29.01.2009

Nach Russendisco


Samstagmorgen! Zwei junge Frauen steigen mir am Cafe Burger in der Torstraße in die Taxe. Es waren Russinnen, das sah ich sofort! Eine von ihnen trug nicht nur einen Pullover mit der Reklame für die Russendisco, sondern sah sogar aus wie Frau Kaminer.

(Es soll ja Leute geben die denken, dass Frau Kaminer nur zu hause bei den Kindern sitzt, weil Herr Kaminer so viel arbeitet. Ich denke das nicht. Osteuropäische Frauen können alle feiern, das weiß ich aus Erfahrung. Im Übrigen ist mir egal, wer mir ins Taxi steigt, ob sie nun Kaminer oder Merkel heißen! Hauptsache sie wissen wo sie hinwollen, kotzen mir nicht in den Wagen und zahlen Fahrpreis plus Tip – Taxifahren ist nun mal ein Trinkgeldberuf!)

Leider musste ich meine Überlegungen abrupt unterbrechen, denn es stellte sich heraus, dass die Frau, die wie Frau Kaminer aussah, „stinkbesoffen“ war und ihre Freundin zumindest „normalbesoffen“. Das machte die Bestimmung der Route nicht gerade leicht, zumal wir es offensichtlich auch noch mit zwei unterschiedlichen Fahrzielen zu tun hatten.

(Ich habe nichts persönlich gegen „Besoffene“. Nur „Besoffene ohne Orientierung“ erschweren die Arbeit eines Taxifahrers. Auch mit Kotzen kann ich umgehen. Ist ja letztendlich auch nur eine ganz normale Körperreaktion. „Hilfestellung beim Erbrechen“ ist zwar nicht Bestandteil der Taxiprüfung, trotzdem traue ich sie mir zu. Allerdings reiße ich mich nicht gerade um den Job, besonders wenn ich eigentlich mit Fahren beschäftigt bin. Im Normalfall pennen die einem aber einfach nur ein und kotzen nicht gleich den Wagen voll. Die musst du dann nur irgendwie wieder wach kriegen oder du lässt sie gar nicht erst einschlafen, am Besten indem du sie vollquatschst!)

Doch zurück zu meinen beiden Russinnen! Irgendwann hatten wir dann die Fahrstrecke irgendwie fertig bebastelt. Zuerst wollte die „Normalbesoffene“ in der Nähe des Wasserturms aussteigen. Danach sollte ich die „Stinkbesoffene“, die so aussah wie Frau Kaminer, zum Mauerpark bringen. Der Taxifahrer in mir wollte sein Veto einlegen, denn angesichts des „Geisteszustandes“ der Frau, die wie Frau Kaminer aussah, erschien mir die umgekehrte Reihenfolge sinnvoller. Andererseits wollte ich nicht als Waschlappen oder Geldschneider dastehen, der nicht den Mumm hat, zwei besoffene Russenweiber nach hause zu bringen.

(Osteuropäische Frauen denken sowieso schon, dass deutsche Männer keine Eier hätten, was auf mich allerdings nicht zutrifft, da nicht „reinrassig“!)

Als die „Normalbesoffene“ das Taxi verließ, nannte sie mir nochmals Straße und Hausnummer der „Stinkbesoffenen“, die wie Frau Kaminer aussah. Zügig fuhr ich durch die kleinen Straßen im Prenzlauer Berg, kürzeste Strecke – ist ja klar! In der angegebenen Straße angekommen musste ich feststellen, dass es die Hausnummer 45 gar nicht gab. Die Frau, die wie Frau Kaminer aussah, machte trotzdem Anstalten zu bezahlen und auszusteigen. Im letzten Moment bemerkte aber auch sie den Fehler und ließ sich in den Sitz zurückfallen. Ich hatte mich wohl zu früh gefreut.

Ich versucht der Frau, die wie Frau Kaminer aussah, das Problem zu erklären, was allerdings nicht so einfach war. Erklär mal einer besoffenen Russin den Stadtplan! Die Frau, die wie Frau Kaminer aussah, bevorzugte in ihrer Situation auch eher die nonverbale Kommunikation. Sie verdrehte die Augen und zeigte mit allen Fingern der linken Hand nach hinten. Ich übersetzte das für mich in Wenden und der Straße folgen, was natürlich vollkommen richtig war.

Die Frau, die wie Frau Kaminer aussah, wohnte nämlich nicht in Hausnummer 45 sondern in der 54. Die Quersumme Neun (für Nichtmathematiker) hat zumindest gestimmt! Dort angekommen, schält sie die Frau, die wie Frau Kaminer aussah, irgendwie aus dem Wagen und verschwindet im Dunkeln der Straße.

Hatte ich es doch gewusst, Osteuropäerinnen können nicht nur feiern, sondern behalten auch danach noch den Überblick und kotzen vor allem nicht in Taxen!

Text TaxiBerlin