30.06.2016

DIES UND DAS VOR DER SOMMERPAUSE


Vor der Sommerpause noch dies und das und vielleicht auch noch jenes - mal sehen. Ich beginne mit gestern, der dritten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin". Oz, der Zauber, regelte mal wieder wie ein wilder Spanier den Verkehr im Studio und stecke alle gleich an mit seinen positiven Vibrationen. Diese wurden noch positiver, so dass wir aufpassen mussten, dass der Zauber nicht abhebt und abschwirrt, als sich herausstellte, dass Oz und unserer gestriger Gast Carsten sich aus den verrückten Neunzigern kennen, sich aber viele Jahre nicht gesehen hatten. "Hier spricht TaxiBerlin" bringt, genauso wie Taxifahren allgemein, die Menschen zusammen - mehr kann man von einem Job und auch von einer Radiosendung nicht verlangen.

Eine andere Möglichkeit zum Zusammenkommen sind Geburtstage. Neulich war auch ich zu einem eingeladen, und ich bin sogar hingegangen, obwohl ich solche Menschenansammlungen sonst meide. Ich hatte ein Gespräch mit einem jungen smarten Berliner Verleger, der aber auch nicht mehr wusste als ich. Immerhin hoffte auch er, dass es nicht unbedingt Uwe Tellkamp ist, der an zeitgenössischer deutscher Literatur bleiben wird. Von Michel Houellebecq, das war zu erwarten, hielt der junge Verleger gar nichts. Den Grund, warum er von Houellebecq nichts hielt, den fand ich nun wiederum interessant. Der Michel, den er wohl lange nicht gesehen hat, ist ihm zu eitel.

Was nicht bleiben wird, sind die meisten Blogs im Internet und überhaupt sämtliches seichtes Geseiere, das ist leider so. Auch die, die vor dem Schreiben eine Marktanalyse machen, haben keine gute Prognose, genauso wie die, die ihre Bücher nach Leserwunsch umschreiben. Überhaupt sollte man Schreiben und Geld verdienen trennen. Gottfried Benn, ja genau "der mit den Nazis", hat seinen Lebensunterhalt als Arzt und nicht mit seinen Büchern verdient. Auch andere mussten sehen, wo sie blieben. Erich Kästner zum Beispiel hat unter Pseudonym sehr viel und vor allem sehr erfolgreich für die Unterhaltungsindustrie der Nazis geschrieben. Interessant wäre in diesem Zusammenhang zu erfahren, was aus einem Thomas Mann geworden wäre, hätten die Nazis nicht seine Bücher verbrannt ... ?

PS: In der dritten "Hier spricht TaxiBerlin" Sendung ging es um die Frage, ob man den Taxischein machen sollte: JA oder NEIN. Mein früherer Chef Christoph, der die Sendung weil er auf Reisen ist nicht hören konnte, hat sich per e-mail wie folgt zu Wort gemeldet: "Man sollte ihn (den Taxischein) unbedingt machen, weil es andere Jobs, die einen auf zugegeben niedrigem Niveau so unabhängig und frei belassen kaum gibt und man sich immer wieder in den Wind des realen Lebens begeben kann, auch wenn man ansonsten andere und qualifizierte Beiträge für die Gemeinschaft leisten kann ..."

28.06.2016

HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 3


So selten wie ein gelber Koffer im Taxi

Morgen ist es wieder so weit! Da gibt es, nein, nicht Radio im Taxi, das gibt es jeden Tag, sondern Taxi im Radio, und das bereits zum zweiten Mal in diesem Monat, was so selten ist wie ein gelber Koffer im Taxi - mindestens! Dementsprechend wird unser Gast auch ein ganz besonderer sein. Er gehört dieser extrem raren Spezies an, die ein Leben lang darüber nachdenkt, ob sie nun endlich den Taxischein machen oder es weiterhin bleiben lassen soll. In unserer Sendung werden Layne, die Taxikollegin aus New York, und ich als TaxiBerlin zusammen mit unserem Gast alle Pro und Contras in Sachen Taxischein beleuchten und möglicherweise zu einer definitiven Antwort JA oder NEIN kommen oder auch nicht. Dabei wird es wie immer drunter und drüber gehen, weswegen der Zauberer Oz alias Dorfkind mal wieder den Verkehr regeln muss im Studio. Du kannst auch mitmachen und uns anrufen. Die Telefonnummer wird morgen, Mittwoch 29. Juni 2016, in der Sendung zur absoluten Prime-Time ab 20 Uhr auf Pi-Radio verraten, in Berlin auf der Frequenz 88.4, in Potsdam 90.7 oder im Internet als Live-Stream. Verpass es nicht!

Foto&Text TaxiBerlin

NEULICH IM BORDELL oder MÄNNER GESUCHT


Gilt im Taxi und auch im Bordell
(in letzterem aber nur, wenn die Kohle stimmt)

Neulich war ich mal wieder im Bordell. Berufsbedingt - das ist klar. Sonst würde ich da nie hingehen. Aber was will ich machen, wenn meine Fahrgäste da hin wollen? Ich muss schließlich auch an mich denken! Denn genauso wie Unfälle sichere Nebeneinkünfte von Taxiunternehmern sind, sind es Bordelle für Taxifahrer. Natürlich nicht alle! Da muss man unterscheiden. Es gibt da so'ne und so'ne.

Ich schreibe jetzt mal über so'ne. Streng genommen sind es keine Bordelle und auch keine Puffs, weil da vorher, bevor es zur Sache geht, noch gestrippt wird, weswegen am ehesten der Begriff Club in Frage kommt. Das Strippen ist natürlich nicht umsonst. Welche Frau zieht sich für lau aus. Überhaupt ist nichts mehr umsonst heutzutage.

Fürs Ausziehen muss Mann bezahlen, das war schon immer so. In dem Fall sind es, sagen wir mal, dreißig Euro pro Nase. Das sage ich dem Mann natürlich vorher, wenn er es nicht sowieso schon weiß, damit es an der Tür keine Überraschung gibt. Inclusive der dreißig Euro sind ein oder zwei Freigetränke, je nach Laden.

Die dreißig Euro sind aber mehr als Freigetränke mit Striptease. In Striptease steckt übrigens das Wort "tease", also "necken", aber das nur nebenbei. In den dreißig Euros steckt auch die Möglichkeit auf mehr. Sie sind, wenn man so will, eine Option auf die Zukunft. Ich schreibe das nicht, weil ich mich damit auskennen würde, sondern damit du es verstehst.

Denn weil die dreißig Euro eine Option auf die Zukunft sind, bekomme ich als Fahrer nicht nur dreißig sondern fünfzig Euro pro Nase. Ich bin, wenn du so willst, nur ein kleiner mieser Spekulant. Das liegt aber nicht an mir, sondern an meinem Wissen, wenn du verstehst, was ich meine. Was kann ich dafür, dass ich weiß, wo man aus dreißig Euro fünfzig machen kann. Einfach so.

Wissen, das wissen viele nicht, ist im Prinzip der einzig wahre Goldesel. Das einzige, was ich noch machen muss, ist warten, bis meine Fahrgäste bezahlt und in den Laden gegangen sind. Dann kommt der Dorman zu mir oder ich gehe zu ihm und bekomme zweihundert Euro, obwohl die vier Typen selbst nur dreißig pro Nase, also zusammen hundertzwanzig bezahlt haben.

Da solche Fahrten wahre Glücksfälle sind, muss man seinem Glück etwas nachhelfen, wie man so schön sagt. Deswegen überhaupt dieser Beitrag. Ich suche Männer, die auch mal in einen solchen Club wollen, und zwar für umsonst. Die fahre ich dann da hin, für lau versteht sich, und gebe ihnen sogar noch die dreißig Euro für den Eintritt. Dann heißt es nur noch warten ...

27.06.2016

DAS GIBT'S NUR IN BERLIN


Vorsicht Flug- und Fahrgäste

Gemeint ist der Umstand, dass es am Flughafen in Tegel jede Menge Flug- und damit Fahrgäste, aber keine Taxen gibt. Das kommt wirklich vor, und in der Regel steckt kein böser Wille der Taxifahrer dahinter, auch das soll es schon gegeben haben, sondern es ist der enorme Verkehr auf dem privaten Flughafengelände, der das Vordringen der Taxis bis zum dem Ort, an dem der Ex-Flug- und jetzt Fahrgast wartet, erschwert wenn nicht gar unmöglich macht.

Sitzen sie einem dann endlich im Taxi, die Ex-Flug- jetzt Fahrgäste, dann passiert immer dasselbe. Da wird sich aufgeregt, dass das ja wohl nicht wahr sein könne, dass sie da jetzt drei Minuten auf ein Taxi haben warten müssen, das sei unglaublich, ganz schlimm sei das, und überhaupt: Das gibt's nur in Berlin!

Ein kluger und erfahrener Taxifahrer würde nun einfach dem Ex-Flug- und jetzt Fahrgast, der bekanntlich König ist, Recht geben, vielleicht sogar noch etwas mitschimpfen, mindestens bis zur Erschöpfung. Das Trinkgeld wäre gesichert und der Rest der Fahrt hätte er seine Ruhe, das wichtigste beim Taxifahren ist.

Auch ich würde so "verfahren", wenn ich nicht in letzter Zeit viel geflogen wäre, also mit dem Flugzeug, und meine Erfahrungen damit eher so sind, dass es das nicht nur in Berlin gibt, sondern auch in anderen Metropolen der Welt. Auch dort kann es einem passieren, dass man ankommt und kein einziges Taxi auf einen wartet, wahrscheinlich sogar häufiger als in Berlin.

Spätestens jetzt habe ich mein Trinkgeld verspielt, was mir egal ist, aber meine Ruhe habe ich auch nicht, zumindest vorerst nicht. Und da mir meine Ruhe eigentlich das wichtigste ist, muss mich schon ziemlich was reiten, wenn ich meinem Ex-Flug- und nun Fahrgast nicht nur nicht Recht gebe, sondern sogar noch nachlege:

Sie sind zwei Stunden vorher am Flughafen, warten am Schalter, um endlich ihr Gepäck abzugeben, dann warten sie noch einmal an der Sicherheitskontrolle. Endlich im Flugzeug warten sie auf den Abflug und kaum abgehoben warten sie bereits auf die Landung. Bevor der Flieger die Parkposition erreicht hat, warten sie darauf aussteigen zu können. Danach warten sie auf ihr Gepäck, wenn sie nicht vorher noch an der Passkontrolle gewartet haben. Endlich haben sie es geschafft, haben also alle Zeit der Welt und sind des Wartens auch kundig. Aber was machen sie? Sie haben nichts besseres zu tun, als in ein Taxi zu steigen und gleich erstmal den Taxifahrer anzuplerren.

Das gibt's nur in Berlin!

Foto&Text TaxiBerlin

VON LEHRERN UND LUDEN


Sie kamen gerade aus einer Lokalität im Friedrichshain, als sie mich heran winkten. Drei Typen im Anzug und um die Vierzig. Sie hatten mehrere Papiertüten, wie man sie im KaDeWe bekommt, und zwei Blumensträuße dabei, die sie im Kofferraum verstauten. Im Wageninneren wäre es mit den Sachen eng geworden, weil die drei mit den kurzen Haaren und Stiernacken auch noch kräftig gebaut waren. Sie sollten jetzt ihre Jacketts anbehalten, meinte der, der vorne neben mir Platz genommen hatte, zu den andern beiden, die hinten saßen, im Befehlston. Ich finde das ja gut, wenn selbst bei kleineren Gruppen einer die Hosen anhat. In dem Fall behielt auch er darüber hinaus das Jackett an. Die restliche Konversation unter den dreien verlief mehr oder weniger normal, was erwachsene Männer sich nach einem Abend im Lokal eben so unterhalten. Beim Aussteigen interessierte mich dann doch, wieso die drei Typen zwei Blumensträuße und diverse Papiertüten dabei hatten. Sie seien Lehrer und ihre Klasse hätte Abi-Abschluss gefeiert, war die Antwort. Die Blumensträuße und die Sachen in den Papiertüten wären Geschenke von ihren Schülern und Schülerinnen. "Also für mich seht ihr aus wie Luden!", sagte ich ihnen geradezu, was sie nicht nur positiv aufnahmen, sondern sich darüber hinaus bei mir für das gelungene Kompliment bedankten. Lehrer von heute! Und da sagt man immer, dass an unseren Schulen Hopfen und Malz verloren sei.

25.06.2016

"SIE HÄTTEN AUCH FÜNFZIG CENT ..."


Häufig nehmen Leute ein Taxi, wenn sie nicht mehr laufen können, und wenn du Pech hast, sieht das dann so aus: Du stehst am Bahnhof Friedrichstraße und denkst dir nichts böses, da kommen sie auch schon, zwei Frauen, könnten Mutter und Tochter sein, sind es aber nicht, schwer beladen mit zahlreichen Einkaufstüten, die sich damit in dein Taxi plumpsen lassen, weil sie es nicht mehr bis zu deinem Kofferraum schaffen. Du fährst los, da sagt die Tochter zu ihrer vermeintlichen Mutter, dass sie morgen noch ins "Kaufhaus des Westens" gehen können, worauf diese erwidert, dass sie bis dahin wohl wieder fit wäre. Als nächstes stehst du Ampelbedingt direkt vorm "Bocca di Bacco", einem Nobelitaliener, wo sie später noch hingehen würden. Sie könnten aber auch, meinte jetzt die Mutter zur vermeintlichen Tochter, ins blöde "Borchardts" gehen, das wäre gleich um die Ecke und auch "ganz nett". Dann bist du auch schon da, am "Mandala Sweet Hotel" und es stehen fünf Euro und siebzig Cent auf der Uhr. Jetzt wird das Portemonnaie gesucht, und zwar von beiden, was sich natürlich in der Handtasche ganz unten befindet. Danach wird überlegt, wieviel Geld man noch braucht für's "KaDeWe" und auch fürs "Bocca die Bacco" oder fürs "Borchardts", um noch einmal zu betonen, dass sie ja nur Taxi gefahren seien, weil sie nicht mehr laufen konnten, aber weil die Strecke nicht so weit wahr, dir jetzt sechs Euro fünfzig geben wollen. Sie hätten auch fünfzig Cent ...

IM TAXI MIT DEM BREXIT


Ich bin heute extra früh raus, um mit meinem Taxi möglichst nah an den Menschen und ihrer Meinung zu sein. Die Leute heute bei mir im Taxi hatten nur ein Thema, und das war das Wetter und die Frage, warum es ausgerechnet in Berlin so heiß ist und nicht in Stuttgart oder München. Eine Sache kam so gut wie gar nicht vor, und zwar der Brexit. Mein letzter Fahrgast, da war es schon etwas spät, meinte immerhin, dass der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union nur einen Schweinsteiger interessieren würde, weil der dann nicht mehr auf der Insel arbeiten dürfe. Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich fand das irgendwie beruhigend, wenn sich da jetzt vielleicht nur einer nach 'nem neuen Job umschauen muss ...

24.06.2016

VON VERWEIGERTEN HANDSCHLÄGEN UND GRÜNEN RECHTSABBIEGEPFEILEN


Dass man ausgerechnet im Ostteil der Stadt auf die Verweigerung des Handschlags sensibel reagiert, ist keine Überraschung. Mit dem Handschlag verhält es sich wie mit dem grünen Rechtsabbiegepfeil. Beides kommt aus dem Osten, ist im wiedervereinigten Deutschland aber bestenfalls wohlgelitten. Das ist bekannt, und so gesehen hat die bilinguale Privatschule in Pankow bestenfalls ein Luxusproblem. Mein Problem ist auch nur, dass mir persönlich das Verbot, einer Frau die Hand zu geben, irgendwie rückwärtsgewandt erscheint, im selben Moment die erlaubte Vielweiberei aber wiederum fortschrittlich.

Zusammengefasst: Wenn sie der Frau nicht die Hand geben wollen, wieso wollen sie dann gleich mehrere von ihnen haben?

23.06.2016

DIE WELT VON GESTERN (EINE SERIE)


Neusprech für Freudenhaus

Früher ist Mann einfach nur in den Puff gegangen und gut war. Später ging Mann ins Bordell und noch später in den "Club". Spätestens die Bezeichnung "Club" hätte Mann stutzig machen müssen, wenn nicht gar davor warnen sollen, dass das mit der Umschreibung immer noch steigerungsfähig ist. So ist es nämlich, und wenn nicht schon jemand das Wort erfunden hätte, müsste Mann es  spätestens jetzt tun.

Die Rede ist vom Orwellschen Neusprech.

Foto&Text TaxiBerlin

22.06.2016

DIE ZUKUNFT VON TAXIBERLIN: FERNWARTER


Fernwartung mit TaxiBerlin

Selbstfahrende Autos werden kommen und damit auch selbstfahrende Taxis, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Lange habe ich überlegt, ob ich mir deswegen Sorgen machen sollte. Nachdem ich unzählige Male hin und her gerechnet habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich diese Zeit wohl noch miterleben werde, denn sooo alt bin ich nun auch wieder nicht, und da will ich natürlich gewappnet sein. Deswegen besuche ich seit Neuestem eine Weiterbildung nach der anderen, und insbesondere die der Fernwartung hat es mir angetan. Selbstverständlich die Fernwartung von Taxen und nicht die von Automaten der Post (Foto), denn die ist total langweilig. Aber wenn ich erstmal Fernwarter der ersten selbstfahrenden Taxen bin, dann kannst du dich als Fahrgast auf was gefasst machen. Du Einfältiger weißt wirklich nicht was ich meine? Was ist denn ein Fernwartender ohne die in der Ferne Wartenden?

Foto&Text TaxiBerlin

21.06.2016

NOCHMAL VIELWEIBEREI


Sonntag auf'm Flohmarkt

So wird das natürlich nichts mit der Vielweiberei. Und Männers, denkt auch an Leonard Cohen. Bei dem war es aber nicht die Ex, sondern "nur" seine Vertraute und Managerin, die ihn um mehrere Millionen erleichterte, und weswegen er im hohen Alter von hastunichjehört noch mal auf Tour musste, einfach weil er so gut wie blank war ...

Foto&Text TaxiBerlin

20.06.2016

IM TAXI MIT MEINEM ALTEN EGO (EINE SERIE)


Alles hat seinen Preis

Ich weiß, ich weiß, es muss richtig "Alter Ego" heißen. Da ich aber mein "Alter Ego" nun schon so lange kenne, darf ich "Altes Ego" zu ihm sagen. Mein "Altes Ego" begleitet mich nicht nur privat sondern auch bei jeder Schicht im Taxi, was praktisch ist, weil ich sonst die meiste Zeit alleine wäre. So ist das beim Taxifahren. Man muss höllisch aufpassen, dass man nicht total vereinsamt. Das geht schneller als man denkt. Die wenigen Fahrgäste, die man pro Schicht so hat, die sind nicht der Rede wert. Mit den meisten will man sowieso nichts zu tun haben und sie auch nicht mit einem. Das ist leider auch wahr.

Mit meinem "Alten Ego" kann ich immer reden, vorausgesetzt es lässt mich auch mal zu Wort kommen. Dazu muss man wissen, dass mein "Altes Ego" gerne Monologe führt, was sehr ermüdend ist, auch weil mein "Altes Ego" immer dagegen ist. Egal was es ist: Smart-Phones, Selfies, Stockhiebe ... - mein "Altes Ego" ist dagegen. Nur neulich, da war das anders, da war mein "Altes Ego" plötzlich und unerwartet dafür. Worum ging es da gleich nochmal, lass mich mal überlegen ..., hm ..., ah ja ..., ich hab's. Es ging um die Vielweiberei. Da war mein "Altes Ego" auf einmal dafür. Das musst du dir mal vorstellen!

Gut, welcher Mann hätte sie nicht gerne, die vielen Weiber? Da hat mein "Altes Ego" schon irgendwie Recht. Andernorts soll sie sogar ganz legal sein: Die Vielweiberei. Warum Mann ausgerechnet im fortschrittlichen Westen so rückschrittlich ist, das verstehe wer will. Mein "Altes Ego" versteht das nicht. Immerhin gibt es generell auch die Möglichkeit der "Ehe auf Zeit", wobei Zeit bekanntlich relativ ist, und ein "Schäferstündchen" ist letztendlich auch Zeit. Nur, muss Mann sich die Vielweiberei auch wirklich leisten können? Wo bleibt denn da die Gleichberechtigung? Doch nicht etwa auf der Stecke?!? Das fragt mein "Altes Ego", nicht ganz zu Unrecht wie ich meine, das zwar jede Menge Lust und auch Zeit hätte, nur eben leider keine Kohle ...

Foto&Text TaxiBerlin

19.06.2016

"SEI SO WIE DU BIST ABER LASS ES DIR NICHT ANMERKEN"



Woran krankt unserer Gesellschaft?

"Sei so wie du bist aber lass es dir nicht anmerken" war ein kleines Highlight bei mir im Taxi. Es ist schon ein paar Tage her, dass einer meiner Fahrgäste diese tiefe Wahrheit aussprach. Es war aber nicht Hans-Joachim Maaz, Psychoanalytiker und Sachbuchautor, der dafür bekannt ist unbequeme  Wahrheiten auszusprechen und der auch schon mal bei mir im Taxi saß. Von ihm stammt beispielsweise: "Wer besonders freundlich ist wagt nicht seine Fratze zu zeigen." In einem aktuellen Interview, ausnahmsweise nicht bei mir im Taxi sondern in Halle an der Saale, beschäftigt sich Dr. Maaz darüber hinaus mit Mitläufern, den Alphas, Gammas und Omegas der Gesellschaft, der Inkompetenz der Regierenden und auch, ein heißes Eisen, mit Pegida und der AfD, und warum sie möglicherweise verteufelt werden.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

18.06.2016

KURZSTRECKE ZUM SOHO-HAUS


Auch wenn mein Taxi mein eigenes kleines Gulag ist, ist es nicht so, dass Fahrgäste bei mir nichts zu sagen hätten oder gar nichts sagen dürften. So ist das nicht, obwohl das meiste von dem, was so erzählt wird, auch im Taxi nicht der Rede wert ist. Was Fahrgäste auf jeden Fall kennen und auch nennen sollten, ist das Fahrziel, das ist klar. Und da war es so, das gestern Abend der bisher kürzeste Witz fast übertroffen wurde. Der bisher kürzeste Witz war "Kurzstrecke zum KaDeWe". Was daran der Witz ist, kann ich dir nicht erklären, dafür reicht leider die Zeit nicht, ist schließlich nur 'ne Kurzstrecke.

17.06.2016

SIE SEHEN AUS WIE IHRE EIGENE KARIKATUR


Sie sehen aus wie ihre eigene Karikatur und sind dementsprechend schwer zu fotografieren, weswegen es heute auch kein Foto gibt. Damit meine ich jetzt nicht meine Fahrgäste sondern die Menschen allgemein. Dabei müssten sie sich nur mal selbst zuhören, das würde schon reichen, da braucht man kein Beweisfoto mehr. Du musst das echt mal machen oder vielleicht besser machen lassen, weil wenn man's selber macht, achtet man natürlich darauf, was man sagt. Einfach mal aufnehmen oder wie gesagt besser aufnehmen lassen, was du den lieben langen Tag so sprichst, dann wirst du feststellen, dass neunzig Prozent davon völliger Unsinn ist, was noch optimistisch ist, meistens stimmt es gar nicht einmal, was du sagst, oder ist gar glatt gelogen. Das heißt jetzt nicht, dass es bei mir anders oder gar besser wäre. Das nicht! Mir fällt es nur auf, auch bei mir selbst, und das macht das Leben nicht gerade leichter, das kann ich dir sagen, und deswegen mein Tipp: Aufnahme statt Selfie!