17.04.2018

IM TAXI MIT STEVEN HILL


Pflichtlektüre

Genau genommen saß mir Steven nicht im Taxi, sondern er kam zu mir ins Studio. Donnerstag vorvergangener Woche hatte ich dort zu einem Runden Tisch zum Thema "Deregulierung des Taxigewerbes" geladen. Es ist wieder Zeit der Runden Tische, falls es der ein oder andere noch nicht mitbekommen hat. Doch zurück zu Steven, den ich bis zu dem Runden Tisch in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" auf "Pi-Radio" nicht kannte. Aufmerksam geworden bin ich auf ihn, weil einige Tage zuvor ein Artikel von ihm im "Handelsblatt" mit dem Titel "UBERs neues Fahrdienstmodell sollte reguliert werden" erschienen war, in dem alles drin steht, was man zum Thema UBER und "Deregulierung des Taxigewerbes" wissen muss. Aus dem Artikel erfuhr ich beispielsweise, dass Steven, der aus Silicon Valley kommt und auch für die "New York Times", den "Guardian" und "Le Monde" schreibt, gerade Gast des Wirtschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) in Schöneberg ist.

Kurzerhand kontaktierte ich Steven und lud ihn in meine Radiosendung ein. Er meldete sich auch bald und sagte sein Kommen zu. So war es dann auch, Steven erschien sehr pünktlich zur Sendung, so dass wir uns vorher noch etwas miteinander bekannt machen konnten. Ich erfuhr, dass Stevens Tante Taxifahrerin war und auch sein Vater einige Zeit Taxi gefahren ist. Aber nicht nur das, denn wir unterhielten uns auch über die Start-up Szene in Amerika und Deutschland, um die es in seinem Buch "Die Start-up Illusion - Wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert" geht, das ich gerade gelesen hatte, und das ich nur jedem empfehlen, der bei dem Thema "Start-up" etwas tiefer gehen will. Vorsicht ist allerdings geboten, denn wer in die Tiefe geht, tut dies auf eigene Gefahr.

Die meiste Zeit unterhielten wir uns aber über UBER, dem reichsten Start-up überhaupt, obwohl UBER in den vergangen beiden Jahren so viel Geld verloren hat, wie kein anderes Start-up in der Geschichte. In den USA bestellt oder nimmt niemand mehr ein Taxi, alle nehmen oder fahren ausschließlich UBER. Das Wort Taxi ist praktisch aus der amerikanischen Sprache verschwunden. Trotzdem verliert UBER immer noch jeden Tag eine Menge Geld, und zwar deswegen, weil jede Fahrt mit UBER zur Hälfte von UBER subventioniert wird. Die Leute fahren UBER, weil UBER kaum teurer ist wie die öffentlichen Verkehrsmittel. Das führt dazu, dass kaum noch jemand mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt und schon gar keiner mehr mit dem Taxi. UBER bedeutet also nicht nur das Aus fürs Taxi, sondern auch für den öffentlichen Nahverkehr.

In New York, dessen Straßenbild bisher von den Yellow-Cabs, den offiziellen Taxis geprägt war, gab es in den letzten Monaten sechs Suizide von Taxifahrern. Einige Kollegen sind auch schon obdachlos. Was ist der Grund? Derzeit gibt es 20.000 Fahrzeuge in New York, die für UBER fahren, Tendenz steigend. Ihnen stehen 12.000 Yellow-Cabs gegenüber. Hat ein Yellow-Cab-Fahrer bisher in einer Zwölf-Stunden-Schicht 150 bis 200 Dollar gemacht, ist er heute froh, wenn er auf 100 Dollar kommt, weil die Leute lieber mit einem preiswerteren UBER fahren. Hinzu kommt der Dauerstau auf den New Yorker Straßen, der auch als "UBER-Stau" bezeichnet wird.

UBER hat sein Ziel, ein Monopol bei der Personenbeförderung zu errichten, in den USA nahezu erreicht. Deswegen kann es dort auch schon die Preise bestimmen. Die richten sich nach keinem Tarif, sondern ausschließlich nach Angebot und Nachfrage. Eine Fahrt, die "normalerweise" 10 Dollar kostet, kann beispielsweise bei einem Unwetter dann schon mal das Zehnfache, also 100 Dollar kosten. UBER-Fahrer verdienen aber noch weniger als Yellow-Cab-Fahrer, weswegen auch die Mehrheit nicht länger als ein Jahr für UBER fährt. Es rechnet sich einfach nicht, und manchmal muss man als Fahrer sogar noch Geld mitbringen. UBERs tolle "Ökonomie des Teilens" ist also nicht nur asozial, sondern hat auch mit Umweltschutz nichts am Hut, auch wenn viele dies immer noch glauben.

UBER ist nur ein, wenngleich das bekannteste Start-up. Alle Start-ups arbeiten aber wie UBER. In seinem Buch bezeichnet Steven die Entwicklung zu immer mehr prekären Jobs als eine Rückentwicklung zum Feudalismus. Das mag dem ein oder anderen erstmal komisch vorkommen, da wir Fortschritt immer mit einer Entwicklung zum Besseren in Verbindung bringen. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum den meisten nicht klar ist, dass das gar nicht so selbstverständlich ist, wie es sich anhört.

Bereits Kollege Nietzsche, der seinerzeit auch Taxi gefahren ist, hatte da seine Zweifel. Zu Nietzsches Zeiten waren Taxis noch Pferdedroschken, Nietzsche hatte es bekanntlich mit Pferden, was die meisten noch wissen. Schon weniger bekannt ist, dass der Kollege Nietzsche zwei Bücher übers Taxifahren geschrieben hat. Das eine heißt "Der Mensch im Verkehr" und das andere "Der Mensch mit sich allein", denn das "Allein sein" ist neben dem "Warten" eine unserer Kernkompetenzen. Über den erwähnten Fortschritt hat sich der Kollege Nietzsche wie folgt geäußert:

Die Menschheit stellt nicht eine Entwicklung zum Besseren oder Stärkeren oder Höheren dar, in der Weise, wie dies heute geglaubt wird. Der "Fortschritt" ist eine moderne Idee, das heißt eine falsche Idee. Der Europäer von heute bleibt in seinem Werte tief unter dem Europäer der Renaissance, Fortentwicklung ist schlechterdings nicht mit irgendwelcher Notwendigkeit Erhöhung, Steigerung, Verstärkung.

Das klingt nicht gerade optimistisch. Es geht aber nicht darum, wie etwas klingt, sondern ob es wahr ist. Bisher war es so, dass das, was heute in Amerika ist, morgen auch bei uns sein wird. Und so wird es auch mit UBER laufen, zumal die Mehrheit auch hierzulande glaubt, dass UBER und die ganze so genannte "Ökonomie des Teilens" ein Fortschritt, also eine Entwicklung zu etwas Besserem sei. Auch wenn ich diesen Glauben, genauso wie der Kollege Nietzsche, nicht teile, und wenn ich auch nicht glaube, dass UBER hierzulande zu stoppen ist, tut es trotzdem gut, wenn einem zumindest Solidarität signalisiert wird, so wie es Steven (oben) getan hat.

Foto&Text TaxiBerlin

15.04.2018

VERTIEFTES IM TAXI


Gestern gab es eine große Demo gegen den Mietenwahnsinn in Berlin, zu der ich persönlich eingeladen war. Da ich ab morgen frei mache und den Rest des Monats sozusagen "vorarbeiten" muss, fand ich mich dann aber doch mit meinem Taxi und nicht als Demonstrant auf der Straße wieder. Ich hatte sogar einen Fahrgast, eine sich zumindest im Taxi in letzter Zeit immer rarer machende Spezies. Genau genommen war es eine Fahrgästin, um ganz genau zu sein eine Stewardess der Lufthansa. Da wie gesagt gerade die Demo im Gange war, die ich irgendwie umfahren musste, aber nicht wusste, wie, musste ich die Polizei fragen, deinen Freund und Helfer, und die das sogar wusste, was nicht selbstverständlich ist. Oft sperrt die ja nur ab und weiß ansonsten von gar nichts. Die Fahrstrecke wurde nun nicht nur länger, sondern auch die Fahrt dauerte länger, auch weil seit Montag die Verkehrssituation auf den Berliner Straßen, wenn du so willst, explodiert ist. Die Stewardess nahm auch das gelassen, was nicht selbstverständlich ist heutzutage. Da wir genug Zeit hatten, obwohl das Fahrziel gar nicht weit weg war, zumindest Luftlinie, konnten wir das ein und auch das andere Thema abarbeiten. Auch sie beklagte sich darüber, dass immer mehr prekäre Menschen sich im Flugzeug wieder finden, die zum Teil gar nicht wüssten, wohin sie fliegen würden. Dass im Flugzeug das Telefonieren mit dem Handy und auch mit dem Smartphone verboten ist, liegt nicht etwa daran, dass das technisch nicht möglich sei (das ist Quatsch!), sondern ausschließlich daran, dass dies für einen unnötigen Stress sorgt. Das wurde neulich auch durch eine Studie bestätigt, die in einem Großraumbüro gemacht wurde, wo alle ständig telefonieren müssen. Zum Schluss verriet mir die Stewardess noch ihren Trick, wie sie mit diesen penetrant in der Öffentlichkeit Telefonierenden umgeht, den ich gerne verraten möchte. Die Stewardess hat immer einen kleinen Voice-Recorder dabei, mit dem sie einfach die Typen, die ihr mit ihren öffentlichen Telefonaten auf die Nerven geht, aufnimmt, um es ihnen noch während des Telefonats ebenfalls in der Öffentlichkeit vorzuspielen. Ich finde das eine geniale Idee und möchte nicht versäumen, sowohl allen Demonstranten als auch der Polizei zu danken, die dafür gesorgt haben, dass die Stewardess und ich genug Zeit hatten, ein wichtiges Thema im Taxi auch einmal zu vertiefen.

Text TaxiBerlin

14.04.2018

WIEDER WAS GELERNT


Es fing alles ganz harmlos an, und zwar mit einer Fahrt zur Messe, genauer gesagt zum Echo. Später hörte ich die gleichen Typen im Radio, und ich muss sagen, sie sind auf der Bühne genauso bescheuert wie im Taxi. Das ist nichts Neues. Neuer ist, dass ich nur oft genug behaupten muss, dass ich Künstler bin (ein Migrationshintergrund kann auch nie schaden, aber den habe ich ja auch, sogar einen doppelten, ach was sage ich da, einen dreifachen!), dann darf ich hierzulande auch Antisemit sein. Ganz Neu ist nun, dass ich das nicht nur darf, sondern dass ich dafür auch noch einen Preis bekomme.

PS: Frage mich gerade, ob man den "Künstler" auch mit einem Preis bedacht hätte, wenn er keinen Migrationshintergrund hätte und darüber hinaus vielleicht noch als AfD-Wähler bekannt wäre?

Text TaxiBerlin

TRUMP, MACRON UND MAY SIND KRIEGSTREIBER


Letzte Nacht, ich hatte das Taxi schon abgestellt, auch weil zu dem Zeitpunkt erfahrungsgemäß eher anstrengendes Publikum unterwegs ist, ich aber bereits zu abgegessen bin, mich auch noch um dieses kümmern zu können, wurde Syrien mit Raketen beschossen. (Beweise, dass Assad Giftgas gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt hat? Ein UNO-Beschluss für den Beschuss? Fehlanzeige!) Deutschland soll nicht dabei gewesen sein. Wir liefern traditionell "nur" die Koordinaten der Angriffsziele. Natürlich wurden nur militärische Ziele angegriffen. Die Zivilbevölkerung hatte sich wahrscheinlich den Wecker gestellt, um am Boden die "smarten" Raketen von Trump, Macron und May zu begrüßen. Was ich ein wenig vermisse, ist der Aufstand der Anständigen hierzulande, auch weil sie bekanntermaßen immer gerne Gutes am anderen Ende der Welt tun. Vielleicht ist Syrien einfach nicht weit genug weg. Ich weiß es nicht.

PS: Unsere aller Angela befürwortet übrigens den Beschuss nicht nur, sondern ihn hält ihn auch für "erforderlich und angemessen".

Text TaxiBerlin

12.04.2018

HANDY- UND SMARTPHONE FREIE ZONE TAXI


Kopenhagener Str. / früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

Der Aufkleber ist direkt vor ihrer Nase angebracht, und zwar an der Kopfstütze ihres Vordermannes, und trotzdem wagen es immer noch einige Fahrgäste, ungefragt in meinem Taxi mit dem Telefonieren anzufangen. Ich meine jetzt keine Notfall-Anrufe, so etwas gibt es ja auch. Nein, das übliche Nothing about Nothing, was man sich halt am Handy so erzählt, was keinen Menschen interessiert, weswegen es sich auch keiner anhören möchte, und so auch ich. Sie hätten den Aufkleber, der sich wie gesagt nur fünfzig Zentimeter vor ihren Augen befindet, nicht gesehen. Ob der denn auch Ernst gemeint ist? Wieso sollte er nicht Ernst gemeint sein? Sie könnten doch überall telefonieren! Auch im Flugzeug? Auch in Zugabteilen mit denselben Aufklebern? Also wie kommen sie darauf, dass sie es im Taxi dürften?

Der Mensch kann nicht absichtlich weghören, das ist wissenschaftlich erwiesen. Entweder passiert es einfach so, oder es passiert nicht. Mir passiert es im Taxi so gut wie nie, was daran liegt, dass ich schon etwas länger Taxifahrer bin, ich neben dem Taxifahren also über freie Kapazitäten verfüge. Ich mute aber niemandem eines meiner seltenen Telefonate zu, also warum muten mir regelmäßig wildfremde Menschen ihre Telefonate zu? Mich interessiert einfach nicht, wo sich der andere gerade befindet und was gerade er macht! Gut, könnte man sagen, ich bekomme ja nur die Hälfte des Blödsinns mit. Nun ist es aber so, dass das Gehirn automatisch jedes inkomplette Ding zu komplettieren sucht, auch so ein Automatismus, auf den man keinen Einfluss hat. Zu dem halben Blödsinn denkt sich nun das Gehirn noch die Antwort, also den anderen Blödsinn, hinzu.

So wird aus einer "einfachen" Lärmbelästigung eine Körperverletzung. Denn das Gehirn ist bekanntlich Teil des menschlichen Körpers, also bei mir ist das zumindest so, aber vielleicht sollte ich in dem Punkt mal nicht von mir ausgehen. Na ja, jedenfalls ist mein Taxi jetzt Handy- und Smartphone Freie Zone.

Foto&Text TaxiBerlin

10.04.2018

HÖCHSTWAHRSCHEINLICH KRIEG


Sollte es neulich noch gegen Russland gehen, geht es nun wohl doch gegen Syrien. Beweise gibt es weder gegen Russland, noch gegen Syrien. Höchstwahrscheinlich soll Russland (genauer: Putin!) sein eigenes Nervengift eingesetzt haben, und zwar in England, und Syrien Giftgas gegen seine eigene Bevölkerung, obwohl klar ist, dass der Westen genau darauf wartet, um endlich losschlagen zu können. Also wenn du mich fragst: Ich find's ein wenig durchsichtig. Um genau zu sein: Ich fühle mich gerade intellektuell etwas unterfordert von der Kriegspropaganda. Ich denke, es wird genauso kommen wie bei den beiden Irak-Kriegen. Es hat weder die Babys gegeben, die angeblich aus den Brutkästen gerissen und auf den Boden geschleudert wurden, noch die mobilen Giftgas-Trucks von Saddam Hussein. Was Collin Powell in seinem Fläschchen hatte, als er damals vor der UNO den zweiten Irak-Krieg vom Zaun brach, das weiß wahrscheinlich er selbst bis heute nicht. Immerhin hat er sich später dafür entschuldigt, dass es auf keinen Fall ein chemischer Kampfstoff war. Ich bin schon sehr gespannt, ob und wer sich von den heutigen Kriegstreibern in der Zukunft für die bevorstehenden Angriffe auf Syrien auf der Basis von "Höchstwahrscheinlich war es das Regime Assad" entschuldigen wird.

Text TaxiBerlin

DER KLEINE DSHIHAD FÄHRT RÜCKWÄRTS


Er ist rückwärts gefahren, ohne sich vorher umzudrehen. So etwas kommt vor. Leider stand eine Frau mit ihrem Wagen hinter ihm. Der Schaden war nicht groß, weder an ihrem, noch an seinem Auto. Trotzdem rief die Frau, eine Landsmännin, die Polizei an, was dem kleinen Dshihad gar nicht gefiel, und weswegen er sie auch gleich beschimpfte. Es dauerte nicht lange, da kamen die Kumpels von Dshihad, es war in Neukölln, wo er rückwärts gefahren ist. Der kleine Dshihad hatte jetzt nicht nur Kumpels, sondern auch Zeugen, die gesehen hatten, dass alles ganz anders war. Die Frau, wie gesagt eine Landsmännin von ihnen, solle sich das mit der Polizei gut überlegen, schließlich wäre sie dem kleinen Dshihad hinten reingefahren, und nicht er ihr. Jetzt kam der Taxifahrer ins Spiel, also ich, der alles gesehen hatte, weil sich alles direkt neben ihm am Halteplatz abgespielt hatte. Das gefiel dem kleinen Dshihad und seinen Kumpels gar nicht, aber was sollten sie tun. Gemeinsam warteten wir nun auf die Polizei, die auch irgendwann kam. Der kleine Dshihad, so eine runde Boulette auf zwei Beinen, wollte nun so mit der Polizei reden, wie er vorher mit der Frau, der Landsmännin, geredet hatte. Da war er bei den Berliner Beamten allerdings verkehrt, zumal er sich gar nicht ausweisen konnte, und weswegen die Polizei erstmal seine Identität überprüfen musste. Deswegen weiß ich auch seinen Namen, denn der wurde nun mittels Walky Talky laut an die Zentrale weiter gegeben. Ich werde wohl nun bald Post bekommen, nein, nicht vom kleinen Dshihad, sondern vom Polizeipräsidenten. Bevor es so weit ist, hat sich die Frau, deren einziger Zeuge ich jetzt bin, noch bei mir bedankt. Sonst wäre das mit dem kleinen Dshihad wohl "nach hinten" losgegangen, obwohl, das kann ja immer noch passieren ...

Text TaxiBerlin

09.04.2018

WAS WIR GEGEN UBER TUN KÖNNEN




Das verrät die Berliner Rechtsanwältin Alexandra Decker in obigem Interview, dass ich am Donnerstag, den 5. April, in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" mit ihr geführt habe. Alexandra Decker hat sich ihr Studiums mit Taxifahren finanziert, sie ist also eine Kollegin, und sie hat darüber hinaus lange Zeit für DEN Berliner Anwalt für Taxifahrer, Andreas Just, gearbeitet, der leider bereits vor einiger Zeit von uns gegangen ist. Das Interview ist der zweite Ausschnitt meiner vierundzwanzigsten Sendung, auch wenn sie im Netz als dreiundzwanzigste angekündigt ist. Nicht alles, was im Internet steht, ist auch richtig. Richtig ist, dass weitere Ausschnitte aus der Sendung folgen werden. Das erste von mir ins Netzt gestellte Interview ist das mit Steven Hill, Autor von "Die Start-up Illusion - Wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert". Steven Hill, der zufällig in Berlin weilt und spontan ins Studio gekommen war, ist ein weltweit renommierter Wirtschaftsjournalist, seine Artikel und Kommentare erscheinen u.a. in der New York Times, in The Guardian, in Le Monde und im Handelsblatt. Steven Hills Heimat ist das Sillicon Valley, weswegen er sich bestens mit Start-ups und im Besonderen mit UBER, dem Start-up, das innerhalb kürzester Zeit so viel Geld verloren hat, wie kein anderes Start-up in der Geschichte, auskennt. Steven Hill ist sich sicher, dass UBER ein Monopol errichten will, welches morgen den Markt dominieren, die Preise diktieren und mehr prekäre Jobs schaffen wird. Das komplette Interview mit Steven Hill findest du hier.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

08.04.2018

PASSEND ZUM BOMBENWETTER


Granatenstraße / früher Reinickendorf / heute Reinickendorf

Die Granatenstraße gibt es wirklich. Sie geht von der Provinzstraße ab, welche wiederum die Verlängerung der Drontheimer Straße ist, die sich noch im Wedding befindet. Westlich gegenüber der Granatenstraße liegt die Hausotternstraße, und im Osten geht die Granatenstraße in die Verlängerte Koloniestraße über. Die Granatenstraße heißt Granatenstraße, weil sich in ihrer Nähe ein Schießplatz der Artillerie befand. Dass ich auf die Granatenstraße komme, daran hat ein Fahrgast Schuld (Es ist immer wichtig, dass jemand Schuld hat, und am besten ein anderer!), der dorthin wollte. (Angeblich wohnt er dort, aber wer weiß das schon. Immerhin war er sehr angetrunken, und ich konnte es nicht kontrollieren.)
Für mich war es jedenfalls ein Zeichen, dass meine zunehmende Radikalisierung, je länger ich Taxi fahre, kein Zufall sein kann. Fällt mir gerade ein: Weiß zufällig jemand, ob morgen auch so sein Bombenwetter (ich hörte was von Wolken!) wie heute sein wird?

Foto&Text TaxiBerlin

07.04.2018

WIE UBER DAS TAXIGEWERBE ZERSTÖRT




Schlimmer als die durch die Deregulierung des Taxigewerbes verursachte Verarmung des Taxifahrers finde ich persönlich die Verdummung desselben. Da soll mir etwas verkauft werden, nämlich UBER, was angeblich super und toll ist, wo aber die Mehrzahl der Fahrer den Laden nach nur einem Jahr wieder verlässt, weil sie kein Geld mit UBER verdienen. Gut, für den Kunden, dessen Motto "Billich? - Willich!" ist, mag das heute interessant sein, aber eben nicht für den Taxifahrer. Deswegen geht er auch weltweit auf die Straße, so geschehen am 6. März in Athen und am 27. März in Brüssel. In New York ist es dafür möglicherweise schon zu spät, denn dort kam es bereits zu mehreren Suiziden unter Taxifahrern. Hierzulande ist UBER dabei, nicht nur das Taxigewerbe und den öffentlichen Nahverkehr zu zerstören, sondern auch den Sozialstaat, indem UBER immer mehr prekäre Jobs schafft (Jobs, von denen man bisher leben konnte!), die vom Staat (also von uns allen!) dauerhaft alimentiert werden müssen, was kein Staat auf Dauer leisten kann, da kann er noch so sozial sein. Da der "soziale Bundesstaat" nun aber in Artikel 20 Grundgesetz festgeschrieben ist, gilt hier, so denke ich, Absatz 4 desselben Artikels: "Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist." Das meinte auch Steven Hill, dessen Interview am Runden Tisch vom Donnerstag in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" du jetzt nachhören kannst. Steven Hill ist ein weltweit renommierter Wirtschaftsjournalist, dessen Artikel und Kommentare u.a. in der New York Times, im The Guardian, in Le Monde und im Handelsblatt erscheinen. Aktuell ist sein Buch "Die Start-up Illusion - wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert" erschienen, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

PS: Das Interview wurde aufgenommen am Runden Tisch in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" am 5. April auf "Pi-Radio". Mit im Studio waren RA Alexandra Decker, Irene Jaxtheimer von "Taxi Deutschland" und Leszek Nadolski, Rolf Feja und Stephan Berndt von der "Berliner Taxi Innung", deren Runder Tisch Beiträge zum Thema UBER ich als nächstes an dieser Stelle veröffentlichen werde.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

05.04.2018

HEUTE RUNDER TISCH MIT TAXIBERLIN


Der ein oder andere hat es noch nicht mitbekommen: Die Zeit der Runden Tische ist wieder gekommen, wie alles im Leben wieder kommt. Das Taxigewerbe soll dereguliert werden, das sagt die neue Bundesregierung - mit den Taxifahrern wurde mal wieder nicht darüber gesprochen. Als wenn diese Nicht-Kommunikation nicht schon schlimm genug wäre, versucht man uns auch noch dumm zu machen, für mich persönlich das schlimmste. Das mit dem dumm machen funktioniert so: Du meldet beispielsweise in Lübben, das ist eine Kleinstadt im Brandenburgischen knapp 100 Kilometer vom Berliner Zentrum entfernt, einen Limousinenservice an. Deine Limousinen fahren aber nicht in Lübben, wer sollte dort mit einer Limousine fahren wollen, sondern ausschließlich in Berlin. Trotzdem hältst du dich natürlich an die für einen Limousinenservice vorgeschriebene Rückkehrpflicht an deinen Betriebssitz in Lübben nach jeder Fahrt. Dass das betriebswirtschaftlich überhaupt keinen Sinn macht, interessiert dabei keinen, sondern nur, ob ich als Berliner Taxifahrer das Gegenteil beweisen kann. Da ich etwas anderes zu tun habe, als deiner Limousine hinterherzufahren, kannst du auch weiterhin ohne Ortskenntnisse in Berlin den Taxifahrer spielen. Du selber natürlich nicht, sondern deine Fahrer, die sich als Selbständige selber krankenversichern müssen (Kosten, die ich mir mit meinem Arbeitgeber teile), und für die auch nicht der Mindestlohn gilt, weswegen sie auch kaum etwas verdienen und von der Allgemeinheit zusätzlich alimentiert werden müssen. Ich weiß, für den Fahrgast ist der Limousinenservice, der eigentlich für etwas betuchtere Menschen gedacht war, heute billiger als ein Taxi, und der Kunde, dessen Motto: "Billich? - Willich!" ist, ist natürlich König. Nur, die Folge wird sein, dass es morgen schon kaum noch reguläre, an einen festen Tarif gebundene Taxis geben wird, dafür jede Menge Limousinen, die dann auch Limousinenpreise aufrufen werden. Du Limousinenfahrer bleibst auch in Zukunft arm, nicht nur, weil du eine Mietsache bist, denn du wirst zur Limousine nur dazu gemietet, sondern vor allem, weil den Profit vom teuren Limousinenservice mal wieder andere einstreichen und mit Sicherheit nicht mit dir teilen werden, auch wenn es uns allen immer als tolle neue "Ökonomie des Teilens" verkauft wird. Deswegen ist meine heutige Sendung auch in deinem Interesse, du armer UBER-Fahrer, damit du nicht bereits morgen unter die Räder gerätst oder aus dir gar ein ÜBER-Fahrer wird. Die Sendung beginnt um 19 Uhr in der Lottumstraße 9/10 im Prenzlauer Berg, und du bist herzlich eingeladen, an unserem Runden Tisch teil zu nehmen.

Text TaxiBerlin 

04.04.2018

I AIN'T GONNA WORK FOR UBER NO MORE




"I ain't gonna work for Maggie's farm no more", hier in der Live-Version vom Newport Folk Festival, wo man Dylan fast die Kabel durchgeschnitten hätte, weil seine elektrisch verstärkte Band den alternden "Folkis" einfach zu laut war, was weitgehend bekannt ist. Relativ unbekannt dagegen ist, dass der Song "I ain't gonna work for Maggie's farm no more" heute "I ain't gonna work for Uber no more" heißt. Ich weiß, dazu müsste man vorher für Uber gefahren sein. Aber vielleicht ist das ja jemand, der morgen in "Hier spricht TaxiBerlin" darüber berichten möchte. Fest steht jedenfalls, dass die Sendung morgen, Donnerstag 5. April, um 19 Uhr beginnt, in Berlin unter 88.4, in Potsdam unter 90.7 und auch weltweit unter "Pi-Radio" als Live-Stream zu hören ist, live ist, und möglicherweise wieder jemand versuchen wird, dort die Kabel durchzuschneiden. Don't miss it!

Video YouTube
Text TaxiBerlin

02.04.2018

"WO UNRECHT ZU RECHT WIRD, WIRD WIDERSTAND ZUR PFLICHT!"


"Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!" - wer kennt ihn nicht, diesen Satz. Die wenigsten wissen, dass er so ähnlich auch in unserem Grundgesetz steht. Dazu später mehr. Ich hatte schon mehrfach darüber berichtet, dass gerade eine feindliche Übernahme des Berliner Taxigewerbes stattfindet, auch wenn es offiziell nicht feindliche Übernahme genannt wird, sondern "Deregulierung". Die "Deregulierung des Taxigewebes" ist erklärtes Ziel unserer neuen Bundesregierung, so steht es im Koalitionsvertrag, wenngleich mit anderen Worten. Das heißt, dass aus dem bereits heute prekären Job eines Taxifahrers ein Bangladesh-Job mitten in Berlin werden wird, oder wie man auch sagen kann: "Jedem sein kleines Bangladesh!"

Übernommen wird das Taxigewerbe vor allem von UBER, dem smarten Start-Up aus San Francisco, das uns auch schon mal als "Arschloch Taxi" bezeichnete, als es für UBER noch nicht so gut lief. Das hat sich jetzt geändert, die Soft-Boys aus Kalifornien haben ganze Arbeit geleistet, was bei den vielen Milliarden, die sie zusammen mit Goldman-Sachs darin investieren, die Personenbeförderung für sich zu monopolisieren, um morgen selbst die Preise bestimmen und die Gewinne abschöpfen zu können, keine wirkliche Überraschung ist, schließlich hat man lange genug Verluste in Kauf nehmen müssen.

Überraschend ist dagegen, wie wenig das Treiben der Heuschrecken aus Amerika durchschaut wird, beispielsweise von Thomas Loy vom Tagesspiegel, mit dem ich vor kurzem noch am Telefon über die Problematik sprach, bevor er am Mittwoch diesen schönen Lobby-Artikel veröffentlichte. Eine tolle Arbeit, das muss man schon sagen, und ich wünsche dem Herrn Loy von ganzem Herzen, dass sich UBER erkenntlich zeigen wird, sicher würde ich mir an seiner Stelle aber nicht sein. Möglicherweise ist es auch wirklich nur Naivität, wenn Journalisten Public Relations machen und dabei auch noch nett in die Kamera lächeln, da bin ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher.

("Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations." - George Orwell)

Immerhin habe ich einen Journalisten gefunden, für den ganz klar ist, dass UBER ohne Regulierung zerstörerisch wirkt, was er so in seinem Gastbeitrag mit dem Titel "UBERs neues Fahrdienstmodell sollte reguliert werden" vom 22.3.18 fürs Handelsblatt geschrieben hat. Sein Name ist Steven Hill, er ist Amerikaner, weilt gerade in Berlin und hat sein Kommen zu meiner nächsten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" am Donnerstag, 5. April um 19 Uhr verbindlich zugesagt. Verbindlich zugesagt haben auch Leszek Nadolski, Vorsitzender der Berliner Taxi-Innung, und Stephan Berndt, Mitbegründer von Taxi Deutschland und Berliner Taxiunternehmer, der vor genau einem Jahr schon einmal ein gut informierter Gast in meiner Sendung war.

Genau wie vor 28 Jahren wird es am Donnerstag einen Runden Tisch geben, an dem möglichst viele, die mit dem Thema "Deregulierung" und UBER zu tun haben, Platz nehmen können. Eingeladen habe ich u.a. Vertreter der zuständigen Genehmigungbehörden in Berlin und Königs Wusterhausen bzw. Lübben, Berliner Taxifahrer und ihre Interessenvertreter, genauso wie UBER-Fahrer und natürlich UBER selbst. Ich lasse mich überraschen, wer von ihnen alles kommt. Du kannst beim Runden Tisch dabei sein, denn er wird live auf "Pi-Radio" übertragen, in Berlin auf der 88.4, in Potsdam ist es bereits die 90.7 und auch weltweit als Live-Stream unter piradio.de sind wir zu hören.

Ich hatte eingangs unser Grundgesetz erwähnt. Dort wird unter Artikel 20 festgestellt, dass die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer und sozialer Bundesstaat ist. Im Falle einer feindlichen Übernahme durch UBER, wenn aus einem prekären Job ein Bangladesh-Job wird, greift, so denke ich, Artikel 20 Absatz 4 Grundgesetz, der besagt: "Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."

Text TaxiBerlin

01.04.2018

DER OSTBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG


Es gibt ihn wirklich, den "Ostbeauftragten der Bundesregierung", das erfuhr ich die Tage aus dem Radio bei mir im Taxi, wo ich immer öfter ganz ungestört zum Radio hören komme, weil das Taxigeschäft gerade von der Konkurrenz aus Amerika übernommen wird. Dass die Konkurrenz aus Amerika das Taxigeschäft übernimmt, liegt daran, dass es offizielle Politik unserer neuen Bundesregierung ist. Die "Deregulierung des Taxigewerbes" steht im Koalitionsvertrag, wenn auch mit etwas anderen Worten. Doch zurück zum "Ostbeauftragten der Bundesregierung", der sich zwar nicht um den Erhalt des Taxis kümmert, dafür aber immerhin darum, was man von den Ostdeutschen offiziell zu halten hat. "Der Ostbeauftragte der Bundesregierung" ist, wenn man so will, der große "Ostdeutschen-Erklärer". Geht es nach dem "Ostbeauftragten der Bundesregierung", ist der Ostdeutsche, auch wenn die Mauer bereits vor knapp dreißig Jahren gefallen ist, seither nicht rausgekommen aus seiner ehemals größten DDR der Welt, obwohl er genau deswegen damals auf die Straße gegangen war. Darüber hinaus hat der Ostdeutsche, so der "Der Ostbeauftragten der Bundesregierung" weiter, jede Menge Angst vor Veränderungen, was daran liegt, dass er im Gegensatz zum Westdeutschen damit jede Menge Erfahrungen machen durfte und meistens waren es keine guten. Lieber "Ostbeauftragte der Bundesregierung", bitte hören sie auf, den Ostdeutschen die Welt zu erklären. Der Ostdeutsche kann selber denken, was man von manch Westdeutschen nicht unbedingt behaupten kann, und weswegen Sie besser beraten sind, sich zur Abwechslung mal um diese zu kümmern. Der Ostdeutsche ist bekanntlich klug und stellt sich dumm, beim Westdeutschen ist es anders rum. Oder mit anderen Worten: Im Westen ist alles besser, da sind sogar die Dummen dümmer.

PS: Die feindliche Übernahme des Taxigewerbes durch Uber&Co wird das Thema meiner nächsten Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" am Donnerstag 5. April um 19 Uhr auf "Pi-Radio" sein. Sie wird später noch auf dieser Seite angekündigt werden. Unbedingt dranbleiben!

Text TaxiBerlin

31.03.2018

"UND TÖTET SIE, WO IMMER IHR AUF SIE TREFFT"


"Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten." - so lautet das vollständige Zitat, das zur Tötung von Ungläubigen aufruft, und es ist nicht aus "Mein Kampf". Ich komme drauf, weil ich seit einiger Zeit immer öfter zum Lesen bei mir im Taxi komme, wenn ich nicht Radio höre, wo ich beispielsweise auch den Koran lese, aus dem obiges Zitat stammt, aber auch weil immer wieder gesagt wird, dass die Leute Anfang der Dreißiger hätten wissen müssen, worauf sie sich einließen, sie hätten nur ja Hitlers "Mein Kampf" lesen müssen. Hand auf's Herz, hast du den Koran gelesen? Dann "Urteile selbst!"

Text TaxiBerlin