alles weitere, was ich zu diesen und anderen Themen zu sagen habe, findest Du in meinen Texten.

    Du schreibst in Deinem ersten Kommentar folgenden, meiner Meinung nach zentralen, Satz: „Wenn ich zu PC bin, dann würde ich es gerne ändern.“, den ich als Bitte um Hilfestellung verstehe. Auf meine daraufhin an Dich gestellten Anregungen gehst Du allerdings mit keiner Silbe ein. Sag mir, was ich davon halten soll? Als einzige mir sinnvolle Erklärung erscheint mir: Du hast den Wunsch gar nicht ernst gemeint.

    Nimm es mir bitte nicht übel, und damit wir uns auch nicht weiter im Kreis drehen, kann ich ihn nicht oft genug wiederholen, den Weisen vom Berge:

    BEKÄMPFE KEINEN IRRGLAUBEN!

    TaxiBerlin wünscht Dir: Allzeit Gute Fahrt und Fette Beute!

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  5. Nachtrag: Eine Nacht drüber schlafen bringt wie so oft nochmal ganz andere Gesichtspunkte. Ich an Deiner Stelle würde mich fragen, warum ich ständig mit irgendwelchen Leute "die Fronten gerne vorweg klären" möchte. Sind das vielleicht nur Stellvertreter und Du willst eigentlich mit jemand anderem etwas klären? Diese und alle anderen Antworten auf die von mir aufgeworfenen Fragen bezüglich Deiner Kommentare kannst allerdings nur Du alleine herausfinden ...

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  6. Keine Angst, das ist jetzt wirklich das letzte, was ich zum Thema schreibe, und auch lediglich eine Vermutung. Möglicherweise hat Deine Motivation, ständig "die Fronten ... vorweg klären" zu wollen, ja doch etwas mit Deiner Beerdigungsgeschichte zu tun, womit sich in gewisser Weise ein Kreis schließen würde ...

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  7. Erstmal sorry, dass ich so lange nicht hier war und nichts mehr dazu geschrieben habe.
    Und ja, zugegeben, ich hatte auch nicht immer Lust drauf, wenn mir was eingefallen wäre.
    Dass wir uns im Kreis drehen, mag teilweise stimmen - kommt aber vor, wenn man unterschiedlicher Meinung ist.
    Aber gut: Ich erkenne es durchaus an, dass deine Seite der Fiktion eher zugeneigt ist als meine (die im Übrigen nur ganz zu Beginn 1:1 war, inzwischen zumindest mit viel Verfremdung / Zusammenlegung etc. arbeitet).
    Ich hab aber durchaus das Gefühl, dass du gerade einfach die Überschrift deines Blogs nutzt, um der Tatsache aus dem Weg zu gehen, dass du dich in deinen Beiträgen ja durchaus über real existierende Probleme oder unschöne Sachen beschwerst, bzw. dich damit auseinandersetzt.
    So unschön es für mich in dem Fall sein mag: Es ist auch ok, wenn Ich oder mein Blog der Stein des Anstoßes sind. Das Ausweichen mit dem Argument, es wäre ja nur eine fiktive Geschichte ist meines Erachtens nach etwas halbseiden.
    Um es klarzustellen: Nicht ich habe hier den Bezug zu mir selbst hergestellt, es war ein Leser, der mich darauf hingewiesen hat...
    Genauso wie mir völlig klar ist, dass bei "Taxiseiten" Klaus derjenige ist, der seine Füße zum Fenster raushängt. Wo sich genauso die Frage aufdrängt, was ein Foto in einem Blog aussagen soll, wo doch theoretisch auch Bilder gestellt sein können, ergo: Fiktion sind.

    Aber gut, deine Kritik war jetzt auch, dass ich nicht auf alles eingegangen bin. Faulheit! Ehrlich. Fragen wie die, was denn bitte links sein soll, sind doch nicht ernsthaft in einem Kommentarfeld zu erörtern, oder?
    Und mein Ziel ist damit nicht, jemanden wie dich im Unklaren zu lassen. Auch meine Einstellung lässt sich bei Bedarf mehr oder minder aus meinen Texten herauslesen, aber ich erwarte nicht, dass sich jemand diese Textfülle deswegen antut. Eine Nachfrage - wenn denn mal wirklich Bedarf besteht - klärt das doch recht schnell.
    Zum Thema selbst: Die Definitionen von Links sind zweifelsohne alle grundsätzlich nicht von heute. Für meinen Teil verstehe ich vor allem darunter, im Zweifelsfalle statt Sicherheit Freiheit zu wählen, Fortschritt statt Erhaltung und Menschlichkeit vor Profitinteresse
    Aber sowie ich das schreibe, ist mir klar, dass beide Positionen nur als einzelfallunabhängige Grundüberlegungen standhalten und somit eben ständig neu zu erörtern und nicht pauschalisierbar sind.

    (es sind wohl zu viele Zeichen. Ich muss den Kommentar spalten...)

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  8. Die von dir angebotene Hilfestellung zum Thema "PC sein" war wohl die Frage, ob nicht PCler bestimmen, was OT ist, bzw. ob ich mich nicht nur selbst daran hindere, mal nicht PC zu sein.
    Dazu müsste ich weiterhin erst einmal wissen, in welchem Sinne ich eigentlich so PC bin, denn ich schreibe kaum etwas im Hinblick darauf, es zu sein.

    Das mit den vorher geklärten Fronten ist ein schwieriges Thema. Natürlich kann ich da eine gewisse Arroganz nicht verleugnen: Bei aller Meinungsfreiheit lege ich einfach keinen Wert darauf, dass Nazis auf meiner Seite landen und mich fragen, warum ich denn Neger überhaupt im Taxi mitnehme. Krasses Beispiel, aber das ist es, was ich meine: Selbst die schwammige Definition von Links erlaubt es doch irgendwie, eine grobe Richtung festzustellen. Über viele Dinge kann gestritten werden - und das gerne auch in meinem Blog. Aber ja, es gibt den Punkt, an dem mir meine Lebenszeit zum Löschen eines Kommentares schon zu schade ist.
    Das mag überheblich sein, aber eine private Seite von mir muss in meinen Augen nicht für alles herhalten, und das sollte sich auch decken mit der Idee, keinen Irrglauben zu bekämpfen.
    Ich bin mir lediglich bewusst, dass die Welt - ja selbst das deutschsprachige Internet - einfach zu groß sind, als dass ich jedem darin meine Meinung ausreichend erklären oder sie explizit diskutieren könnte.
    Etwas irritiert muss ich aber nun - auch wenn ich vermute, keinem Psychologen diesen Text zu schreiben - fragen, wie bitte der Tod meiner Mutter oder irgendwelcher Kleinkram mit Ämtern diesbezüglich mit dem Wunsch, die Fronten vorweg zu klären, zu tun haben könnte.
    Keine Sorge, die Trauer hab ich hinter mir! Aber dieser Zusammenhang scheint mir irgendwie dermaßen absurd zu sein, dass es mich ernstlich interessiert, was die Gedankengänge hinter dieser Überlegung waren.

    Insofern schließt sich da wahrscheinlich kein Kreis...

    Um zum Schluss etwas versöhnlicher zu sein: Houellebecq als Lieblingsautor: Das hätte ich auch schreiben können... ;)

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  9. Hallo Sash! Sorry, hat bei mir auch etwas länger gedauert mit der Antwort.

    Du schreibst: "Houellebecq als Lieblingsautor: Das hätte ich auch schreiben können ...“ Warum machst Du es dann nicht? Ich hatte geschrieben: "... ein Zitat eines meiner Lieblingsautoren Michel Houellebecq ..." Das ist ein Unterschied! Ich habe noch andere Lieblingsautoren. Du auch?

    Aber Spaß bei Seite. Mit Deiner Vermutung einem Psychologen zu schreiben, bist Du ziemlich nah dran, letztendlich aber (wie so oft) doch knapp am Ziel vorbei. Daß Du meine Vermutung, daß es zwischen Deinem „Klärungszwang“ und dem Tod eines Familienangehörigen, mit dem Du evtl. noch „Klärungsbedarf“ hattest, einen Zusammenhang geben könnte, rundweg ablehnst, damit habe ich gerechnet. Daß Du aber den möglichen Zusammenhang gar nicht siehst, das enttäuscht mich dann doch. Da hatte ich mehr erwartet!

    Ein weiterer Lieblingsautor von mir äußert sich zum „Klärungszwang“, der bei ihm aber eher ein weibliches Phänomen zu sein scheint, wie folgt:

    „Auch mit Frauen habe ich dieses Problem.
    „Hör mal, du sitzt nur rum und sagst nichts“,
    sagen sie. „Also da stimmt doch was nicht,
    wenn du nur rumsitzt und nichts sagst!“
    Ich leere mein Glas und gieße mir nach.
    „Los“, sagen sie, „laß uns darüber reden,
    damit wir das klären!“
    „Ich will nichts klären“, sage ich.
    (Charles Bukowski, „Ich wollte nicht“)

    Dir als Autor muss ich glaube ich nicht sagen, daß Du nicht nur die Quellen Deiner Inspiration niemals preisgeben darfst (Das wäre ein Kunstfehler!), sondern Deinen Lesern auch niemals vorschreiben darfst, was sie in Deinen Text zu sehen haben. Wenn Du beispielsweise in einem meiner Texte die Füße von Klaus siehst, dann ist das doch prima. Mehr kannst du als Autor wirklich nicht verlangen! Apropos: Was macht eigentlich Dein Buch?

    Soweit ich mich erinnere, soll es ja nicht so PC werden, weswegen Du Dich mit den Worten „Wenn ich zu PC bin, dann würde ich es gerne ändern.“ an mich gewandt hast. Nachdem Du leider auf meine vielen Ratschläge diesbezüglich so gut wie gar nicht eingegangen bist, wirfst Du nun ein neues Problem auf. Du schreibst: „Bei aller Meinungsfreiheit lege ich einfach keinen Wert darauf, dass Nazis auf meiner Seite landen und mich fragen, warum ich denn Neger überhaupt im Taxi mitnehme.“, wo ich Dich sehr gut verstehen kann. Ich möchte Dir nur soviel dazu zu sagen: Glaubst Du wirklich, daß Dein vorauseilender Gehorsam, manch einer nennt es auch PC, das Problem löst?

    Als Therapeut würde ich Dir noch folgende psychotherapeutische Weisheit mit auf den Weg geben: Helfen kann dir keiner – Helfen kannst du dir nur selbst! Wie Du weißt, halte ich mich selbst eher an den Weisen vom Berge: Bekämpfe keinen Irrglauben!

    Mehr kann ich an dieser Stelle wirklich nicht für dich tun. „Ich muss jetzt aufhören, es haben andere Leute auch noch Hilfe nötig!“ (Emil Steinberger, Schweizer Kabarettist & ein weiterer Lieblingsautor von mir)

    In diesem Sinne: Gute Besserung!
    TaxiBerlin

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