26.05.2010

"Ihre Papiere, bitte!"

Im Grunertunnel am Alexanderplatz kontrolliert die Polizei regelmäßig die Geschwindigkeit der durchfahrenden Fahrzeuge. Mich hat es dort auch schon einmal erwischt, die Sache ist bereits ein paar Jahre her und mittlerweile verjährt. Trotzdem war es ärgerlich an einem sonnigen Sonntagnachmittag plötzlich herausgewunken zu werden, zumal mit Fahrgast und auf dem Weg zum Flughafen.

Die Polizei steht mit ihrem Fernglas mit integriertem Laser für die Geschwindigkeitsmessung vorzugsweise auf der nördlichen Seite des Tunnels, also Richtung Greifswalder Straße. Das Gemeine ist, daß sie mit dem Fernglas tief in den Tunnel hineinlasern und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge nach der steilen, abschüssigen Einfahrt in den Tunnel, genau genommen an dessen tiefster Stelle, messen.

Von Kollege Z weiß ich, daß es auch schon einmal seinen Freund und Kollegen S im Grunertunnel erwischt hat. Genau diese Geschichte möchte ich hier stichpunktartig nacherzählen, da sie Erstens viel interessanter ist als meine eigene, und weil sie Zweitens eine ganz neue Sichtweise auf das Verhältnis von Polizei und Taxifahrer in Berlin eröffnet.

Kollege S wurde an gleicher Stelle wie ich im Grunertunnel am Alex gelasert. Er soll nach Angabe von Kollege Z irgendetwas in die achtzig km/h drauf gehabt haben, auf jeden Fall mehr als ich. Dazu muss man wissen, daß es sich zwar um eine ausgewiesene Kraftfahrstraße handelt, dort aber trotzdem nur fünfzig km/h erlaubt sind. Auf jeden Fall wurde er genauso wie ich unmittelbar nach der Ausfahrt aus dem Tunnel herausgewunken und von den dort wartenden Polizisten bereits freudig erwartet, auch weil es sich eben um ein Taxi im Dienst handelte.

Ein weiterer Unterschied zwischen Kollege S und mir ist, daß Kollege S Rastas und ein dazu passende Outfit trägt. Das muss der Polizei wohl den Rest gegeben haben. Jedenfalls soll ein Beamter sich nach dem Bericht von Kollege Z zu der Aussage an Kollege S gerichtet hinreißen lassen haben: „Ich werde dafür sorgen, daß sie die längste Zeit Taxi gefahren sind.“

So weit, so gut, denn nun passiert das Unerwartete. Kollege S hat nicht etwa gebeten, doch bitte sehr Gnade vor Recht ergehen zu lassen, etwa mit dem Versprechen es nie wieder zu tun. Er hat auch nicht auf seine Kinder und seine Gläubiger verwiesen, egal ob vorhanden oder nicht, die er mit seinem Einkommen, welches er durch das Taxifahren erzielt, bei Laune halten muss. Nein, das alles soll Kollege S nicht getan haben, zumindest nach Aussagen von Kollege Z.

Kollege S soll vielmehr sinngemäß auf die Drohung des Polizisten in etwa wie folgt reagiert haben: Endlich wäre er den P-Schein (Taxischein) los! Dann bräuchte er kein Taxi mehr zu fahren. Er hätte sowieso kein Bock mehr. Das Sozialamt zahle schließlich pünktlicher als sein Boss. Der Polizist solle auch gleich die Fahrerlaubnis mit einziehen, damit er gar nicht mehr in Versuchung käme. Er (der Polizist) wüsste gar nicht, was er ihm für ein Gefallen getan hätte, daß er ihn hier herausgewunken hat.

Jetzt ist vielleicht der ein oder andere Leser sprachlos, und genauso muss es auch dem Polizisten ergangen sein. Der machte zwar noch seinen Job (Ihre Papiere, bitte!), sagte aber sonst kein weiteres Wort zu Kollege S, geschweige denn, daß er ein weiteres Versprechen oder gar eine Drohung von sich gegen hätte.

Das Ende vom Lied war, daß Kollege S wegen dieser Geschwindigkeitsübertretung, im Gegensatz zu mir, nie zur Rechenschaft gezogen wurde, und diese mittlerweile auch verjährt ist. Sowohl Kollege Z, von dem ich von dieser Geschichte weiß, als auch meine Wenigkeit, wir fragen uns, warum Kollege S wegen dieser Sache nie Post von der Polizei bekommen hat?

Unsere Vermutung ist, wie gesagt, wir wissen es auch nicht hundertprozentig, daß der Polizist es offensichtlich für eine größere Strafe gehalten hat, wenn Kollege S den P-Schein behält, demzufolge weiter Taxifahren muss, und vor allem nicht unnötig die sozialen Sicherungssysteme belastet. Schließlich bezahlen auch Polizisten Sozialabgaben …

Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen