01.04.2015

WAS MACHT DAS BETT UNTER DER BRÜCKE?


Friedrichstraße / S-Bahnhof / Unterführung
früher Mitte / heue Neue Mitte

Das Bett unter der Brücke am Bahnhof Friedrichstraße gibt es schon lange, ohne dass sich jemand daran stören würde. Was genau dahinter steckt, kann selbst ich nicht sagen, obwohl ich schon mindestens tausend Mal mit dem Taxi an ihm vorbeigefahren bin. Die neben dem Bett aufgestellten Protesttafeln deuten auf eine Verbindung zu Rumänien hin, und die rumänische Botschaft ist auch gleich um die Ecke in der Dorotheenstraße.

Warum auch ich nichts weiß über diese Verbindung, ist einfach erklärt. Jegliche Rumänien-Connection geht mir ehrlich gesagt sonstwo vorbei, weil ich durch Rumänien immer nur durchfahre, und das aus gutem Grund. Mich interessiert auch nicht, warum sich diese Leute plötzlich schwarz/goldene Bettwäsche leisten können. Aber in diesem Punkt stehe ich schon wieder alleine da.

Denn genau das ärgert dich, dass es da jemand gibt, der keinem Trend und auch keiner Mode folgt. Er sammelt nichts, er kauft nichts und er verkauft auch nichts - noch nicht mal Gras! Er ist einfach nur da. Und selbst das ist er oft nicht, denn die meiste Zeit ist er weg. Und trotzdem, und das ärgert Dich am meisten, kann er sich schwarz/goldene Bettwäsche leisten, und - das allerschlimmste - sie auch noch einfach so auf den Bürgersteig legen.

Foto&Text TaxiBerlin

31.03.2015

KREUZBERGER NÄCHTE


Immer noch unerreicht

Dass mir eine Werbung noch mal so aus der Seele sprechen würde, hätte ich ehrlich gesagt nicht für möglich gehalten. Aber man soll eben niemals nie sagen ...

(Mit Kreuzberger Nächten sind übrigens diese hier gemeint.)

Foto&Text TaxiBerlin

30.03.2015

VON FLASCHENSAMMLERN, BETTLERN, TAXIFAHRERN UND KÜMMERERN


Bettler bei der Arbeit

Flaschensammler, Taxifahrer und Bettler sind Brüder, deren zu hause die Straßen und Plätze sind. Wie unter Brüdern üblich, hat ein jeder seine Präferenzen, wen er lieber mag. Grundsätzlich ist es aber auch hier so, dass sich alle lieb haben.

Ich kann nur für den Taxifahrer sprechen, erstmal, weil ich selber einer bin, und außerdem, weil ich mich da halbwegs auskenne. Unter uns ist es mehr oder weniger Fifty/Fifty. Es gibt Taxifahrer, deren Sympathien eher dem Bettler gelten. Und dann gibt es Taxifahrer, die sich mehr den Flaschensammlern verbunden fühlen.

Eine mögliche Erklärung, warum Taxifahrer eher mit Bettlern sympathisieren, ist, weil diese sich selbst als Wegelagerer sehen, was bei Bettlern alleine durch deren Immobilität unvermeidbar ist. Das Spektrum der Wegelagerer reicht in beiden Fällen vom aggressiven über den notorischen bis hin zum sich weiter bildendenden (Foto), was allerdings ein Thema für sich ist.

Wahrscheinlicher für die Bettlerpräferenz, sie betrifft nicht nur Taxifahrer, ist, dass man sich um den Bettler viel besser kümmern und dadurch auch sich selbst bessern fühlen kann, man also zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, was so weit OK ist. Nur hat das mit dem Kümmern in der Regel ein zeitliches Limit, weswegen es letztendlich keine nachhaltige Lösung ist.

Das mit dem zeitlichen Limit habe ich mir nicht ausgedacht, sondern basiert auf validen Daten, denn ich selbst halte es eher mit den Flaschensammlern. Die können keine Wegelagerer sein, genauso wie ich als Taxifahrer keiner bin, alleine weil wir viel zu aktiv sind. Weder um den Flaschensammler, noch um mich, muss man sich kümmern, was wiederum schlecht für die Kümmerer ist.

Obwohl, wenn ich's mir recht überlege, gibt es doch etwas, was wir alle tun können. Und zwar uns oder unsere leeren Flaschen so auf der Straße zu postieren, dass wir/sie einerseits nicht im Weg rumstehen, und andererseits nicht zu übersehen sind.

Foto&Text TaxiBerlin

29.03.2015

DAS BOOT IST VOLL - NUR NOCH 2 WOHNUNGEN


In Berlin

Du bist mal wieder spät dran, bist zu lange dem falschen Trend hinterhergelaufen und nun gibt es in ganz Berlin nur noch zwei (2!) Wohnungen. Aber was noch schlimmer ist: Alle Langweiler dieser Welt sind schon hier. Du hast Geld, sagst Du. OK! Nur, wie langweilig ist das denn!?! Weißt du denn nicht, dass mit Geld jeder kann?!?

Foto&Text TaxiBerlin

28.03.2015

"FASSBIER TO GO" - IM PLASTIKBECHER


Dudenstraße / früher Kreuzberg / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Ich kann mich nicht oft genug wiederholen: Wer heute einen neuen Trend setzen will, der muss vor allem eines sein: Schnell! Aber nicht nur das. Was er auch haben muss, ist ein dickes Fell, denn die Welt und allen voran Berlin, wo die Welt bekanntlich zu hause ist, ist voll von Trittbrett- und Gehbockfahrern.

Erst gestern hatte ich das "Taxi to go" als meine neue Trademark angemeldet, da gibt es heute schon das "Fassbier to go", und das auch noch im Becher aus billigem Plastik. Ich meine, wer sein Bier aus Plastikbechern trinkt, dem ist doch nun wirklich nicht mehr zu helfen, da kann er zehnmal in der Dudenstraße zu hause sein.

Wie ist das ganze "to go" nun global einzuordnen? Ich denke, es gibt zwei Aspekte, die von Bedeutung sind. Der eine ist der, dass immer irgendetwas, egal ob Kaffee oder Bier, mitgenommen werden soll, wo wir gar nichts mitnehmen können, weil wir doch auf Erden nur zu Gast sind. Andererseits muss aber auch täglich eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden, getreu dem Motto: "Berlin - täglich neu!"

Foto&Text TaxiBerlin

27.03.2015

"TAXI TO GO"™ - MEIN NEUES TRADEMARK


Der Gehbock

Seitdem mein Knie versteift ist und ich darüber hinaus auch noch Gelenkmüll habe, bin ich viel mit meinem Gehbock im Kiez unterwegs. Das muss ich auch, denn es ist das Beste für meine Schulter, in dem sich der erwähnte Gelenkmüll befindet.

So weit ist die Geschichte für die meisten sicherlich nachvollziehbar. Aber was hat es nun mit dem "Gehbocktaxi" alias "Taxi To Go"™ - meinem neuen Trademark - auf sich? Wie bei jeder neuen Sache, braucht es auch hier mehr als eine geniale Idee, nämlich Geld.

Alleine für den Gehbock, denn den wollte ich nicht nach sechs Wochen der Krankenkasse zurückgeben. Aktuell versuche ich herauszufinden, wie ich damit Fahrgäste befördern könnte. Einen kann ich auf den Rücken nehmen, das ginge sicherlich.

Ein zweiter Fahrgast könnte vorne auf dem Gehbock Platz nehmen, was vielleicht sogar bequemer ist, als auf dem Rücken zu sitzen. Der vorne drauf sitzt darf aber nicht so schwer sein, denn ein Gehbock muss bei jedem Schritt samt Fahrgast angehoben werden.

Noch überlege ich, ob es nicht besser ist, nach Kilogramm und nicht nach Metern zu taxieren. Andererseits ist es genau diese ewige Sorge ums Geld, von der ich mich mit meiner neuen Idee befreien wollte.

Warum sollte nicht auch ein Gehbocktaxifahrer einem Vogel gleich, der weder sät noch erntet und auch nichts in Scheunen sammelt, irgendwie ernährt werden?

Foto&Text TaxiBerlin

26.03.2015

DER GELENKMÜLL UND DAS GEHBOCKTAXI


Ein Rollie auf dem Weg zum Gehbock

Sowohl den Gelenkmüll, als auch den Gehbock, gibt es wirklich! Ich fange mal mit dem Gelenkmüll an, weil ich ihn habe, und zwar in meiner neuen Schulter. Also Gelenkmüll hast Du, hm, wie erkläre ich es am Besten? Vielleicht so! Wenn es im Gelenk knartscht und knirscht, dann hast Du Gelenkmüll! Da mein Knie, aus dem eine Sehne für die neue Schulter entnommen wurde, bereits versteift ist, kommt es darauf, zumindest bei mir, nun auch nicht mehr drauf an.

Ich schreibe dies, weil ich mit dem Gelenkmüll in der Schulter immer schlechter mein Taxi lenken kann, und die Prognose auch alles andere als günstig ist. Es ist im Prinzip nur eine Frage der Zeit, bis auch die Schulter versteift, weswegen ich bereits nach Alternativen Ausschau halte. Und so bin ich auf die Idee mit dem Gebocktaxi gekommen.

Viele können mit Gehbock nichts anfangen, geschweige denn mit dem Gehbocktaxi. Den Gehbock muss man sich wie einen Rollie vorstellen, nur ohne Räder, weswegen er auf der Straße nur selten anzutreffen ist, sondern vorwiegend in den langen Gängen von Altersheimen. Der Gehbock hat den Vorteil, dass die Schulter, im Gegensatz zum Rollie, den man nur schieben muss, weiterhin beansprucht wird.

Das ist wichtig, um die Versteifung möglichst lange hinauszuzögern. Unter Umständen, das sind aber wirklich nur Ausnahmen, kann eine Versteifung ganz und gar verhindert werden. Ein Gehbock könnte also meiner Schulter mit etwas Glück das Leben retten, so dass ich auch weiterhin mit dem Taxi auf den Berliner Straßen unterwegs sein kann - allerdings mit dem Gehbocktaxi.

Foto&Text TaxiBerlin

25.03.2015

"ALLES WIRD BESSER ABER NICHTS WIRD GUT"


Baustellenabsperrgitter / Rückseite / Werbung

Bei mir im Kiez wird gebaut ohne Ende, was mir bei meinem Baustellenstudium ungemein hilft. Ich sagte bereits mehrfach, wiederhole mich aber gerne für die Nachzügler, dass die Straße meine Universität ist. Und genau dort, also auf den Berliner Straßen, ist der aktuelle Stand folgender: Für hundert Meter Straße braucht man ein Jahr, für einen hundert Meter langen Neubau einen Monat.

Offensichtlich ist das nicht nur mir aufgefallen. Anders kann ich mir die neue Werbung "Alles wird gut!" an der Baustellenabsperrgittern nicht erklären. Wer genau dahinter steckt, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen. Auch nicht, ob es sich möglicherweise ganz und gar um ein neue Werbekampagne im Rahmen von "be Berlin" handelt. Zu dem von mir vorgeschlagenen Motto würde es zumindest passen:


Foto&Text TaxiBerlin

24.03.2015

WARUM DAS TROTZDEM EIN TAXIBLOG IST, OBWOHL KEINE GESCHICHTE (NICHT EINE EINZIGE!) MIT "STIEG MIR NEULICH EINER EIN ..." BEGINNT UND WARUM ES EINE SERIE IST, DIE LEIDER FORTGESETZT WIRD ... (TEIL ZWEI)


Possierliches beim Posieren

Im ersten Teil meiner neuen Serie mit einem zugegeben etwas sperrigen Titel, weswegen ich ihn an dieser Stelle nicht wiederholen möchte, habe ich behauptet, dass auch Mitleid eine Rolle spielt, dass hier keine Geschichte mit "Stieg mir neulich einer ein ..." beginnt. Da aber Mitleid allein ein schlechter Motivator ist, muss es zwangsläufig noch einen anderen Grund geben. Genau den habe ich in den letzten Tagen gesucht und auch gefunden.

Ich fange am Besten mal so an. Nach mehr als zwanzig Jahren im Taxi komme ich, das schrieb ich bereits, auf etwa eine Million Euro Umsatz und, jetzt kommt das Neue!, auf einhunderttausend Fahrten. Da viele nicht alleine mit dem Taxi fahren, ist schließlich auch eine Geldfrage, komme ich unterm Strich auf irgendwas zwischen zweihundert- und dreihunderttausend Fahrgäste, die ich mit meinem Taxi befördert habe.

Mir geht es dabei nicht um Zahlen. Die überlasse ich gerne den Statisten und Statistikern, denn Zahlen alleine sagen letztendlich nichts aus. Mir geht es darum, was diese vielen Fahrgäste bei mir hinterlassen haben. Dazu muss man wissen, dass ich in meinem Taxi eine Entwicklung durchgemacht habe, und dass ich heute ein anderer bin als am Anfang meiner Taxifahrerkarriere, und dafür danke ich auch meinen vielen Fahrgästen.

Allerdings, und das stimmt eben auch, wiederholen sich nach zwanzig Jahren "on the road" irgendwann die Gespräche mit den Fahrgästen, auch weil sie oft schon nach wenigen Worten, wie man so schön sagt, ein offenes Buch für mich sind. Immer öfter ist es wie bei einem Wiedersehen mit alten Freunden, die man einmal im Jahr trifft und dann immer dasselbe fragt, dass man auch die Antworten der Fahrgäste bereits vorher weiß.

Hinzu kommt, dass manche Geschichte, die einem im Taxi erzählt wird oder erzählt werden soll, einen rein gar nicht interessiert. Das ist eine Entwicklung, die sozusagen parallel zu meiner eigenen verläuft, und schon wieder eine eigene Geschichte frei nach dem Motto "Früher war nicht alles besser aber vieles anders" ist, über die ich vielleicht im nächsten Teil schreiben werde.

Im Zusammenhang mit den Geschichten, die einen rein gar nicht interessieren, empfinde ich es als ein großes Glück, dass für solche Fälle heute immer mehr schwarze Limousinen (Foto) bereitstehen.

Wird leider fortgesetzt ...

Foto&Text TaxiBerlin

23.03.2015

IM TAXI MIT EINER LEBENDEN LEICHE


Friedhoffahradständer

Sonntag, ich erwähnte es bereits, ist normalerweise Flohmarkttag. Als Taxifahrer kann ich aber nicht immer nur zum Flohmarkt fahren, sondern muss da hin, wo die Leute hinwollen. Da sollte man meiner Meinung nach auch mal nachdenken, ob man da nicht mal was dran ändern könnte, auch in dem Sinne des von mir vorgeschlagen Mottos: Berlin - täglich neu!

Das wär' doch mal was! Der Taxifahrer fährt die Leute nicht dorthin, wo sie hin wollen, sondern da hin, wo sie hingehören, oder wo der Taxifahrer denkt, dass sie hingehören. Das wäre ein Spaß! Das Taxi sozusagen als Wundertüte, wo manch einer plötzlich im langweiligen Steglitz landet, obwohl er immer dachte, er würde in den hippen Friedrichshain gehören.

Die Idee kam mir gestern, als mir eine einstieg, die eigentlich schon tot war, obwohl sie offiziell noch lebte. Ich weiß, das hört sich komisch an, ist aber die Wahrheit. Ich hatte eine von diesen lebenden Leichen bei mir im Taxi, die zum Flohmarkt wollte. Keine Ahnung, was sie auf dem Flohmarkt wollte, und sie konnte es mir auch nicht sagen, weswegen ich sie kurzerhand zum Friedhof fuhr.

Und, was soll ich dir sagen? Die lebende Leiche war hocherfreut! Und das nicht nur wegen dem Fahrziel und dem schönen Wetter, sondern auch weil es auf dem Friedhof diesen Fahrradständer gibt, der selbst für mich neu war. Gefreut hat sich die lebende Leiche, weil sie in Zukunft mit dem Fahrrad zum Friedhof fahren kann, auch und gerade, wenn es dort mal etwas länger dauert ...

Foto&Text TaxiBerlin