02.03.2015

MEINE ERSTE MILLION IM TAXI


Das Trinkgeld-Schwein

Die erste Million ist die schwerste. Das stimmt wirklich! Nach mehr als zwanzig Jahren im Taxi kann ich das bestätigen. Ich hätte sie wohl jetzt zusammen, wenn ich all die Jahre Vollzeit Taxi gefahren wäre, wovon ich aber jedem nur abraten kann. Und dann auch nur, was den Umsatz angeht und man das Trinkgeld mitrechnet.

Apropos: Trinkgeld! Das rote Sparschwein ist vom Flughafen Tegel, wo es auf dem Tresen eines kleinen Cafés sozusagen als "Tip-Box" steht. Möglicherweise wurde dort die erste Million schon erreicht, denn das Schwein wurde schonmal geklebt. Man sieht das auf dem Foto schlecht, weswegen ich es erwähne.

Kaffee kann ich mir als Taxifahrer in dem kleinen Café am Gate 10 übrigens nicht leisten. Den trinke ich auch lieber an der "Pilotenbude", wie der kleine Imbiss für Taxifahrer von Insidern liebevoll genannt wird, aber das nur nebenbei.

Trotzdem bin ich von der Idee eines "Trinkgeld-Schweins" fasziniert. Ich überlege ernsthaft, mir auch eins für das Armaturenbrett meiner Taxe zuzulegen. Es muss ja nicht rot sein. Eins in "Taxi-Gelb" mit schwarzen "Rallye-Streifen" an der Seite kommt glaube ich besser.

Was die Farbe und die Streifen angeht, da bin ich ganz optimistisch. Das lässt sich sicherlich einrichten. Ich mache mir auch keine Gedanken, ob da wirklich 'ne Million reinpasst, in so ein Schwein. Mich beschäftig ehrlich gesagt mehr die Frage, ob es nicht etwas vermessen ist, "Meine 2. Million" drauf zu schreiben.

Foto&Text TaxiBerlin

28.02.2015

DAS HALAL VIP TAXI


Logo / Erster Entwurf

Das HALAL-Taxi ist kein neuer Trend, sondern die logische Weiterentwicklung der Ausbildung zum VIP-Fahrer. Das Logo (Foto) erinnert ein wenig an den Aufkleber "Kurzstrecke, gerne!", den es vor etwa zehn Jahren in Berlin gab. Der Grund dafür war, so weit ich mich erinnere, dass Kurzstrecken den meisten Ärger machten, woran sich bis heute trotz Aufkleber nichts geändert hat.

Halal, das wissen viele nicht, bezieht sich nicht nur auf die Zubereitung von Speisen bei Muslimen. Halal bezeichnet alle Dinge und Handlungen, die im Islam erlaubt oder zulässig sind. Das Gegenteil von Halal ist übrigens Haram, wovon sich auch der Harem, "der verbotene Ort", ableitet, aber das nur nebenbei.

Bevor wir zum HALAL-VIP-Taxi kommen, ein Wort zu Halal zubereiteten Speisen. Mittlerweile ist es in Berlin so, dass in vielen Justizvollzugsanstalten und auch in einigen Schulen nur noch Halal Essen angeboten wird. Das mag den ein oder anderen überraschen, entspricht aber den Tatsachen.

Ich persönlich habe nichts dagegen Halal zu speisen. Ganz im Gegenteil. Mein Grundsatz ist: Es wird gegessen, was auf auf den Tisch kommt! Außerdem denke ich, dass es an der Zeit ist, dass auch mal wieder Mehrheiten den Ton angeben, nachdem dies in der Vergangenheit allzu oft Minderheiten taten. Nicht zu vergessen ist bei der Geschichte natürlich der wirtschaftliche Aspekt. Für ein paar Hansels rechnet es sich einfach nicht Haram zu kochen.

Doch zurück zur Ausbildung zum VIP-Fahrer. Wer an ihr teilgenommen hat, weiß, worauf dort bisher das größte Augenmerk gelegt wurde. Richtig, auf den Augenkontakt zum Fahrgast. Das ist jetzt nicht wirklich neu, insbesondere für alte Hasen der Straße wie mich, aber manch einem musste es wohl mal gesagt werden. Der Blick in die Augen des Fahrgastes und ein freundliches "Hallo" oder wegen mir auch "Guten Tag" sind das A und O des VIP-Taxis.

Nun ist es aber so, dass es im Islam mit dem Blickkontakt so seine eigenen Regeln hat. Bei einer Frau mit Burka, bisher hatte ich einen solchen Fall noch nicht, dürfte der Blickkontakt schwierig sein. Wie es ist, wenn ein Paar einsteigt, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Darf ich der Frau in die Augen sehen, oder nur dem Mann?

Was feststeht, das betrifft jetzt aber nur Taxifahrerinnen, ist, dass die dem muslimischen Fahrgast nicht in die Augen schauen sollte, sondern besser den Blick senken. Auch die Hand sollte sie ihm nicht reichen (die Frau ist bekanntlich unrein), aber das tut man auch als Taxifahrer nur in Ausnahmefällen.

Um genau zu wissen, was alles im Taxi Halal und was Haram ist, gibt es seit Neuestem die Weiterbildung zum HALAL-VIP-Fahrer. Den ersten Entwurf für den Aufkleber verstehe ich schonmal so, dass es immer nur 100% Halal gibt. Kein 50%, kein 75%, kein 99% und mit Sicherheit auch kein Halal-Light. Wer es genau wissen will, geht zur Weiterbildung. Ich bin gespannt auf den ersten Erfahrungsbericht.

Foto&Text TaxiBerlin

27.02.2015

ERSTER BERLINER ERLEBNIS FRIEDHOF


So sieht er aus

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Es kommt im Leben nicht darauf an, einem Trend hinterherzulaufen. Das kann jeder. Es spielt auch keine Rolle, wie vielen Trends man hinterhergelaufen ist. Das mag Statistiker interessieren, die in Klicks und Likes leben. Zugegeben, die Welt ist voll von ihnen - leider. Aber die Wahrheit ist auch, dass sie spätestens morgen schon vergessen sind.

Nachdem ich vor ziemlich genau einem Jahr den Trend des Friedhoffrühstücks erfolgreich "gesettet" habe, war klar, dass da noch mehr kommen wird. Gut, möglicherweise war es dir nicht klar. Aber insbesondere ein erfolgreicher Trendsetter darf auf Mehrheitsbefindlichkeiten keine Rücksichten nehmen. Das sollte sich jeder merken, der auch Trendsetter werden will.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich damit eine kleine Minderheit anspreche. Die meisten wollen heutzutage Spießer werden, wogegen überhaupt nichts einzuwenden ist. Ganz im Gegenteil! Je mehr Leute Spießer werden, umso mehr laufen einem neuen Trend hinterher. So, und nur so, musst du das als Trendsetter sehen.

Doch genug der Vorrede. Mein neuester Trend, oder vielleicht sollte ich besser Coup sagen, ist der Erlebnisfriedhof, wenn mann so will: Das ganzheitliche Friedhoffrühstück. Kennt noch jemand das Wort "ganzheitlich"? Leider ist es in der letzen Zeit etwas aus der Mode gekommen, oder wurde einfach, was ich für wahrscheinlicher halte, durch den Begriff "nachhaltig" verdrängt.

Keine Sorge, "ganzheitlich" und "nachhaltig" meinen dasselbe und sind garantiert korrekt, auch politisch. Nicht ganz korrekt ist, dass ich dir die Adresse vom Ersten Berliner Erlebnisfriedhof nicht verraten kann. Das hat nichts mit dir zu tun. Der Erlebnisfriedhof ist einfach noch ein Geheimtip. Ich kann dir aber versichern, dass Du genug Zeit haben wirst, auch diesem Trend hinterherzulaufen.

Foto&Text TaxiBerlin

VON LEEREN FLASCHEN UND BESETZTEN TAXEN


Schlesisches Tor / früher Kreuzberg / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Ich hatte es neulich schonmal erwähnt, dass ich ein guter Flaschensammler wäre. Das hängt damit zusammen, dass ich eine gute Nase habe. So weiß ich zum Beispiel immer, wo Fahrgäste sind. Gut, nicht immer, aber meistens. (Vielleicht sollte ich besser in der Vergangenheitsform schreiben, weil ich, ich erwähnt es bereits, erstmal keine Kontaktsportarten machen darf, zu denen Taxifahren nunmal dazugehört, aber das nur nebenbei.)

Es soll Taxifahrer geben, wohl besser "Taxifahrer", ich kenne sie nur vom hören/sagen, die gar keine richtigen Taxifahrer sind, und doch schon was besseres sein wollen. Ich weiß, das klingt irre, aber solche Leute gibt es wirklich, und nicht zu knapp. Das liegt daran, dass sich viele nach oben und nicht nach unten orientieren. Nach unten treten sie im dümmsten Fall "nur".

Ich will mich jetzt nicht besser machen, wie ich bin, aber bei mir scheint das wirklich anders zu sein. Lange habe ich überlegt, woran das liegen könnte und ob ich es öffentlich machen soll. Ich meine, im Internet wird so viel geschrieben, was niemanden interessiert, und wenn es wirklich mal wichtig ist, wie hier, dann ließt es wieder keiner. Aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen.

Dass ich heute Taxi fahre (auch wenn ich gerade pausiere, weil Taxifahren zu den besagten Kontaktsportarten zählt) und auf vieles verzichte (keine Angst liebe Tränendrüsen!), was ich nicht brauche, liegt daran, dass ich eigentlich immer alles hatte, sieht man mal von einigen Nebensächlichkeiten wie der gestern erwähnten Muttermilch ab. Aber dafür gab es eben Gerstensaft. War auch gut.

Das ist letztendlich auch der Grund, warum ich allen Menschen wünsche, dass sie auch mal alles gehabt haben. Natürlich auch die Muttermilch, ist ja klar. Aber auch den Gerstensaft. Vergesst mir den Gerstensaft nicht! Auf jeden Fall denke ich, dass, wenn alle mal alles gehabt haben, dann alle wissen, worauf sie alles verzichten können.

Was mich angeht, so muss sich keiner Sorgen machen. Ganz im Gegenteil. Das Leben kann so einfach sein und ist im Prinzip wie Taxifahren: Irgendwie kommst Du durch und findest deinen Weg. Und sollte es irgendwann mal keine Taxis und keine Taxifahrer mehr geben, dann suchst Du dir was anderes. Irgendwas findet sich immer. Und wenn's "nur" leere Flaschen sind.

Foto&Text TaxiBerlin

26.02.2015

KEINE KONTAKTSPORTARTEN (FORTSETZUNG)


Keine Kontaktsportart!

Hatte ich gestern Beispiele für Kontaktsportarten gegeben, was da wären Sex, Taxifahren, Fasching und Karneval, komme ich heute zu dem, was erlaubt ist. Dazu muss man wissen, dass es um die linke Schulter geht, ich aber - zum Glück - Rechtshändler bin. Ich rede jetzt nicht von harten Sachen. Nein, harte Sachen trinke ich nicht.

Für harte Sachen bin ich zu weich. Also innen meine ich. Eine harte Schale habe ich, das schon. Aber der Schnaps soll in den Körper rein, bei mir zumindest. Deswegen halte ich mich lieber an Bier und wegen mir noch Wein. Und erlauben kann ich mir das, weil ich gerade kein Taxifahren kann, denn das ist bekanntlich eine Kontaktsportart.

Manche zählen Trinken bereits zu den Kontaktsportarten. Das kann man durchaus machen, ich will es gar nicht bestreiten. Das hängt davon ab, was man trinkt, beispielsweise besagte harte Sachen, aber auch, wo man trinkt. Ich zum Beispiel, so viel kann ich verraten, trinke immer nur unter Aufsicht. Sozusagen "Betreutes Trinken".

Du willst wissen, wie das zusammengeht, wo ich doch gestern noch behauptet habe, ich würde von einer Tasse schwarzem Tee und zwei Scheiben Graubrot am Tag leben. Ich will es dir sagen.

Grundsätzlich: Schuld sind immer die Anderen! Das musst Du dir merken. Das stimmt immer. Außerdem kommt man damit viel einfacher durchs Leben - auch und gerade im Taxi.

An allem sind natürlich immer die Eltern Schuld. Das solltest Du dir auch merken. Denn die, also die Eltern, haben einen einfach so ins Leben geworfen, und zwar mit einem Klaps auf den Hintern. Oder hat man dich vorher gefragt, ob Du leben willst? Also mich nicht!

Wenn dir nichts besseres einfällt, schieb's einfach auf deine schlimme Kindheit, das wirkt garantiert. Bei mir war es beispielsweise so, dass ich nicht mit Muttermilch sondern mit Gerstensaft aufgezogen wurde. "Betreutes Trinken" wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt.

Und das war damals auf jeden Fall noch eine Kontaktsport. Das kannst Du mir glauben! Und deswegen bin auch froh, dass die Kindheit vorbei ist. Naja, so richtig erwachsen wird man wohl nie. Sag jetzt bitte nicht, Du wüsstest nicht, was ich meine. Wirklich nicht? Dann versuch Du heute mal an eine gut gefüllte Mutterbrust ranzukommen!

Foto&Text TaxiBerlin

25.02.2015

KEINE KONTAKTSPORTARTEN


Kein Sex! Kein Taxi!

Damit meine neue Schulter nicht gleich wieder so aussieht wie meine alte, darf ich zwölf Wochen lang keine Kontaktsportarten machen. Da ich nicht wusste, was Kontaktsportarten sind, habe ich heute meinen Physiotherapeuten gefragt. Also ist Sex eindeutig eine Kontaktsportart, was zu erwarten war, aber eben auch Taxifahren.

Das mit dem Sex stimmt mich nicht gerade heiter, was Du dir sicherlich denken kannst. Dafür ist das mit dem Taxifahren eine gute Nachricht, und so gleicht es sich wieder aus. Mein Physiotherapeut muss es wissen, denn der macht gerade seinen Master. Den haben nur ganz wenige Physiotherapeuten in Deutschland, und damit kann er sogar ins Ausland gehen, sagt er.

Dass ich auch ohne Master ins Ausland gehen kann, habe ich erstmal für mich behalten, denn im Moment kann ich nicht, selbst wenn ich wollte. Reisen ist genau betrachtet auch eine Art Kontaktsportart, insbesondere die nervigen Kontrollen und die überfüllten Flieger. Doch genug der Luxusprobleme!

Richtige Probleme haben die Griechen, die, wie auch ich im Moment, keine Kohle haben. In weiser Voraussicht habe ich bereits vor Wochen angefangen meine Ernährung runterzufahren. Du wirst lachen, aber man kann wirklich von einer Tasse schwarzem Tee und zwei Scheiben Graubrot am Tag leben.

Aber ich will mich nicht beklagen. Das können andere besser, denen ich es gerne überlasse, also das mit dem Klagen. In Griechenland werden zu bestimmten Anlässen, beispielsweise eine Beerdigung, professionelle Klageweiber bestellt. Das liegt daran, dass die Griechen immer nur lachen und gar nicht wissen, was traurig sein ist.

Was dem Griechen seine Klageweiber ist dem Deutschen sein Fasching. Dann muss er zum Lachen mal nicht in den Keller gehen. Die fleischfreie Zeit nach dem Karneval kommt mir übrigens gerade recht. Ansonsten halte ich mich von beidem fern. Fasching und Karneval sind ja letztendlich auch nur Kontaktsportarten.

Foto&Text TaxiBerlin

24.02.2015

FAHRGÄSTE IM TAXI


Auf dem Weg von Mitte nach Mitte

Was wäre Taxifahren ohne Fahrgäste? Richtig, am Schönsten! Das geht aber der Verkäuferin genauso. Bei der ist es auch am Schönsten ohne Kunden, habe ich mir sagen lassen. Und das sogar im Taxi! Denn, Du wirst lachen, ich bin prinzipiell ein kommunikativer Typ. Dass eine Verkäuferin Taxi fährt, ist keine Selbstverständlichkeit mehr, heutzutage. Nein, es ist eher so, dass es durchaus erwähnenswert ist, wenn einem mal eine Verkäuferin ins Taxi steigt.

Mit einer Verkäuferin an Bord kann es fast so schön sein wie ohne Fahrgäste. Da musste sogar die Verkäuferin lachen. Gut, ich konnte nicht mehr lesen. Aber auch lesen ist nicht alles. Und die Verkäuferin liest schließlich auch nicht. Dafür kannte sie sich mit Geschäften aus, ist schließlich auch was. Sie arbeitet für eine bekannte Drogeriemarktkette, so viel darf ich verraten.

Dass die Filiale im "Ring-Center" bei mir um die Ecke bei Insidern "Bums-Bude" heißt, war mir ehrlich gesagt neu. Das liegt aber nicht daran, dass da ständig gebumst wird. Nein, so ist es dann doch nicht. Dass die Filiale "Bums-Bude" genannt wird, hat andere Gründe, auf die ich an dieser Stelle aber nicht eingehen möchte. Ist schließlich ein Taxi-Blog.

Das Schöne an einheimischem Taxipublikum wie die Verkäuferin, ist, dass die Fahrt mal nicht zu einem blöden Hotel, Café oder Restaurant in Mitte geht. Nein, das sind ganz andere Fahrten. Fahrten, die es eigentlich gar nicht mehr gibt. Beispielsweise von Blankenburg nach Rahnsdorf. Weiß noch einer, wo Blankenburg ist? Oder gar Rahnsdorf?

Natürlich fährt die Verkäuferin nicht jeden Tag mit dem Taxi. Das kann sie nicht bezahlen. Ein weiterer Vorteil von Einheimischen ist auch, dass sie genau wissen, wo sie hin wollen. Denn das ist dort, wo sie wohnen, und wo, wie bei der Verkäuferin, der Mann und die Kinder bereits mit dem Abendessen warten. Danach duschen und ins Bett, sie ist durch. Obwohl, oft hat sie nach dem Duschen Lust ...

Ich wünschte ihr auf jeden Fall noch einen schönen Abend.

Die junge Frau auf dem Foto, wer bis hierher gelesen hat, wird es bereits ahnen, ist natürlich nicht die Verkäuferin. Ehrlich gesagt, weiß ich selbst nicht, wer sie ist. Und das, obwohl sie mir doch im Taxi saß. Aber stimmt das wirklich? Ich bin mir gar nicht mehr sicher. Das liegt daran, dass wir außer dem Fahrziel kein Wort gewechselt haben. Wie denn auch, das Handy ist schließlich wichtiger. Und das, also das Fahrziel, war schon klar, bevor sie es mir überhaupt nennen konnte - irgendein blödes Café in Mitte.

Foto&Text TaxiBerlin

23.02.2015

WIR WOLLEN DIE SPIELE - ICH NICHT!


Brandenburger Tor / früher Mitte / heute Neue Mitte

Nein zu Olympia ist nicht neu. Berlin hat sich Anfang der Neunziger schon einmal vergeblich um die Spiele bemüht. Viele unserer Besucher und auch der Nachgezogenen wissen das nicht mehr. Berlin hat bereits damals nicht die Spiele bekommen, also warum heute?

Das Wort WIR suggeriert, dass es sich um eine Mehrheit handelt, die die Spiele haben will, und viele Menschen möchten dazugehören - zur Mehrheit. Ich verstehe das sehr gut, und nicht nur, weil es allgemein menschlich ist. Auch ich würde gerne öfters zur Mehrheit dazu gehören, was aber regelmäßig daran scheitert, dass ich mir die Mehrheit vorher immer etwas genauer ansehe.

WIR WOLLEN DIE SPIELE! - damit bewirbt Berlin sich diesmal um die Olympischen Spiele. Ich wurde natürlich mal wieder nicht gefragt. Gut, auch ich könnte jetzt einfach mitmachen bei dieser Farce und sagen: JA, ICH AUCH! Ich weiß, es gibt selbst ein paar Taxifahrer, die gerne zur Mehrheit gehören, und die Spiele in Berlin wollen.

Meist sind das "Kollegen", deren Service so mies ist, dass sie nicht mal für die Konkurrenz aus dem Internet arbeiten könnten, selbst wenn sie es wollten, weil sie den Fahrgast oder den Ort, wo der sich befindet, nicht finden würden, und ihn somit auch nicht abholen können, was aber bei Uber&Co dazugehört, beim Taxi leider nicht.

Eine Rolle, warum sich immer genug Mitmenschen finden, die zur Mehrheit dazugehören möchten, ist zweifellos Geld. Gerade bei Taxifahrern liegt das, denke ich, auf der Hand. Ein paar Tage ein paar Euro mehr - will ich! Was danach kommt? Interessiert mich nicht!

Natürlich hätte auch ich gerne mehr Geld. Verdienen tue ich es ja schon lange, nur kriegen tue ich es eben nicht. Und das wäre eine prima Gelegenheit, endlich, wenn auch über einen kleinen Umweg, doch noch da ran zu kommen, was mir eh schon lange zusteht!

Ich kann mich an dieser Stelle nur wiederholen: GELD IST NICHT ALLES! Und wer jetzt immer noch nicht weiß, wo das Geld besser angelegt ist als bei Olympia, auch der sollte NEUKÖLLN IST ÜBERALL vom Noch-Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky lesen. Ich sage nur: BILDUNG, BILDUNG UND NOCHMAL BILDUNG!

Foto&Text TaxiBerlin

22.02.2015

"IN NEUKÖLLN HERRSCHT EINE ANDERE STRASSENVERKEHRSORDNUNG" (FORTSETZUNG)


Überall in/ist Neukölln

Immer wieder werde ich von Fahrgästen gefragt, ob es das nur in Neukölln gäbe. Die Rede ist vom Parken in zweiter Reihe. Ich meine jetzt nicht das Anhalten, um den Fahrgast ein- und aussteigen zu lassen. Das mache ich auch. Das ist, denke ich, legitim. Das ist auch kein Parken sondern eben Halten, weil ich sogleich weiter fahre.

Hm, schwer zu sagen, ob es das wirklich nur in Neukölln gibt. Wenn ich's mir Recht überlege, kenne ich das auch vom Balkan und natürlich auch aus der Türkei, wenngleich nicht aus Istanbul. Das hängt wohl mit den Straßen zusammen. Die sind dort so eng, dass man nicht in zweiter Reihe halten und die Tür öffnen kann.

Fällt mir gerade noch folgende Geschichte ein. Bevor ich vor vielen Jahren dass erste Mal mit dem Wagen nach Istanbul fuhr, fragte ich einen Freund, der damals in Nord-Neukölln wohnte und der schon mal in Istanbul war, wie das denn dort so wäre. Nach kurzem Überlängen meinte er: "Das ist wie Neukölln - nur nicht so türkisch!"

Er sollte Recht behalten. Aber wie gesagt: Das mit in zweiter Reihe halten und erstmal ein Schwätzchen machen - das kenne ich auch vom Balkan. Oft steckt der Kopf von dem, der draußen steht, im stehenden Fahrzeug, was aber nicht schlimm ist. Schlimmer ist, wenn den sein Arsch, der sich draußen befindet, so dick ist, dass man nicht vorbei kommt. Du wirst lachen, aber alles schon erlebt ...

In Neukölln ist es nun so, dass die Polizei, wenn sie denn an dem in zweiter Reihe parkenden Auto vorbei kommt, einfach weiter fährt, wofür ich nach vielen Jahren auf der Straße vollstes Verständnis habe. Dem Bürgermeister von Neukölln geht es übrigens genauso.

Die Polizei fährt aber nicht etwa weiter, was Du vielleicht denkst, weil sie wichtigeres zu tun hätte. Das mag im Einzelfall stimmen, ist aber nicht der eigentliche Grund. Wer jetzt wissen will, warum die Polizei wirklich weiter fährt, dem empfehle ich das Buch "Neukölln ist überall" des noch Neuköllner Bürgermeisters Heinz Buschkowsky.

Foto&Text TaxiBerlin

21.02.2015

"VERKEHRSTEILNAHME DURCH PARKEN"


Mit besten Grüßen vom Polizeipräsidenten

Da ich, ich hatte darüber geschrieben, wegen Schulter gerade aus dem Verkehr gezogen bin, wie man so schön sagt, ist es natürlich schwer, mir, was meine Teilnahme an ebendiesen angeht, irgendetwas vorzuwerfen. Das dachte ich zumindest bis gestern. Heute musste ich jedoch feststellen, dass der Herr Polizeipräsident und seine Mannen durchaus Mittel und Wege haben, oder mit anderen Worten: kreativ genug sind, mir selbst dann etwas vorzuwerfen.

Was ist passiert? Um ehrlich zu sein: Ich weiß es selbst nicht. Beim ersten Lesen dachte ich an einen Scherz. Dann, dass man sich bei der Polizei sorgt, ich könnte, wenn ich zu oft rausgehe, zu viel schlechte Luft einatmen, was ja auch stimmt. Endlich stieß ich auf den Hinweis in Klammern: "Verkehrsteilnahme durch Parken". (Wichtige Hinweise der Polizei stehen immer in Klammern, aber das nur nebenbei.)

Gut, dachte ich, das ist ja prinzipiell möglich, dass man selbst beim Parken am Verkehr teilnimmt. Ich will das wirklich nicht kategorisch ausschließen. Mit ein wenig Phantasie ist das durchaus machbar, und als Taxifahrer verfüge ich über genug Phantasie. Wie sollte ich sonst all die Fahrziele finden, die selbst die Fahrgäste nicht mal kennen. Nur, und damit möchte ich schließen, wie soll ich beim Parken am Verkehr teilnehmen, wenn ich nicht mal ein Fahrzeug habe?

Foto&Text TaxiBerlin