23.10.2008

Sandy & Candy

Letzte Nacht hatte ich das Vergnügen, zwei Professionelle vom Nobelbordell zu ihrem Freier zu fahren. Oft sind das keine einfachen Fahrgäste. Nicht einfach, weil sie sehr anspruchsvoll sind, da sie über das nötige Kleingeld verfügen. Dann kommt in der Regel noch hinzu, dass diese Frauen einen eigenen, komischen Blick auf die Männerwelt haben, zu der ich ja auch gehöre. Und nicht zu vergessen, die etwas andere, um nicht zu sagen umgedrehte Situation bei mir im Taxi: ICH bin der Dienstleister, den SIE bezahlen müssen.

Bei Sandy & Candy war das anders. Beide verhielten sich nicht nur korrekt mir gegenüber, das Mindeste was ich von meinen Fahrgästen erwarte, sondern sie waren sogar ausgesprochen höflich. Sandy bat mich, ihr fünf Minuten vor der Ankunft bescheid zu sagen weil sie den Kunden noch anrufen müsse. Als es soweit war, waren die beiden offensichtlich höchst überrascht, in was für einer noblen Gegend ihr Kunde wohnt.

Aber die eigentliche Überraschung stand noch bevor: Ihr Anruf beim Kunden. Der hatte offensichtlich die Stimme von Mickey Mouse, weswegen die beiden sich noch Minuten nach dem kurzen Telefonat gar nicht mehr einkriegten. Das kostet dann gleich das Doppelte, meinte Candy. Hoffentlich quatscht der nicht auch noch beim Ficken, sorgte sich Sandy. Die größte Sorge der Beiden war aber, dass noch Goofy vorbei kommen könnte, dessen Stimme sie versuchten nachzumachen, was in ihrem gemeinsamen Gekicher unterging.

Obwohl es von Sandy & Candy ausnahmsweise ein angemessenes Trinkgeld gab, was bei Professionellen so gut wie nie passiert, war ich froh, dass ich sie los war. Sie taten mir leid, denn sie mussten gleich mit Mickey Mouse ins Bett gehen. OK, das bringt fünfhundert die Stunde, oder eben tausend, wenn sie mit ihrer Tariferhöhung bei Mickey Mouse durchkommen würden.

Ein ziemlicher Haufen Geld, dachte ich noch so bei mir…, da hielt mich eine junge Frau an, eine ganz normale junge Frau, die einfach nur nach Hause wollte, zu sich nach Hause! Das war mir dann doch lieber,… und auf den Tausender musste ich, konnte ich, kann ich … zwar nicht verzichten … ich muss einfach nur etwas länger dafür arbeiten als Sandy & Candy …