25.02.2018

TAXIBERLINS BERLINALE NACHTRAG


Roter Berlinale Teppich mit Ordnungsamt Mitarbeiter

Endlich ist auch sie so gut wie geschafft, die diesjährige Berlinale - eine mit auffällig vielen Auffälligkeiten, nicht nur im Taxi, sondern auch auf der Leinwand. Dass diesmal ein Film die Berlinale gewinnt, bei dem die Zuschauer scharenweise das Kino verlassen, damit kann man leben. Vielleicht auch damit, dass der Film "Touch Me Not" mit den Grenzen der Scham spielt. Wir leben immerhin in der Post-Spaß-Gesellschaft, besser bekannt als die Verblödete Gesellschaft. Und nun wissen wir auch, wohin die Reise geht, denn der Verlust von Scham ist bekanntlich das erste Zeichen des Schwachsinns.

Foto&Text TaxiBerlin

WAS ICH HEUTE WIEDER DENKEN SOLL


Über Kaffee sprach ich mit Fahrgästen, drei Frauen aus Österreich, ausführlich letzte Nacht im Taxi. Dass das, was unter diesem Namen hierzulande firmiert, in der Regel viel zu teuer und vor allem viel zu schlecht ist, weswegen ich Kaffee seit langem nur noch zu hause trinke, so wie jetzt: mit der Hand gemahlen und frisch aufgebrüht. Währenddessen lasse ich immer den Computer hochfahren, um zu erfahren, was ich heute wieder denken soll, also was heute wahr ist. Das ist auch wichtig, man will schließlich mitreden können, und es ändert sich auch gerne mal - im Gegensatz zur Kaffeezubereitung.

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UBER ÄRSCHE IMMER DREISTER


Auch ihre Werbung

Seitdem die Ortskundeprüfung für Mietwagenfahrer im letzten Jahr entfallen ist, hat UBER den Fuß im Berliner Taxigeschäft ganz fest in der Tür. Pro Schicht sehe ich meist zwischen zehn und zwanzig Autos (insgesamt dürfte es sich um ein paar hundert Fahrzeuge, wenn nicht gar Tausend handeln), oft sind es Toyotas, meistens mit Lübbener (LN) Kennzeichen, ein paar Berliner (B) Fahrzeuge sind auch dabei, die für den Feind aus Amerika in unserer Stadt unterwegs sind. Die Fahrer, es sind immer junge Männer, sind im Mietwagengeschäft eine Mietsache, weswegen es keine Überraschung ist, dass sie als solche völlig schmerzfrei unserem Geschäft hier in Berlin nachgehen. Die Frage ist, wie lange sich Berliner Taxifahrer das gefallen lassen.

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24.02.2018

KUNST IN KARLSRUHE


In meinem "neuen" Taxi geht der CD-Player nicht, weswegen ich Radio hören muss. Das führt dazu, dass ich hier mehr schreibe, weil mir ganz merkwürdige Sachen zu Ohren kommen, die mir sonst entgangen wären. Trotz Radio habe ich das Kunstwerk "Türkischer Diktator" auf der "art Karlsruhe" verpasst. Es zeigte Erdogan in gebückter Haltung mit einer Banane im Arsch. Dazu muss man wissen, dass der Künstler Thomas Baumgärtel auf Bananen abboniert ist. Nachdem es am Stand seines Galeristen zu "lautstarken Protesten" kam, wurde das Kunstwerk abgehängt. Daraufhin trennte sich der Künstler von seinem Galeristen. Trauriger ist aber, dass "Türkischer Diktator" inzwischen für nur 5.900 Euro verkauft wurde. Der "Türkische Diktator" ist Teil einer Trilogie, die beiden anderen Diktatoren sind Trump und Kim. Ob es wegen Trump und Kim ebenfalls zu "lautstarken Protesten" kommen wird, ist ungewiss.

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DEUTSCHE WAFFEN FÜR DEUTSCHE PATRIOTEN


Wie meine Fahrgäste und ich gestern bei mir im Taxi im Radio hören mussten, hat man hierzulande zwischen dem 18. Januar 2017 und dem 24. Januar 2018 insgesamt 31 Genehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern in die Türkei erteilt. Die Türkei, also Erdogan, ist neulich in Syrien einmarschiert ist, um den Kurden mit unseren Waffen etwas Feuern unterm Arsch zu machen. Damals sagte unser noch-Aussenminister, dass vorerst die deutschen Leopard Panzer, die Erdogan zu dem Zeitpunkt bereits besaß, nicht nachgerüstet werden würden. Da macht man besser ganz neue Deals. Ob diese Deals nun zur Freilassung des "Deutschen Patrioten mit Türkischen Wurzeln" geführt haben, wurde nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert.

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BIER BIKE ÄRSCHE IN BERLIN


So sehen sie aus

Ein weiteres Jahr dürfen uns nun wieder saufende und grölende Ärsche auf Bier Bikes in Berlin heimsuchen, so will es das Gesetz. Die Idee mit den Bier Bikes hatte, so weit ich weiß, ein Schwabe, nur leider nicht im Ländle, sondern in Berlin. Wahrscheinlich gibt es im Ländle keine Schwaben mehr, wohnen ja alle im Prenzlauer Berg. Niemand braucht diese Ärsche auf unseren Straßen und Plätzen, nur ist gegen sie bisher noch kein Kraut gewachsen. Warum ist bloß noch niemand auf die Idee gekommen, auf einem Bier Bike durch die ewige Stadt zu radeln, schließlich trinken auch die Italiener Bier?!? Oder durch Istanbul, da kann man direkt am Bosporus lang fahren und am Hafen in Eminöni anhalten, um sich vom schaukelnden Kahn einen leckeren Fisch-Döner zum Bier zu holen - das wäre doch mal was!?! Aber dazu haben die Ärsche mal wieder alle keine Eier in der Hose!!! Da gehen sie einem lieber hier in Berlin auf die unsrigen.

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23.02.2018

TAXIFAHREN BILDET


Wer die Ecke kennt - Hände hoch!

Das Schönste am Taxifahren, zumindest für mich, ist, dass man ständig dazu lernt. Ich meine, wer kennt schon die Reiherbeize, wenn er nicht in ihr wohnt. Also ich nicht. Trotzdem konnte ich direkt vom Ostbahnhof losfahren, als mir mein Fahrgast den Hinweis mit Onkel Toms Hütte gab. Die befindet sich in Zehlendorf. Wie ich vom Ostbahnhof im Friedrichshain zu Onkel Toms Hütte in Zehlendorf komme, das muss ich blind, also im Schlaf wissen. Wer dazu ein Navi braucht, egal ob Taxi- oder UBER-Fahrer, dem ist nicht mehr zu helfen, der ist definitiv im verkehrten Beruf. Davon scheint es wohl einige zu geben, davon wusste zumindest mein Fahrgast zu berichten: Zwei von drei Fahrern würden gleich mal in die verkehrte Richtung losfahren. Doch zurück zum Ausgangspunkt, und der war, dass auch ich die Reiherbeize erstmal nicht kannte. So gesehen ist es keine echte Überraschung, dass ich nun nicht nur die Reiherbeize kenne, sondern darüber hinaus auch die Ecke Reiherbeize und Im Gestell.

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22.02.2018

PRO VERBOTE


Alkohol-Verbot auf der Party-Meile

Dass man vom Ausland und auch von Ausländern, wegen mir auch Menschen mit Migrationshintergrund, viel lernen kann, ist zwar nicht unbekannt, wird aber weitgehend unterschätzt. Im Moment sind dort Verbote total angesagt, ich würde sogar schon von einem neuen Trend sprechen. Im Grill "Imren" in der Karl-Marx-Straße Ecke Fulda gibt es beispielsweise schon seit einiger Zeit ein Schild, dass darauf hinweist, dass beim Bestellen das Telefonieren mit dem Handy verboten ist. Relativ neu ist das Verbot, Alkohol in der türkischen Bäckerei "Salut" inmitten der Partymeile am Schlesischen Tor zu trinken (Foto). Aber der neueste Schrei kommt, wie sollte es anders sein, mal wieder aus Amerika. Um genau zu sein aus New York, wo es eine Bar gibt, in der das Wort "literally" verboten ist, was auf Deutsch "buchstäblich" heißt. Nicht "buchstäblich", sondern wortwörtlich ist das Telefonieren mit dem Handy bei mir im Taxi verboten. Auf die Gründe will ich an dieser Stelle nicht noch mal eingehen, ich habe sie mehrfach sowohl hier, als auch in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" dargelegt. Ich bin es ehrlich gesagt leid und vor allem müde, mich ständig wiederholen zu müssen. Deswegen erlaube ich mir an dieser Stelle einfach nur auf meinen Migrationshintergrund hinzuweisen. Genau genommen sind es sogar 3 (in Worten: drei) Migrationshintergründe, die ich mein Eigen nenne. Das muss jetzt auch mal genug sein.

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21.02.2018

"EIN DEUTSCHER PATRIOT MIT TÜRKISCHEN WURZELN"


"Ein deutscher Patriot mit türkischen Wurzeln" - so nannte unser noch-Aussenminister vor fast einem Jahr, ganz genau in der heute-Sendung vom 7. März 2017, den Welt-Korrespondenten Deniz Yücel, um den es einmal mehr hier in diesem Beitrag nicht geht. Ich komme auf die Aussage, weil Sigmar Gabriel, so wie es aussieht, nicht mehr lange Aussenminister sein wird, und weil viele Menschen hierzulande mit Patriot sein eher etwas Negatives verbinden. Offensichtlich stimmt das nicht. Sigmar Gabriel wird auch kaum gemeint haben, dass nur ein Mensch mit türkischen Wurzeln ein deutscher Patriot sein darf und sollte. Das kann ich mir nicht vorstellen. Warum Patriot sein etwas Gutes ist, was viele überraschen mag, das hat Sigmar Gabriel nicht gesagt, wahrscheinlich weil Sebastian Haffner, der eigentlich Raimund Pretzel heißt, dies bereits vor vielen Jahren in einer Weise getan hat, die selbst von unserem noch-Aussenminister nicht zu toppen ist. Dass sich Raimund Pretzel, der in Berlin geboren und aufgewachsen ist, Sebastian Haffner nannte, daran waren Hitler und die Nazis Schuld, die ihn ins britische Exil trieben. Sebastian Haffner hat viele Bücher über die deutsche Geschichte verfasst und auch einiges über Hitler und die Nazis geschrieben. Er kannte sich also aus mit der Materie. In seinem bekanntesten Werk, den "Anmerkungen zu Hitler", beklagt Sebastian Haffner deshalb: "Weniger gut ist, dass die Erinnerung an Hitler von den älteren Deutschen verdrängt ist und dass die meisten Jüngeren rein gar nichts mehr von ihm wissen. Und noch weniger gut ist, dass viele Deutsche sich nicht mehr trauen, Patrioten zu sein. Denn die deutsche Geschichte ist mit Hitler nicht zu Ende. Wer das Gegenteil glaubt und sich womöglich darüber freut, weiß gar nicht, wie sehr er damit Hitlers letzten Willen erfüllt." Du hast richtig gelesen: Wer sich nicht traut, Patriot wie zum Beispiel auch Deniz Yücel zu sein, der erfüllt Hitlers letzten Willen.

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20.02.2018

GEDANKEN ZUM SYRIENKRIEG


Führt Assad Krieg gegen das eigene Volk oder gegen islamistische Milizen? Beide Aussagen sind in den Medien zu finden. Unterstützt der Westen "gemäßigte" Rebellen oder fundamentale Gotteskrieger, um Assad zu stürzen? Auch das ist nicht klar. Sicher ist, dass jetzt Kinder ins Spiel kommen, und zwar auf Bildern und als Opfer. Das ist schlimm, keine Frage. In der Vergangenheit was das meist der Aufruf zum Angriff, also zum Regimechange. Oft waren die angeblichen Fakten gefälscht, wie sich im Nachhinein herausstellte. Immer wurde ein kaputtes Land ohne jegliche Zukunftsperspektive hinterlassen.

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TAXIBERLIN ALS GROKOPHET


Wer bis heute bei der SPD nicht begriffen hat, dass er sich mit der Wiederauflage der GROKO sein eigenes Grab schaufelt, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen. Alle, denen noch etwas an der guten alten Sozialdemokratie von Willy Brandt und Herbert Wehner liegt, mögen jetzt ihre Stimme erheben oder für immer schweigen.

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UBER FRISST FAHRER SCHIESST


"UBER frisst" gibt es wirklich, und zwar ganz offiziell, allerdings nur in Amerika. Gut, in Europa gibt es "UBER frisst" auch, und irgendwie auch ganz offiziell. Zumindest scheint niemand wirklich etwas gegen die feindliche Übernahme des Taxigewerbes durch UBER zu haben. Man nennt es Globalisierung oder "Jedem sein kleines Bangladesh" - je nach "point of view". Doch zurück zu "UBER frisst" in Amerika, wo UBER Leuten das Essen nach hause bringt. Hört sich total sozial an, nicht wahr?! Die Idee ist aber auch hier nicht neu. Früher hat das hierzulande die "Volkssolidarität" erledigt, lange vor UBER. Ob die "Volkssolidarität" dabei ihre Kunden auch erschossen hat, wie ein UBER-Fahrer in Atlanta, darüber ist allerdings nichts bekannt.

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19.02.2018

WIE MENSCHLICHES ERMESSEN VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN BEWEIST


Vorgestern gab es einen schönen Artikel über Verschwörungstheorien und warum sie wahr sind. Es ging dabei noch einmal um den Fall des frei gekauften gekommenen Deniz Yücel. Um den Welt-Reporter geht es hier jetzt aber nicht, sondern um den Tagesspiegel-Journalisten Kevin P. Hoffmann. Kevin P. Hoffmann schreibt in seinem Artikel "Ganz sicher gab es einen Deal für Deniz Yücel - na und?", dass die Behauptung, es hätte für die Freilassung von Deniz Yücel keinen Deal mit der Türkei gegeben, falsch, also eine Lüge ist. Der Grund dafür, dass es mit der Türkei einen Deal gab, ist für den Tagesspiegel-Journalisten Kevin P. Hoffmann "menschliches Ermessen", oder mit einem anderen Wort: "gesunder Menschenverstand". Man kann also mit "gesundem Menschenverstand" durchaus Verschwörungstheorien beweisen. Da es für den Deal mit Erdogan bisher keine Leaks gibt, bleibt es offiziell eine Verschwörungstheorie, vorerst zumindest.

PS: Böse Zungen nennen solche "Deals" auch "Appeasement". Über einen "Appeaser" soll Churchill gesagt haben, dass er ein Mensch sei, der ein Krokodil füttert in der Hoffnung, dass es ihn als letztes frisst.

PSPS: "Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie." -: ist von Aldous Huxley - wirklich!
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RICHTUNGEN NOCHMAL



Auch in Hamburg nimmt das Taxigewerbe eine neue Richtung. Volkswagen, genauer gesagt eine Tochter mit dem schönen Namen "Moia", möchte das Geschäft übernehmen. "Moia", eigentlich "Moja", kommt aus dem Bulgarischen und bedeutet MEINS. Aus Bulgarien kommt auch ein brandneuer Taxifilm mit dem Namen "Posoki" (Richtungen), ich habe bereits letzte Nacht über ihn geschrieben. "Posoki" von Stephan Komandarev spielt in einer Liga mit "Night on Earth" von Jim Jarmusch, das ist keine Übertreibung. Das weiß ich, weil ich den Film gestern gesehen habe, und zwar im Bulgarischen Kulturinstitut in der Leipziger Straße in der alten Mitte. Wo du ihn sehen kannst, das kann ich dir leider nicht sagen, denn es war eine einmalige, extrem gut besuchte Filmvorführung. Im Internet wird der Film zwar als DVD angeboten, im Moment ist er dort allerdings nicht verfügbar. Im Notfall musst du nach Bulgarien fahren, und einige Kollegen in Hamburg werden dafür wohl auch bald die Zeit haben.

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RICHTUNGEN



Wem die Richtung, in die sich das Taxigewerbe gerade in Berlin entwickelt, und zwar dass immer mehr Mietwagenfahrer in unserer Stadt Taxidienstleistungen anbieten, auch nicht passt, dem sei der aktuelle bulgarische Kinofilm "Posoki" (Richtungen) über Taxifahrer in Sofia empfohlen. Ob man das Mitführen von Knarren, wie das dort in den Hauptstädtischen Taxen üblich zu sein scheint, auch in Berlin empfehlen soll, ist schwer einzuschätzen. Kollege Nietzsche meinte zwar, dass der Deutsche durchaus zu großen Dingen fähig sei, er schrieb aber weiter, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass er sie auch tut. Möglicherweise reicht es erst einmal, die Mietwagenflotte mit Berliner und Brandenburgischen Kennzeichen zu beobachten.

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