25.07.2016

"FREUNDLICH, UNAUFFÄLLIG UND NETT"


Mit "freundlich, unauffällig und nett" würde ich die meisten meiner Fahrgäste beschreiben, und wahrscheinlich hätte keiner von ihnen etwas dagegen, genau so beschrieben zu werden. Möglicherweise gehörst auch Du zu den Menschen, die es gerne hören, wenn andere sie als "freundlich, unauffällig und nett" bezeichnen. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Obwohl, wenn ich's mir recht überlege, vielleicht doch. "Seien Sie richtig gemein, dann sind Sie wahr!" - Wer riet gleich nochmal dazu? Ich komm gerade nicht drauf. Weißt Du es? Vielleicht weißt Du dann auch, wer wem die "verlogene Fratze der Wohlanständigkeit" vom Gesicht reissen wollte? Auch das will mir partout nicht einfallen. Was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass der Attentäter von Ansbach "freundlich, unauffällig und nett" war, selbst wenn er nie bei mir im Taxi gesessen hat.

DAS WORT ZUM MONTAG



oder Das Ende der Grammatik

Die von mir schon vor einigen Tagen empfundenen merkwürdigen Schwingungen scheinen nun Realität zu werden, wenngleich an anderen Orten, etwas weiter im Süden. Ähnlich ist es mit der Suche, auf der ich mich gerade befinde. In der Auszeit, die demnächst beginnt, ist man ohne eigenes Fahrzeug ein Nichts. Nur deswegen suche ich eins. Fündig wird man auch hier heute meistens im Internet. Vor dem Internet hat man auch Fahrzeuge gefunden, aber das nur nebenbei. Mit dem Internet ist es nun so, dass jeder alles schreiben kann, oder zumindest fast. Beispielsweise "Zahnrim", "Stosdämpfer", "Lauft super", "Mit nummer Schilder" und, ein kleines Highlight: "Bremen neu". Alles kein Beinbruch. Und sicherlich nicht das Ende der Welt. Aber mit Sicherheit das Ende der Grammatik.

Video RoberWeber

24.07.2016

"MEIN FREUND"


"Alter", "Chef" oder wegen mir auch "Meister" - diese Ansprachen von Fahrgästen ist man als Taxifahrer gewöhnt. Von oben herab "Mein Freund" genannt zu werden, war mir bisher nicht untergekommen. Aber irgendwann ist halt immer das erste Mal. Dass ich mir meine Freunde aussuchen würde, überforderte die Dummfresse natürlich. Zum "Liken" bzw. "Unliken" ist er dann nicht mehr gekommen ...

23.07.2016

"GRUESSE VOM SAATWINKLER DAMM"


Unter der Hinckeldey Brücke

Kaum haben die Ferien begonnen, da werden bereits die ersten Postkarten verschickt. Ein beliebtes Motiv sind die "Grüße vom Saatwinkler Damm", genau genommen von unter der Brücke am Saatwinkler Damm. Aber nicht von Leuten, die unter der Hinckeldey Brücke wohnen, sondern von Menschen, die vom nahe gelegenen Flughafen Tegel in den Urlaub geflogen sind und nicht genug Geld für ein Taxi hatten, weswegen sie ihr Fahrzeug am Saatwinkler Damm parken mussten, und dem, also dem Fahrzeug, nun schon alle vier Räder fehlen. Doch Vorsicht ist geboten! Nicht alle Absender sind auch wirklich bedürftig. Oft ist es nur ein Trick - der Postkartentrick!

Foto&Text TaxiBerlin

DER KNOCHENPLATZ


Knochenplatzhinweisschild

Es gibt ihn wirklich, den Knochenplatz, nicht etwa in Leipzig, sondern hier in Berlin. Und obwohl er in keinem Stadtplan verzeichnet ist und auch noch kein Navi ihn kennt, gibt es am Knochenplatz bereits eine improvisierte Taxihalte mit eigenem Wartebereich. Keiner, der den Knochenplatz nicht kennt, muss sich deswegen jetzt Sorgen machen. Ich weiß vom Knochenplatz auch nur, weil ich als Straßendoktor gerade an meiner Habilitationsschrift zum Straßenprofessor arbeite.

Foto&Text TaxiBerlin

22.07.2016

TAXIFAHREN IST WIE FLASCHENSAMMELN


Wait & Watch (& Think!)

Ein wichtiger Grund, wenn nicht der wichtigste, warum ich Taxi fahre, ist die Ruhe, die ich die meiste Zeit dort habe. Gestern zum Beispiel, da stand ich zwei Stunden am Bahnhof Friedrichstraße, ohne dass irgendetwas passierte. Passiert ist da schon was, und das nicht zu knapp. Ich habe jede Menge viel Unruhe verbreitende Menschen gesehen. Ein Flaschensammler kam gleich drei mal vorbei, um im Mülleimer vor mir nach leeren Flaschen zu suchen. Alle anderen Flaschensammler, insgesamt waren es fünf, kamen jeweils nur einmal. Trotzdem haben sie und nicht der, der drei mal kam, die zwei leeren Flaschen eingesammelt, die in den zwei Stunden in den Mülleimer geworfen wurden. Ungefähr so funktioniert auch Taxifahren, dachte ich da bei mir. Viel Bewegung bringt nicht immer auch viel, es gehört auch Instinkt dazu. Was auf jeden Fall beim Taxifahren ganz genauso ist wie beim Flaschensammeln, ist "The Thing!", das es einzusammeln gilt - leere Flaschen oder auch Nullen.

Foto&Text TaxiBerlin

21.07.2016

"EINE PROGROMÄHNLICHE STIMMUNG"


Der Titel ist nicht von mir sondern vom RBB. Es geht um unsere türkischen Mitbürger und auch Kollegen, viele kommen aus der Türkei, die nicht mit dem einverstanden sind, was gerade in ihrer alten Heimat passiert. Möglicherweise mit ein Grund für die gegenwärtige leicht aggressive Stimmung in unserer Stadt. Beweisen lässt sich das allerdings nicht. Fakt ist, dass dazu aufgerufen wird, bestimmte türkische Geschäfte zu meiden, wenn nicht gleich deren Scheiben eingeworfen werden, bis hin zu Mordaufrufen.

PS: Das geschieht nicht irgendwo weit weg, sondern in unserer Stadt, vor unser aller Augen.

Text TaxiBerlin

GROSSSTADTSTIMMUNGEN


Permanentaufkleber gegen Visitenkartenverteiler

Seit einiger Zeit ist eine ganz merkwürdige Stimmung in der Stadt. Erst einmal sind die Straßen permanent dicht und die Taxis leer. Gut, solche Tage gibt es, aber nicht zwei Wochenenden hintereinander. Das schlimmste sind sowieso die aggressiven Vibrationen, selbst unter Fußgängern und Radfahrern, obwohl man denken könnte, dass die gar nichts zu melden hätten. Klar, so eine große Stadt mit viel zu vielen Menschen auf einem Haufen, das macht aggressiv. Der Mensch ist nicht dazu geschaffen, in Massen auf engem Raum zusammenzuleben. Das ist aber nichts Neues, das war schon immer so. Es muss also etwas anderes sein, was die Leute nervös macht. Der Sommer? Die Ferien? Möglicherweise. Aber so richtig überzeugen Sommer und Ferien nicht. Vielmehr kommt es einem so vor, als spürten die Leute, dass irgendetwas in der Luft liegt. Dazu muss man nicht wissen, was es genau ist, was da in der Luft liegt. Gefühle sind oft irrational. Und die Black Box des Menschen ist wie ein Eisberg im Meer, von dem man nur den Teil kennt, der aus dem Wasser ragt. Warum beispielsweise der Kollege, wohl eher "Kollege", noch im Tunnel zur Zufahrt zum Flughafen Tegel überholt, um vor dem Kollegen auf dem großen Parkplatz nur für Taxen zu stehen, weiß auch er selbst nicht. Obiger Aufkleber gegen die, die permanent ihre Visitenkarten an den Scheiben fremder Autos hinterlassen, soll sicherlich witzig sein. Aber ist er es wirklich? Armen Schweinen, nichts anderes sind die Verteiler der Visitenkarten zwecks billigem Autoaufkauf, mit 'nem Baseball-Schläger zu drohen, darüber kann ich nicht lachen. Der Aufkleber ist einfach nur dumm, gefühllos und Ausdruck geistiger Verrohung.

Foto&Text TaxiBerlin

20.07.2016

IM TAXI MIT BABA WANGA


"PokémonInnen Go" für Erwachsene
(Hardenbergstraße / Bus aus Großbritannien / Werbung)

Wer kennt sie nicht, die Oma Wanga? (Nicht verwechseln mit Baba Jaga, das ist eine andere Oma!) Es ist schon einige Zeit her, dass wir zusammen im Taxi gefahren sind, und es war auch nicht in Berlin, sondern in Bulgarien. Nun, da Oma Wanga zwanzig Jahre tot ist, fällt mir komischerweise ein, was sie für dieses Jahr vorausgesehen hat, und zwar nichts geringeres als das Ende Europas. Eigentlich hat sie noch viel schlimmere Sachen für 2016 vorausgesagt (ein Krieg war glaube ich auch dabei), die ich aber nicht im Detail wiedergeben will. Einerseits, weil Dank "PokémonInnen Go" die Kids endlich mal raus gehen, und da will ich sie nicht gleich wieder verschrecken. Andererseits ist mein bulgarisch alles andere als perfekt, so dass ich einiges durchaus missverstanden haben könnte, möglicherweise auch das mit dem Ende Europas, aber das werden wir ja bald sehen ...

19.07.2016

EINMAL ZUR NIETZSCHE STRASSE


Seit Tagen bin ich nun unterwegs, um sie zu finden. Von der Logik her sollte sie in Zehlendorf sein, gleich bei der Schopenhauer, den er einen Lehrer nannte. Aber dort ist sie nicht. Marx, ein Zeitgenosse von Nietzsche, hat eine Straße und noch 'ne Allee dazu! Jetzt dürfte es schwierig werden, eine Straße nach Nietzsche zu benennen. Warum? Na wegen der Quote! Obwohl, Frauen kannte der wohl. Nur, welche taugt für den Straßennamen. Vielleicht seine Schwester Elisabeth? Oder doch besser die Lou? Der soll er immerhin eine Zwei-Jahres-Ehe vorgeschlagen haben. Zwei Jahre deswegen, bevor es langweilig wird. Überhaupt kannte sich der Nietzsche aus mit der Liebe ("Wo man nicht mehr lieben kann, da soll man - vorübergehen! -"), auch wenn sich das heute kaum einer vorstellen kann. Aber was wissen sie schon: Die Leute von heute? Im besten Fall nichts! Ich meine, wer weiß denn nun, wo die Nietzsche Straße ist in Berlin?

AUFREGEN - ABER RICHTIG


Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich bin ein Typ, der sich leidenschaftlich gerne aufregt. Ich meine richtig aufregen - darauf kommt es an! Die meisten Menschen regen sich nur Pseudo auf, als ginge es gar nicht um sie. Man merkt das schon an der Wortwahl: "Nee, oder?" oder "Echt jetzt?". So, als hätte die Sache gar nichts mit ihnen zu tun. Aber mit wem denn dann? Sowieso regen sich Leute oft über Dinge auf, die sie noch nicht mal peripher tangieren. Das ist wie mit den Problemen! Am Liebsten werden die gelöst, die ganz weit weg sind, am Besten am anderen Ende der Welt, und nicht die eigenen. Dazu müsste man natürlich die eigenen Probleme als die eigenen erkennen, was sie aber nicht werden, denn Schuld sind bekanntlich immer die anderen. Eigenverantwortung? Fehlanzeige! Gerade auch hierzulande. Freie Menschen wollen sie sein! Ich sehe nur Unfreie und emotional Behinderte. Und überhaupt: Warum sollte man sich über etwas aufregen, ich meine so richtig aufregen, wenn man gar nicht schuldig ist. Ein Teufelskreis! Was heißt nun richtig aufregen? Hm, wie soll ich das nun wieder erklären? Vielleicht mit der Körpersprache, wenn die noch jemand kennt. Beobachte mal einen, der sich Pseudo aufregt. Sein Körper ist so ausdruckslos wie seine Sprache, die ist nicht mehr nur cool sondern schon tiefgefroren. Wie gesagt, ich rege mich leidenschaftlich gerne auf, und die gerade beschriebene Krankheit, jemand Kluges hat sie einmal als die "Emotionale Pest" bezeichnet, für die besonders der Deutsche empfänglich zu sein scheint, wäre eigentlich schon wieder ein Grund sich richtig aufzuregen, wenn sie mich denn betreffen würde ...

16.07.2016

SEX IM TAXI


Immer wieder werde ich gefragt, wie es denn mit dem Sex im Taxi aussehen würde. Das liegt daran, dass die Leute gerne und viel über Sex reden, was aber nicht heißt, dass sie ihn auch genauso häufig praktizieren würden. Das nicht - eher im Gegenteil! Wie oft jeder Sex hat, weiß ein jeder am Besten selbst. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet Sex ausschließlich sexuelle Handlungen zwischen zwei oder mehr Sexualpartnern. Selbstbefriedigung ist somit kein Sex, aber das nur nebenbei. Dass das Thema Sex überhaupt angeschnitten wird bei mir im Taxi, liegt vor allem daran, dass ich Nachts fahre, wenn die Leute nicht so zugeknöpft sind wie am Tage. Worauf ich hinaus will, ist, dass mir 'ne Menge Sachen über Sex im Allgemeinen und in einer Beziehung im Besonderen zu Ohren kommen. Ich kann gar nicht sagen, woran das liegt - ist einfach so. Meine Erfahrungen nach vielen Jahren Nachts im Taxi lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Sex in der Beziehung kommt selten und ohne eine Beziehung kommt Sex so gut wie gar nicht vor. Sex ist also eine Frage von Beziehungen. Was nun den Sex im Taxi angeht, denn um den ging es in diesem Beitrag, so ist der irgendwo dazwischen angesiedelt.

TAXI ISTANBUL


Vor Hagia Sophia

Was machen eigentlich Taxis bei Ausgangssperre? Darüber wird mal wieder nicht berichtet, sondern nur was Flugzeuge und Panzer machen. Eigentlich die beste Zeit zum Taxifahren, wenn die Straßen mal frei sind, auch und gerade in Istanbul. Neulich, so erzählten mir Fahrgäste, seien Verkehrswissenschaftler aus Tokio in Istanbul gewesen, um herauszufinden, ob und wie man den Verkehr in der Metropole am Bosporus optimieren könne. Nach vielen Monaten des Forschens kamen die Japaner zu dem Schluss, dass man da in Istanbul nichts machen kann. Aber was wissen Wissenschaftler schon ...

Foto&Text TaxiBerlin

15.07.2016

ERSTES UNISEX TAXI BERLIN


TaxiBerlin wäre nicht TaxiBerlin, wenn TaxiBerlin nicht regelmäßig einen neuen Trend setzen würde, sozusagen im Vorbeifahren. Diesmal ist es das Unisex-Taxi, wo TaxiBerlin mal wieder als Erster am Start ist. Viele werden sich jetzt fragen, was ein Unisex-Taxi ist. Diese Frage ist nicht nur berechtigt, sondern auch völlig normal, weil das Unisex-Taxi etwas Neues und somit noch Unbekanntes ist. Einige werden enttäuscht sein, wenn sie erfahren, dass das Unisex-Taxi mit Sex erstmal nichts zu tun hat. Über Sex wird zwar viel gesprochen, aber wer hat ihn schon? Die Ehe, so meinte zumindest neulich ein Fahrgast, sei sozusagen der Garantieschein, dass es mit dem Sex vorbei ist bzw. bald sein wird. Das klingt nicht gerade rosig, wobei es außerhalb der Ehe nicht unbedingt besser um den Sex bestellt sein soll, vielleicht sogar schlechter, gab ich zu bedenken. Das ist zwar traurig, ändert aber nichts an der Tatsache, dass es beim Unisex nicht um Sex geht. Das wäre auch etwas viel verlangt. Unisex ist auch keine Universität für Sex. Das wäre ja noch schöner! Unisex bedeutet einfach nur, dass es für alle Geschlechter offen ist, und das ist es - das Erste Unisex Taxi Berlin - und das war es schon immer ...

14.07.2016

LÜGENWERBUNG


U-Bahnfof Frankfurter Allee

Mit "Späti", das fast so blöd wie "Juti" klingt, falls das noch jemand sagt, ist eine Spätverkaufstelle gemeint, die oft noch früh am Morgen aufhat oder schon wieder. "Spätis" in Berlin sind das, was früher Friseure, Tattoo-Studios und  ganz früher Drogerien waren: Vermeintliche Goldgruben, an denen alle teilhaben wollen und jeder eine aufmacht oder zumindest darüber nachdenkt. In Berlin gibt es "Spätis" an jeder Ecke und, das ist neu, nun wird auch für sie geworben, oder zumindest für einen von ihnen. Ich weiß das, weil ich neulich U-Bahn gefahren bin, was ich auch jedem nur empfehlen kann. Man lernt dort jede Menge Leute kennen, allerdings auch viel Volk, das man lieber nie getroffen hätte. Ein klein wenig wie im Taxi, nur viel größer und vor allem viel mehr. Dementsprechend ist auch die Werbung, wie sollte es anders sein. Oder: "Wie der Herr, so das Geschirr", wie man früher sagte. Für den Normalo sicherlich kein Problem, dem Taxifahrer bereitet manche Werbung allerdings körperliche Schmerzen, vor allem wenn es um die Ortskunde geht. "Friedrichshains größter Späti", womit übrigens eine Filiale der Supermarktkette "real" gemeint ist, befindet sich nämlich nicht wie behauptet im Friedrichshain, sondern in Lichtenberg. Das liegt daran, weil sich "real" im Ring-Center Zwei befindet. Wäre "real" in Ring-Center Eins, hätte es gestimmt. Dass "Friedrichshains größter Späti" täglich bis 22 Uhr geöffnet haben soll, ist die nächste Lüge. Wieso? Versuch mal am Sonntag zu "real" zu gehen!

Foto&Text TaxiBerlin