30.06.2010

FlaschensammlerInnung

Flaschensammler ist nicht gleich Flaschensammler. Flaschensammler sind alle Individualisten. Das ist keine Überraschung. Das ist schließlich bei den Taxifahrern nicht anders.

Da gibt es die Orientierungslosen, die sich treiben lassen. Es gibt die Aufsteiger, die mit einer teuren McLight jeden Winkel ausleuchten. Und es gibt die schweigende Mehrheit, die von der Hand in den Mund lebt und jede leere Flasche sogleich gegen eine volle eintauscht.

Es fehlen auch nicht die politisch korrekten Flaschensammler, die sich sogleich in Vereinen zusammenschließen. Neulich wurde sogar aus einem normalen Flaschensammlerverein die Innung der Flaschensammler, die für alle Flaschensammler spricht.

Stutzig wurde ich, als ich erfuhr, daß der Sitz der Flaschensammlerinnung am Ostbahnhof sein soll. Ausgerechnet am Ostbahnhof. Genau genommen auf Höhe der zweiten Taxinachrücke. Dort hat der Chef der FlaschensammlerInnung seinen Sitz.

Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, forderte heute genau diese FlaschensammlerInnung vom Ostbahnhof, daß alle Flaschensammler Steuern zahlen sollen. Das muss man sich mal vorstellen! Wo noch nicht mal alle Taxifahrer Steuern zahlen.

Genau genommen sollen nicht alle Flaschensammler Steuern bezahlen. Befreit sind natürlich die Flaschensammler der FlaschensammlerInnung. Neulich hat genau diese FlaschensammlerInnung auch noch vorgeschlagen, daß sämtliche Flaschensammler der FlaschensammlerBerufsgenossenschaft beitreten sollen.

Die neueste Idee ist, den Beruf des Flaschensammlers anerkennen zu lassen und eine Prüfung vor der Industrie und Handelskammer obligatorisch zu beantragen. In diesem Zusammenhang wird überlegt, ob der Flaschensammler in einer internationalen Metropole wie Berlin nicht mindestens eine Fremdsprache beherrschen sollte.

Die Stimmungslage unter den Flaschensammlern ob dieser neuerlichen Entwicklung ist sehr unterschiedlich. Ein einheitliches Stimmungsbild lässt sich derzeit nicht erkennen. Flaschensammler sind eben alles Individualisten.

Ich bin angesichts der Veränderungen in meinem neuen Beruf mehr als ernüchtert. Das hatte ich mir alles ganz anders vorgestellt. Noch überlege ich, ob ich ein rosarotes Bändchen als „Stillen Protest“ an jede gefundene Flasche bastele oder einfach alles hinschmeiße.

Ich wäre ja nicht der Erste, der von heute auf morgen alles hinschmeißt. Allerdings wissen wir seit heute auch, was aus einer frei gewordenen Stelle wird, wenn die Falschen das sagen haben.

Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen