04.06.2010

Ich bin dann mal Flaschen sammeln

Greifswalder Straße / Prenzlauer Berg, Fahrradkurier Micha

Das ist jetzt kein Arbeitstitel für ein Buch von mir. Das Bücher schreiben überlasse ich bekanntlich anderen. Nein, „Ich bin dann mal Flaschen sammeln“ ist der Name meines neuesten Berufsprojektes. Doch eins nach dem anderen.

Erst einmal habe ich das Buch von Hape Kerkeling mit dem ähnlich klingenden Titel gelesen. Einerseits, um zu wissen, worum es bei ihm geht, andererseits, um sicher zu sein, daß wir uns weder inhaltlich noch formell in die Quere kommen.

Beides kann ich nach der Lektüre ausschließen. Kollege Kerkeling, immerhin hat er sich schon einmal als rülpsender Taxifahrer in Köln versucht, hat offensichtlich zuviel Zeit, die er durch Nordspanien pilgernd totzuschlagen versucht, um sich dies im Anschluss durch ein Selbsterfahrungsbericht in Form eines Buches zu versilbern.

(Wer plant ein Buch über Wege und Straßen zu schreiben, ist bei Kollege Kerkeling allerdings goldrichtig. In diesem Fall ist sein Buch sogar ein Muss!)

Bei mir ist das anders. Ich habe nicht zuviel Zeit, sondern zu wenig Geld. Das Buch von Kollege Kerkeling konnte ich mir aus genau diesem Grund erst jetzt, viele Jahre nach seinem Erscheinen, leisten, und daß auch nur vom Flohmarkt.

Die größte Überraschung des Buches für mich war, daß Hape Kerkeling nach eigenen Angaben homosexuell ist. Das wusste ich noch gar nicht. Ihr, die ihr das Buch bereits vor Jahren gelesen habt, wisst das natürlich. So etwas nennt man wohl materiell bedingter Wissensvorteil.

Wie dem auch sei, mich beschäftigt nach der Lektüre des Buches vor allem eine Frage: Seit wann ist Kollege Kerkeling eigentlich schwul? Seitdem er nicht mehr komisch ist? Vermutlich. Also schon ziemlich lange!

Wer meinen Blog regelmäßig liest, der weiß, daß ich mich immer wieder ernsthaft mit der Schwulenproblematik auseinandersetze, weil ich auch im Taxi des Öfteren damit konfrontiert werde, oder genauer gesagt: konfrontiert wurde. Doch dazu gleich. Erst einmal möchte ich ein paar Zeilen aus Kollegen Kerkelings Buch zitieren, die sich auch mit meinen Beobachtungen decken:

„Danach war Anne mit zwei Gays aus London gemeinsam unterwegs. Das sei zwar sehr witzig gewesen, aber die beiden seien ständig auf der Suche nach Sex gewesen und das sei ihr gehörig auf den Keks gegangen und sie sei mehr als froh gewesen, als die beiden sich endlich dazu entschlossen hätten, den Camino aus Sexmangel abzubrechen und nach Madrid ‚for some sex‘ zu fliegen.“ (S.248)

Soviel zu Kollegen Kerkelings Pilgerbekanntschaft Anne aus Liverpool, die offensichtlich, obwohl eine Frau, ziemlich genervt war von zwei mitpilgernden Gays. Ausgerechnet die hätte ich beim Pilgern nun gar vermutet. Aber offensichtlich gehen sie anderen Leuten gerne überall und immer auf den Sack, und eben nicht nur im Taxi. Hape Kerkelings Buch ist letztendlich auch nur ein weiterer Beweis meiner These.

Ansonsten kann man das Buch vom Kollegen Kerkeling am besten folgendermaßen zusammenfassen: Hape, übrigens die Abkürzung für Hans Peter, verschmäht regelmäßig die kostenlosen Pilgerherbergen und steigt dafür lieber in noblen Pensionen oder Hotels ab. Anfangs noch alleine, später komischerweise nur noch in Damenbegleitung. Morgens, also vorm pilgern, und wenn er denn mal nicht mit Bus, Bahn oder per Anhalter fährt, trinkt er mindestens fünf Milchkaffee. Abends geht er nur selten vor der zweiten Flasche Wein ins Bett. Die ganze Pilgerei ist bei ihm reine Nebensache.

Der ein oder andere hört jetzt vielleicht Unverständnis oder gar Neid aus meinen Zeilen heraus. Ich kann euch beruhigen, weder das eine noch das andere ist der Fall. Ich würde es im Prinzip genauso machen wie Hape, wenn ich denn die Kohle dazu hätte. Allerdings würde ich mich die komplette Pilgerstrecke mit dem Taxi fahren lassen und abends, genauso wie Hape übrigens, auch schon mal ein Dreibettzimmer mit zwei Weibern klarmachen. Ich würde auch nie mit Typen, sondern immer nur mit Frauen, aufs Zimmer gehen. Allerdings dürften die auch gerne etwas jünger sein als bei Kollege Kerkeling – aber das nur nebenbei.

Nun zu meinem Berufsprojekt. Wie ich bereits erwähnte, wird das Taxigeschäft von Tag zu Tag schlechter. Genau genommen ist jetzt der Punkt erreicht, wo ich kein Taxifahrer sondern nur noch ein EinEuroJobber bin. Da ich aber kein Bock habe, was eine Alternative wäre, auf irgendwelchen Ämtern rumzuhocken, um alle möglichen und unmöglichen Unterstützungen abzugrabbeln, habe ich mich für eine berufliche Neuorientierung entschieden. Mein erster Gedanke war Fahrradkurier, aber da würde ich nur Kollege Micha in die Quere kommen, der schon vor Jahren beim Taxifahren ausgestiegen ist.

So bleibt mir nur noch das Flaschen sammeln. Und das meine ich jetzt zu einhundert Prozent ernst! Der Vorteil beim Flaschen sammeln ist, daß man zwar immer an der frischen Luft ist, aber nicht zwangsläufig wie der Fahrradkurier seinen Kiez verlassen muss. Der Weg von und zur Arbeit wäre im Allgemeinen sehr kurz. Außerdem kann ich jederzeit arbeiten, ähnlich wie beim Taxifahren. Das wichtigste ist aber, daß es für den Rücken viel besser ist als Taxi fahren, das Flaschen sammeln. Diesbezüglich habe ich bereits vor geraumer Zeit meinen Orthopäden konsultiert, der mir auch schon grünes Licht gegeben hat.

Ich warte jetzt eigentlich nur noch auf die Zusage von zwei drei Sponsoren, für ich bei meiner neuen Tätigkeit Werbung machen möchte, und dann kann es sofort losgehen. Das habe ich noch beim Taxifahren gelernt: Wenn schon in der Öffentlichkeit, dann aber richtig.

Auf die Idee mit dem Flaschen sammeln bin ich natürlich, wie sollte es anders sein, durchs Taxifahren gekommen. Dort sehe ich nämlich immer eine ganze Menge Flaschen, und das nicht nur in meiner Taxe. Leider lässt sich das Flaschen sammeln nicht sinnvoll mit dem Taxifahren verbinden. Wenn ich Fahrgäste, egal ob Flasche oder nicht, an Bord habe, geht gar nix. Habe ich eine Vorbestellung, stehe ich unter Zeitdruck. Mancherorts kann ich gar nicht anhalten. Andernorts behindere ich nachfolgende Fahrzeuge. Und außerdem ist das Aufnahmevermögen von leeren Flaschen in einem Taxi doch sehr begrenzt. An die zwangsläufig eintretende Verunreinigung des Wagens will ich gar nicht denken.

Das Dosen-, und natürlich auch das Flaschenpfand, ist, und das dar trotz aller Eile nicht vergessen werden, die einzige soziale Errungenschaft von Rot-Grün, die bis heute Bestand hat. Eingeführt übrigens vom damaligen grünen Umweltminister Trittin, um den von seiner Regierung organisierten Kahlschlag, auch Hartz Vier genannt, zumindest etwas abzufedern. Von Anfang an ein voller Erfolg!

Bleibt nur noch die Frage, was passiert, wenn es zufällig zu einem Zusammentreffen von meinem komischen Hobbyflaschensammler und mir vor einer liegengeblieben Flasche kommt, womöglich sogar im Dunkeln. Das ist durchaus vorstellbar. Von diesen Hobbysammlern, die entweder zuviel Zeit oder zuwenig Sozialkontakte, oder aber beides haben, gibt es jede Menge. Neuerdings sollen sogar schon Beamte sammeln gehen, habe ich mir sagen lassen.

Ich meine, gut, auch angesichts der anstehenden Fußballweltmeisterschaft würde ich davon ausgehen, daß das alles Sportsmänner sind, und da gilt bekanntlich die Devise: Möge der bessere gewinnen. Aber wie ich bereits andeutete: Für mich ist das kein Sport, für mich bedeuten Flaschen überleben!

Am besten lasse ich mich überraschen. Vielleicht sind ja auch Frauen dabei!? Und zur Not habe ich meine stabile Taschenlampe mit dem langen Metallgriff …

(Wer das Buch von Hape gerne mal lesen möchte, einfach bei mir melden. Ich kann’s eh nicht mehr gebrauchen.)

Macht’s gut - War schön mit Euch!

Euer TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen