24.09.2016

"FICKST DU DIE?"


FICKE!

Das soll er wirklich gefragt haben, unser gewesener Innensenator, und zwar einen Parteikollegen. Das musst Du dir mal vorstellen! So reden die über uns! Obwohl, UNS trifft es nicht ganz. Die Dame, die sich gerade darüber beklagt, wie man über sie spricht, ist eine Parteikollegin. Oder sollte man besser sagen: NOCH Parteikollegin!?! Wie immer dem auch sei, vielleicht hat der Olle Henkel das gar nicht böse gemeint, sondern war einfach nur in Sorge? Gut, die Wortwahl lässt natürlich zu wünschen übrig - keine Frage. Aber was wäre, wenn er gefragt hätte: "Schläfst du mit der?" Oder einfach nur: "Hast du was mit der ihr?" Und dann gibt es da ja noch die, wie ich denke, politisch völlig korrekte Variante: "Hast du möglicherweise Kenntnis darüber, ob unsere liebe Parteikollegin ein erfülltes Sexualleben hat?"

PS: Der wahrscheinlichere Grund für den "Aufschrei" ist, das meinte zumindest ein Fahrgast hinter vorgehaltener Hand, dass die Träume vom "Mitte Mädchen" in die lokale Politik zu gehen durch das schlechte Abschneiden der Berliner CDU geplatzt sind, und sie nun einfach einen Schuldigen sucht. Dass es ausgerechnet Klaus Henkel trifft, ist grundsätzlich nicht verkehrt, aber eben rein zufällig.

Foto&Text TaxiBerlin

23.09.2016

DIE SCHWANZLOSE GESELLSCHAFT


So sieht sie aus ...

Der Schwanz ist ein soziales Konstrukt, somit gedanklicher bzw. theoretischer Natur, weswegen er auch weg kann. Sich an ihn zu fassen, ist schon lange verboten. Es gibt keine Links- und auch keine Rechtsträger mehr, genauso wie es kein Rechts und Links mehr gibt. Und um im Sitzen zu pullern, braucht man auch keinen Schwanz.

Ungeklärt ist bisher noch, ob die Brüste der Frau auch nur ein soziales Konstrukt sind. Wenn JA: Wozu dann noch Büstenhalter? Andererseits würde, sollte es wirklich so weit kommen, eine ganze Industrie vor die Hunde gehen, und zwar die für Dessous. Aber wer will das schon?

Wenn alles ein soziales Konstrukt ist, warum dann noch unterschiedliche Toiletten? Reicht dann nicht eine für alle? Ist das Schwanzabschneiden vielleicht die höchste Form der Beschneidung und alle uns bisher bekannten Beschneidungen nur das "Vorspiel"?

Foto&Text TaxiBerlin

21.09.2016

WIR WERDEN DAS SCHAFFEN


Berlin mit Fernsehturm "on air"

Im Moment sieht es so aus, dass wir das heute Abend mit der Sendung schaffen. Deswegen auch der neue Titel "Wir werden das schaffen", der viel zuversichtlicher klingt als "Wir schaffen das" von gestern. Aber Vorsicht! Noch ist nichts geschafft. In acht Stunden wissen wir mehr, denn da startet "Hier spricht TaxiBerlin #4". Ab Punkt 20 Uhr MEZ kannst du uns sowohl im Radio (in Berlin unter 88,4 und in Potsdam unter 90,7) als auch im Internet-Livestream hören.

Mein heutiger Studiogast ist mein absoluter Wunschkandidat. Kennengelernt haben wir uns bei mir im Taxi (wo sonst?), in das er mir eines Nachts zum Zwecke der Personenbeförderung sprang, und wo er mich bei der Gelegenheit für seine Firma für "Betreutes Fahren" anwarb, die er seinerzeit sein Eigen nannte. Später (nicht in jener Nacht) sagte er dann auch noch was richtig Kluges (man kann schon fast sagen Denkwürdiges) über den Taxischein: "Man sollte ihn unbedingt machen, weil es andere Jobs, die einem auf zugegeben niedrigem Niveau so unabhängig und frei belassen kaum gibt und man sich immer in den Wind des realen Lebens begeben kann, auch wenn man ansonsten andere und qualifizierte Beiträge für die Gemeinschaft leisten kann ...", womit wir an das Thema "Taxischein machen - Ja oder Nein?" unserer letzten Sendung anknüpfen.

Das Einzige, was ich (und auch du!) jetzt noch tun kann, ist Beten, dass er auch kommt. Und vielleicht noch den Wecker stellen ...

Foto&Text TaxiBerlin

20.09.2016

WIR SCHAFFEN DAS


Wer immer uns auch im Wege stehen mag ...

Dieser Beitrag mit einem allseits bekannten Titel ist ein Nachtrag zum gestrigen. Es stimmt wirklich: Für die morgige Sendung gibt es weder ein Thema noch einen Studiogast. Darüber hinaus bin ich noch nicht mal in Berlin. Zur Not mache ich die Sendung alleine und am Telefon. Das geht! Überhaupt geht vieles - wenn man will! Selbst schaffen kann man fast alles. Man muss nur wollen. Und wenn du morgen Studiogast sein willst, dann schreib einfach eine e-mail an: taxi.berlin@gmx.de

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19.09.2016

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #4


Sendeplan

Balkanischer geht's nicht! Obwohl das Erste Berliner Eseltaxi und ich noch gar nicht in Berlin angekommen sind, soll ich schon wieder Radio machen und zwar am Mittwoch um 20 Uhr. Bisher habe ich weder einen Studiogast noch einen Plan für die Sendung. Wenn du nicht willst, dass sich die Sendung um das Erste Berliner Eseltaxi dreht (Glaube mir, das willst du nicht!), dann bewirb dich noch heute unter taxi.berlin@gmx.de als Studiogast für die vierte Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin". Am Schönsten wäre es, wenn du ein bekennender Taxihasser wärst. Dann könnten wir zusammen mal so richtig vom Leder ziehen (Du über Taxifahrer und ich über Fahrgäste!), was ein prima Einstand für mich zurück in Berlin wäre.

Foto&Text TaxiBerlin

31.08.2016

ERSTES BERLINER ESELTAXI


Erster Fahrer (Icke) mit letzter Eselin (Maria)

Jetzt, wo die Idee „in trockenen Tüchern“ ist, wie man so schön sagt, oder es zumindest zu sein scheint (beim Bulgaren weiß man nie!?!), kann ich auch darüber schreiben. Es geht um den Grund für meine häufigen Aufenthalte in dem kleinen Land am Rande Europas, wofür ich bisher den Begriff „Auszeit“ verwendet habe, was natürlich Quatsch ist, weil ich auch hier arbeite, und wie! Auf jeden Fall bin ich nicht zum „Party machen“ hier, das kannst du mir glauben, und schon gar nicht zum „Chillen danach“, sondern wegen einer neuen Geschäftsidee. Ich würde sogar so weit gegen und behaupten, dass ich gerade mal wieder dabei bin, einen neuen Trend zu „setten“, und zwar für Berlin. In Bulgarien selbst ist es extrem schwer ein Trendsetter zu sein, wenn nicht gar unmöglich, weil die Leute hier alle viel zu kreativ sind und ein jeder sozusagen sein eigener Trendsetter ist.

Nun ist es also amtlich: Ich werde das Erste Berliner Eseltaxi anbieten, und zwar am Brandenburger Tor – wo sonst?! Dort treffen sich schließlich sämtliche Esel aus aller Herren Länder, also warum sollte nicht auch ich dort mit meinem Eseltaxi stehen!? Der einzige, der ernsthaft etwas dagegen haben könnte, wäre der Eiserne Gustav (bitte selbständig informieren, wer mit dem Eisernen Gustav nichts anfangen kann!), der von dort, also vom Brandenburger Tor aus, mit seiner Pferdedroschke (= Pferdetaxi) nach Paris gestartet ist. Aber der Eiserne Gustav ist lange tot, weswegen er sich auch nicht über die Eselkonkurrenz beklagen kann, und sein Gaul, dessen Name mir gerade nicht einfallen will, mindestens genauso lange. Und wenn am Brandenburger Tor darüber hinaus auch noch die ganzen Fahrradrikscha rumstehen, die von noch weiter weg sind, und zwar aus Indien, warum sollte dort nicht auch Platz sein für mein Eseltaxi. (Übrigens: Niemand muss nach Indien fahren! Eine Reise an den Rand Europas reicht oft vollkommen aus, aber das nur nebenbei.)

Warum das mit dem Ersten Berliner Eseltaxi so lange gedauert hat, insgesamt arbeite ich jetzt im siebenten Jahr daran, liegt daran, dass die Uhren auf dem Balkan etwas anders ticken als in Berlin, obwohl (oder vielleicht gerade deshalb?!) man hier der Berliner Zeit eine Stunde voraus ist. Der Punkt, der die ganze Geschichte letztendlich positiv entschieden hat, ist der, dass es selbst am Rande Europas kaum noch Esel gibt, denn die meisten von ihnen haben das Land bereits vor langer Zeit verlassen. Das Erste Berliner Eseltaxi ist somit nicht nur ein neuer Trend, und auch nicht nur eine Geschäftsidee, sondern an erster Stelle ein Artenschutzprojekt, das von niemand geringerem als dem letzte Esel Bulgariens, der Eselin Maria, gezogen wird.

Dementsprechend hoch waren die Anforderungen an den Arbeitsschutz, welche die Verhandlungen mit den hiesigen Eselbeauftragten so in die Länge gezogen haben. (Geld ist nicht geflossen, falls das jemanden interessieren sollte.) Allerdings musste ich als erster und bisher einziger Fahrer des Ersten Berliner Eseltaxis die obligatorische Schulung „Sicheres Fahren mit dem Eselwagen“ besuchen. Mindestens genauso wichtig ist die Arbeitsschutzbekleidung, für die dann schon die Deutsche DIN-Norm gilt, und die für den Fahrer einen Blaumann mit den Taxitypischen gelben Applikationen und darüber hinaus ein gelbes T-Shirt vorschreibt.

Möglicherweise habe ich mal wieder das wichtigste vergessen, aber so ist das bei einem so bedeutenden Projekt wie das Erste Berliner Eseltaxi, mit dem ich, wenn man so will, Neuland betrete. Eine Auflage für die Genehmigung des Ersten Berliner Eseltaxis war von bulgarischer Seite, dass der letzte Bulgarische Esel einen original Eselwagen (auch „Karuza“ genannt) vom Balkan hinter sich herzieht. (Eigentlich sollte der „Karuza“ noch eine hiesige Steh-Toilette beherbergen, was das Projekt und v.a. meine finanziellen Mittel gesprengt hätte.) So bleibt es „nur“ beim Einbau von Sitzen mit Sicherheitsgurten, womit sich gerade im Moment drei Meister beschäftigen, und dann kann es auch schon losgehen mit dem Ersten Berliner Eseltaltaxi. Ich vergaß, ich muss ja irgendwie noch von Bulgarien nach Berlin kommen, natürlich mit dem Eseltaxi, so viel Zeit muss sein. (Wie lange das nun wieder dauern wird?) Ich würde mal sagen: Mit etwas Glück startet das Erste Berliner Eseltaxi vorm Brandenburger Tor am Tag der Deutschen Einheit am 3.Oktober ...

 mit Karuza (Eselwagen)

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24.08.2016

DER URSPRUNG DER BERLINER KREATIVBUTZE


Taxi vor Butze

Der Begriff "Kreativbutze", den ich vor einiger Zeit nicht nur häufig verwendet habe, sondern der auch auf mich (Oder war es doch ein Fahrgast? Egal!) zurückgeht, ist leider etwas in Vergessenheit geraten, ohne dass ein jeder sich unter "Kreativbutze" etwas vorstellen kann. Was "kreativ" ist, weiß natürlich jeder, gerade in Berlin, der "Stadt der Kreativen". Aber wer weiß schon, was eine "Butze" ist? Das kleine Bulgarien, das Land nicht nur meines Vertrauens, sondern auch meiner Auszeit, kann ohne Übertreibung als Erfinder der "Butze" bezeichnet werden. Hier ist die Hochzeit der "Butze" allerdings vorbei, die war in den Neunzigern, welche in Berlin "Die Wilden" genannt werden. Was die Berliner "Kreativbutze" angeht, die ganz klar auf die bulgarische "Butze"zurückgeht, kann man ohne Übertreibung sagen, dass Berlin der bulgarischen Zeit hinterherläuft. Hier stehen die meisten "Butzen" (Foto Hintergrund), in denen früher alles verkauft und gekauft (die eigene Großmutter inclusive) wurde, bereits schon wieder leer. Keine Ahnung, ob das jetzt wichtig ist für die zahlreichen Berliner "Kreativbutzen", aber sollte jemand nach Bulgarien kommen, weil er eine original bulgarische "Butze" sucht, die einem hier förmlich nachgeworfen werden, darf er nicht "Butze" sagen, schon gar nicht "Kreativbutze", denn kreativ sind hier alle und kreativer als in Berlin auf jeden Fall. Also falls wirklich jemand kommen sollte, weil er (zu Recht!) scharf ist auf eine original "Butze" aus den Neunzigern, der muss nach einem "Pavillon" oder noch besser nach einem "Pavillionche" (Verkleinerungsform von "Pavillon") suchen - er wird hundertprozentig fündig!

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08.08.2016

ALLES HAT EIN ENDE


Endestraße / Wannsee / früher Zehlendorf / heute Steglitz-Zehlendorf

Alles hat ein Ende, und in Berlin hat das Ende sogar eine Straße. Meine Auszeit steht vor der Tür, und eigentlich wollte ich mal wieder in die Türkei fahren, um genau zu sein mit dem Auto nach Istanbul. Daraus wird nun nichts, was nicht an dem verrückten Verkehr in der Metropole am Bosporus liegt. Bevor es gleich losgeht Richtung Balkan noch dies an die Adresse der uns Regierenden: Machen sie Schluss mit ihrer Appeasement-Politik und verabschieden sie ein Gesetz zur Zuwanderung, das diesen Namen verdient. Übernehmen sie endlich Verantwortung für ihr Tun und delegieren sie diese nicht weiterhin an andere. Die Türkei unter Erdogan hat in Europa nichts verloren.

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07.08.2016

HENKEL SATURN


Wahlwerbung / Falkenseer Chaussee / Spandau

Warum es dieses farbenfrohe Wahlplakat vom Berliner Innensenator nur in Spandau zu sehen gibt, obwohl er seine Video-Technik doch viel lieber im Friedrichshain verkauft, bleibt sein Geheimnis. Um seine Zukunft muss sich Frank Henkel jedenfalls keine Sorgen machen, denn das Plakat gilt auch als Bewerbung. Sollte es nach der Wahl im September nicht mehr für die Politik reichen, wird Frank Henkel einer von diesen schleimigen Technik-Berater bei Saturn.

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WOHNEN IN BERLIN


Liebigstraße / früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Das mit dem "Wohnen im Grünen" in der Stadt hatten sie sich doch etwas anders vorgestellt. Gut, dass der nette Makler mit den falschen Zähnen es nicht "Leben an der Brandmauer" genannt hat, leuchtet ihnen ein. Aber für diesen Ausblick auch noch zahlen, nein Danke! Jetzt geht es vor Gericht, und ein kleines Schmerzensgeld sollte wohl auch drin sein, wozu hat man schließlich jahrelang Jura studiert.

PS: Manche Menschen passen immer noch mehr auf beim Handtaschenkauf als beim Kauf einer Immobilie.

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06.08.2016

NEUE MODEN


Heute mal ein Sammelthema, und zwar "Neue Moden". Ich weiß nicht, wer es außer mir mitbekommen hat, oder sollte ich mal wieder der letzte sein, der es erfährt? Auf jeden Fall ist es nun wohl endgültig vorbei mit dem russischen oder wegen mir auch osteuropäischen Akzent à la Kaminer. Damit ist heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen. An seine Stelle ist diese schlimme englische Mundart getreten, ja genau die mit den zwei Kaugummis im Mund. Manch einer wurde sie in die Wiege gelegt, andere müssen sie sich mühsam erarbeiten. Es soll sich aber lohnen, und es sind auch noch jede Menge Blumentöpfe da, die ein neues zu Hause suchen. Wichtig ist, dass der englische Akzent so stark ist, dass keiner mehr genau sagen kann, ob man wirklich deutsch spricht, oder doch schon englisch, was auch völlig egal ist, weil es gar nicht darum geht, verstanden zu werden. Frauen sollen davon mehr betroffen sein als Männer, aber die will der Mann ja sowieso nicht verstehen, zumindest nicht wirklich. Ich kann die komische Aussprache leider nicht vormachen, aber ich denke, wenn du ein Mann bist, weißt du, was gemeint ist.

Eine andere Sache ist jetzt vielleicht auch nicht mehr ganz taufrisch. Möglicherweise ist es auch nur ein Randgruppenthema, das eigentlich keinen wirklich interessiert bzw. an das sich keiner herantraut. Ich hatte schon einmal darüber berichtet, dass es am Handwaschbecken auf der kostenpflichtigen Toilette neben der Pilotenbude, wie der kleine Imbiss nur für Taxifahrer am Flughafen Tegel von Insidern liebevoll genannt wird, gelegentlich zum Stau kommt, weil sich manch einer in ihm seine Füße wäscht. Das mit dem Füße waschen im Handwaschbecken hängt mit dem Glauben zusammen. Wie genau, soll an dieser Stelle keine Rolle spielen, das kann jeder bei Interesse im Selbststudium für sich herausfinden. Fakt ist, dass es immer mehr Kollegen gibt, die auf dem Parkplatz regelmäßig gen Mekka beten. Früher waren es vielleicht eine Handvoll, die sich in unregelmäßigen Abständen und oft auch ganz ohne Hilfsmittel in der südöstlichsten Ecke zum Gebet trafen. Heute hat jeder zweite einen kleinen Teppich dabei, den er, auch aus Platzmangel in der Ecke, nun zwischen den Wagen ausrollt. Das interessante dabei ist, dass immer mehr junge Fahrer unter den Betenden sind. Kollegen also in einem Alter, in dem die Leute ansonsten lieber mit ihrem Smartphone rumspielen, Party machen oder beim Chillen danach sind. Da ich gegen Smartphones, das ewige Party machen und auch gegen das Chillen danach, wer mich kennt, weiß das, etwas habe, kann ich es nur begrüßen, wenn sich junge Leute von heute auch mal mit was anderem beschäftigen.

Zum Schluss noch etwas ganz anderes. Da muss ich zugeben, das ist wirklich ein alter Hut. Es geht um Leute, die für ein Taschengeld, ein klein wenig Aufmerksam oder etwas ähnlich Bescheuertem alles tun. Wie gesagt, nichts wirklich Neues. Solche Leute gab es immer, und wird es, so lange es den Menschen gibt, wohl auch immer geben. Aber irgendwie ist es mit den Jahren schlimmer geworden, oder ich empfinde es nur so. Das kann natürlich auch sein. Mein Gefühl ist jedenfalls, dass die Leute früher "nur" Dreck gegessen haben, um irgendwie beachtet zu werden, heute aber schon Scheiße fressen.

05.08.2016

AUSZEIT IM TAXI


Auszeit-Auto

Es gibt mehrere Gründe, warum ich Taxi fahre. Der wichtigste ist, das wird mir immer klarer, dass ich im Taxi meine Ruhe habe. Nichts gegen Fahrgäste, was wäre das Taxifahren ohne Fahrgäste? Obwohl, ohne Fahrgäste wäre Taxifahren noch schöner als es mit ihnen ist, aber wer kann es schon auf Dauer aushalten: das noch "Schönere"?!? Viele, auch Fahrgäste, bekommen die größten Probleme, wenn es am Schönsten ist. Sie machen dann irgendeinen Mist, um das Schöne nicht aushalten zu müssen. Das mag sich irre anhören, und ist es auch, ist aber meine langjährige Erfahrung auf der Straße.

Wo wir einmal beim Schönen sind: Das Schönste für mich beim Taxifahren ist meine Auszeit, die gerade mal wieder ansteht. Mit der Auszeit habe ich auch jahrelange Erfahrungen, und ich kann dir sagen: Lieber einmal lang als dreimal kurz, die Rede ist vom Verreisen. Oft ist es so, gerade bei Flugreisen, dass man noch gar nicht richtig angekommen ist, da muss man schon wieder weg. Deswegen empfehle ich, auch meinen Fahrgästen, Fußwanderungen, denn nur dort wo man zu Fuß war, war man wirklich.

Für meine Auszeit brauche ich, das mag widersprüchlich klingen, ein Auto, denn ohne Auto ist man in meiner Auszeit ein Nichts. Und da ich selbst nur einen Drahtesel mein Eigen nenne, musste ich auch dieses Jahr los, um einen passenden Wagen für meine Auszeit zu finden. Er darf auf keinen Fall zu neu oder gar zu chic sein, denn dann passiert es regelmäßig, dass ich sogleich ohne Auto dastehe, weil man mir meinen fahrbaren Untersatz wortwörtlich unterm Hintern weggeklaut hat. Obiger Mercedes, eine ehemalige Taxe, erscheint mir ein optimaler Kompromiss. Den wird mir einerseits so schnell keiner klauen, andererseits sieht er so aus, dass auch einige Fusswanderungen für mich abzusehen sind ...

Foto&Text TaxiBerlin

04.08.2016

IM TAXI MIT GEORGE ORWELL


Auf den Sprachmüllhaufen mit ihm, ihr, es ... ?

Ein immer wiederkehrendes Thema bei mir im Taxi ist die Sprache, und zwar die deutsche, auch wenn vielen das erstmal als Anachronismus erscheinen mag, da bekanntermaßen immer mehr Menschen nach Berlin kommen, um hier, nein nicht deutsch, sondern englisch zu lernen. Nichts gegen englisch, immerhin die Sprache von Shakespeare, Oscar Wilde und auch von George Orwell. Letztgenannter hat "Farm der Tiere" und "1984" geschrieben, aber auch "Erledigt in Paris und London". Bis nach Berlin ist George Orwell nicht gekommen, dafür das Orwellsche "Neusprech" aus "1984", das heute unter dem Begriff "Geschlechtergerechte Sprache" firmiert. "Geschlechtergerechte Sprache" klingt erstmal gut, das tut "Neusprech" aber auch, wenn "Neusprech" nicht sogar besser klingt, weil "neu" immer besser ist, vor allem als "gerecht".

Hinter "Geschlechtergerechter Sprache" verbirgt sich nicht mehr, aber auch nicht weniger, als die Sprache "geschlechtsneutral" zu machen, jeder Hinweis auf welches Geschlecht auch immer soll nach Möglichkeit unterbunden werden. Ich will ein Beispiel machen, damit es klarer wird. Die Begriffe "Vater" und "Mutter" sind, das hat man neulich erst herausgefunden, ganz klar diskriminierend. Warum sie wen diskriminieren, das verstehen viele nicht, was daran liegt, dass sie alt sind und die Erkenntnis wie gesagt neu. "Vater" und "Mutter" heißen neuerdings, kein Scheiß jetzt, "Elter 1" und "Elter 2", wobei noch geregelt werden muss, ob der "Vater" "Elter 1" und die "Mutter" "Elter 2" ist, weil das wäre nun wirklich diskriminierend. Es wird also "spannend" bleiben, bescheuert ist es ja schon.

Als nächstes soll nichts geringeres als die "Heilige Schrift", also das "Wort Gottes" umgeschrieben werden. Was Gott dazu sagt, ist bisher nicht bekannt. Es ist davon auszugehen, dass er "not amused" ist. Ich meine, welcher Autor freut sich, wenn sein Buch umgeschrieben wird. Obwohl, jetzt wo ich darüber nachdenke, fallen mir sogleich ein paar ein, deren Bücher man besser umschreiben sollte, um sie überhaupt lesen zu können. Bei der Bibel geht es an erster Stelle um "Mann" und "Frau", die Gott nach seinem Ebenbild schuf, für die man neue Begriffe finden muss. Sicherlich keine leichte Aufgabe, und vielleicht hätte man erstmal mit was leichterem anfangen sollen. Beispielsweise mit den "Victory-Zigaretten" aus "1984", die es aber schon geben soll, wie ich gerade von meinem Fahrgast erfahre ...

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03.08.2016

PLAN B


"Gehen tun sie beide nicht ..."

"Plan B" heißt eine Taxifirma im Friedrichshain, aber die ist nicht verlangt, wenn Griechenland aktuell einen "Plan B" fordert, sollte die Türkei keine Flüchtlinge mehr zurücknehmen, weil es, und so sieht es im Moment aus, keine Visafreiheit für Türken bei der Einreise in die EU bis Oktober geben wird. Solche und ähnliche Themen werden bei mir im Taxi diskutiert, und natürlich darf mal wieder jeder alles sagen. Das, was es in der Sache zu sagen gibt, fiel in diesem Fall sehr knapp aus, dafür aber einhellig. Genau genommen war es folgende Gegenfrage, auch das ist bei mir im Taxi erlaubt: "Wie war eigentlich Plan A?" Aber auch das ist nichts wirklich Neues. Bertolt Brecht, der zu seinem Theater am Schiffbauerdamm seinerzeit nicht mit dem Taxi gefahren ist sondern laufen konnte, denn er wohnte nur in der Chausseestraße, hat es in seiner "Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens" vor knapp 100 Jahren so formuliert: "Drum mach nur einen Plan, sei ein großes Licht, und mach noch einen zweiten Plan, gehen tun sie beide nicht." Der Ehrlichkeit halber muss dazu gesagt werden, dass selbst ein Stadtplan nie richtig fertig ist, ein Navi aber auch nicht. Sollte ich irgendwann mal eine eigene Taxifirma aufmachen, werde ich sie "Der unendliche Plan" nennen.

01.08.2016

WAHLEN IN ZEITEN DES DEMOKATIEDEFIZITS


* Wahlempfehlung

Auch Menschen, die dafür bekannt sind, viel dummes Zeug zu reden, können manchmal etwas richtiges sagen. Das ist in der Politik nicht anders wie im Taxi. Gleichzeitig ist es ausgesprochen perfide, aber immer auch ein Hinweis darauf, dass wir es uns nie zu einfach machen sollten beim Beurteilen anderer Menschen. Doch zurück zum aktuellen Geschehen in Berlin. Am Wochenende wurde begonnen die Stadt mit Wahlwerbung zu pflastern, denn am 18. September wird mal wieder gewählt in Berlin, und selbst als Taxifahrer muss man aufpassen, dass man nicht zu sehr abgelenkt wird von den ganzen Phrasen, die uns da mal wieder präsentiert werden allerorts.

"Henkel + Müller räumen", also Bürgermeister und Innensenator, ist keine Phrase, sondern eine Wahlempfehlung vom Balkon eines ganz normalen Wohnhauses in der Rigaer Straße und wird deswegen auch keine Berücksichtigung bei der Wahl finden. Überhaupt wären Wahlen längst verboten, wenn sie wirklich was ändern würden. Und so wird es wohl auch nach dem 18. September so weiter gehen wie bisher. Die Stadt wird wie gehabt ausverkauft werden, Privathäuser werden in drei Wochen hochgezogen, öffentliche Straßen dafür in drei Jahren repariert und die letzten Berliner werden im Taxi gesessen haben.

So gesehen ist das mit dem Demokratiedefizit gar nicht so verkehrt, auch wenn es - mal wieder - der Verkehrte sagt. Aber auch das ist nichts wirklich Neues. Denn selbst als der Richtige was gesagt hat, wollte es schon keiner hören: "Der Parlamentarismus, das heißt die öffentliche Erlaubnis zwischen fünf politischen Grundmeinungen wählen zu dürfen, schmeichelt sich bei jenen vielen ein, welche gern selbständig und individuell scheinen und für ihre Meinung kämpfen möchten. Zuletzt aber ist es gleichgültig, ob einer Herde eine Meinung befohlen oder fünf Meinungen gestattet sind. - Wer von den fünf öffentlichen Meinungen abweicht und beiseite tritt, hat immer die ganze Herde gegen sich." (Friedrich Nietzsche, "Abseits")

Foto&Text TaxiBerlin