18.12.2014

NOCHMAL FLUGHAFEN TEGEL


Flughafen Tegel (TXL)

Natürlich kommen unsere türkischen Mitbürger nicht nur zum Verkaufen von Ayran, Börek, Kaffee und Tee nach Tegel. Und das auch nicht jeden Tag, aber so gut wie, wie beschrieben, erst nach 21 Uhr, nachdem die "Pilotenbude" geschlossen hat. Die meisten kommen, genauso wie ich, zum Taxifahren dorthin. Irgendwas muss schließlich die Rechnungen bezahlen. Manche (Foto) nutzen die Zeit dort auch noch zum Beten, was bei aller berechtigter und auch unberechtigter Eile in unserer schnelllebigen Zeit nicht unerwähnt werden soll.

Foto&Text TaxiBerlin

17.12.2014

"BERLIN WONDERLAND" - ALLES WAR MÖGLICH


Ein Buchtip

Weihnachten steht vor der Tür und viele wissen nicht, was sie ihren Liebsten schenken sollen. Zum Glück gibt es das Bilderbuch "Berlin Wonderland", dass ich jedem nur wärmstens empfehlen kann, der mehr über die Zeit erfahren möchte, in der in Berlin alles möglich war, weswegen es im Untertitel auch "Wild Years Revisited" heißt.

Die Rede ist von den Neunzigern, genauer gesagt von den Jahren 1990 bis 1996. Danach der war der Kuchen hier in Berlin sowieso gegessen. Viele der Nachgezogenen wissen nicht, was ich meine. Für sie hatte ich schonmal über die Zeit geschrieben und Fotos in Farbe (hier und hier) veröffentlicht.

Die Bilder im Buch sind allesamt schwarz/weiß. Keine Ahnung, warum das so ist. Mir gefallen sie jedenfalls. Das liegt auch daran, weil Bilder aus dieser Zeit prinzipiell schwer zu finden sind, selbst eigene, weil man mit Wichtigerem als mit Fotografieren beschäftigt war.

Foto&Text TaxiBerlin

16.12.2014

"PHASE FÜNF"


Innsbrucker Platz / früher Schöneberg / jetzt Tempelhof-Schönberg

Nichts gegen Coming-Outs. Ganz im Gegenteil. Immer raus mit der Wahrheit! Bei dieser Werbung scheint es mir aber um etwas anderes zu gehen. Hm, wie soll ich es erklären? Offensichtlich soll hier mal wieder der Bock zum Gärtner gemacht werden. Ich denke, soweit sind wir uns einig. Aber wie verpacke ich die Wahrheit jetzt? Hm...? Die Verpackung ist ja oft wichtiger wie der Inhalt respektive die Botschaft selbst, und das nicht nur zur Weihnachtszeit!

Ich versuch's mal so: Nicht nur in der Planwirtschaft wurde geplant, auch wenn uns das immer eingeredet wird. Nein, bis zum heutigen Tag wird geplant, auch wenn es nur die Boni sind und der Einzelne erst dann etwas davon mitbekommt, wenn der Plan, den andere gemacht haben, mal wieder gegen die Wand gefahren wurde, und er zur Kasse gebeten wird.

Es stellt sich die Frage: Gibt es so etwas wie "systemübergreifende" Phasen der Planung? Die Frage kann ganz klar mit JA beantwortet werden! Es gibt sie, es sind ihrer fünf und sie lauten wie folgt:

1. Enthusiastische Begeisterung
2. Plötzliche Verwirrung
3. Totale Ernüchterung
4. Suche nach dem Schuldigen
5. Bestrafung eines Unschuldigen
6. Auszeichnung eines völlig Unbeteiligten

Nachwort: Die meiste Zeit, ich denke, das dürfte keinen überraschen, befinden wir uns, wie auch die Werbung verheißt, in Phase Fünf.

Foto&Text TaxiBerlin

15.12.2014

NÄCHSTEN SONNTAG NOCHMAL


Flughafen Tegel (TXL) / "Pilotenbude"

Deutschland wird gerne Kälte nachgesagt, wobei nicht das Klima, sondern die Menschen gemeint sind. Im Großen und Ganzen mag das stimmen, aber es gibt auch Ausnahmen. Eine solche Ausnahme ist der kleine Kiosk (Foto) für Taxifahrer am Flughafen Tegel (TXL), der von erfahrenen Kollegen auch liebevoll "Pilotenbude" genannt wird, und der sich (noch) vollständig in deutscher Hand befindet. Dazu muss man wissen, dass nachdem der kleine Kiosk schließt, was so gegen neun Uhr abends passiert, regelmäßig türkische Mitbürger die Taxifahrer mit türkischer Pizza, Börek, Ayran, Kaffee und Tee (leider kein Lebkuchen!) anstelle von Bockwurst, Knacker, Wiener (auch Geflügel!), Bouletten (auch bekannt als Bremsklötze), belegten Broten, Instant-Suppen und eben lecker Lebkuchen versorgen. All das gibt es nur an der "Pilotenbude" - allerdings nur bis neun!

Die gratis Lebkuchen gibt es an allen Adventssonntagen, und sie werden überreicht von der netten Frau hinterm Verkaufstresen der "Pilotenbude", was Deutschlandweit einmalig sein dürfte. Denn wo gibt es das heutzutage noch, dass es irgendwas umsonst gibt!?! "Nicht umsonst", weil alles seinen Preis hat, und wenn es nur die eigene Blödheit ist, wird vielerorts um Sachspenden gebeten oder gar Bettellisten ins Netz gestellt. Manch einer geht sogar so weit und erklärt sich dort selbst für arm und doof. Und dabei bräuchte er nur zum Flughafen fahren. Du glaubst mir nicht? Dann teste es selbst aus! Am nächsten Sonntag gibt es zum letzten Mal für dieses Jahr den gratis Lebkuchen, wie mir die nette Verkäuferin gestern versicherte.

Es gibt nur zwei Bedingungen: Du bist Taxifahrer und findest am Flughafen Tegel die "Pilotenbude". Die befindet sich, soviel sei verraten, gleich rechts wenn Du aus dem Tunnel kommst.

Foto&Text TaxiBerlin

WIE ES HÄTTE SEIN KÖNNEN ...


Abseits von Weihnachtsmarkt und Weihnachtsfeier

Das Wochenende hätte genauso entspannt wie der Typ auf dem Foto sein können, wenn, ja wenn es da nicht die viel zu vielen Weihnachtsmärkte, Weihnachtsfeiern, WeihnachtsshopperInnen, WeihnachtsautofahrerInnen etc. gegeben hätte, die einem das Leben, selbst das eines erfahrenen Taxifahrers, grundlos schwer machen. Klar stimmte die Kasse - keine Frage. Aber Geld ist nicht alles. Gesundheit schon. Die ist nämlich unbezahlbar. Das A und O bei der Gesundheit eines Taxifahrers ist, für ein gutes Klima im Taxi zu sorgen. Damit meine ich jetzt keine Duftbäumchen und dieses ganze parfümierte Zeug. Ich rede von der richtigen Musik, bei der selbst die schlimmsten WeihnachtshysterikerInnen runter kommen: Klassik! Klassik sorgt für Klasse Klima im Taxi. Probier's einfach aus!

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14.12.2014

TANZEN IM TAXI


Alexanderplatz / früher Mitte / heute Neue Mitte

"Tanzen im Taxi" mag sich im ersten Moment schräg anhören, und manche werden es ganz und gar für unmöglich halten. Ich nicht! Nach vielen Jahren auf der Straße weiß ich: Es ist möglich! Anfangen tut es immer ganz harmlos, ungefähr so wie bei dem Kollegen auf dem Foto oben. Da wird laut mitgesungen, die Scheibe runter gelassen und wild aus dem Fenster heraus gestikuliert. Auch im Winter! (Man sieht das nicht so gut auf dem Bild, denn die Ampel schaltete bald darauf auf Grün um.) In dem Moment wäre, insbesondere auch im Interesse der Fahrgäste, ein kürzerer Zwischenstopp die bessere Lösung gewesen, und zwar um die Sitze hochzuklappen oder im Notfall einfach auf die Straße zu stellen, um genügend Platz zum Tanzen zu schaffen. Mir passiert das regelmäßig, weswegen mir mein Chef auch immer nur die ältesten Autos gibt. Einmal habe ich doch glatt die Sitze auf der Straße stehen gelassen. Entscheidend ist übrigens nicht die Größe des Taxis. (Ausnahmsweise spielt hier die Größe mal wirklich keine Rolle.) Getanzt werden kann, das weiß ich aus persönlicher Erfahrung, auch noch im kleinsten Taxi! Entscheidend ist nur die richtige Musik!

Musik JamesBrown
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"WAS IST DIE RUSSISCHE SEELE UND WOZU BRAUCHEN WIR SIE?" IST NICHT VON MIR!


Treskowallee / Karlshorst / Lichtenberg

Ich bin nicht nur ein Fachmann in Sachen Berliner Toiletten, sondern auch bekannt als "Kleiner Gourmet", wenngleich nur in Rom und Sofia. Trotzdem weiß ich, dass obiges armenisches Restaurant nicht gut sein kann, und nicht nur wegen meinen Fahrgästen, die ich letzte Nacht dorthin brachte: Russen mit Geld aber ohne Geschmack! (Da fällt mir ein, von wem war gleich nochmal die Frage "Was ist die russische Seele und wozu brauchen wir sie?" - Ich komm' grad nicht drauf. Ist jedenfalls nicht von mir - leider!) Dass das Restaurant in der Treskowallee in Karlshorst nicht gut sein kann, liegt jedenfalls nicht nur (aber auch!) an den Russen von letzter Nacht, sondern auch daran, dass es zu irgendeinem Hotel gehört und neben armenischer Küche auch noch internationale, was immer das sein mag, anbietet.

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13.12.2014

DIE BESTEN BERLINER TOILETTEN (EINE SERIE)


Gegenüber / Stralauer Allee / früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Als mir das in dem blöden Hotel zu dumm wurde, meine Fahrgäste waren offensichtlich schon weg, sonst gab es nur noch die Doofen von "The Voice ...", die auch die Toiletten blockierten, ich aber dringend genau dorthin musste, fuhr ich kurzerhand gegenüber zu Toyota. Also ich muss schon sagen: Das ist eine andere Welt! Erst einmal die Ruhe, weil keine hysterisch kreischenden Teenys, und dann die Toiletten! Männer und Frauen haben wie überall getrennte Eingangstüren, die in einen gemeinsamen Raum zum Händewaschen führen (Foto). Dort gibt es dann nochmal getrennte Türen (nochmal Foto), durch die man zu den eigentlichen Toiletten gelangt. Am Ende war es fast Schade, dass ich ganz alleine dort war, weil mir so das gemeinsame Händewaschen entgangen ist.

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THE VOICE OF BERLIN: "FASS MICH NICHT AN!"


Stralauer Allee / früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Nein, es war nicht das Artemis, wo ich Fahrgäste abholen sollte, sondern dieses blöde Hotel am Osthafen (Foto). Genau genommen, und laut Auftrag, sollte ich sie an der Rezeption abholen. (Ich glaube, die heißt dort nicht Rezeption, sondern irgendwie anders.) Die "Taxi Zone" (Wir sind im Osten!) war nicht wie angegeben "Frei" (ein Bus parkte dort), so dass ich direkt vor den Eingang fuhr, der auch vollgeparkt war, und zwar mit Wagen von "The Voice Of Germany". Einer von denen, ich glaube es war der Kameramann, versuchte mich doch wirklich am Jackett festzuhalten auf meinem Weg zur Rezeption. Keine Ahnung warum, ich wollte nur meinen Job machen (er vielleicht auch), aber er ließ echt nicht locker ... bis, ja bis er "The Voice Of Berlin" kennenlernte.

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12.12.2014

DAS NEUE GOLDENE KALB


Niederbarnimstraße / Friedrichshain

Das Besondere an diesem Goldenen Kalb ist nicht, dass es nicht aus Gold ist, sondern dass es sich (noch) direkt gegenüber vom geschlossenen Antiquariat befindet, wo früher die Bücher auf die Waage kamen, und wo wohl bald ein Szene-Café drin sein wird. Besonders ist es aber vor allem deswegen, weil im "Szene-Bezirk" der Tanz ums "Goldene Kalb" Tag für Tag und auch Nacht für Nacht auf's Neue vollführt wird. Am Tage im Wohneigentum, oder eben in den Mietwohnungen, nachdem die alten Vermieter vertrieben wurden. Und Nachts in den Bars und Clubs des "Szene-Bezirks".

Auf den ersten Blick scheinen die einen mit den anderen nichts zu tun zu haben, also die Kinder der Nacht in den Bars und Clubs nichts mit denen, die erst wohnen wollen, wo was los ist, dann aber dort ihre Ruhe brauchen. Dass es aber doch eine Verbindung gibt, genau das will uns der Künstler mit seinem Kunstwerk "Das Goldene Kalb" sagen, das gar kein "Goldenes Kalb", sondern ein "Grautier" mit Dollarzeichen im Fell, oder wie man früher gesagt hätte: eine "Graue Maus", ist.

Man versteht das ganz gut an der "Share Economy", der letzten Sau, die durchs weltweite Dorf getrieben wurde. Angeblich geht es da ums Teilen, wodurch Ressourcen gespart werden würden. Die Realität sieht anders aus. Sicherlich, im ersten Moment spart man Geld, wenn man sich keinen eigenen Wagen kauft, sondern ihn mit anderen teilen kann. Nur, was macht man mit dem gesparten Geld? Genau, eine Flugreise! Und auf dem Weg zum Flughafen staut man sich mit all den anderen, die auch beim Teilen ein paar €uro gespart haben.

Warum das so ist, ist nicht unbedingt sofort, aber doch nicht besonders schwer zu begreifen. Unsere Ökonomie ist auf Wachstum ausgelegt, und zwar egal ob man nun ums "Goldene Kalb" oder "nur" um das "Grautier" respektive der "Grauen Maus" tanzt. Im Stau sind dann plötzlich alle wieder gleich. Nur leider, so sagt die Erfahrung des langjährigen Taxifahrers, ist das oft nicht der richtige Moment, um zu realisieren, dass richtiges Teilen, man kann auch Nachhaltigkeit dazu sagen, wirklichen Verzicht bedeutet.

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WO DIE BÜCHER AUF DIE WAAGE KAMEN


Niederbarnimstraße / früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Wie ich bereits an dieser und auch an dieser Stelle schrieb, habe ich nicht nur meinen geregelten Wochenablauf, wo ich am Wochenende, um genau zu sein Freitag, Samstag und Sonntag arbeite, nein, auch mein Tagesablauf folgt einer gewissen Routine. Nahezu täglich gehe ich in die Keller-Bibliothek bei mir im Kiez. Aber wie das so ist mit einer Keller-Bibliothek, wer schon einmal in einer war, der weiß, wovon ich rede, es gibt dort nicht jedes Buch. Und deswegen ist es gut, wenn man eine Alternative weiß, wo man suchen kann. Genauso übrigens beim Taxifahren, wenn im allgegenwärtigen Bauwahn mal wieder eine Straße dicht gemacht wurde. Auch dann ist es besser, wenn man auch gerade als Taxifahrer eine alternative Strecke kennt.

Das Buch-Antiquariat in der Niederbarnimstraße 13 (Foto rechts) war genau so eine Alternative zur Keller-Bibliothek. Der einzige Unterschied war, dass im Antiquariat ein Kilopreis galt und in der Keller-Bibliothek jedes Buch wie gehabt ein Euro kostet. Mit dem Bücher abwiegen ist es in der Niederbarnimstraße schon seit einiger Zeit vorbei. Vor kurzem wurde das Schild "Zu Vermieten" aus dem Fenster genommen. Bestimmt wird es bald ein neues "Szene-Café" dort geben. Mir macht das nichts, denn neben der Keller-Bibliothek gibt es immer noch eine Handvoll Second-Hand-Buchläden im Kiez, und meinen Kaffee trinke ich seit Ewigkeiten sowieso nur zu hause.

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11.12.2014

SCHEISS AUF'S GESCHÄFT


Kreuz- Ecke Wollankstraße / früher Pankow / heute Pankow

"Sex ist nicht alles, der Mensch hat schließlich noch Seele", meint Charles Bukowski in einem seiner "Gedichte vom südlichen Ende der Couch", und der muss es wissen. So oder so ähnlich, wie das mit dem Sex ist, verhält es sich mit dem Geld, sage ich für alle, die das nicht wissen, und davon gibt es mehr als genug. Aber ich sage das nicht nur, nein, ich gehe auch mit gutem Beispiel voran und werde dieses Silvester, traditionell die umsatzstärkste Nacht des Jahres, ein weiteres mal nicht fahren sondern feiern. Das Fahren überlasse ich denen, die es nötiger haben. Also ran, liebe Kollegen und "Kollegen", schnell noch die letzte freie Neujahrsschicht gebucht, denn TaxiBerlin wird nicht "on the road" und auch nicht "in your way" sein.

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10.12.2014

NEUER BERLINER NACHTCLUB


... oder doch nur "Hipster-Ofen"?

Keine Ahnung, ob es sich bei "Muschi hilft" um einen "echten" Berliner Nachtclub oder "nur" um einen neuen "Hipster-Ofen" handelt, wie es die Lokalisation in Mitte vermuten lässt. Überhaupt kann ich mit der zunehmenden Sexualisierung unseres Alltags, und auch der Nacht, nichts anfangen. Für mich zählt, ich erwähnte das bereits, nur Straße und Hausnummer. Und wenn jemand Sex haben will, mein Gott, dann soll er ihn haben. Aber deswegen gleich was "Neues" aufmachen ...

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09.12.2014

MEINE STADT, MEIN KIEZ, MEIN BIOSUPPENHUHN


Die Zeiten ändern sich ...

Mein Kiez verändert sich, ich habe bereits mehrfach in meinem Blog darüber geschrieben. Und dass, obwohl ich neulich extra nochmal umgezogen bin, so dass ich, zumindest gefühlt, eigentlich schon in Lichtenberg und nicht mehr im Friedrichshain wohne. Mit den Gefühlen, wer welche hat, weiß das, ist das aber so eine Sache. Gefühle kommen und gehen. Und genauso ist das auch mit den Leuten in meinem Kiez. Neuerdings ist es wohl so, dass nicht nur die, die noch ein Dach über den Kopf haben, andere sind als noch letztes Jahr. Nein, auch die, die auf der Straße leben, haben sich verändert. Oder wie soll ich sonst obiges Schild (Foto) deuten, das neulich vorm Bio-Markt in der Boxhagener Straße neben dem Bürgerteig lag?

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08.12.2014

DIE BESTEN BERLINER TOILETTEN (EINE SERIE)


Im Artemis / Halenseestraße / Charlottenburg-Wilmersdorf

Das wird jetzt viele überraschen. Man kann im Artemis einfach so auf die Toilette gehen, zumindest als Taxifahrer. Es soll auch Leute geben, die da nur zum Fitness hingehen, also Sauna und Gewichte heben. Das behaupten jedenfalls Fahrgäste, die mir dort einsteigen. Die sind aber in der Minderheit, das muss man schon sagen. Und kontrollieren, ob das wirklich stimmt, kann ich das natürlich auch nicht. Was ich aber kann, ich erwähnte das am Anfang, ist die Toilette im Artemis benutzen, und das sogar umsonst und ohne Eintritt. Die Toilette dort ist nichts besonderes, weswegen ich sie auch nicht fotografiert habe. Die Herausforderung ist eher, sie auch zu finden, und nicht ins falsche Zimmer zu treten. Zum Glück gibt es rot-beleuchtete Hinweisschilder (Foto). Die erleichtern die Suche - auch gerade für den erfahrenen Taxifahrer - ungemein.

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NICHTS NEUES VON DER GENDERFRONT


Irgendwo in Friedrichshain-Kreuzberg

Komisch, dass noch niemand an den maskulinen Namen der Berliner Clubs seinen politisch korrekten Anstoß genommen hat. Die heißen auch weiterhin "Prinz Charles", "King Size", "Ritter Butzke" und weiß der Teufel (respektive Teufelin) wie. Ich kann mir die, das muss ich zu meiner Nachtfahrer-Schande gestehen, gar nicht alle merken. Es soll auch schon vorgekommen sein, nichts genaues weiß man nicht, dass ich meine Fahrgäste zum verkehrten Club gefahren habe.

Das wäre aber nicht passiert, das darf ich zu meiner Entschuldigung sagen, wenn die Fahrgäste einfach Straße, Hausnummer und notfalls noch den Stadtbezirk gewusst hätten. Und genau dort, also bei den Straßennamen, liegt das Problem. Die dürfen seit einiger Zeit nur noch nach Frauen benannt werden, Ausnahmen bestätigen diese Regel (Foto), und zwar genau so lange, bis das Geschlechterverhältnis irgendwann ausgeglichen ist, was immer das heißen mag, womit aber die Clubgänger, also die Kinder der Nacht, klar überfordert sind.

Ich meine, wie sollen die denn auch verstehen, dass die Straße, um nur ein fiktives Beispiel zu nennen, plötzlich "Lady Di" heißen soll, wenn sich der Club in derselben immer noch "Prince Charles" nennt, und eben nicht "Dodi Al-Fayed" oder wer da alles in Frage kommt. Also da muss ich das Partyvolk ausnahmsweise mal in Schutz nehmen, was mir, wer mich kennt, weiß das, alles andere als leicht fällt.

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07.12.2014

IM TAXI MIT ADAM UND EVA


Scheibe / beschlagen / mit Skizze

Eigentlich war ich auf der Durchreise in die City, aber wenn jemand winkt, halte ich natürlich an, auch wenn ich manchmal selbst nicht genau weiß, wo ich gerade bin. Das ist nicht selbstverständlich. Manch ein Kollege, wohl eher "Kollege", fährt da stur weiter, wobei mir nicht klar ist, ob er die Hand nicht sieht oder nicht sehen will, weil es oft nur 'ne Kurzstrecke (auch bekannt als Kotzstrecke) ist.

Nicht so in meinem Fall, da ging es nach Polen, oder zumindest bis zur Grenze nach Frankfurt/Oder. Von dort aus wollten die beiden zu Fuß weiter, Adam aus Polen und Eva aus Weißrussland. Sie kamen aus dem Insomnia, einem Swinger-Club in Alt Tempelhof, und sprangen mir am Tempelhofer Damm in den Wagen. Mir sollte es Recht sein. So oder so eine lange Fahrt, auf der so einiges passieren kann.

Und so kam es dann auch. Adam war schon mal verheiratet, was im katholischen Polen noch immer eher die Ausnahme als die Regel ist. Eva war somit nicht Adams erste Frau, was mich einigermaßen überraschte, weil das doch sogar im Buch der Bücher schon so steht. Aber Adam wusste es besser.

Auch Adam, also der in der Bibel, hatte vor Eva schon 'ne andere Frau gehabt, und zwar Lilith. Ich war einigermaßen überrascht, glaubte ich mich doch halbwegs Bibelsicher. Schuld daran, dass wir hierzulande von Lilith nichts wissen, ist übrigens Luther. Der hat den Hinweis auf sie, den es im hebräischen Text gibt, weggelassen: "Dieses Mal" - so Adam im Original - "Bein von meinem Bein."

Was war nun aber mit dieser Lilith? Wieso hat es mit ihr nicht funktioniert? Das interessierte mich persönlich! Dazu sage die Bibel nichts, klärte Adam mich auf. Und mit seinen eigenen Erfahrungen wollte er nicht rausrücken. Das verstand ich, immerhin saß Eva, seine zweite Frau, neben ihm. Aber die Fahrt war lang, und Polen weit, auf jeden Fall weiter, als man manchmal so denkt, und uns gingen die Themen aus.

Eva, seine zweite Frau, wisse sowieso bescheid. Und warum sollte es der Berliner Taxifahrer nicht erfahren?! Lilith, seine erste Frau, wäre eigentlich nicht verkehrt gewesen, meinte Adam nun. Nur, sie war ihm etwas zu eigensinnig - damals. Beispielsweise hatte sie keine Lust, beim gemeinsamen Sex immer nur unten zu liegen, was sogar Adam verstand - jetzt. Eva sowieso.

Beim zweiten Mal wollte Adam es besser machen, aber vor allem anders. Er wollte ihr, nun Eva, die Freiheit geben, die er Lilith nicht geben konnte, und die er für sich selbst sowieso beansprucht. Damit meine er nicht nur andere Stellungen, sondern auch andere Partner. Und deswegen der Swinger-Club, das leuchtete mir ein.

Diesmal wäre es nicht so gut gewesen, zu viele Solo-Männer, und allesamt bedauernswerte Gestalten, die offensichtlich nicht ohne Grund alleine sind. Komisch nur, dass die soviel Geld bezahlen und nicht einfach ins Bordell gehen. Gut, einige von ihnen hätten auch was gemacht im Club, aber mit Frauen, die schwer nach Professionelle aussahen, was offiziell gar nicht gestattet sei.

Letztes Mal sei es um Welten besser gewesen. Da seien mehr Paare da gewesen, und auch viele jüngere, was sonst eher die Ausnahme sei. Eins von den jungen Paaren, sie kannten sich offensichtlich noch nicht so lange, hätte die beiden echt beeindruckt. Es wäre schön gewesen, einfach mit anzusehen, wie leidenschaftlich Sex sein kann. Lange hätten sie selbst im Bett davon gezehrt. Denn wer wisse das nicht, wie langweilig es dort mit der Zeit schon mal werden kann.

Den Partner tauschen, das komme bei ihnen übrigens nur ausnahmsweise vor. Dazu müsse mehr stimmen als die Optik. Ihnen ginge es vor allem darum, sich inspirieren zu lassen, und da wäre der heutige Abend eher zum Abgewöhnen gewesen. Und deswegen wollten sie so schnell es geht nach Hause, nach Polen. Sich langweilen können sie schließlich auch dort.

Ich habe mich nicht gelangweilt, ganz im Gegenteil. Ich hab' mal wieder was dazu gelernt. Die Geschichte mit Lilith kannte ich zum Beispiel noch gar nicht. Zum Schluss, das nur für alle Krämerseelen, gab's noch ein ordentliches Trinkgeld obendrauf. Da kennt der Pole aus Polen und seine zweite Frau nichts.

Also wenn Du mich fragst: Ich als Taxifahrer kann Swinger-Clubs empfehlen!

Foto&Text TaxiBerlin

06.12.2014

FRUSTRATIONSGRENZE ERFOLGREICH AUSGETESTET ...


... und auch denen des erfahrenen Funkkraftdroschkenkutschers

Das muss ich unbedingt noch loswerden, bevor mein Chef, ich schrieb hier darüber, nicht mehr mein Chef, sondern "nur" noch mein Kollege ist - sozusagen als Ehrung. Nach meiner Auszeit am Rande Europas, ich war zwei Monate kein Taxi in Berlin gefahren, war meine "gute" alte Taxe in der Werkstatt und mein Chef im Urlaub. Und aus dem Urlaub wagte er es per SMS, wie er das immer so macht, mich, der sowieso nur am Wochenende fährt, und das nach Möglichkeit durchgehend, d.h. dass ich die eine Taxe, die ich an diesem Wochenende fahre, auch mit nach hause nehmen kann, wenn ich schlafe, also da wagte es mein Chef, mir zwei Wochenenden lang, an allen drei Tagen, also Freitag, Samstag und Sonntag, jeweils eine völlig andere Taxe mit jeweils anderen Problemen und Problemchen, und vor allem mit einem jeweils anderen Taxameter zuzumuten, die ich mir, das war das Allerschärfste, auch noch aus irgendwelchen dunklen Ecken in der Stadt abholen musste, und zwar Freitag in Neukölln, Samstag in Schöneberg und Sonntag in Pankow.

Gut, der Mann macht Urlaub mit der ganzen Family, er hat eine hübsche Frau und zwei nette Kinder, in Spanien, da will ich ihn nicht mit Nichtigkeiten belästigten, sagte ich mir, und wartete mit meinem Anruf bei ihm bis zu seiner Rückkehr nach Berlin. Nachdem ich ihm dann am Telefon gleichmal obigen Text aufgesagt hatte, musste er erstmal Luft holen. Das war vielleicht sein Fehler, denn diesen Moment nutzte ich, um die Angelegenheit mit "Das machst Du nicht mit mir!" für mich abzuschließen. Was sollte er darauf noch sagen, er ist ja "nur" der Chef, ich aber sein "Spitzenfahrer". Er versuchte sich mit "Ich wollte mal Deine Frustrationsgrenze austesten" aus der Affäre zu ziehen. Da war er bei mir völlig verkehrt, denn mit der Aktion hatte er nicht nur meine Frustrationsgrenze, sondern auch meinen persönlichen Rubikon als erfahrener Kutscher überschritten. Das sah er, also mein "noch" Chef, wohl genauso. Zumindest fahre ich seitdem eine nagelneue Taxe, und die steht, wo ich das gerade schreibe, direkt vor meiner Haustür. So geht Taxifahren heute!

Foto&Text TaxiBerlin

"FAHRT IHR EIGENTLICH DIE GANZE NACHT?"


Ein "Frühaufsteher" in Berlin

Ich wusste erstmal gar nicht, wen er mit "ihr" meinte, weil ich doch ganz alleine mein Taxi fahre. Um die Wahrheit zu sagen, dachte ich wirklich einen Moment lang, dass er vielleicht nicht ganz helle wäre. Dann wurde mir aber klar, dass mit "ihr" sämtliche Berliner Taxen gemeint waren. Zu seiner Entschuldigung gab er an, aus Sachsen-Anhalt zu kommen. Das ist bekanntlich und auch ganz offiziell das "Land der Frühaufsteher". Ob die Taxen in Sachsen-Anhalt deswegen vielleicht wirklich irgendwann am Abend alle aufhören zu fahren, konnte mir mein Fahrgast nicht sagen, denn da war er bereits eingepennt ...

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05.12.2014

DAS NEUE MOTTO VON BERLIN: ARM ABER GEIL


Ring-Bahn S 42 / Werbung / Detail

"Arm aber sexy" tritt die Tage zurück, weswegen es jetzt nicht gleich ein Machtvakuum geben wird in Berlin, aber immerhin einen rhetorischen Nachholbedarf, und zwar was das neue Motto von Berlin angeht. Und dass in einer Stadt, in der immer öfter die neuen Mieter schon vor der Wohnung stehen, aus der die alten noch gar nicht vertrieben worden. Aber gut, bleiben wir ungerecht und beim Thema. Was kommt jetzt?

Mir persönlich ging "Arm aber sexy" schon lange wegen seiner Operettenhaftigkeit auf die Nerven, und zwar gehörig. Gut, "geil" mag manchem noch wegen "Geiz ist geil" vor zwölf Jahren in unangenehmer Erinnerung sein. Andererseits gehört der Geiz aber nunmal zum deutschen Charakter. "Da kannst Du machen nix".

Auch ist das Wort "geil" schon vor einiger Zeit erfolgreich wiederbelebt worden, und zwar in Form von "süpergeil", mit englischen UT, oder im Original als "supergeil". Man nennt das wohl auch "Guerilla-Marketing". Für uns Ältere ist "geil" einfach nur Siebziger. Oder waren es doch schon die Achtziger? Hm, zu blöd, ich komme da manchmal durcheinander.

Aber nicht nur da, nein, auch im Edeka bei mir an der Ecke finde ich mich nicht mehr zurecht. Täglich tauchen dort neue Gesichter auf, die ich vorher noch nie gesehen habe, und die gucken mich so komisch an, als wollten sie fragen, was will denn der noch hier. Jetzt, wo ich das aufschreibe, fällt mir ein, dass das aber auch an mir liegen kann. Möglicherweise habe ich einfach nur Alzheimer, oder bilde mir das alles nur ein, was vielleicht schlimmer ist.

Ich schreibe das jetzt nicht, weil ich Dein Mitgefühl brauche, oder gar Dein Mitleid. Gott bewahre! Ich will nur, dass Du verstehst, warum ich meinen Edeka an der Ecke nicht geil finde, nicht geil finden kann. Was ich aber geil finde, neben mir selbst natürlich, und da bin ich mir, Einbildung und Alzheimer hin oder her, ausnahmsweise mal sicher, ist meine Stadt, mein Berlin, mein Kiez, mein Blog, mein Taxi, .... - was immer Du willst, nur hier muss es sein!

Und das meine ich Ernst! Ich find' mich und meine Stadt wirklich geil! Das ist jetzt keine Quotengeilheit, Du verstehst, was ich meine, oder? Also ich bin jetzt nicht geil, weil die Quote sagt, dass es soundsoviele Geile in der Stadt geben muss. Nein, das nicht! Bei mir ist das meine Natur. Aber gut, bevor ich jetzt zu persönlich werde, nur noch das: Dass ausgerechnet ich auf den neuen Slogan für unsere Stadt komme, die Rede ist von "Arm aber geil", mag manchen überraschen, meine Person inklusive, ist aber letztendlich keine Überraschung.

Nachtrag: Die Werbung (Foto) lügt natürlich. Günstig ist nicht geil und wird es auch nie sein, denn geil ist immer nur geil!

Noch ein Nachtrag: "Ich find's geil!" ist nicht das selbe wie "Ich bin geil!", und es ist auch nicht das gleiche. Nein, um ganz genau zu sein, ist es noch nicht einmal nah dran!

Und noch ein Nachtrag: "Reich aber doof" ist definitiv auch ein Motto für Berlin, das zu überdenken ist, aber erst nach "Arm aber geil".

Definitiv letzter Nachtrag: Gefühlt gibt es in Berlin mehr arme als geile, auch im Internet, und auch im Taxi, und vor allem geistig.

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04.12.2014

DIE BESTEN BERLINER TOILETTEN (EINE SERIE) oder DER DEUTSCHE CHARAKTER


Botschafts-Toilette in Berlin

Dies ist das Innenleben einer Botschafts-Toilette in Berlin, wobei die Nation respektive Nationen nicht namentlich genannt werden sollen, und zwar aus guten Grund, denn sie sind mit der deutschen recht nah verwandt, auch wenn das Bild dies nicht unbedingt vermuten lässt. Zur Botschaft möchte ich nur soviel verraten, dass jeder (also auch Du) reindarf, und dass nicht nur auf die Toilette, sondern auch in die Kantine. Lediglich zwischen zwölf und eins ist diese ausschließlich dem Botschaftspersonal vorbehalten.

Warum dies keine deutsche Toilette sein kann, liegt an dem überfüllten Papierkorb (links im Bild), weswegen benutzte Handtüchern auf dem Boden herumliegen. Denn der Deutsche, ich erwähnte das bereits, ist für seinen analen Charakter bekannt. Was bedeutet das aber? Der anale Charakter, auf die Gründe für ihn soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden, zeichnet sich durch Ordnungsliebe (bis hin zur Pedanterie), Geiz, Eigensinn, Isolation, Pünktlichkeit, Sauberkeit, Rationalisierung, Genauigkeit und sonstige zwanghafte Verhaltensweisen aus.

Das alles trifft auf Dich natürlich nicht zu, das ist klar. Aber auch das gehört zum analen Charakter: Die Abwehr bzw. das Nicht-Wahrhaben-Wollen. Das ist aber nur die eine Seite des Krankheitsbildes. Die andere muss logischerweise die gesunde sein, oder was von ihr übrig blieb. Denn, wenn ich ausnahmsweise mal von mir reden darf, genau deswegen sind wir doch alle nach Berlin gekommen - damals, als Berlin noch so schön dreckig und mehr Balkan als Deutschland war.

Viele von denen, die später nach Berlin kamen, warum und woher auch immer, werden sich daran nicht mehr erinnern. Wie denn auch? Aber es war wirklich so, ich schreibe hier keinen Scheiß! Berlin war wirklich mehr Balkan als Deutschland. Der Balkan in Berlin wird seit Jahren immer kleiner, aber vielleicht konzentriert er sich auch nur, wer weiß das schon so genau. Auf jeden Fall wird Berlin Tag für Tag sauberer & geleckter, und damit steril & langweilig. Das ist nicht zu übersehen. Aber wem ist schon klar, woran das genau liegt, oder besser: Wem wir das zu verdanken haben? Es liegt eben nicht immer alles nur am Geld!

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03.12.2014

PARTY PEOPLE PAMJATNIK


Römerweg Ecke Treskowallee / Karlshorst / Lichtenberg

Dass es nach dem "Danke für Party" Denkmal irgendwann ein "Party People Pamjatnik" geben wird, war klar. Dass das Denkmal jetzt in Lichtenberg steht, ist dann aber schon eine kleine Überraschung. Ich kann mir das nur so erklären, dass auch Party People sparen müssen, um nicht das böse Wort "Geiz" zu bemühen, natürlich immer nur für die nächste Party ...

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02.12.2014

VITAMINE VITAMINE VITAMINE


Anhängerkupplung mit Mandarinenschale

Es ist Erkältungswetter, auch im Taxi. Dort ist man zwar (in der Regel) vor Wind und Wetter geschützt, aber man weiß nie, was manch Fahrgast so mitbringt, und ein paar von ihnen bestehen immer noch (oder besser: schon wieder!) auf den Handschlag zum Abschied. Nicht zu vergessen das Geld, das auch immer von voll Keimen ist, und deswegen zu Recht Schmutz genannt wird.

Das mit dem Hand geben war lange Zeit ein "Ost-Ding", mittlerweile wird es wohl als "allgemein menschlich" akzeptiert. Zumindest hat es sich durchgesetzt wie der Ampelmann. Der Ossi hat aber auch viel an sich gearbeitet, das muss man schon sagen. Die Zeiten, wo er sich beispielsweise irgendwelches Gemüse anstelle von Obst (Stichwort: meine erste Banane) andrehen ließ, sind vorbei.

Gegen Erkältung helfen Vitamine, von denen die meisten in Südfrüchten stecken. Aber wo findet der nachtaktive Fahrer die? Ganz einfach! Am Bahnhof Charlottenburg gibt es ein von Russen betriebenes "Magazin", welches auch frisches Obst und Gemüse anbietet, und das 24 Stunden 7 Tage die Woche.

Nachtrag: Auch dem, der sich zwar aus Grünzeug nichts macht, aber im Herzen eine Krämerseele ist, ist der Laden zu empfehlen, denn der Russe rundet den Verkaufspreis zu Gunsten des Kunden ab!!!

Nachtrag zum Nachtrag: Größter Vitaminkiller ist sowieso nicht Geiz, sondern Nikotin!

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01.12.2014

DIE ZUKUNFT DER ARBEIT UND DES KAPITALISMUS


Silbersteinstraße / früher Neukölln / heute Neukölln

Es soll Leute geben, die glauben, dass Uber&Co die Zukunft gehört. Ich gehöre nicht zu ihnen. Bisher dachte ich, dass die Zukunft der Arbeit genauso aussieht wie die Anzeige auf dem Foto. Dort werden Arbeiter mit Gewerbe gesucht, also Selbständige. Das Wort Gewerbe wurde übrigens 1:1 aus dem Deutschen übernommen, weil es das im Bulgarischen, der Sprache der Anzeige, nicht gibt. Dazu muss man vielleicht wissen, dass es nicht wenige Bulgaren gibt, die ernsthaft der Meinung sind, dass Bulgarien die Zukunft gehört, und zwar aus Gründen, die hier nicht näher erläutert werden sollen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr gelange ich zu der Überzeugung, dass unsere Zukunft ziemlich genau wie eine Kreuzung zwischen Uber&Co und, vielleicht nicht gerade Bulgarien, sondern eher China aussieht - also eine Art konzentrierter kapitalistischer Gulag "in Freiheit".

Nachtrag: Von seinen Gegnern wird er auch "real existierender Kapitalismus" genannt werden - allerdings erst in der Zukunft.

Foto&Text TaxiBerlin

DIE BESTEN BERLINER TOILETTEN (EINE SERIE)


Hotel Meliá / Friedrichstraße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Man kommt rum als Taxifahrer. Gut, nicht jeder. Manch einer steht auch nur rum. Aber wer rumkommt, der hat ein Problem. Und zwar das mit seinen Bedürfnissen. Das kann man ruhig mal so stehenlassen.

Der Deutsche, ich denke, das kann ich sagen, ohne zuviel zu verraten, ist für seinen analen Charakter bekannt. Und selbst ich als halber Deutscher kann ein Lied davon singen. Das mit dem analen Charakter ist übrigens nicht von mir, sondern aus einem Buch aus meiner Keller-Bibliothek über die Deutschen im besonderen und allgemeinen, das es so in der Form eigentlich gar nicht mehr geben dürfte, weil wir Menschen bekanntlich alle gleich sind.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass wir alle dieses bestimmte Bedürfnis teilen, welches für den Taxifahrer auch schonmal zum Riesenproblem werden kann, weil er keinen Ort mit sich führt, wo er diesem speziellen Bedürfnis nachgehen könnte.

Einschub: Die Frage ist immer noch unbeantwortet, ob es sich nicht doch eher um ein Menschenrecht als um ein Bedürfnis handelt, was den Taxifahrer aber im Notfall auch nicht weiter bringt. Zumindest geht es mir so.

Mir, und ich habe als halber Deutscher nur einen halb-analen Charakter, ist im Falle des Falles eher nach Ruhe und Stille, aber auch nach Sauberkeit und angenehmen Gerüchen. Das alles finde ich, aber Du kannst das auch, noch in der Neuen Mitte, und auch umsonst, wobei die Betonung wohl auf noch und umsonst liegt ...

Foto&Text TaxiBerlin

WAS MACHT DER ESEL IM TAXI VORM ARTEMIS?


Halenseestraße / früher Wilmersdorf / heute Charlottenburg-Wilmersdorf

Ich hatte schon geschrieben, dass mir letzte Nacht ein verrücktes Paar aus Staaken-Ost ein Tier geschenkt hat. Natürlich nicht irgendein Tier, sondern einen Esel (Foto). Jedes Tier lasse ich mir nicht andrehen, auch nicht geschenkt, aber bei Eseln werde ich regelmäßig schwach, wie bei keinem anderen Tier. Das muss irgendwie mit meiner Vergangenheit zu tun haben.

Aber zurück zu dem Paar, das mir irgendwo in Charlottenburg-Nord ins Taxi sprang. Als wir bei ihnen in Ost-Staaken ankamen, standen da noch zwei Esel vor ihrer Tür. Eigentlich wollte ich die beiden nur fotografieren. Aber bevor ich mich versah, hatte ich plötzlich einen von ihnen bei mir im Taxi. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie es dazu kam. Auf jeden Fall haben sie mit dem Teil Tier eine Riesenfreude gemacht. Natürlich habe ich mich an mein Versprechen gehalten, und den Esel die ganze Nacht im Taxi durch Berlin gefahren. Er war wohl schon längere Zeit nicht mehr aus Staaken-Ost rausgekommen.

Erstmal sind wir zum Artemis gefahren, weil das mehr oder weniger auf dem Weg in die City liegt. Der Esel war nicht sonderlich beeindruckt. Wahrscheinlich ist er aus dem Alter raus, wo er sich mit Fitness oder gar Sex beschäftigt. Andererseits hat sich aber auch niemand sonderlich für ihn interessiert, außer ich natürlich. Um genau zu sein, hat nicht ein Fahrgast gefragt, was der Esel im Kofferraum soll. Vielleicht war er auch einfach selbst Schuld. Er ist während der ganzen Fahrt weder eingepennt, noch umgefallen, und hat auch keinen Haufen gemacht, was alles passieren kann. Ich weiß das aus persönlicher Erfahrung.

Und wir sind wirklich rumgekommen in der Nacht: Asphalt, Berghain, Chalet, King-Size, Nutten-Bar - um nur ein paar Stationen zu nennen. Insgesamt, das muss ich schon sagen, auch im Namen des Esels, eine totale Enttäuschung. Die Leute sind so mit sich selbst beschäftigt, die kriegen überhaupt nicht mit, wenn da noch'n Esel im Taxi ist.

Nachtrag: Trotz alledem, oder besser: gerade deswegen, hat der Esel einen würdigen Platz bei mir im Hof zwischen den Kletterrosen und dem Müllcontainer bekommen. Und wenn er mal wieder Bock hat, dann drehen wir auch wieder ein paar Runden ...

Foto&Text TaxiBerlin

30.11.2014

SCHRIPPE ODER TOILETTE


Von Edeka - supergeil

Letzte Nacht, das kann ich ohne Übertreibung sagen, war so gut wie Silvester. Ich schreibe das jetzt nicht, um irgendwie anzugeben, mich wichtig zu machen oder gar, weil ich über Geld schreiben will. Das überlasse ich gerne anderen. Ich schreibe das, weil ich die Nacht vorher wegen einem Geburtstag mit Lesung frei gemacht habe, und gestern problemlos die Freitagnacht mit einfahren konnte. Ich will jetzt nicht analysieren, warum das so war. Ich möchte nur, dass Du verstehst, dass man, wenn man überall in Berlin fährt, selbst als Fahrer mit Erfahrung sich mitunter erstmal orientieren muss, wo man gerade ist. Insbesondere dann, wenn man ein Tier im Fahrzeug hat, was einem nette Leute aus Staaken-Ost, was früher zu West-Berlin gehörte, geschenkt haben. Aber das ist eine andere Geschichte, über die ich morgen schreiben werde. Jetzt erstmal folgende:

Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Klo. Kaum ausgestiegen, stellt sich plötzlich Hunger ein. Wie das eben manchmal so ist. Ich musste mich also ganz neu orientieren. Wo war ich eigentlich? Aha, Wedding, genau genommen Rathenower Ecke Perleberger. Neben der "Bum Bum Bar", die wegen dem WC in Frage gekommen wäre, gibt es einen Edeka, und dort gleich rechter Hand einen Bäcker. Es war kurz vor acht und auf dem Tresen waren etwa zehn Plastiktüten (Foto) aufgereiht. In jeder Tüte befanden sich zwei Brötchen, belegt mit Wurst und einem Salatblatt, soviel war zu erkennen.

Ich freute mich, dass die Frau hinterm Tresen bald Feierabend hat. Dem war aber nicht so. Der Bäcker schließt erst um elf, klärte mich die nette Verkäuferin auf. Aber was machen dann kurz vor acht die ganzen Plastiktüten auf dem Tresen? Die seien von heute früh und für die Alkis, vermutlich aus der "Bum Bum Bar" nebenan, was mir die junge Frau aber nicht bestätigen wollte. Immerhin wusste sie, was die Dinger kosten: Fünfzig Cent die Tüte! Die Sache war entschieden. Ich wusste, wo ich das Geld anlege, das eigentlich für's Klo gedacht war. Auf Toilette kann ich auch woanders gehen ...

Nachtrag: Wo ich überall schon auf Toilette war, darüber erfährt der interessierte Leser demnächst wieder mehr auf dieser Seite. Über die Brötchen kann ich nichts sagen. Die hab' ich bis jetzt nicht probiert.

Foto&Text TaxiBerlin

"UBER - SO ATTRAKTIV WIE FRACKING UND ATOMKRAFT"


And Think Twice

Der Titel ist leider nicht von mir, sondern von der Süddeutschen, und der Hinweis auf den dazugehörigen aktuellen Artikel kam auch von einem alten Freund auf den Kanaren. (Danke und Gruß aus dem kalten Berlin!) Ansonsten, das sagt die Erfahrung (beispielsweise auch bei der Einführung der Fünfzig-Cent-Regelung am Flughafen Tegel), bleibt alles beim Alten: Diejenigen, die heute am lautesten gegen die Konkurrenz aus dem Internet anschreien oder auch nur anschreiben, sitzen morgen als erster in einem Auto von Uber&Co, egal ob als Fahrer oder als Kunde. Einzige Voraussetzung: Die Kohle stimmt.

Foto&Text TaxiBerlin

29.11.2014

OH DU FRISCHE ...


Meine neue Jacke

Rot ist eigentlich nicht so meine Farbe. Das muss mit den Ampeln zusammenhängen. Aber nun steht Weihnachten vor der Tür, und was macht man nicht alles für seine Fahrgäste ...

Das mit der Frische, seit einiger Zeit dusche ich immer direkt vor dem Dienst, ist aber manchmal gar nicht so gut. Es gibt einfach zu viele Fahrgäste, die das nicht zu schätzen wissen. Also ich will mich jetzt wirklich nicht beklagen. Gott bewahre! Wo kommen wir denn da hin, wenn sich jetzt schon einfaches Servicepersonal beklagen darf. Andererseits leben wir, das wird zumindest immer behauptet, in einer Servicegesellschaft.

Persönlich habe ich nichts dagegen, in einer Servicegesellschaft zu leben. Ganz im Gegenteil! Ich finde Servicegesellschaft einfach nur geil, vorausgesetzt sie ist wirklich der große Gleichmacher im Sinne von Égalité. Nur, wenn alle gleich sind und alle sich beschweren dürfen, warum soll ich dann hinterm Berg halten?!

Also da gibt es die Fahrgäste, die im Taxi immer ihren Müll entsorgen. Gerne stopfen sie ihre benutzten Taschentücher in irgendwelche Spalten und Ritzen im Taxi oder lassen sie einfach auf den Boden fallen. Das ist aber harmlos. Da muss man nur aufpassen, dass man keinen direkten Kontakt zur Fahrgastrotze hat, und dafür gibt es an den meisten Tankstellen sogenannte "Diesel-Handschuhe" aus Plastik.

Schlimmer sind die Fahrgäste, die selber stinken wie die Pest. Das kommt öfter vor, als man denkt. Das muss nicht immer daran liegen, dass sie eine Ewigkeit nicht geduscht haben. Meistens kommen die nur aus irgendwelchen Löchern, wie bestimmte Clubs in der Fachsprache heißen, wo offensichtlich an der Belüftung gespart wird. In diesen Fällen ist es auf jeden Fall ein großer Fehler, das sage aus Erfahrung, wenn man selbst vorher geduscht hat.

Aber nicht etwa, weil ich gleich wieder schmutzig werde. Das werde ich sowieso, alleine schon wegen dem Geld, dass mir dort ständig zugesteckt wird. Nein, der Punkt ist ein anderer. Frisch geduscht nimmt man Gerüche ganz anders wahr. Wahrscheinlich weil man selbst in dem Moment nur minimale Ausdünstungen hat. (Möglicherweise gilt das aber nur für Nichtraucher.)

Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel verraten. Ich habe einfach mal geschrieben, wie mir der Schnabel gewachsen ist, wie man so schön sagt, und das kommt selbst im Taxi nicht immer gut an. Die raren Momente, wo es dann mal so ist, sind allerdings die schönsten ...

Foto&Text TaxiBerlin

28.11.2014

NEUER BERLINER U-BAHNHOF: ORIENT STATION


Müller- Ecke Schulstraße / früher Wedding / heute Neue Mitte

Eine kleine Überraschung ist es schon, dass der U-Bahnhof am Leopold, und nicht der am Hermannplatz, neuerdings ORIENT STATION heißt. Die größere Überraschung ist aber, dass das überhaupt möglich ist, weil es bekanntlich eine Frauenquote für alle Berliner Straßen, Plätze und auch U-Bahnhöfe bei Umbenennungen gibt, und DER Orient nunmal eindeutig männlich ist. Vielleicht liegt es daran, dass DIE Station wiederum weiblich ist. Nimmt man beides zusammen, also DER Orient und DIE Station, ist ORIENT STATION ganz und gar ein Zwitter, was die Umbenennung möglicherweise vereinfachte.

Foto&Text TaxiBerlin