28.07.2015

BLOGGEN MACHT DOOF


Mollstraße / früher Mitte / heute neue Mitte

Schwer zu sagen, was jetzt Ursache und was Wirkung war. Auch dass alles mit den Ferien in Berlin begann, ist keinesfalls bewiesen. Letztendlich ist es auch nicht wichtig, das Ganze "Wieso, Weshalb, Warum", weil es nur vom Eigentlichen ablenkt.

Fakt ist, dass ich seit Ferienbeginn vor zehn Tagen nur einen Fahrgast hatte. Das ist jetzt kein Scheiß. Einen Fahrgast. In meinem Taxi. Seit zehn Tagen. Nun bin ich daran nicht ganz unschuldig. Das muss ich der Ehrlichkeit halber zugeben. Doch dazu später mehr.

Wenden wir uns erst dem Wesentlichen zu. Die Zahl meiner Fahrgäste korreliert mit der meiner Leser. Jetzt zum Beispiel ... Sekunde ... ich muss mal nachschauen ... bleib mal kurz dran ... Du willst es doch auch wissen ... aha, hier ist es ... also jetzt ... genau in dem Moment ... habe ich exakt einen Besucher ... auf meiner Seite.

Das musst wohl Du sein!

ABER, und ich schreibe dieses ABER nicht umsonst in Großbuchstaben: Quantität ist nicht alles! Ich weiß, viele wollen davon nichts wissen, dass es da auch noch sowas wie Qualität gibt. Deswegen kaufen auch alle Chinakacke, die zwar nichts taugt, aber billig ist.

Auf genau diesen, ich sag mal "großen" Zusammenhang, hat mich dieser eine Fahrgast hingewiesen, den ich in den letzten zehn Tagen hatte. Gut, der Typ, der ungefähr in meinem Alter gewesen sein mochte, hat jetzt nichts gesagt, worauf ich nicht auch selbst gekommen wäre. Immerhin hatte ich dadurch, dass ich keine Fahrgäste hatte, genug Zeit zum nachdenken.

Ich möchte aber auch hier bei der Wahrheit bleiben. Nicht nur, um dem Urheberrecht Rechnung zu tragen, sondern auch, weil ich weiß, dass die Ideen meines Fahrgasts auf Widerstand stoßen werden. Es sind nicht meine Ideen. Ich bin nur der Überbringer. Auch das ja eine genuine Aufgabe des Taxifahrers.

Bevor ich zur Idee, oder sollte ich besser Meinung sagen?, meines Fahrgastes komme, nochmal etwas zu Quantität und Qualität. Natürlich hätte auch ich lieber mehr Fahrgäste. Von irgendwas muss auch ich am Ende des Monats meine Rechnungen bezahlen. Trotzdem bin ich nicht böse, weder dass ich nur einen Fahrgast habe, noch dass Du mein einziger Leser bist. Denn ihr beide, also Du und der Fahrgast, ihr seid unbezahlbar.

Jetzt zu meinem Fahrgast. Natürlich erzählte ich ihm von meinem Blog. Also dem hier, wo Du, mein einziger Besucher, bis jetzt tapfer durchgehalten hast. Ich erzähle übrigens nicht allen meinen Fahrgästen von meinem Blog. Bei dem einen Fahrgast in zehn Tagen konnte ich mich aber nicht zurückhalten. Wenn ich ganz ehrlich sein soll, bin ich einer von diesen Wichtigtuern im Taxi.

Ich habe schon viel darüber nachgedacht. Zeit genug habe ich ja. Ich weiß auch, warum ich mich immer in den Mittelpunkt stellen muss. Trotzdem kann ich es nicht abstellen. Ich brauche einfach Aufmerksamkeit. Das ist auch menschlich. Insbesondere nach zehn Tagen ohne einen einzigen Fahrgast. Das ist letztendlich schlimmer als Einzelhaft, und zwar, weil man nicht wirklich eingesperrt ist. Ich habe es mir ja selbst ausgesucht.

Genauso das mit dem Bloggen. Das habe ich mir auch selbst ausgesucht. Gerade ist noch einer zweiter Besucher meiner Seite aus Amerika dazugekommen. Dort ist mein Stern, frag mich nicht warum, seit einiger Zeit im Steigen begriffen. Das war auch der Moment, wo mein Fahrgast, also mein Einziger in zehn Tagen, ansetzte.

Das Bloggen, so mein Fahrgast, käme nicht umsonst aus Amiland. Und weiter: Bloggen ist so oberflächlich wie die Amis. Stichwort: "How are you" bedeutet eben nicht, dass dort irgendjemand an deiner wirklichen Verfassung interessiert wäre. "How are you" heißt einfach nur "Hallo" und ist mit "I'm fine" zu beantworten, dem das eigene "Hallo" also "How are you" folgt.

Das war aber nur der Prolog zu einem Monolog meines Fahrgasts, den ich seiner Länge wegen hier nur stark gekürzt wiedergeben kann. Bloggen in seinem eigentlichen Sinne von täglichem Tagebuch schreiben, davon war mein Fahrgast überzeugt, sei wie "Fast Food". Nichts gegen "Fast Food", böse Zungen nennen es "fast Essen", auch das muss es geben. Aber wer will schon jeden Tag "Fast Food"?

Jetzt begann mein Fahrgast sich über die Oberflächlichkeit des Bloggens auszulassen. Hier sah er, wie gesagt, eine Verbindung zu den Amerikanern, die aber nicht der Grund seien, warum Bloggen oberflächlich und damit doof sei. Seine These: Wer täglich etwas sagen muss, sagt am Ende gar nichts.

Das klingt erstmal hart, und vor allem nicht schön. Das sah auch mein Fahrgast ein. Aber es gehe eben nicht um einen Schönheitspreis. Es ginge darum, ob ich wirklich etwas zu sagen habe, oder ob ich plappere oder sabbele, wie der Berliner sagt, um zu plappern oder zu sabbeln. Dass es niemandem auffällt, dass so viel geplappert und gesabbelt wird, läge daran, so mein Fahrgast, dass alle es tun.

Das Plappern und auch das Sabbeln sei zu einem flächendeckenden Phänomen geworden, wo Ausnahmen nur die Regel bestätigen. Meist sind die Ausnahmen auch keine wirklichen Ausnahmen, sondern haben einfach nur weniger Leser, weswegen sie sich bereits als qualitativ wertvoller betrachten.

Schau ins Internet, schlag irgendeine Zeitung auf oder geh in den nächsten Buchladen. So viel Flachheit war nie. Wobei "nie" relativ sei. Natürlich bekommt man auch gute Bücher, nur muss man die bestellen und auf sie warten. Aber wer kann heute noch warten. Man findet auch anspruchsvolle Zeitungen und manchmal sogar interessante Seiten im Internet. Nur wer sucht wirklich noch.

Die Leute sind satt, so mein Fahrgast, und da stören neue Ideen nur. (Von revolutionären wollte er gar nicht anfangen.) Außerdem wissen sie schon alles. Und vor allem ginge es darum, Besitzstände, wenn auch nur vermeintliche, zu wahren.

Ich könnte noch mehr schreiben über meinen einen Fahrgast. Ich will meine Leser aber nicht, gerade ist noch ein zweiter in Amerika hinzugekommen, überfüttern oder überfordern. Zum Schluss noch die Antwort auf die Frage, warum ich nur einen Fahrgast in zehn Tagen hatte. Ich hätte vielleicht einfach mal arbeiten sollen ...

Foto&Text TaxiBerlin

27.07.2015

NOCHMAL STURMWARNUNG


Der schiefe (S)Turm von Berlin

Der Ein und auch der Andere ist, wohl auch wegen meiner Warnung, am Wochenende einfach mal zu hause geblieben. Das ist, das habe ich gerade erfahren, vielen nicht leicht gefallen. Sie wussten einfach nicht, was sie dort mit sich anstellen sollten. Zum Glück hat bereits die neue Woche begonnen. Der Sturm ist vorbei und alle können in ihren Büros und Cafés wieder total kreativ sein.

Jetzt, wo ich darüber schreibe, fällt mir auch auf, was mir zu meinem Glück fehlt und warum ich nicht kreativ sein kann. Viel zu lange dachte ich, man könne im Taxi kreativ sein. Dabei stimmt das gar nicht. Wie willst du im Taxi kreativ sein? Wie soll das gehen? Guck dir die Typen im Taxi doch mal an! Sehen so Kreative aus?

Aber wie sehen Kreative aus? Diese Frage hat mir neulich ein Fahrgast abschließend beantwortet. Und sie musste es wissen! Sie war nicht nur weiblich und Modeinteressiert, sondern von Beruf Friseurin. Den Beruf gibt es wirklich, ist allerdings, dass ist leider auch die Wahrheit, allgemeinhin nicht für seine Kreativität bekannt.

Also meine Friseurin meinte, man erkenne Kreative an ihrer Frisur, was mir sehr logisch erscheint, weil man Kreative, und gerade in einer Stadt wie Berlin, wo jeder tragen kann, was er will, eben nicht an ihren Klamotten erkennt. Seine Frisur, und jetzt kommt das wichtigste, sieht so aus, als hätte sich der Kreative gerade aus dem Bett geschält. Bärte inklusive.

Wie der aussieht, der sich gerade aus dem Bett geschält hat, dürfte klar sein sein. Das ist auch nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass der Kreative, um so auszusehen, als hätte er sich gerade aus dem Bett geschält, vorher vier Stunden vorm Spiegel gestanden hat. Das ist übrigens auch der wahre Grund, warum keiner mehr bei Sturm rausgeht. Pure Angst. Um die Frisur. Um die Kreativität.

Foto&Text TaxiBerlin

25.07.2015

STURMWARNUNG


Knopf zum Parken (links oben)

Kinder, bleibt zu hause. Heute nix Party. Heute Sturm. Außerdem findet ihr euch gar nicht, weil eure Handys nicht funktionieren werden. Und ganz alleine wisst ihr doch nicht, was ihr machen sollt. Dann könnt ihr auch gleich zu hause bleiben. Da ist es auch sicherer.

Ich weiß, alleine zu hause, das kann auch nach hinten losgehen. Jetzt, wo ich darüber schreibe, werde ich unsicher, ob es wirklich zu eurem besten ist, was ich euch da vorschlage. Gut gedacht ist nicht immer auch gut gemacht. Aber vieles weiß man auch erst danach.

Ich jedenfalls gehe mit gutem Beispiel voran und bleibe zu hause. Wenn der Wind doppelt so schnell ist wie mein Taxi, habe ich draußen nichts verloren. Zum zu hause bleiben habe ich neuerdings sogar einen eigenen Knopf im Taxi, und zwar den zum Parken. Etwas versteckt, aber wenn man ihn einmal gefunden hat, steht's ...

PS: Meine Frau hat schon nicht auf mich gehört und sich soeben auf Lesereise ins ferne Amerika begeben. Höre wenigstens Du auf mich!

Foto&Text TaxiBerlin

24.07.2015

TAXI TEHERAN IN BERLIN


Oranien Ecke Adalbert / früher Kreuzberg
heute Friedrichshain-Kreuzberg

Gestern lief "Taxi Teheran" auch in Berlin an. Der Taxi-Film, der auf der letzten "Berlinale" im Februar dieses Jahres den "Goldenen Bären" gewonnen hat. Der iranische Regisseur Jafar Panahi hat, da ihm das Regie führen verboten ist, sich einfach selbst vor die Kamera gesetzt, und zwar als Taxifahrer in einem Taxi in Teheran.

Jafar Panahi ist also kein Taxifahrer und der Film auch keine Doku, als welcher er daherkommt, sondern eine "Fake-Doku", die neben dem taxifahrenden Regisseur mit ziemlich genau zehn Protagonisten auskommt, sieht man einmal von den beiden Goldfischen ab, die fast Opfer von Jafars Fahrkünsten geworden wären, und natürlich auch von den beiden Einbrechern, die am Schluss des Film Jafars teure Kameras aus dem abgestellten Taxi stehlen.

Gleich der erste Fahrgast bemerkt, dass Jafar kein richtiger Taxifahrer ist, denn er hat so gut wie keine Ortskenntnisse, weswegen der Fahrgast weiterhin anmerkt, dass er, also Jafar, wohl "ganz unten" angekommen sei, was nicht ganz zutrifft, denn Jafar hat "nur" Berufsverbot als Regisseur und sitzt "noch" nicht im Knast.

Bald darauf wird Jafar ein blutüberströmter Mann samt angehender Witwe, beide waren auf dem Motorrad unterwegs gewesen und haben einen Unfall gehabt, ins Auto "geworfen". Der Mann macht im Taxi sein Testament, was mittels Smartphone aufgenommen wird. Endlich sind die Dinger auch mal zu etwas gut. Der Mann stirbt dann doch nicht, und ich realisiere langsam, dass es keine echte Doku ist.

Aufgenommen wurde das Testament übrigens mit Jafars Smartphone und zwar von Omid, einem fliegenden Händler von Raubkopien, dessen Dienste auch schon einmal Jafar in Anspruch genommen hat. Fliegende Händler von Schwarzkopien gibt es nicht nur in Teheran, man trifft sie auch in Sofia, der bulgarischen Hauptstadt, auch wenn es dort eigentlich nichts gibt, was wirklich verboten wäre.

Zwischendurch steigt noch die Nichte von Jafar zu. Das Zusteigen scheint in Teheraner Taxis üblich zu sein. Von der Nichte erfahren wir, was, was Filme machen angeht, offiziell erlaubt und was verboten ist. Krawatte tragende Männer sollen nicht gefilmt werden, ebenso Männer mit persischen Namen. Das Leben soll so gezeigt werden, wie es ist, außer es ist schlecht, dann natürlich nicht.

Am Schluss des Films werden wie gesagt die teuren Kameras aus Jafars Taxi geklaut, und zwar von zwei behelmten Dieben auf einem Motorrad. Jafar hatte das Auto am Ende einer Sackgasse abgestellt, um seine Nichte irgendwo abzugeben. Zum Glück hatte Jafar vorher die Speicherkarten aus den Kameras entfernt.

Mir wurde in Berlin auch schon mal wegen einem einfachen Handy, worauf es der Dieb abgesehen hatte, die Scheibe eingeschlagen. Ich hatte mein Taxi nur kurz Adalbert Ecke Oranien abgestellt, um mir beim türkischen Bäcker einen Kaffee zu holen. Das war zwar Nachts, aber an der Ecke gibt es auch Nachts wesentlich mehr Verkehr als in der Sackgasse, wo Jafar sein Taxi am Tage abgestellt hat.

Die "taz" bemerkt noch folgende "signifikante Unterschiede": In Teheran haben die Autos noch nicht die dreisten Ausmaße von SUVs wie in westlichen Metropolen. Und, noch wichtiger! Die Begegnungen in "Taxi Teheran" bieten einen Querschnitt durch den Alltag.

Genau das fehlt, beispielsweise auch in Berlin. Hier sitzen ausschließlich Touristen, Business-Typen oder Party People im Taxi. Ein Querschnitt durch die Gesellschaft sieht anders aus. Alleine deswegen ist "Taxi Teheran" sehenswert - auch und gerade in Berlin.

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23.07.2015

DIE LETZTEN BERLINER


... und ihre natürliche Umgebung

Nur eine Woche nach Ferienbeginn gibt es so gut wie keinen Berliner mehr in Berlin. Die wenigen in Berlin verbliebenen Berliner stehen unter Artenschutz und dürfen ihre Behausungen nur noch mit Ausnahmegenehmigungen verlassen, um den Fortbestand ihrer vom Aussterben bedrohten Spezies nicht zu gefährden. Mitarbeiter des Ministeriums für Artenschutz kontrollieren bei ihren täglichen Hausbesuchen die artgerechte Haltung des Berliners. Sollte sich der Bestand des Berliners konsolidieren, könnten bald kleinere Gruppen von Berlin-Besuchern den Berliner in seiner natürlichen Umgebung besichtigen. Es ist nicht auszuschließen, dass eines Tages ganze Busladungen zumindest am Berliner-Guckloch (Foto) vorbeigeführt werden. Vorher muss allerdings noch eine Tarifkommission zusammenkommen, um einen Preis fürs Gucken festzulegen.
Im Gespräch bisher ist ein ganzer Euro für einmal Gucken.

Foto&Text TaxiBerlin

22.07.2015

WAS ICH SO ALLES IM AUGE HABE


Vorne links

Ich solle den Reifendruck vorne links im Auge behalten, meinte mein Tagfahrer. Er hätte bereits 1,1 Bar auffüllen müssen. Was soll ich denn noch alles im Auge behalten, fragte ich mich. Den Verkehr. Die Radfahrer. Den Fußgänger. Den Fahrgast. Die Ampel. Das Taxameter. Das Radio. Die CDs. Die Schranke am Flughafen. Die "Pilotenbude". Den Flugplan. Den Stadtplan. Das Gepäck vom Fahrgast. Die Quittung für den Fahrgast. Die Befindlichkeit des Fahrgasts. Das Gespräch mit dem Fahrgast. Meine Zeitung. Mein Buch. Mein Notizheft. Meinen Füllfederhalter. Den Knopf für die Klimaanlage. Den fürs Parken ...

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21.07.2015

FREMD IN DER EIGENEN STADT


Berlin ohne Berliner

Manchmal läuft Taxifahren - und manchmal nicht. Wenn es läuft, fährt man viel, hat viele Fahrgäste. Warum das ausgerechnet zum Ferienbeginn letztes Wochenende in Berlin so war, kann ich nur vermuten. Offensichtlich gibt es genug Berlin-Besucher, die Taxi fahren wollen. Komisch ist es schon, nicht nur Wildfremde, sondern ausschließlich Auswärtige durch die Stadt zu kutschieren.

Für manch einen mag das Alltag oder nicht neu sein. Für mich schon. Ich vermisse meine Berliner bei mir im Taxi. Und nicht nur das. Ich vermisse auch meine Berliner bei mir im Kiez. Nichts gegen Auswärtige, weiß Gott nicht. Und auch nichts gegen Zugezogene, selbst sie muss es geben. Aber müssen sie mich alle so komisch anschauen, als wollten sie fragen: Was will der denn noch hier?

Zum Glück gibt es da noch die Stadt und ihre Lichter, wenn schon keine Berliner im Taxi. Aber ist es noch die selbe Stadt? Sind es noch die selben Lichter? Und wer bin ich, um dies beurteilen zu können? Bin ich nicht selbst längst zum Fremden geworden, der mit seinem elfenbeinfarbigen Raumschiff durch eine neue Welt gleitet?

Foto&Text TaxiBerlin

20.07.2015

"TRASH FOOD" #2


Wiener mit Senf und halbem Brötchen

Leute, ein großes SORRY, aber es liegt wirklich nicht an mir. Amerika, genau genommen der "Cosmopolitan" aus Big Apple, zwingt mich, Beiträge wie diesen zu schreiben. Ganz genau ist es aber nicht das Magazin aus New York, sondern meine "Bekanntheitsgeilheit", was aber schon wieder ein anderes Thema ist, und nicht hierher gehört, sondern auf die Couch, für die ich aber kein Geld habe, weil ich all mein Geld in meine Sucht stecke - ein Teufelskreis.

Aber was soll ich tun? Immerhin hat mich Amerika entdeckt, und zwar als "Food-Blogger", was ich zwar nicht bin, aber was würdest Du tun, wenn dich Amerika entdeckt? Würdest Du sagen, SORRY, tut mir leid, war alles nur ein Versehen, ich bin gar kein "Food-Blogger" sondern nur ein "Kleiner Gourmet"? Siehst Du, Du würdest das auch nicht tun! Also warum sollte ich?

Und so spiele ich das Spiel mit, dass ich, und da weiß Amerika wieder einmal mehr, ein "Food-Blogger" bin, obwohl ich eigentlich nur mit meinem Taxi durch Berlin fahre. Immerhin halte ich gelegentlich auch mal an, um mir etwas zu essen zu kaufen. Beispielsweise an der "Pilotenbude" am Flughafen Tegel, wo ich seit vielen Jahren, wenn man so will, ein "Wiener-Abo" habe.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Wiener von der "Pilotenbude", dem Imbiss für Taxifahrer am Flughafen Tegel, ist kein wirklicher "Trash-Food". Da bekommt man in Berlin schlimmere Wiener - garantiert! Die Wiener von der "Pilotenbude" ist darüber hinaus auch noch ziemlich lang, so dass sie oft gar nicht auf die für sie vorgesehene Pappe passt, was aber ein Problem deren Normung ist - also letztendlich ein typisch Deutsches.

Was die Wiener selbst angeht, so kann ich eigentlich nichts Negatives über sie sagen. Natürlich braucht man Senf für sie, und ich jede Menge. Aber ich habe wie gesagt ein "Wiener-Abo", so dass das mit dem Senf kein Problem ist. Das wichtigste, neben der Wiener und dem vielen Senf, ist sowieso das Brötchen, weswegen ich immer nur ein halbes nehme. Das hat den Vorteil, dass man zehn Cent gegenüber dem ganzen Brötchen spart, und wenn man dann noch (so wie ich) dafür Ein Euro fünfzig zahlt, man bereits zehn Cent Trinkgeld gegeben hat.

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19.07.2015

UNFRIEND IST ENTFREUNDUNG ODER "DER WEG IST DAS ZIEL" (FORTSETZUNG)



Vom Wort "Entfreundung" hörte ich vorgestern zum ersten Mal; ausnahmsweise mal nicht im Taxi, sondern auf der Seite von Robert Weber. Dort erfahre ich auch, dass die "Entfreundung" sowohl "eingeschränkt" als auch "ganz" sein kann. "Entfreundung" kommt, wie sollte es anders sein, ursprünglich aus dem englischen, besser amerikanischen, und heißt dort "unfriend". "Unfriend" gehört zum offiziellen Facebook-Vokabular, wobei nicht ganz klar ist, ob Facebook auch der Urheber von "unfriend" oder eben "Entfreundung" ist, was aber an dieser Stelle keine Rolle spielt, weil, zumindest war das früher so, man sich nur von jemandem "entfreunden" kann, dessen Freund respektive Freundin man/frau auch mal war.

Foto&Text TaxiBerlin

18.07.2015

"TRASH FOOD" #1

Grüne Bohnensuppe / "My Soup"

Nachdem ich neuerdings vom "Cosmopolitan" im fernen Amerika als Food-Blogger ausgemacht wurde, stehe ich mächtig unter Druck, diesem doch irgendwie neuen Blick von außen auf mich und meinem Blog gerecht zu werden, weswegen ich auch die neue Rubrik "Trash-Food" auf meinem "Taxi-Blog" gestartet habe.

Hier nun der erste Beitrag in meiner neuen Rubrik "Trash-Food", wobei ich gleich klarstellen muss, dass obige Bohnensuppe von "My Soup" kein Trash ist, sondern eher das Gegenteil, doch dazu später mehr. Die ganze Geschichte fing damit an, dass ich neuerdings für eine Firma im Wedding fahre.

Um die Ecke von meiner neuen Firma befindet sich "My Soup", eine Art Kantine mit alles anderem als Taxifahrerfreundlichen Öffnungszeiten und vor allem ohne Verkaufstresen, wo man irgendetwas bestellen könnte. Die Bestellung erfolgt durch eine Tür mit Fliegengitter, die direkt in die Küche führt.

Immerhin gibt es vor der Tür einige Sitzmöglichkeiten und auch Sonnenschirme, so dass man sein Essen im Schatten und vor allem nicht im Stehen einnehmen kann. Meine Suppe, und das ist jetzt wirklich ein wichtiges Detail, wurde nicht, wie sonst üblich, in der Mikrowelle sondern in einer Pfanne auf einer richtigen Flamme erhitzt und mir danach wohltemperiert serviert.

Die grünen Bohnensuppe, ich habe sie gestern bereits ein zweites Mal ausprobiert, ist durchaus zu empfehlen, was meiner Meinung nach vor allem daran liegt, dass sie eher türkisch und weniger deutsch zubereitet wird, was wiederum darauf zurückzuführen ist, dass "My Soup" von einer Handvoll türkischer Frauen betrieben wird.

Dass die Zubereitung türkisch ist, erkennt man daran, dass die Brühe nicht klar, wie hierzulande üblich, sondern rotbräunlich ist, was zumindest meiner bescheidenen Meinung als "Kleiner Gourmet" nach an der Verwendung von Tomaten und rotem Paprika liegt.

Wo ich einmal bei türkischem Essen bin. Letzte Nacht erreichte mich eine e-mail von der Berliner Funkzentrale mit meinem Namen (TaxiBerlin), in der man mir "Ein Frohes Zuckerfest" wünscht, wofür ich mich erst einmal auch an dieser Stelle bedanken möchte, auch wenn ich mit dem Zuckerfest nicht viel anzufangen weiß.

Ehrlich gesagt fühle ich mich etwas schlecht, dass das so ist, dass ich mit dem Zuckerfest nichts anzufangen weiß, weswegen ich auch schon die ganze Zeit überlege, was ich daran wie ändern könnte, und da fiel mir ein, dass ich mir in den letzten Wochen am Flughafen Tegel öfters etwas türkisches zu Essen geholt habe.

Dazu muss man wissen, dass es am Flughafen Tegel einen Imbiss nur für Taxifahrer gibt, von Insidern liebevoll "Pilotenbude" genannt, der irgendwann gegen 21 Uhr schließt, also bevor die letzten Flugzeuge gelandet sind, und weswegen es sich bereits vor vielen Jahren eingebürgert hat, dass nach 21 Uhr fliegende türkische Händler ihre Waren auf dem Parkplatz für Taxifahrer anbieten.

Das war auch in den letzten Wochen so, nur dass die fliegenden türkischen Händler immer schon vor 21 Uhr da gelandet waren, wo bisher die "Pilotenbude" das Monopol hatte, was mit dem Ramadan zu tun haben soll. Neu war für mich auch zu hören, dass die fliegenden türkischen Händler angeblich überhaupt keine Genehmigung zum Verkauf hätten, weder nach noch vor 21 Uhr, und dass selbst die Flughafengesellschaft nichts dagegen tun könne.

"Ohne Genehmigung" war für mich das Stichwort. Es erinnerte mich sogleich an mein Berlin Anfang der Neunziger, als alles möglich war, und wo beispielsweise jemand mitten auf der Oranienburger in Mitte seine weiße Bohnensuppe aus der Gulaschkanone heraus verkauft hat, allerdings nicht lange. Dann kamen Polizei und Ordnungsamt und drohten mit Hygiene und dem ganzen Quatsch.

Und bevor es nun eventuell bald auch die fliegenden türkischen Händler auf dem Flughafen Tegel erwischt, wollte ich zumindest mal ihre Spezialitäten probiert haben, damit man auch im fernen Amerika weiß, wie die so schmecken. Ich kann es kurz machen: Sowohl die türkische Pizza (Lahmacum) als auch der Sesamring (Simit) waren einmalig, genauso wie die grüne Bohnensuppe von "My Soup".

Foto&Text TaxiBerlin