25.09.2009

Am Schweizer Garten


Es reicht! Ich habe die Schnauze voll! Voll von diesen aufgeblasenen Wichtigtuern, beispielsweise Am Schweizer Garten! Kennt den jemand von euch? Ein kleines YuppieGhetto mit eigener Privatstraße, abgehend von Am Friedrichshain, im Prenzlauer Berg! Machen auf „neutral“, aber bestimmen doch die Regeln. Das ist doch echt asozial: Nur Schritttempo ist erlaubt, Parken und Wenden sogar verboten! Haben die jetzt Angst vor ’ner Wende, die sie vielleicht um ihr schönes Eigentum bringen könnte? Dann macht euch doch ’ne Schranke vorne dran und stellt ’nen Pförtner ein. Aber bitte einen von hier! So hättet ihr wenigstens einen Arbeitsplatz geschaffen. Oder noch besser: Errichtet gleich ’nen Schutzwall und verteilt Passierscheine! Dann wären auch mehrere Arbeitsplätze drin und man könnte sogar von sozialer Verantwortung in schweren Zeiten reden. Aber bitte auf Dauer, oder eben „nachhaltig“, wie das heute heißt! Mit Mauern bauen und Grenzen sichern kennt sich der Berliner schließlich aus. Die beste Lösung ist und bleibt aber: Geht einfach dahin zurück wo ihr hergekommen seid! Denn, jetzt mal im Ernst: Die Zeit für Verhandlungen ist vorbei! Da wird mir jeder Sozialarbeiter und Therapeut Recht geben, neue Regeln sind Verhandlungssache, und solche Verhandlungen fanden bekanntlich nie statt!

Ein Glück, dass ich kein Autor bin, der darauf angewiesen ist, dass dieses Gesockse seine Bücher kauft. Ich habe ja noch einen richtigen Beruf erlernt, und damit meine ich jetzt nicht Taxi fahren. In der Knaackstraße stehe ich auch schon lange nicht mehr mit meiner Taxe, und bei Fahrten in den Prenzlauer Berg schlage ich schon mal Zwei Fünfzig DünnSinnZuschlag drauf, wenn mir die NeuBerlinUrlauber mit ihrem Geseiere zu sehr auf die Eier gehen.
Bei manchem Autor wünscht man sich förmlich, dass er auch einen richtigen Beruf erlernt hätte. Einige sollen das sogar haben und nerven trotzdem mit ihrem Geschriebsel. Vor Kurzem soll es sogar schon vorgekommen sein, dass sich jemand ein ganzes Buch lang über Bulgarien ausgelassen, das ganze dann ausschließlich an das heimische schwäbische Publikum verkauft, und dafür sogar den Buchpreis der Heldenstadt Leipzig bekommen hat. Übrigens: Die Frau kam aus irgendeinem Stuttgarter DegerLoch nach Berlin, studierte an der FU Religionswissenschaften, um danach als Buchhalterin in der Berliner Werbeagentur ihres Bruders zu arbeiten. Ich finde ja sowieso, dass wenn jemand nur lange genug ein Buch gehalten hat, dies eine gute Voraussetzung ist, um später selbst auch mal ein Buch zu schreiben. Allerdings nur die zweitbeste Variante! Die Beste ist und bleibt Taxi fahren, weil man nur auf der Straße genau die Geschichten erlebt, womit man ein Buch auch füllen kann. Ansonsten gilt, was ich schon immer gesagt habe: Der Schwabe kommt her, macht eine Agentur auf und stellt dann nur Schwaben oder eben Familie ein.

OK, die schwäbische Buchhalterin fasst sich mit ihren knapp zweihundertfünfzig Seiten immerhin kurz & bündig und ist bereits deswegen schon unterhaltsamer als dieser KunstWollende WendeSchleimdrüsenRoman von diesem WachTürmler und sächsischen Panzerfahrer. Der hat ja neulich ganz und gar den Deutschen Buchpreis abgefasst, was aber nicht weiter verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass seine Kritiker und Leser Am Schweizer Garten wohnen, die sich gerne daran berauschen, dass es anscheinend irgendwann irgendwo in diesem Land genauso einen Opportunisten gab. Und da die dort Am Schweizer Garten fälschlicherweise sogar noch denken, der Autor wäre ein noch größerer Opportunist wie sie selbst, kann der nicht nur, sondern muss sogar den Deutschen Buchpreis bekommen. Der Hut tragende Panzerkommandant aus dem Tal der Ahnungslosen, der bereits auf Seite dreihundertdreißig von über eintausend klarstellt: „Er begann ehrlich zu lügen.“, bestätigt zumindest etwas, auch wenn er es nicht so formuliert: Es gab im Osten keine Nischen! Die Nischen sind eine Erfindung des Westens! Ich behaupte sogar: Die Nischen des Ostens sind die Eigentumswohnungen von heute, einer kleinen Schicht, die es sich leisten kann, vorbehalten, allerdings mit dem Unterschied, dass die heute in den Eigentumswohnungen ihre kleine Spießerwelt für die richtige halten.

Die Autorin des Bulgarienbuches, Buchhalterin und Halbbulgarin, allerdings nur vom Namen her und auch ohne Sprachkenntnisse, ist selbstverständlich keine Netzbeschmutzerin, wie manch Kritiker behauptet, denn die Schwaben kommen in dem Buch entweder gar nicht vor oder eben gut bei weg. Es wird also höchste Zeit, dass sich mal jemand über die Schwaben hermacht, insbesondere wenn man soviel vor der Nase hat, dass es bereits für einen Gesellschaftsroman mit Fortsetzungen reichen würde. Aber was machen die Berliner Autoren? Sie unterhalten sich weiter mit Gott über die Banalitäten des Alltags! Na gut, warum nicht!? Wenn’s „jebraucht“ wird?! Apropos Banalitäten: Unterhält der sich mit Gott auch mal über die Schwaben in Berlin? Und wenn ja, was sagt eigentlich Gott dazu? Er, also der Autor, muss ja deswegen, ebenso wie die Buchhalterin, nicht zum Nestbeschmutzer werden, denn die NeuBerlinUrlauber sind ja gar keine Berliner. Um auf Nummer sicher zu gehen, könnte er aber auch Gott zu uns sprechen lassen! Zu bedenken ist in jedem Fall, wer dann noch seine Bücher kaufen soll!

Also, wenn ich Geld brauchen würde, ich würde da einfach reinmarschieren bei denen Am Schweizer Garten und mir nehmen was ich brauche. Das größte Hindernis ist meiner Meinung nach die verkehrsberuhigte Privatstraße, sowie das Park- und Wendverbot. Da darf man sich eben nicht aufhalten lassen, wenn man mit den „janzen“ Klunkern und der „janzen“ Kohle aus den Schweizer Schließfächern abzuhauen „jedenkt“. Wenn bisher galt: Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott was Gott gehört, so gilt ab heute fürderhin: Und nimm den Schweizern was dir gehört! Und noch eines: Niemand sollte in Zukunft mehr behaupten, Gott würde im Prenzlauer Berg wohnen! Wer dies tut, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass er bereits die Fronten gewechselt hat. Nur dass es ein für alle mal klar ist: Gott hat vielleicht irgendwann mal im Prenzlauer Berg gewohnt, aber das ist lange her. Für die meisten Bewohner des Prenzlauer Berges heute viel zu lange! Gott wohnt nicht mehr im Prenzlauer Berg, denn Gott ist da wo die Bedürftigen und Notleidenden sind!
Gott war nie bei den Reichen und Schönen! Wahre Schönheit kommt von Innen! Aber wo Nichts ist, kann auch keine Schönheit sein, und Nichts kann auch nichts Schönes hervorbringen. Die meisten Bewohner des Prenzlauer Berges sind im Sinne Nietzsches nicht nur „überflüssig“, sondern auch Gottloses Pack!
Dahergelaufene BionadeBourgeoisie mit eingepflanztem EgoGen, die sich nur für sich selbst interessieren. Bedauernswerte Gestalten, deren Eltern nur das Beste wollten und ihnen gerade dies vorenthielten. Nun sind wir geplagt mit ihnen, diesen narzisstischen Klugscheißern mit Mundgeruch trotz Mundspray. Nur wen wollen sie hier beeindrucken? Wir Berliner können nicht mehr für sie tun als sie bedauern. Und der Klügere gibt auch nur so lange nach, bis er der Dümmere ist. Aber damit ist jetzt Schluss! Lange genug konnten sich die Provinzkacker hier ausscheißen. Damit es mal klar ausgesprochen ist: Wir wollen euch hier nicht! Vor nicht allzu langer Zeit hättet ihr einfach ein paar auf’s Maul bekommen und ihr wärt von ganz alleine in eure Dreckskäffer zurückgekehrt.

Nun gut, das war zu Zeiten des „Alten Testaments“, heute gilt ja wohl immer noch „Liebe deinen Nächste“, auch wenn der ein EgoKrüppel ist, der aus dem Mund riecht.
Trotzdem, oder besser: genau deswegen, gehen wir mit den besten Absichten zum HASIR in die Adalbertstraße, dem türkischen Lokal in Kreuzberg, dessen Betreiber vor knapp dreißig Jahren den Berliner Döner erfunden hat, dessen Gourmetgeschichtliche Bedeutung der Entdeckung der Berliner Currywurst gleichkommt. Dort gibt es Ärger mit einer NeuBerlinerUrlauberin im Haus, die gegen das Lokal gerichtlich vorgeht. Um eine gütliche Einigung zu erzielen, laden wir die Frau einfach mal zum Türkischen Buffet ein. 

Wahrscheinlich wartet sie nur darauf, weil sie ja auch schon gehört hat, dass die Türken so gastfreundlich sein sollen. Ich denke, mit der Frau kann man reden, und spätestens nach dem dritten Raki zieht sie ihre kindische Klage zurück. Ich meine, es ist doch wirklich infantil in ein Haus mit einem Restaurant zu ziehen, um sich dann über das Restaurant im Haus zu beklagen. Das wäre ja so, wie wenn mich jemand, der mir in die Taxe steigt, vor Gericht zerrt, nur weil ich ihn befördere!
Nach dem Buffet und dem Happy End im HASIR gehen wir noch um die Ecke ins SO36 in der Oranienstraße zu dem jungen Mann, der sich durch das Kreuzberger ClubUrgestein gestört fühlt und besuchen ihn in seiner Küche, dem Ort der gefühlten Ruhestörung. Wozu man ihn einladen sollte, ist mir nicht ganz klar. Angesichts des Umstandes, dass es ja gar nicht mehr nur darum geht, dass Minderheiten mittels Rechtstaat Mehrheiten terrorisieren, sondern es offensichtlich sogar schon möglich ist, dass sich Einzelne mittels selbigen zu Diktatoren über den Rest der Menschheit aufschwingen können. Immerhin verlangt der Mann nicht mehr und nicht weniger, und zwar genau hier in Berlin, als den Bau einer Mauer – wenngleich nur einer Lärmschutzmauer oder eben die Schließung des SO36, das mit Sicherheit älter ist als er selbst. Angesichts dieser Tatsachen überlege ich, ob es nicht an der Zeit ist, zum Motto des alten Testamentes „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ zumindest in der light Version zurückzukehren. So wie auch früher manche Dinge rasch und unbürokratisch in einer dunkler Ecke im Treppenhaus oder auf’m Hinterhof geregelt wurden. Wer spricht denn von Gewalt? Ein Klaps auf den Popo des unartigen Kindes, mit Erwachsenen haben wir es ja offensichtlich nicht zu tun, hat noch niemanden geschadet. Es soll ja nicht ernsthaft jemand verprügelt, sondern, wie der Berliner so schön sagt, nur ’n bisschen „jehauen“ werden. Wir sind nämlich gar nicht so barbarisch, wie uns immer nachgesagt wird. Und die haben ja sowieso die besseren Krankenversicherungen! Wir wollen auch nur, dass die sich einfach wieder verpissen! Geht doch in die Schweiz, von eurem Am Schweizer Garten! Oder könnt ihr euch das nicht leisten? Dann hättet ihr zumindest schon mal eine Vorstellung von dem, wie es uns hier in Berlin bereits seit einiger Zeit geht, bekommen - auch ohne Eigentumswohnung!

Besser als die Schwäbische Buchhalterin kann auch ich es nicht formulieren, und wenn ich frei zitieren darf: „Nicht die Liebe vermag die Schwaben in Schach zu halten, sondern nur ein gutmütig gepflegter Haß.“ (S.248)

Und wenn ihr endlich geht: Bitte nicht zur Mittagszeit, und auch nicht nach 21Uhr! Denn wir sind neuerdings sehr lärmempfindlich!
Fotos&Text TaxiBerlin

Kommentare:

  1. Uff. Ich fühle mich erschlagen.

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  2. Bleibt die Frage: Warum heißt es nicht "Schwäbischer Garten"?

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  3. @Aro: Erschlagen vom Text? Oder von wem sonst & wenn ja, womit?

    @Klaus: Das kann ich auch nur vermuten: Wollen die schon wieder mal was besseres sein?

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  4. Deswegen lebe ich also in Marzahn. Um in Prenzlberg nicht hinterrücks gemeuchelt zu werden. Gut zu wissen ;)

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  5. Anonym1/11/2010

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